Jahrgang 2009 Nummer 29

Ferdinand Maria, Kurfürst von Bayern (1636- 1679)

Er übernahm als junger Herrscher ein von Krieg und Pest geplagtes Land – Teil I

Kurfürst Ferdinand Maria

Kurfürst Ferdinand Maria
Der junge Kurfürst war erst 15 Jahre alt, als sein Vater 1651 auf dem Weg nach Ingolstadt plötzlich starb. Seine Mutter, die österreichische Kaisertochter Marianne, übernahm die Regentschaft bis zur Volljährigkeit drei Jahre später. Sein Bayern, das er nun regieren musste, war in einem entsetzlichen Zustand. Geplündert und angezündet von der Soldateska, dazu war die Bevölkerung durch Krieg und Pest fast auf ein Drittel des Vorkriegsstandes zusammengeschmolzen. Allein 900 Städte und Dörfer waren völlig ausgeplündert und niedergebrannt. München, das ja auch noch Flüchtlinge aufnahm, sank vom Vorkriegsstand seiner 22 000 Einwohner auf 16 000 (Hubensteiner, S. 261). Alle Stände waren total verarmt, am reichsten waren noch die Klöster und die katholische Kirche, die die Adelssitze zu zwei Dritteln erworben und ihre Pfründen übernommen hatten. Kriegsgewinnler und ein neuer Militäradel machten sich breit und kauften zu Spottpreisen die Güter auf. Die noch nicht an Hunger gestorbenen und durch Krieg und Pest umgekommenen Bewohner waren verschüchtert und hatten jede Selbstachtung verloren. Ein Beispiel macht dies deutlich: Im Jahre 1664, also 16 Jahre nach Kriegsende, zog ein kleines französisches Korps durch Bayern. Die Einwohner, als sie die marschierenden Franzosen erblickten, fielen in Angst und Schrecken. Sie bargen ihre Habe, vom Pferde bis hinab zum Backtrog, in der Kirche und flohen selbst in die Wälder. Dabei kamen diese Franzosen, was die Bevölkerung allerdings nicht wusste, als Bundesgenossen der Deutschen im Kampf gegen die Türken, die damals schon auf dem Wege nach Österreich waren und ganz Ungarn bereits erobert hatten. Zu dieser Angst der Bayern vor einem neuen Aufleben des Krieges kam das Elend des Reiches, in dem immer noch außerhalb Bayerns Kriege geführt wurden. Frankreich verstand es, den Kleinmut und die verlorene Selbstachtung der Deutschen noch zu schüren. Ludwig XIV. der seit 1643 regierte, ließ während des Türkenkrieges seinen Gesandten an den Kurfürsten Ferdinand Maria schreiben: »Sein König habe derzeit drei Freunde im Reich, bevor man auf der anderen Seite nur einen finde; er sei übrigens dem Reich auch dann gewachsen, wenn es zusammen stehen sollte; die Gegenseite sei dergestalt von allen Mitteln, Ministern und Soldaten entblößt, dass sich niemand von ihr Hilfe erwarten könne«. (Doeberl, Band II, Seite 4).

Dazu kam die immer noch starke Verhetzung der Konfessionen, die gut 40 Jahre zuvor zu einem 30-jährigen Konfessionskrieg geführt hatte. Und hier galt der ultrakatholische Kurfürst und sein Land Bayern als das Sammellager aller protestantenfeindlichen Mächte im Reich. Zur Haltung der Bayern muss man allerdings auch wissen, dass dieses Land im Krieg Schreckliches mitgemacht hatte. In den Jahren 1632 bis 1634 und wieder 1645 und 1648 war es Kriegsschauplatz gewesen, dazu kam noch 1634 die Pest und ein Jahr nach Kriegsende eine fürchterliche Hungersnot. Nach einem zeitgenössischen Bericht konnten Hunderte von Personen »kein habernes Stück Brot erhalten.« Die Bauern mussten Gras essen und starben daran. »Anstatt nach der Ernte – heißt es ein anderes Mal - schreien die Leute nach dem Tod, um dem Hunger und Unglück ein Ende zu machen«.

