Jahrgang 2005 Nummer 42

Ein Meister der kirchlichen Kunst

Albert Figel ist mit seinen Werk vor allem in Südbayern vertreten

Der Maler Albert Figel

Der Maler Albert Figel
Bruder Konrad, Glasfenster in der Altöttinger Kapuzinerkirche

Bruder Konrad, Glasfenster in der Altöttinger Kapuzinerkirche
Der Maler Albert Figel hat sein ganzes Leben und Arbeiten in den Dienst der religiösen Kunst gestellt. Abgesehen von einigen Porträts schuf er nur Werke mit religiösen Themen, Altarbilder, Fresken, Glasfenster, Kreuzwegstationen, Andachtsbildchen, Kommunionandenken und Illustrationen für Gebetbücher. Auf diese Weise hat er dazu beigetragen, die religiöse Vorstellungswelt einer ganzen Generation vom Kindergarten bis in das Erwachsenenalter zu prägen, mindestens zu beeinflussen.

Eine bedeutende Rolle spielte der 1889 in München geborene Albert Figel als Kirchenmaler in seiner Geburtsstadt. Leider wurde eine Reihe seiner Werke im Krieg vernichtet, darunter das große Christophorus-Fenster in der Liebfrauenkirche, doch in fünf Münchner Kirchen sind Figel-Werke erhalten geblieben: in St. Ursula in Schwabing, in Freimann, Argelsried, Aschheim und Neu-Ramersdorf. In unserer Region malte Figel für das Traunsteiner Studienseminar Bilder mit Jugendheiligen für die Seitenaltäre. Für Surheim bei Freilassing lieferte er den neuen St. Stephanus-Altar als Ersatz für den in die Burgkapelle Burghausen transferierten spätgotischen Hochaltar.

In Burghausen, wo Albert Figel nach der Zerstörung seiner Wohnung und seines Ateliers in München von 1943 bis zu seinem Tode 1954 wohnte, wurde er mit der Innenausstattung der St. Konradskirche in der Neustadt betraut. Von seiner Hand stammen auch die Chorfenster der Pfarrkirche St. Jakob und zwei Fresken in der Johannes-Hess-Schule. Figel war Gründungsmitglied der bis heute bestehenden Burghauser Künstlergruppe »Die Burg« und Figel-Gemälde hängen in so manchem Privathaushalt, vor allem aus seinen letzten Lebensjahren, als er gezwungen war, den Lebensunterhalt für sich und seine Frau durch das Malen von Porträts zu verdienen. Im Bestreben, das Andenken an Albert Figl wachzuhalten, veranstaltet das Stadtmuseum Burghausen bis Ende Oktober eine Sonderausstellung, bei der nicht nur das Schaffen des Künstlers gewürdigt, sondern auch ein Rückblick auf die Situation der christlichen Kunst in der ersten Hälfte des vergangenen Jahrhunderts vermittelt wird. Die Ausstellung erinnert daran, dass die katholische Kirche zu Beginn des 20. Jahrhunderts in einem erbitterten Abwehrkampf gegen alle modernen Strömungen sowohl in der Wissenschaft wie in der Literatur und der Kunst stand. Auch dem Münchner Kardinal Faulhaber erschien ein strikter Antimodernismus als einzige Möglichkeit, den christlichen Glauben vor Fehlentwicklungen und Entstellungen zu bewahren. Christliche Maler und Bildhauer wurden aufgerufen, die neuen Kunstrichtungen wie Symbolismus, Expressionimus und Impressionismus zu meiden, weil sie »die religiösen Gegenstände ihres geistigen Gehaltes entleeren«. In einer Predigt im Jahre 1920 schrieb der Kardinal den Künstlern als Parole ins Stammbuch: »Mögen die anderen die Bäume rot, die Pferde grün die Menschen dreieckig oder viereckig malen, mögen ihre menschlichen Missgestalten und Zerrbilder glauben machen, der Mensch stamme vom Affen ab, die kirchliche Kunst muss den Menschen als Kunstwerk Gottes darstellen.«

Albert Figel passte gut in das von der Kirche vorgegebene Kunstkonzept. Er war nach seinem ganzen Wesen kund nach seiner Ausbildung als Glasmaler in der renommierten Münchner Hofmalerei F. X. Zettler kein Neuerer, sondern fühlte sich sein Leben lang der traditionellen religiösen Malerei verpflichtet. Seine Kunst, so sagt Josef Schneider, der Kurator der Burghausner Ausstellung, führe dem Betrachter oftmals eine Wunschwelt vor Augen, die in einer wissenschaftlich und industriell geprägten Gesellschaft bewusst in die Welt des Gemüts, der kindlichen Unschuld, der Schönheit und Harmonie entführen solle. Wenn Figel gelegentlich die Grenze zum allzu Gefühlvollen überschreitet, liegt das wohl daran, dass seine Andachtsbildchen als Fleissbiletts für Kinder oder als Kommunionandenken konzipiert waren und er sich deshalb einer sehr kindlichen Bildersprache bediente, vor allem bei Darstellungen der Muttergottes mit dem Jesuskind oder von Engeln. Die Andachtsbildchen wurden vom Verlag Ars Sacra (München) vertrieben, neben Figel standen auch Gebhard Fugel, der Maler des Altöttinger Panoramas, und Schwester Mara Innocentia Hummel, die Schöpferin der bekannten Hummel-Figuren, bei dem Verlag unter Vertrag. Nach dem 2. Weltkrieg versuchte Figel an diese Tradition anzuknüpfen und gründete in Burghausen einen Postkarten- und Bildblätter-Verlag, der aber erfolglos blieb, nicht zuletzt deshalb, weil es Figel an den nötigen kaufmännischen Fähigkeiten mangelte.

Obwohl er auf einem Auge infolge Starerkrankung völlig erblindet war, blieb Figel bis zuletzt rastlos tätig. Er starb am 29. Dezember 1954 im Alter von 65 Jahren und liegt am Friedhof in Burghausen begraben. Das Mosaik für den schönen Grabstein hat er selbst entworfen. Die Nachrufe würdigten ihn als »ehrfurchtsgebietende Persönlichkeit und tieffrommen Menschen, als Mann der Herzensgüte, der nie etwas Unrechtes sagte, der aber wohl auch kein so kärgliches Brot hätte essen müssen, wenn er weniger bescheiden gewesen wäre«.

Dem heutigen Betrachter vermitteln in erster Linie die Glasfenster einen Eindruck von Figels gestalterischer Kraft. Sie befinden sich in Altötting (Kirche St. Konrad), Maria Ach bei Burghausen, Freising (ehem. Knabenseminar), München (Johanneskirche und Martinsspital), Überlingen (Münsterkapelle), Bad Mergentheim (Marienpfarrkirche), Worms (Liebfrauenkirche) und Uttenhofen bei Pfaffenhofen.

JB



42/2005