Jahrgang 2006 Nummer 29

Gaden, ein kleiner Ort am Waginger See

Die Dorfkirche zählt zu den ältesten im Rupertiwinkel

Blick vom Mühlberg über den See, im Vordergrund der Ort Gaden

Blick vom Mühlberg über den See, im Vordergrund der Ort Gaden
Die Kirche, im Vordergrund das älteste Haus Gadens erbaut 1693

Die Kirche, im Vordergrund das älteste Haus Gadens erbaut 1693
Madonna aus der Kirche in Gaden im rechten Seitenaltar der Pfarrkirche Waging.

Madonna aus der Kirche in Gaden im rechten Seitenaltar der Pfarrkirche Waging.
Gaden ist ein kleines Dorf am Waginger See, am Fuße des Mühlbergs mit seiner Wallfahrtskirche. Wenn man als Besucher der Mühlberger Kirche über den Waginger See schaut, fällt uns Gaden mit seiner wunderbaren Umgebung sofort ins Auge. Schon Frau Dr. Edith Ebers schrieb beim Anblick unserer Gadener Heimat in ihr Wanderbuch: »Herrlicher Blick! Erinnerte mich an Capri!«

Die Landschaft um Gaden ist ein Gebilde der letzten Eiszeit. Der Salzachgletscher schob ungeheuere Geröllmassen mit sich und lagerte diese in unserer Gegend um den Waginger See ab. Nach dem Abschmelzen des Gletschers entstand der Waginger See, dessen Wasserspiegel damals noch cirka 20 Meter höher war als jetzt. Funde von Brand- und Reihengräbern bei der Friedhoferweiterung in Waging 1987/88, sowie Funde von Pfahlbauten im See 1907 beweisen, dass unsere Gegend bereits in vorchristlicher Zeit besiedelt war.

Der Name Gaden (althochdeutsch Gadume) bedeutet ein Raum (vielleicht ein Blockhaus oder eine Blockhütte; sprich bairisch Gohm, bei älteren Leuten auch heute noch z.B. 1-gamiges Haus = Haus mit einer Etage). Den Namen in Verbindung mit Gaden finden wir auch: bei Stein-gaden, Berchtes-gaden, und bedeutet lateinisch ungefähr soviel wie Zelle. Es ist daher gut möglich, dass Gaden eine Gründung des Ottinger Klosters (gegründet 745) war, also weit vor seiner ersten urkundlichen Erwähnung um 1140 (SUB I S. 602, Nr35). In dieser Urkunde schenkt der Freie Warmunt de Gademe sein Gut Berg, nordwestlich von Leobendorf durch Berthold von Wimmern, nordwestlich von Weildorf als Seelgerät für sich und seine Vorfahren an das Salzburger Domkapitel. Warmunt de Gademe war ein sogenannter Ministeriale, also ein Beamter des Fürstbischofs von Salzburg.

Lateinisch lautet die Urkunde:
Notum sit omnibus Christi fidelibus,quod quidam liber homo nomine Warmunt de Gademe positus in extremis predium suum, quod Berche nuncupatur, commistit in manum Bertholdi de Winnebvren, ut ipse illud delegaret super altare sancte Rudberti in alimoniam canonicorum ibi sub regula beati Augustini communem vitam ducentium pro remidio animae eius et omnium mayorum eius, quod idem Petoldus fideliter implevit huicque traditioni in testinonium adhibuit: Heinricum de Seekirchen, Henricum de Kusrugge, Patonem, Meingozum de Engilhalmingen, Ekkehardum de Monticulo et fraterm eius Rudpertum, Truslib, Chunradum de Chaleheim, Witigonem de Chuchile, Duringum etich ichonem.

Der Text bedeutet ungefähr soviel wie Warmunt von Gaden übergibt durch Berthold von Wimmern seinen Besitz an das Salzburger Domkapitel und nennt dann noch die Zeugen, die die Übergabe bestätigen. Zur Erklärung: Die Salzburger Domherren (Domkapitel) waren damals alle Augustinerchorherren und führten ein gemeinsames Leben. Husrugge = Hausruck; Engilhalmingen = Englham nordwestlich von Weildorf; Sekirchen = Seekirchen im Attergau; De Munticulo = Muntigl an der Salzach nördlich von Salzburg; Chaleheim = Kalham südöstlich von Eugendorf; Chuchile = Kuchl, südlich von Salzburg.