Die Schäden Bayerns in diesem Krieg beziffert der bayerische Geschichtsschreiber Buchner auf eine Milliarde Gulden. Von den 55 Millionen Gulden, die das ligistische Heer und die »bayerische Reichsarmada« verschlangen, trug das Land allein 38 Millionen Gulden. Diese Zahlen werden untermauert durch einen Befehl des Kurfürsten Maximilian I. von 1649 an das Viztum von Amberg, »alle dem Fürstentum der Oberen Pfalz von 1628 bis 49 erwachsenen Kriegsschäden zusammenzustellen« (Doeberl, Band II, S.7). Das Ergebnis war für das kleine Fürstentum von 4800 Quadratmeter mit rund 7 Millionen Gulden, eine ungeheuere Summe.

Der Vater mahnt seinen Sohn: »Frieden halten, neutral bleiben!«

Kurfürst Maximilian I. hatte noch drei Jahre Zeit, seinen bei Kriegsende 1648 12-jährigen Sohn selbst zu erziehen und vor allem in die Staatsgeschäfte einzuführen. Und er verwandte auf die Erziehung des künftigen Kurfürsten alle Sorgfalt. Dieser war ein netter, kleiner Bub, etwas träumerisch, weich, fromm, auch begabt, aber mehr der Muse zugeneigt als den Staatsgeschäften. Ferdinand Maria wurde unter der Oberleitung des Hofmeisters Metternich teils durch Jesuiten, teils durch Beamte in allen nur denkbaren Fächern unterrichtet. Es war etwas zu viel, was er lernen musste und dazu hatte er auch noch ab dem vierzehnten Lebensjahr an den Sitzungen des Hofrates und der Hofkammer teilzunehmen. Schon im Alter von drei Jahren verfasste der Jesuit Verveaux, der Beichtvater des Knaben, die »Monita Paterna«, ein christlich geprägtes Instruktionsbuch. Später sagte man am Hofe, der Pater habe den jungen Fürsten wohl zu einem guten Christen, nicht aber zum Kurfürsten erzogen. Das allerdings hatte sein Vater noch recht passabel gemacht. Und zwar so, dass er nie dessen Lehre vergaß, seinem Land Frieden zu schaffen und sich aus allen Kriegen herauszuhalten. In der eigenhändig geschriebenen Unterweisung des Vaters hieß es denn auch: »… kein Krieg ist der beste … Alles Ybel … dessen Ursprung der Hochmut, hass und andere unbesonnene gemüthsregungen seint«… »Und er schärfte dem Sohn nochmals ein, oberste Pflicht sei Neutralität halten und die Kriegsschäden zu beseitigen. Er riet seinem Nachfolger aber auch zum Misstrauen gegen jedermann in den Staatsgeschäften, sogar dem nächsten Verwandten – Österreich – gegenüber, denn er sah sich veranlasst, »wegen des Hauses Österreich Erinnerung und Warnung zu tun«. Das begründete er in seiner Unterweisung damit, »dass sie nicht gemeint sei wider die Herren selbst als seines Hauses nächste Blutsverwandte, sondern gegen die widrigen, passionierten und übel affektionierten Minister und Räte, die zwischen den beiden Häusern Zwietracht zu stiften beflissen seien«. (Doeberl, Band II, S. 6) Der Vater hatte es allerdings – wahrscheinlich wegen des jugendlichen Alters des künftigen Kurfürsten – versäumt, seinen Sohn auf Reisen zu schicken und ließ ihn auch nicht auf die Universität, um ihn die wenigen Jahre, die er noch zu leben hatte, ganz bei sich zu haben. Er wollte ihn, so gut es ging, auf seine schwere Aufgabe vorbereiten, das Land zu regieren, das ja durch den Westfälischen Frieden noch vergrößert worden war. Und dies war ihm zweifellos gelungen. Der junge Kurfürst fand mehr Gefallen an den Staatsgeschäften, als man ihm zugetraut hatte. Seine Mutter, die Kaisertochter Marianne, übernahm die Regierungsgeschäfte und blieb auf der Linie ihres Mannes an der Seite Österreichs bis zur Volljährigkeit ihres Sohnes. Bezeichnend war die Fürsorge Maximilians für seinen Sohn, dass er ihn schon mit 14 Jahren mit der gleichaltrigen sovoyischen Prinzessin Henriette Adelheid verheiratete, einer der damals schönsten Frauen, die wiederum mit dem französischen Königshaus verwandt war. Diese Heirat fand 1650 in Abwesenheit des Bräutigams in Turin statt und wurde 1652, ein Jahr nach dem Tode des Vaters, in München nachgeholt. Der Sohn war begeistert von der Wahl Maximilians und schloss die junge Frau bei der Ankunft in Kufstein herzlich in seine Arme. Das Kurfürstenpaar musste freilich noch zehn Jahre auf die Geburt des Thronfolgers warten. In Altötting legten darum die Eheleute bei der Muttergottes das Gelübde ab, Kirche und Kloster St. Cajetan von Theate« in München zu errichten, wenn ihr Wunsch in Erfüllung gehe. So geschah es dann auch, ihr Thronerbe Max Emanuel wurde am 11. Juli 1662 in München geboren.

