Jahrgang 2001 Nummer 37

Die Rückkehr des Heiligen Rupert

Eine dem Original nachempfundene Skulptur ziert zukünftig den Rupertistadel in Traunstein

Die dem spätgotischen Original nachempfundene Neuanschaffung der Skulptur des Salzheiligen mit dem Altöttinger Gnadenbild wird k

Die dem spätgotischen Original nachempfundene Neuanschaffung der Skulptur des Salzheiligen mit dem Altöttinger Gnadenbild wird künftig den Rupertistadel zieren.
Das Kalkstein-Original war zum unkenntlichen Figurenfragment verwittert.

Das Kalkstein-Original war zum unkenntlichen Figurenfragment verwittert.
Mittelrisalit des Rupertistadels mit rekonstruierter Soleteilung unter der Figuren-Nische.

Mittelrisalit des Rupertistadels mit rekonstruierter Soleteilung unter der Figuren-Nische.
Das ehemalige Traunsteiner Salinengebäude, Salinenstraße 10-14, wurde während der letzten Jahre unter Federführung des Staatlichen Hochbauamtes nach denkmalschützerischen Gesichtspunkten renoviert. Nach dem schmerzlichen Verlust des Härthauses, das in der Nacht vom 21. auf den 22. September 1993 den Flammen zum Opfer fiel, ist der Rupertistadel mit seiner stolzen Länge von 65 Metern und seiner besonderen Bauweise eines der letzten großen Bauwerke, die an die Salinenzeit Traunsteins erinnern. Das Erbauungsjahr 1864 ist unter dem kleinen Glockentürmchen sichtbar. Es war bestimmt kein Zufall, daß ein Jahr vorher die kgl. Baubehörde von Reichenhall nach Traunstein verlegt worden war. Dort waren nach dem verheerenden Stadtbrand von 1846 die Wunden weitgehend geheilt. Der Schwerpunkt der salinarischen Bautätigkeit scheint sich daraufhin nach Traunstein verlagert zu haben, wo eine weitere Produktionssteigerung angestrebt worden war. Der von zwei Wachtürmen begrenzte untere Salzstadel, in dem bereits seit 1679 das Salz gelagert wurde, war schon 1857 abgebrochen worden. Zudem mußten die baufälligen Oxen-und Kurzstadel, die den Bedürfnissen der Holztrift dienten, erneuert werden. Der alte Soleeinlauf mit der kleinen Ruperti-Kapelle harrte ebenfalls einer Neugestaltung. All diese vielfältigen Aufgaben hatte der damalige Neubau zu erfüllen.

Der Standort war seinerzeit vom Wasser geprägt. Er lag zwischen dem »oberen Holzfeld«, südlich des Neubaues und dem »unteren Holzfeld« (heute FC-Sportplatz), die durch den Triftkanal, der südlich vorbeiführte, verbunden waren. Westlich davon verlief der Hofangerkanal, mit dessen Wasser die Salzmühle (bei der heutigen Fa. Graßl) betrieben wurde, sowie der Aubach, dessen Wasser das Brunnhaus versorgte, in dem die auf Bodenniveau ankommende Sole mittels Wasserräder bzw. Paternosterwerk auf das Niveau der Sudpfannen befördert wurde. Der Ende vorigen Jahres aus Sicherheitsgründen gefällte älteste Baum Traunsteins, eine rund 400 Jahre alte Linde, markierte diese alte salinarische Traunwasserteilung.

Das Salinengebäude wurde als Langbau mit drei vortretenden Giebelrisaliten und zwei holzvergitterten Öffnungen überwiegend aus grauen Schlackenmauerwerk und Backsteinen errichtet, deren Fugen mit rot eingefärbten Mörtel ausgefüllt wurden. Die sogenannten »Eisenschlacken« erinnern an die seinerzeit sich in Blüte befindliche nahe Eisenverhüttung in Achthal, Bergen und Aschau, dessen Nebenprodukt sie waren. Das den Bau beherrschende Element ist der als Kapelle ausgebildete Mittelrisalit mit seinem Glockentürmchen, dem ehemals farbigen, heute weißen großen Fenster und der mit Grauwacke eingefaßten, mit einem Kreuz bekrönten Figurennische, in der sich bis in die 80er Jahre sich die namensgebende Rupertus-Figur befand. Die Bedeutung dieser Situierung der Skulptur versucht die Rekonstruktions-Zeichnung wiederzugeben: Sie beschützte quasi den darunter sich befindlichen Soleeinlauf aus Reichenhall, den »Gnadenbrunnen«, der zur Erbauungszeit des Ruperti-Stadels bereits seit 245 Jahren unaufhörlich floß und von hier auf die vier Sudpfannen verteilt wurde, ab 1870 dann auch auf die »Fünferpfanne«. Die Glocke im kleinen Turm, Sinnbild zwischen Himmel und Erde, hatte eine zweifache Funktion, eine religiöse und eine profane. Sie rief die Saliner vor Arbeitsbeginn zum Gebet, um Gottes Segen zu erbitten und sie kündigte ihnen die Arbeitspausen an, denn Uhren waren damals noch Mangelware.

