Jahrgang 2012 Nummer 47

Ein imposantes Mausoleum in Salzburg

Erzbischof Wolf Dietrich sorgte zu Lebzeiten selbst für sein Grabmal

Der Sebastiansfriedhof mit dem Mausoleum für Wolf Dietrich, Kupferstich (1735)
Blick in das Mausoleum
Erzbischof Wolf Dietrich von Raitenau, Kupferstich (1597)
Georg Pezolt (1849): Der Tod des Erzbischofs auf der Festung Hohensalzburg.

Während die meisten Besucher der Stadt Salzburg wohl den Petersfriedhof kennen, der romantisch zu Füßen des Mönchsbergs liegt, ist der zweite historische Friedhof der Stadt, der Sebastiansfriedhof, nicht in gleichem Maße bekannt. Das ist schade, denn der von der Linzergasse erreichbare Sebastiansfriedhof kann sich sowohl was seine städtebauliche Anlage als auch was die Prominenz der hier bestatteten Toten angeht, mit dem Petersfriedhof durchaus messen.

Der Sebastiansfriedhof wurde im Jahre 1595 von Erzbischof Wolf Dietrich von Raitenau in Auftrag gegeben, nachdem der alte Domfriedhof aufgelassen worden war, um dort Platz für die repräsentative Anlage des Residenzplatzes zu schaffen. Die Baumaßnahme war Teil der tiefgreifenden Umgestaltung des Salzburger Stadtbildes, zu der sich Wolf Dietrich entschlossen hatte und die ihm den Beinamen »Bauherr des barocken Salzburgs« eingetragen hat. Im Mittelpunkt des neuen Friedhofs sollte das Mausoleum stehen, in dem der Erzbischof nach seinem Tod bestattet werden wollte.

Wolf Dietrich war einer der tatkräftigsten, aber auch umstrittensten, geistlichen Landesfürsten von Salzburg. Er führte ein streng absolutistisches Regiment und ließ sich weder durch das Domkapitel noch durch die Landesvertretung beeinflussen. Gegen die Protestanten ging er mit ersten Ausweisungsmandaten vor, in wirtschaftlicher Beziehung förderte er vor allem den Halleiner Salzabbau und geriet dabei in Gegensatz zu Herzog Maximilian von Bayern, ebenso durch seine Weigerung, der katholischen Liga beizutreten. Dieser Konflikt sollte ihm schließlich zum Verhängnis werden. Kritik rief auch seine Beziehung zur Bürgerstochter Salome Alt hervor, die ihm zehn Kinder gebar. Offenbar lebte der Erzbischof in dem Glauben, das Zölibat werde über kurz oder lang von Rom aufgehoben.

Seinen Namen hat der Sebastiansfriedhof von der nahegelegenen St. Sebastianskirche. Der Plan stammt von dem italienischen Baumeister Andrea Berteleto, dem erzbischöflichen Hofarchitekten. Zwei Jahre nach Fertigstellung des Friedhofs starb Berteleto und bekam das erste Grab am neuen Friedhof, das bis heute erhalten ist. Berteletos Plan orientiert sich am italienischen Vorbild eines Campo Santo. Gewölbte Pfeilerarkaden umgeben auf allen vier Seiten den nahezu quadratischen Platz. Die einzelnen Grabstellen befinden sich sowohl unter den Arkaden als auch auf der inneren Fläche. Auf dem Friedhof hat nicht nur der berühmte Arzt Theophrastus Bombastus von Hohenheim, besser bekannt unter dem Namen Paracelsus, seine letzte Ruhestätte gefunden, sondern auch Mozarts Vater Leopold, seine Witwe Constanze, ihr zweiter Mann Georg Nikolaus Nissen sowie ihre Tante Genoveva von Weber, die Mutter des Komponisten Carl Maria von Weber.

Das Mausoleum ist ein Rundbau mit einer schmalen Eingangsfassade und einer angebauten rechteckigen Apsis. Das Kuppeldach ist leicht geschwungen und hat kleine Dachgauben mit Fenstern in der Form von Ochsenaugen. Über dem Dreiecksgiebel des Portals befindet sich das Wappen des Erzbischofs, ebenso an weiteren neun Stellen.