Aus allen Kriegen heraushalten, war das Prinzip des Kurfürsten

Diesen Grundsatz zu befolgen, war gar nicht so leicht für den jugendlichen Herrscher, der 1654 mit 18 Jahren von seiner Mutter die Regierungsgeschäfte übernahm. Ringsum tobten in diesen Jahrzehnten Kriege und alle diplomatischen Bemühungen mussten darauf hinauslaufen, sich vor allem von den europäischen Großmächten nicht in kriegerische Händel hineinziehen zu lassen. Zunächst stand er noch jahrelang auf der Seite der Österreicher, schon aus verwandtschaftlichen Gründen und weil den Habsburgern die Türken ihre Länder, voran Ungarn, zu entreißen versuchten. Dazu hatten sie auch noch den Spaniern beizustehen, denen die Franzosen ihre spanischen Niederlande in einem lang dauernden Krieg wegnahmen. Sich herauszuhalten, fiel dem Kurfürsten zu dieser Zeit noch leicht, weil ihm sein Vater keine Armee hinterlassen, sondern diese nach Kriegsschluss 1648 aufgelöst hatte. Grund dafür waren die misslichen Finanzverhältnisse des Landes. Der französische König, Ludwig XIV., der »Sonnenkönig«, versuchte sofort nach Amtsantritt des jungen Kurfürsten, 1654, diesen auf seine Seite zu ziehen. Sein Bestreben war es ja, die Habsburger aus ihrer dominierenden Stellung im Reich zu vertreiben, koste es, was es wolle. Aber zunächst blieben alle Verlockungen und Bemühungen des französischen Königs Ludwig vergebens. Erst ab 1660 wurde die Entfremdung zwischen Bayern und Österreich so groß, dass der Kurfürst eine »Korrespondenz«, also eine diplomatische Verbindung mit Frankreich aufnahm. Zuvor war einiges geschehen, vor allem waren zwei Habsburger Kaiser gestorben. Bald darauf, im Oktober diesen Jahres, bestieg der junge Kurfürst den bayerischen Thron. Nach der offiziellen Wahl des Habsburger Kaisers Leopold I. mit seiner eigenen Unterstützung im Juli 1658 wurde der Kurfürst auf der ganzen Linie hingehalten. Von der Einlösung früherer Versprechen wollte der frisch gebackene Kaiser jetzt nichts mehr wissen. Bei dessen Wahl hatte der Kurfürst noch seine Gemahlin ausgetrickst, die den Franzosen schon Zugeständnisse auf eine Allianz gemacht hatte, die dann nicht einzuhalten waren. Ein Triumvirat, bestehend aus der Kurfürstin Adelheid, dem Obersthofmarschall Hermann Egon von Fürstenberg und dem damaligen noch Vizekanzler Kaspar von Schmid, betrieb schon seit einigen Jahren die Verbindung mit Frankreich. Die klaren bayerischen Interessen dabei hatte Schmid im Auge. Er sah, dass Österreich zu schwach war, um seine Verbündeten zu schützen. Es war eine Großmacht in Worten, dem eine Großmacht in Waffen – die Franzosen – gegenüber stand. Der Vizekanzler wusste den Kurfürsten davon zu überzeugen, dass Bayern eine bewaffnete Neutralität brauche und nur Frankreich die für die Aufstellung einer größeren Armee notwendigen Gelder – Subsidien – zur Verfügung stellen konnte. In dieser Zeit versuchte der Kurfürst alles, um sein Land nicht von den Österreichern in die gerade beginnenden Kriege hineinziehen zu lassen. Auch zwei Diplomaten, der Kardinal-Erzbischof von Salzburg und der Gesandte von Brandenburg, die den Kurfürsten auf der Jagd begleiteten und versuchten, Bayern von der Verbindung mit Frankreich zu lösen und zu einem gemeinsamen Vorgehen mit dem Kaiser und dem König von Spanien zu bewegen, erhielten eine knappe Abfuhr. Man müsse der Kölner Meditation – einer Art Nebenregierung zum Reichstag – ihren Lauf lassen, man müsse den Krieg aus dem Reiche halten, war die Antwort des Kurfürsten.