Was verbirgt sich hinter dem alten Gemäuer?

Nach Einstellung der Saline 1912 war es der Baustadel des Straßen- und Flußbauamtes. Seit 1954 befindet sich darin die Flußmeisterstelle Traunstein, eine Außenstelle des Wasserwirtschaftsamtes. Selbstredend »regiert« darin der Flußmeister, ein traditionsreicher Staatsbeamter, mit seinen Mannen. Vorrangig ist dieser für den Bereich der Flüsse zuständig, beispielsweise, wie in den letzten Jahren, für die Renaturierung der Traun unterhalb der Haferlbrücke und für die aktuellen Hochwasserschutzmaßnahmen. Weniger bekannt, aber deshalb nicht weniger wichtig, sind die Wildbach- und vor allem die Lawinenverbauungen z.B. bei Seehaus über der B 305, denen die ungehinderte Zufahrt nach Seegatterl und zur Winklmoosalm zu verdanken sind. Maßgeblich beteiligt sind die Männer auch an der Erhaltung ehemaliger Triftklausen, wie der Stiergraben- und Rötelmoosklause. Letztere wurde erst im vergangenen Jahr teilweise mit alten Steinen aus der Salinenzeit renoviert. Allzu verständlich, daß angesichts der vielfältigen Aufgaben die wünschenswerte Freihaltung der Nordfassade des Gebäudes nicht immer möglich ist. Im westlichen Bereich hat ein Teil der Gewässeraufsicht ihr Domizil eingerichtet. Außer den Diensträumen befinden sich noch zwei Wohnungen ehemals Beschäftigter der Dienststelle darin.

Das Figuren-Fragment in der Rupertistadel-Nische

An der einst weißen Rupertus-Figur hatte der Zahn der Zeit sehr genagt. Das ursprünglich Dargestellte war kaum noch zu erkennen gewesen. Das Wissen darüber war weitgehend verlorengegangen. Einige Persönlichkeiten haben sich, wohl Ende der 80er Jahre, ihrer erbarmt und sie im Depot des Heimatmuseums im Rückgebäude des Rathauses eingelagert um sie dadurch vor weiterem Verfall zu schützen. Als 1995 dieses Gebäude abgebrochen wurde um dem Rathaus-Neubau Platz zu machen, hat der Hauptkonservator des Bayerischen Landesamtes für Denkmalpflege (LfD) die mit Tüchern konservierte »Mumie« in Augenschein genommen und Schäden größten Ausmaßes festgestellt. Die harte Oberfläche des Kunststeines war weitgehend abgelöst. Die darunter befindliche Schicht bestand bis in 2 bis 5 cm Tiefe nur noch aus Sand und zerstörtem Bindemittel. Er hat daraufhin empfohlen, das Fragment zu festigen, nach dem Vorbild der alten Figur museal zu sichern. Daraufhin wurde das Fragment in »seinen Stadel« zurückgebracht und dort zwischengelagert. Anläßlich des Richtfestes für das Rückgebäude des Rupertistadels, in dem sich die Garagen und die mechanische Werkstätte befinden, konnte der Leiter des Staatlichen Hochbauamtes, Baudirektor Matthias Ferwagner, im November 1997 die freudige Mitteilung machen, daß die Finanzierung der neuen Figur gesichert ist. In der Folge wurde der Torso von jener Firma, die auch den Turm der St. Oswald Kirche saniert hat, die St. Georgs Bauhütte Nördlingen, abgeholt und in dortiger Werkstätte aufgestellt. Von kompetenten Fachleuten wurde das Fragment respektvoll mit reversibel eingestellten Kreidemörtel aufmodelliert und nach entsprechenden Vorlagen wieder zu einer ansprechenden und erkennbaren Form rückgeführt.