Gaden gehörte wie der ganze bayerische Rupertiwinkel bis 1803 zum Fürsterzbistum Salzburg und damit zum Pfleggericht Waging. Dieses war wiederum in Viertlämter aufgeteilt. Gaden war das 5. Viertl mit 52 Anwesen in 19 Orten. Den Bauern gehörten die Höfe, die sie bewirtschafteten zu dieser Zeit noch nicht, sie hatten Grundherrn, denen sie abgabepflichtig waren.

Diese Grundherrn waren:
Graf Lodron Primogenitur: dieses Geschlecht stammt aus Südtirol, Paris Lodron stammt aus diesem Geschlecht.
Baron Auer, er stammt aus Grabenstätt am Chiemsee und war Besitzer des Schlosses Gessenberg.
Baron Lasser zu Lasseregg, er stammt aus der Gegend um Bayrisch Gmain und war der Schwager von Paris Lodron
Hofurbar, ist das Eigentum des Fürstbischof
Domkapitel Oblai, ist das Spital (Krankenhaus, Altenheim) für Minderbemittelte, vom Domkapitel finanziell unterstützt.

Seit 1810 gehört Gaden durch die Auflösung des Fürstbistums Salzburg (Säkularisierung nach den napolionischen Kriegen) endgültig zu Bayern. 1818 wurde Gaden sogar Namensgeber einer politischen Gemeinde, die aus 27 Orten (Einöden, Weiler, Dorf) bestand. Das Landgericht Teisendorf legt am 3.VII.1818 ein Verzeichnis der zu bildenden Landgemeinden vor (Kreisarchiv München AR 610/2 Blatt 34).

Nach diesem Vorschlag soll die Gemeinde Gaden aus 74 Familien in den Orten Angerpoint, Egg, Gaden, Bretterleiten, Seeleiten, Buchwinkel, Mühlberg, Gessenberg, Weidach, Mittermühle, Krautenberg, Gepping, Sterfling, Füging, Hausleiten, Kammering, Fisching, Gastag, Wolfsberg, Haslach, Halmberg und Wildenhofen bestehen. Wenn man sich diese Orte auf einer Landkarte markiert, so fällt uns bei genauer Betrachtung auf, dass die Gemeinde Gaden die Marktgemeinde Waging wie ein Ring umschließt.

Die Kirche in Gaden ist dem hl. Rupert geweiht. Sie zählt zu den ältesten Kirchen im Rupertiwinkel. Nach einem Aufsatz von Kurt Mitterer in den Mitteilungen der Gesellschaft für Salzburger Landeskunde 132/1992 Seite 53, könnte man die Kirche mit Vorsicht bereits ins 9. Jahrhundert setzen.

Bei Ausgrabungen im Zuge der Innenrenovierung 1974-1977 wurde festgestellt, dass der Chor noch von einer Vorgängerkirche aus dem 12. Jahrhundert erhalten ist. Möglicher Weihebischof war der Erzbischof von Mainz, Konrad von Wittelsbach, der von 1169-1177, als Salzburg keinen Bischof hatte (er war geflohen), das Bistum verwaltete. 1177 wurde er als Konrad III. selbst zum Fürstbischof geweiht. Die Kirche wurde an einem 14. Februar geweiht. Da in dieser Zeit Kirchenweihen meist an einem Sonntag waren, könnte der mögliche Weihetag der 14. Februar 1171, ein Sonntag gewesen sein.

Auffallend ist, dass die Kirche nicht dem jetzigen Patron St. Rupert geweiht wurde, sondern dem Märtyrer Adalbert, der 997 als Missionar tätig war und von den Preußen erschlagen wurde (siehe Beiträge zur altbairischen Kirchengeschichte 46/2001 in: Die romanische Kirche von Gaden und ihre Weiheinschrift von S. Benker und H. Strehler).