So lavierte der Kurfürst sein Land durch alle Kriege hindurch, tadelte Österreich, wenn es versuchte ihn auf seine Seite zu ziehen und ließ sich aber auch nicht von den Franzosen ganz vereinnahmen. Die bewaffnete Neutralität war ihm oberstes Gebot.

Der französische König will Kaiser im Reich werden

Das war ein abenteuerliches Projekt. Indes, der Franzosenkönig war ja der »Sonnenkönig« Ludwig XIV. der schon seit 1643 regierte und über eine hervorragende Armee und viel Geld verfügte. Er wollte die Habsburger ganz aus dem Reiche entfernen. Und die Aussichten dafür schienen in den Jahren 1658 bis 1665 gar nicht schlecht zu stehen. In diesen Jahren starben nämlich fünf männliche Mitglieder der Habsburger und im Jahre 1657 war der noch regierende Kaiser, Ferdinand III. schwer krank; er starb ein Jahr später. So war es kein Wunder, dass der zwar ängstliche, engste Blutsverwandte der Habsburger, der bayerische Kurfürst, nun plötzlich entschlossen war, seine Erbansprüche auf das Haus Habsburg geltend zu machen. Seine Gemahlin und deren Ratgeber bestärkten ihn natürlich darin. Und auch der Franzosenkönig sah plötzlich eine Chance, dass der Wittelsbacher das Haus Habsburg auch territorial zertrümmern könnte. So betrieb er die »Allianz« mit Bayern, die zunächst als Vorstufe zu einer »Korrespondenz« im Jahre 1660 führte. Ferdinand Maria war zwar ehrgeizig, aber auch vorsichtig mit seinen Ansprüchen auf die Kaiserkrone. In diesen Jahren standen neue Kriege vor der Türe. Da musste der Kurfürst im Bündnis mit Frankreich zuerst eine Armee aufstellen, um bewaffnet neutral auch die Pläne des Kaisers zu durchkreuzen, der das Reich in die Kämpfe hineinziehen wollte, aber zu schwach dazu war. Als 1658 der neue Kaiser Leopold I. die Regierung übernahm, blieben die bayerischen Kaiserpläne wieder für zehn Jahre in der Schublade.
1669/70 wurde die Allianz zwischen Frankreich und Bayern endlich spruchreif. Am 17. Februar 1670 wurde in München zunächst ein Hauptvertrag abgeschlossen und im ersten Separatartikel vom gleichen Tage verstanden sich die beiden Parteien zu einer Formulierung, die besagte, dass »nach dem Tode des gegenwärtigen Kaisers beide Paktanten dahin wirken sollen, dass der König von Frankreich zum römischen Kaiser, der Kurfürst von Bayern zum römischen König gewählt werde.« (Doeberl, Bd. II, S. 58) Der vorsichtige Kurfürst ließ allerdings einen Nachsatz hineinbringen, der den Hauptsatz wieder aufhob, denn er lautete: »Es müsste denn ein solches Bestreben aussichtslos erscheinen.« Die Franzosen wünschten einen solchen Zusatz nicht, so wurde weiter verhandelt bis November 1670. Erst dann gab der Kurfürst seine Zustimmung zur Rückgängigmachung dieser Klausel, die nun lautete: Bayern sollte auch in dem Falle, dass ihm die Kaiserkrone angeboten würde, sie auf bestmögliche Weise ablehnen und dahin arbeiten, dass der König von Frankreich zum Kaiser und der Kurfürst zum römischen König gewählt werde. Es vergingen noch 80 Jahre, bis der Enkel Ferdinand Marias tatsächlich Kaiser im Reich wurde.