Dieses fachmännisch rekonstruierte Modell war Vorlage für die nachempfundene Neuschaffung in Form einer Kopie, die der Firmenchef Michael Maximilian Scherbaum persönlich – als Reichenhaller mit dem Salzheiligen natürlich bestens vertraut – in edlem Untersberger Marmor unter bestmöglicher Detaillösung langwierig und mühsam wieder erstehen hat lassen. Ihre Aufstellung und Weihe wird Höhepunkt der bevorstehenden Feier sein. Im Zuge der intensiven Beschäftigung mit der Originalfigur war es endlich möglich, etwas über die Entstehungszeit auszusagen. Sie wurde stilistisch als eine spätgotische Bildhauerarbeit eingestuft. Somit kann mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit angenommen werden, daß diese Skulptur bereits seit dem ersten Einlauf der Reichenhaller Sole in Traunstein 1619 Inhalt der kleinen Rupertuskapelle gewesen ist.

Die Ikonographie dieser besonderen Skulptur

Nur rund 50 Meter nördlich vom Standort der Figur erinnert das moderne Foyer der Franz Eyrich-Turnhalle an das »Salzjahr« 1995 und die dort stattgefundene Ausstellung. Nur ein Jahr später feierte das Erzbistum Salzburg das »Rupertusjahr« auch mit Ausstellungen, die an die Ankunft des Bischofs vor 1300 Jahren erinnerten. Nach wie vor gibt es kein autentisches Bild von ihm, obwohl dies kirchenrechtlich nach der Translation in den Dom (774) möglich gewesen wäre. Auch aus den ersten 400 Jahren nach seinem Tod ist keine bildliche Darstellung bekannt. Im 12. Jahrhundert wird er als Bischof mit den üblichen Pontifikalien (Stab und Buch) dargestellt, der nur durch Beschriftung erkennbar ist. Erst nach der Mitte des 15. Jahrhunderts erscheint das Salzfaß als Attribut, das ihn seither eindeutig identifiziert.

Während der Reformation stand das Wort im Vordergrund der Überzeugungskraft. In der Gegenreformation haben vor allem die Jesuiten, die »leichte Reiterei des Papstes«, alle Register gezogen, um die Sinne der Menschen wieder für den Katholizismus einzunehmen. In Exerzitien, Lehranstalten und mit allen Mitteln der Kunst haben sie Zugang zu den Seelen gesucht. Baiernherzog Wilhelm V. »der Fromme« (1579-1626) war von ihnen erzogen worden. Unter ihm erfuhren die Wallfahrten und die Heiligenverehrung eine Blütezeit. Er weihte München der Gottesmutter von Altötting und gründete dort die Erzbruderschaft »MARIA«. In Salzburg erreichte die Rupertus-Verehrung durch die Reliquien-Überführung in den Dom (1628) einen Höhepunkt. Der Salzpatron wurde immer häufiger in verschiedenen Gesten mit dem Gnadenbild von Altötting und dortiger Kapelle abgebildet. Wie kam er zu diesen neuen Attributen? Ist es lediglich eine fromme ideelle Verbindung der beiden Kultfiguren Salzburgs und Baierns oder gibt es dafür andere Gründe? Historisch gesehen paßt das heutige Altöttinger Gnadenbild nicht zu ihm, weil es ein Erzeugnis des frühen 14. Jahrhunderts ist; vorher war es eine sitzende Figur gewesen. Der Legende nach hat Rupert die Wallfahrt nach Altötting begründet. Am Rupertusaltar der Münchner Frauenkirche ist dies in einem Gemälde dargestellt (A. Wolff, 1692). Aventinus (Joh. Turmair † 1534), erster bayer. Quellensammler und Geschichtsschreiber, berichtet, daß Rupert in Baiern zwei Marien- und zwei Georgskirchen erbauen ließ. Als Marienkapellen gelten die »alten Capellen« in Regensburg und von Ötting, als Georgskirchen St. Emmeran in Regensburg und in Weltenburg. Weiter berichtet er anno 1518: »sant Ruprecht« habe Herzog »Dienten III. (= Theodo) zu Regensburg, Otten, seinen Bruder, zue Otting getauft«. Dazu schreibt der Benediktinergelehrte Dr. Romuald Bauerreiß, daß Aventinus Quellen kostbarer Art zur Verfügung standen, die verloren sind, eine alte Vita Ruperti und eine, die Bischof Arbeo von Freising (†783) als »carmine heroico« verfaßt haben soll. Besonders auf dem Gebiet der Malerei hat sich die Taufe des Baiernherzogs in zahlreichen Bildern niedergeschlagen. Sowohl in Regensburg wie in Salzburg, aber auch in Traunstein (Oswald Kirche) ist dieses Initial-Sakrament in eindrucksvollen Gemälden dargestellt; in Gaden bei Waging sogar plastisch mit lebensgroßen Figuren.

