Jahrgang 2004 Nummer 3

Die Zither is a Zauberin

München kann als die bedeutenste Zitherstadt der Welt angesehen werden

Herzog Max in Bayern, auch liebevoll »Zither-Maxl« genannt, machte in der Mitte des 19. Jahrhunderts die Zither hof- und salonfä

Herzog Max in Bayern, auch liebevoll »Zither-Maxl« genannt, machte in der Mitte des 19. Jahrhunderts die Zither hof- und salonfähig und sorgte damit für eine weite Verbreitung dieses Musikinstrumentes.
Einen wichtigen Anteil an der Zitherbewegung hatte Max Albert (1833-1882). Den gebürtigen Münchner verschlug es beim Studium nac

Einen wichtigen Anteil an der Zitherbewegung hatte Max Albert (1833-1882). Den gebürtigen Münchner verschlug es beim Studium nach Berlin. Doch auch dort blieb er dem Zitherspiel treu, rief verschiedene Zither-Vereinigungen ins Leben, die sich die Reform des Zitherspiels und der -stimmung zum Ziel setzten. Seine sog. Normalschule, deren wesentliche Kennzeichen die systematische Quintenstimmung und die Baßschlüssel-Notation der Freisaiten ist, setzte sich durch. Von seinem umfangreichen Kompositionswerk haben sich bis heute mehr als 100 Werke erhalten.
Die Zither wird heute vor allem mit der Volksmusik in Verbindung gebracht und als »Geburtstadt« Wien angenommen. Beides stimmt jedoch nicht. Die Geschichte und die Entwicklung der Zither hat in den letzten beiden Jahrhunderten weit über die bayerische Landeshauptstadt Wirkung gehabt und München kann als die bedeutendste Zitherstadt nicht nur Deutschlands, sondern wohl der ganzen Welt angesehen werden. Schon 1920 hatte der Komponist und Musiklehrer Phillip Schwarz festgestellt, München sei die »Mutterstadt der Zither«. Stets hatte es dieses Instrument jedoch schwer, anerkannt zu werden. Zu den ersten Berichterstattern der Zithermusik gehört Michael Praetorius (1671-1621). Er hatte bereits im Jahre 1619 die Zither als »Lumpeninstrument« bezeichnet. Zu dieser Verbreitung trug bei, dass das Instrument relativ billig und leicht zu transportieren ist.

Übrigens: Als Ursprungsregion der Zither wird Asien angesehen: Vor 5000 Jahren war in China die Kin beliebt, im 9. Jahrhundert ist aus Indien die Vina bekannt. Als europäische Wurzel wird das Monochord, ein mit wenig Saiten bespannter Holzkasten, angesehen.

Zur Liedbegleitung hatten die einfachen Zithern auf dem Land vor allem im bayerisch-österreichischen Alpenraum und auch im Alpenvorland bereits sehr früh eine breite Verbreitung gefunden und auch in München war das Instrument beliebt. Bereits von 1643, also fünf Jahre nachdem die Zunft der Münchner Stadtmusikanten gegründet worden war, wird überliefert, dass ein Viertel der Musikanten »Zitherschlager« waren.

Die wahre Blüte des Zitherspiels in München kam jedoch erst im 19. Jahrhundert, als der Instrumentenbau bedeutende Fortschritte machte. Damals erhielt die Zither mehr Saiten und es setzte sich eine neue, Münchner Stimmweise durch. Den größten Anteil an der Zitherbewegung hatte jedoch um die Mitte des 19. Jahrhunderts der Virtuose Johann Petzmayer und sein begnadeter Schüler und Protegé Herzog Max in Bayern, der wegen seiner Zitherleidenschaft auch »Zither-Maxl« genannt wurde. Ihm ist es zu verdanken, dass das »Lumpeninstrument« auch in die höfischen Kreise und damit in die soziale Oberschicht Einzug fand. Diesen beiden Virtuosen ist es zu verdanken, dass die Zither mehr und mehr auch Solostimmen spielen konnte. Gleichzeitig eroberte die Zither die Salons und Konzertsäle. Dort wurden vor allem auch auf die Zither umgeschriebene Kammermusik vorgetragen. Die Bemühungen des Herzogs, der Zither Eingang in die Gesellschaft zu verschaffen, waren von großem Erfolg gekrönt. Bald galt es als modern, in städtischen, bürgerlichen oder adeligen Haus Zither zu spielen. Ganze Heerscharen von sogenannten höheren Töchtern erlernten dieses Instrument, zumal es auch wesentlich billiger als ein sonst obligates Klavier war. Im ersten Weltkrieg hatten bei den Instrumentenbauern zusammenlegbare Zither, »die dem lieben Ehegatten ins Feld nachgeschickt werden« konnten, eine große Bedeutung.

Eine Blütezeit der Zithermusik in München gab es dann in den 20er und 30er Jahren. Nach dem zweiten Weltkrieg gewann die Zither in der Volksmusik immer mehr Freunde, musste jedoch als Konzertinstrument regelrecht ums Überleben kämpfen.

Erst in den 60er Jahren erhielt dieses Instrument vor allem durch das Wirken neu gegründeter Vereinigungen und Verbände- wieder an Bedeutung.

WE



3/2004