In der jetzigen Form stammt der Kirchenbau aus der Mitte des 15. Jahrhunderts. Der Hauptraum ist ein unregelmäßiges Siebeneck und bildet den Zentralraum. Der barocke Turm und die Sakristei sind Anbauten um das Jahr 1694. Warum bei der Erweiterung der Kirche im 15. Jahrhundert der romanische Teil nicht abgebrochen wurde, gibt den Heimatforschern Rätsel auf. Einer Legende nach, soll hier der heilige Rupert einen Heidentempel in eine Kirche umgebaut haben. Wahrscheinlicher ist aber, dass bei der Überführung der Gebeine Ruperts aus Worms durch Bischof Virgil im Jahr 774, Rupert war ja Bischof von Worms wo er auch 716/18 starb, die Kirche in Gaden als letzte Raststätte vor Salzburg gedient haben könnte (Salzburg = circa eine Tagesreise mit Ochsenfuhrwerk). Somit könnte sich der romanische Teil der Kirche aus Ehrfurcht vor dem Heiligen erhalten haben. Das Gewölbe ist ein Sternrippengewölbe, typisch für die Zeit der Gotik.

Die Kirche war eine »reiche« Kirche. Wo dieser Reichtum herkam konnte noch nicht erforscht werden. So schreibt Pater Bernhard Walcher in seinen »Bausteinen«, dass die Kirchenstiftung Gaden 1848 zum Bau eines Schulschwesternhauses einen unverzinslichen Vorschuss von 1000 Gulden gibt. 1863 zahlt die Kirche jährlich an die Schwestern 100 Gulden als Unterhalt und außerdem noch 3/4 Klafter weiches Holz, das aber von den Schwestern selbst zu Brennholz verarbeitet werden musste. 1896 finanziert die Gadener Kirche einen Anbau des Schwesternhauses beim Waginger Kloster mit 4000 Gulden alleine. Zwischenzeitlich wurde aber die Kirche noch nach dem damaligen Geschmack neu in neugotischem Stil eingerichtet. Die Einrichtung stammt zum Teil von 1869, der neugotische Altar von1881. Er wurde von Ludwig Hörmann aus Burg bei Tengling geschaffen und von einem Meister Flörl aus Waging gefasst. Der Altar zeigt uns die Taufe des Bayernherzog Theodo durch den heiligen Rupert.
Um diese Zeit (um1881) wurde auch eine Empore eingebaut und das Gestühl erneuert. Sogar eine kleine Barockorgel befand sich bis 1944 in der Kirche.

Die spätgotische Madonna im rechten Seitenaltar der Pfarrkirche stammt ebenfalls aus der Kirche in Gaden. Sie wurde 1947 von Pfarrer Ringmeir durch das spätbarocke Marienbild ersetzt. Nach dem Krieg fanden unsere evangelischen Mitbürger, die aus ihrer Heimat vertrieben wurden, bis zum Bau der evangelischen Kirche in Waging, mit dem Einverständnis des Ordinariats ihre religiöse Bleibe. Die Empore wurde nach einer Empfehlung des Landesamts für Denkmalpflege in den 70er Jahren des letzten Jahrhunderts entfernt und das Gestühl zentral in die Mitte des Kirchenschiffs verlegt. Aus einer Kapelle, (sie war baufällig) die etwa 400 Schritte von der Kirche entfernt war (sie war dem heiligen Rupert geweiht), wurde 1881 ein Feuerwehrgerätehaus gebaut. Nach einer Legende soll Rupert hier getauft haben. Die Abbruchgenehmigung wurde am 22.2.1881 vom Bischof erteilt.

Rudolf Lapper

Quellen:
Historischer Atlas von Bayern, Heft 55, Laufen an der Salzach von Helga Reindl-Schedl S.670
Kirchenführer Waging am See Seite 18/19
Heimatbuch des Landkreises Traunstein Band V, der nördliche Rupertiwinkel
(Erbe des Landkreises Laufen) von Dr. Chr. Soika
Mitteilungen der Gesellschaft für Salzburger Landeskunde 132/1992, Seite 53 von Kurt Mitterer
Bausteine zu einem Heimatbuch von Pater Bernhard Walcher OSB, unveröffentlicht
Privates Archiv des Verfassers
Fotos: Rudolf Lapper Gaden



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