Zu einer besonderen Beziehung zwischen Altötting und Salzburg kam es während des 30jährigen Krieges, als Baierns Kurfürstin Maria Anna persönlich das Gnadenbild vor den anziehenden Schweden nach Salzburg ins Exil brachte. Erzbischof Paris Lodron hat es nach dieser »Emigration« in einem Triumphzug wieder zurückgebracht und zur Erinnerung daran den großen Marienbrunnen am Kapellenplatz gestiftet. Im Salzburger Dom ziert seitdem einen Seitenaltar eine Kopie des Altöttinger Gnadenbildes. Herzog Maximilian (1573-1651) war schon – wie sein Vater – von den Jesuiten ein religiöses Weltbild vermittelt worden. 1608/09 gründete er die katholische Liga gegen die Union der protestantischen Fürsten und ließ am Marienplatz in München die Mariensäule errichten. Baiern war zur Hochburg des Katholizismus in Deutschland geworden. Als gerade zu dieser Zeit in Reichenhall die Holzversorgung der Saline infolge Arroganz des jungen Erzbischofs Wolf Dietrich zu versiegen drohte, scheute Maximilian nicht diesen gefangennehmen und in seiner eigenen Burg einsperren zu lassen. Da der Baiernherzog bereit war den Religionskrieg für den Kaiser mit seiner Armee und seinem Geld zu führen, war er auf die Einnahmen aus dem Salz dringend angewiesen. Er war daher bemüht in möglichst kurzer Zeit eine neue Saline im Einzugsgebiet der Traun errichten zu lassen und hat mit dem Bau der dazu notwendigen Soleleitung 1616 seinen schon hochbetagten Hofbaumeister Hans Reiffenstuel beauftragt und ihm bei Nichtgelingen der technischen Pioniertat den Galgen in Aussicht gestellt! Als noch während des Leitungsbaues der Krieg ausgebrochen war und beim Probelauf der Solepipeline keine Sole in Traunstein ankam, muß die Enttäuschung groß gewesen sein. Als schließlich am 15. Juli 1619 doch die erste Sole in Traunstein einlief wurde dies mit einem Dankgottesdienst in der St. Oswald Kirche gefeiert. Wen wundert’s, daß der Salzpatron und die Gottesmutter mit dem Jesuskind als Behüter des »Gnadenbrunnens« und der Hofmark Au berufen wurden?