Ganz im Gegensatz zum bescheidenen Äußeren steht die Prunkentfaltung im Inneren. Der gesamte Raum ist ausgekleidet mit unzähligen glasierten Fliesenplättchen in den Farben Weiß, Gelb und Blau, in der Kuppel in Blau und Rot. Ihr vielfarbiger Schimmer verleiht dem Raum »eine distanzierte Kühle und geheimnisvolle Heiterkeit, was eher auf die frohe Gewissheit der Auferstehung als auf den Ernst des Todes hinweist« (A. Hahnl). Der gleiche Gedanke kommt auch in der Bezeichnung »Gabrielskapelle« für das Mausoleum zum Ausdruck. Der Erzengel Gabriel gilt in der kirchlichen Tradition neben St. Michael als Seelenführer ins Jenseits. Doch während Michael die Seele vor Gottes Richterstuhl führt, wo sie einem strengen Gericht unterzogen wird, geleitet sie Gabriel ohne diesen Umweg direkt in die Herrlichkeit des Himmels. Der Erzbischof mit seinem extravaganten Lebensstil wird gewusst haben, warum er sich gerade Gabriel zum Schutzpatron erwählt und ihm seine Grabkapelle gewidmet hat.

Über dem Altarraum blickt man in ein Tonnengewölbe mit farbigen Reliefs im stuckverzierten Gebälk. Dargestellt sind die vier Kirchenväter und die Attribute der vier Kardinaltugenden: Gerechtigkeit (Waage), Klugheit (Spiegel), Mäßigkeit (vermischt Wasser mit Wein) und Tapferkeit (Säule).

Beiderseits des Triumphbogens, der den Altarraum vom Rundbau trennt, befinden sich zwei reich gerahmte Inschrifttafeln, die in einer Nürnberger Werkstatt in Messing gegossen wurden. Die linke Tafel bezieht sich auf die Stiftung der Grabstätte und auf die für das Seelenheil des Verstorbenen abzuhaltenden Messen, die rechte Tafel enthält den letzten Willen Wolf Dietrichs. So heißt es unter anderem: Man solle den Leichnam nicht länger als 24 Stunden öffentlich aufbahren, angetan mit den Kleidern, die er täglich getragen hat. Dem Leichenzug sollten nur die Diener seines Hauses mit einem Kreuz und vier Kerzen voranschreiten, niemand außer sechs Mönchen vom Orden des hl. Franziskus solle den Zug begleiten. Das Begräbnis solle nicht bei Tage stattfinden, sondern in der Nacht. Keiner trage beim Begräbnis Trauerkleidung, vielmehr sollten alle zu Gott, dem Allmächtigen, um Vergebung der Sünden flehen.

Das Mausoleum wurde 1603 in Gegenwart des Erzbischofs eingeweiht. Damals stand Wolf Dietrich auf dem Höhepunkt seiner Macht. Doch schon acht Jahre später folgte sein Sturz. Streitigkeiten mit Bayern in der Frage der Salzpolitik, seine Weigerung, der katholischen Liga beizutreten und schließlich sein Handstreich gegen die Fürstpropstei Berchtesgaden veranlassten Herzog Maximilian von Bayern, mit Waffengewalt in Salzburg einzurücken. Der Erzbischof musste fliehen, wurde gefangen genommen, zur Abdankung gezwungen und fünf Jahre lang bis zu seinem Tode auf der Festung Hohensalzburg in Haft gehalten. Alle Versuche seiner Verwandten, seine Freilassung zu bewirken, blieben erfolglos.

Sein Vetter und Nachfolger Markus Sittikus von Hohenems, der die schmählichen Haftbedingungen zu verantworten hatte, hielt sich nicht an die letztwilligen Verfügungen von Wolf Dietrich und ordnete für ihn ein prunkvolles Leichenbegängnis an.

 

Julius Bittmann


47/2012