Nur wenige Einsätze bayerischer Truppen

Die Türkengefahr…
…war um die Mitte des Jahrhunderts gewaltig gewachsen. Der Kaiser rief um Hilfe und bat die Reichsfürsten um Truppen. Dem Verwandten beizustehen, war für den Kurfürsten selbstverständlich. War doch auch die katholische Religion und Bayern im Besonderen bedroht. So sandte Ferdinand Maria im Juli 1661 sofort eine beachtliche Streitmacht von acht Kompanien zu Fuß und drei zu Pferd auf den ungarischen Kriegsschauplatz. Großwardein wurde im August 1661 von den Türken erobert und die kaiserliche Haupt-Armee hatte vor dem Eintreffen der Bayern schon den Rückzug angetreten. Nur eine Kompanie machte einen kühnen Ritt gegen Klausenburg mit, zum Entsatz und zur Verproviantierung der Stadt. Im Übrigen wurden die bayerischen Soldaten von der Bevölkerung sehr feindselig behandelt und durch Hunger und sogar die Pest dezimiert. Ein kleine Häuflein kam im Januar 1663 in dem oberpfälzischen Städtchen Waldmünchen an.
Trotz dieser üblen Erfahrung…
… schickte der Kurfürst 1663, als der Türke mit 120 000 Mann anrückte, wieder drei Kompanien zu Fuß und zwei zu Pferd. Weitere vier Kompanien zu Fuß folgten. Die Kaiserlichen wurden geschlagen und die Grenzfeste Neuhäusel fiel dem Erbfeind der Christenheit in die Hände. Der Kurfürst forderte zu dieser Zeit seine Gemahlin auf zu fliehen und man dachte daran, die Innstädte und die Pässe, die von Böhmen nach Bayern führten, sichern zu müssen. Die bayerischen Regimenter waren in diesem Jahr aber in Ungarn noch siegreich gegen die Türken Dank der bayerischen Reiterei im Verein mit den Franzosen und den kaiserlichen Regimentern wurde 1664 im letzten Moment eine drohende Niederlage an der Raab oberhalb des Zisterzienserklosters St. Gotthard noch in einen leidlichen Sieg verwandelt. Die Österreicher aber dankten diesen Sieg wiederum ihren Verbündeten schlecht. Sie schlossen ohne deren Wissen mit den Türken den »schimpflichen« Frieden von Vasvar am 10. August ab und gaben dem an der Raab zusammengeschlagenen Rest der bayerischen Fußtruppen so schlechte Quartiere, dass sie zugrunde gehen mussten, wie der bayerische Resident berichtete. Was Wunder, dass gerade in dieser Zeit – im Frühjahr 1694 der Kurfürst mit dem französischen König eine »Korrespondenz« abschloss, die ein Jahrzehnt halten sollte. Die Österreicher waren damals nach übereinstimmender Meinung des Kurfürsten und des Franzosenkönigs militärisch wie außenpolitisch schlecht aufgestellt und undankbar ihren Verbündeten gegenüber.
Zweimal angerückt, als die Kämpfe zu Ende waren…
… war das Los bayerischer Truppen beide Male. In Candia traf das Regiment Bühren am 29. Juni 1669 ein, als die Festung nach 25-jähriger Belagerung an die Türken übergeben wurde. Auf der Rückfahrt von der Felseninsel im Ägäischen Meer ging das Schiff mit Mann und Maus zwischen Bari und Brindisi unter.
Das zweite Mal zog im Sommer 1672 eine bayerische Truppe von 1700 Mann über die Alpen, um dem Schwager des Kurfürsten, dem Herzog von Savoyen im Krieg gegen Genua beizustehen. Als sie aber die Alpen über den Kleinen und Großen St. Bernhard bewältigt hatten, erfuhren sie im Aostatal von der Beendigung des Krieges und kehrten wieder um.
Beim dritten Ausrücken eines kleinen bayerischen Hilfskorps im holländischen Krieg in Diensten des verwandten Kölner Erzbischofs unter dem Kommando des kriegsgewohnten Münsteraner Erzbischofs von Galen ging es nicht mehr so glimpflich zu. Um die Hälfte reduziert, traf dieses Hilfskorps mit 767 Mann wieder in Bayern ein, nach der erfolglosen Belagerung der niederländischen Festung Gröningen.


Dr. Ludwig Plank

Teil 2 in den Chiemgau-Blättern Nr.30/2009

Literaturhinweise:
Michael Doeberl, Entwicklungsgeschichte Bayerns, Band II, 3. erw. Auflage, München 1928, Druck und Verlag R. Oldenbourg
Benno Hubensteiner, Bayerische Geschichte, 16. Auflage 2006, Rosenheimer Verlagshaus
Goldner/Bahnmüller, Bayerische Herzöge, Kurfürsten und Könige, 2. Auflage 1981, Pannonia Verlag, Freilassing



29/2009