Die Verbreitung dieses Figuren-Typus

Schon seit dem frühen Mittelalter besaßen Kirchen und Klöster besondere Privilegien bezüglich ihrer Salzversorgung. Abt Benedikt III. Pacher vom Kloster Ettal war sich offenbar dessen bewußt als er nach dem Brand von 1744 mit dem Barockbaumeister Joh. Baptist Straub das theologische Programm der Kirche festlegte. Abweichend von der üblichen Gestaltung der Kanzel mit den vier Evangelisten hat er diese nur durch ihre Attribute darstellen lassen und dafür allein den Salzpatron an diese exponierte Stelle postieren lassen, wohl wissend, wie inhaltsreich in Metaphern über das Salz zu predigen ist, das allein 47mal im Alten und 12mal im Neuen Testament enthalten ist. Von dieser in Polimentweiß und Gold gefaßter sitzender Figur hat der Straub-Schüler Ignatz Günther sich wohl inspirieren lassen. Er hat die ausdrucksstärkste Skulptur dieser Art geschaffen. Anders als die Straub’sche Figur blieb seine Schöpfung bislang der Öffentlichkeit vorenthalten. Bis auf wenige Ausnahmen. Die eine war 1991 für eine Publikation des Landeskonservators am Bayerischen Nationalmuseum, Dr. P. Volk, die andere 1996 für die eingangs erwähnte Rupert-Ausstellung in Salzburg. Dr. Volk schreibt u.a.: »Der heilige Bischof trägt schwer an der großen Skulptur, die er behutsam umfaßt, als wolle er sie bergen und vor Gefahr bewahren. Feierlich wirkt diese Präsentation des Gnadenbildes vor dem zurückgeschlagenen Rauchmantel als prächtige Folie. Die Komposition dieser nur 77 cm hohen Statuette ist durchaus monumental angelegt. Aus dem geschlossenen Umriß ragen die Mitra des Bischofs und höher noch die Büste der Muttergottes mit dem Jesuskind heraus.« In Salzburg war diese Statue vermutlich erstmals in natura zu sehen. Der Besitzer hat Erzbischof Eder allein das Verbreitungsrecht farbiger Postkarten zugestanden. Der Versuch des Autors, die unbekannte Herkunft dieser musealen Figur zu eruieren, wurde vom Besitzer krampfhaft blockiert. Er war schon von der Ausfindigmachung seiner Person brüskiert. So bleibt ihre Vergangenheit weiterhin ein Geheimnis. Etwas spirituell-mystisches hat es auch mit der modernen Auffassung dieser Figuren-Triarchie in der Pfarrkirche von Aschau im Chiemgau auf sich, die dort seit 1930 den neuen Hochaltar ziert. (Die vorherige barocke Figur befindet sich seither in der zugänglichen Privatkirche »Maria am Berg« in Berchtesgaden-Salzberg). Die im Priental heimische, ursprünglich evangelische Familie von Cramer-Klett war nach der Säkularisation Besitzer der ehemaligen Ritterakademie Ettal geworden und dort zum Katholischen Glauben konvergiert. Die Marienverehrung in diesem in vielerlei Hinsicht interessanten Benediktiner-Kloster muß in der Familie nachgewirkt haben, weil sie eine solche Figur in »ihrer« Pfarrkirche in Aschau integriert haben, nachdem sie das Kloster 1900 den Mönchen wieder zurückgegeben hatten. Das Herz des wohltätigen Theodor Frhr. von Cramer-Klett wurde 1938 im Kreuzgang des Klosters beigesetzt. In die Schlagzeilen der Presse geriet das Kloster 1991, als das kostbare Marien-Gnadenbild, das »kultische Herzstück des Klosters« gestohlen und auf mysteriöse Weise wieder gefunden worden war.

Was geschieht mit der Original-Figur?

Weil im Traunsteiner Heimatmuseum dafür kein geeigneter Platz zur Verfügung steht, das dafür prädestiniert gewesene Härthaus nach dem Brand leider nicht gerettet worden ist, wird versucht, sie im Ämtergebäude an der Rosenheimer Straße aufzustellen. Ein kleines beigestelltes Modell wird dort den früheren Standort der Figur sowie die einstigen Salinenbauten farblich erläutern. Wer dem Torso dort einen Besuch abstattet, sollte nicht versäumen mit dem Lift in den 4. Stock hinaufzufahren. In diesem neuen Stockwerk hat moderne Architektur Einzug gehalten. Hier wird einem bewußt, daß Architekten seit dem Pyramidenbau ihren göttlichen Nimbus zwar verloren haben, aber mit Kunst noch immer »viel am Hut haben«. Die nahe evangelische Kirche erinnert an den kgl. Bauamtsassessor Alfred Stamm (1860-1924), der einst Mitglied des kgl. Landbauamtes Traunstein gewesen ist und 1897/99 diese Kirche neben seiner Villa gebaut hat.

Neben der bronzenen Rupertus-Figur am Maxplatz, die dort am südlichen Ende des einst 190 Meter nach Norden reichenden oberen Salzstadel erinnert, und dem Hl. Rupert in der Salinenkapelle mit dem Bischofstab des letzten Abtes des Klosters Seeon, ist die neue Figur eine kulturelle Bereicherung der Stadt im Sinne der Agenda 21. Allen an der Realisierung Beteiligten gilt das Abschlußwort: Danke:

Anton Graßler



37/2001