Jahrgang 2004 Nummer 17

Die »Museumslandschaft« auf der Herreninsel

Der Besuchermagnet wird immer mehr zu einer Stätte der Kunst und der Kultur

Schloss Herrenchiemsee mit Parkanlage

Schloss Herrenchiemsee mit Parkanlage
»Frühling« von Julius Exter

»Frühling« von Julius Exter
Nach der Winterpause öffnete Anfang April die Gemäldegalerie Julius Exter im Prälaturstock des Augustiner-Chorherrenstifts (Altes Schloss) wieder. Damit lädt die reiche »Museumslandschaft« der Herreninsel wieder in vollem Umfang zum Verweilen und Genießen ein.

Im Mittelpunkt steht das weltweit bekannte »Bayerische Versailles«, das Königsschloss Ludwigs II. (Neues Schloss) mit seinem grandiosen Park. In den letzten Jahren sind jedoch weitere Attraktionen hinzugekommen, so dass ein Tag kaum ausreicht, um die Sehenswürdigkeiten der Insel kennenzulernen.

Die Bemühungen der Bayerischen Schlösserverwaltung zielen darauf ab, außer dem Königsschloss auch den ehemaligen Stiftsbereich (Altes Schloss) sukzessive wieder zu einer Stätte der Kunst und der Kultur werden zu lassen. Besonders erfreulich ist deshalb, dass das Museum im Augustiner-Chorherrenstift mit Gemäldegalerie Julius Exter im Jahr 2003 über 53.000 Besucher aufzuweisen hatte. Dies ist eine stattliche Bilanz und ein völlig unerwarteter Besucherrekord! Durch Konzerte im Bibliothekssaal und in der ehemaligen Pfarrkirche werden die barocken Stiftsgebäude ebenfalls wieder mehr und mehr kulturellen Zwecken zugeführt. Zum internationalen Museumstag sind am 16. Mai 2004 kunsthistorische Führungen und im Bibliothekssaal ein Konzert mit Liedern der Spätromantik geplant, gesungen von Julia Rutigliano (Sopran) und Chiho Togawa am Klavier.

Allerdings wissen viele Besucher noch nicht, dass Herrenchiemsee uraltes Kulturland ist und dass hier schon im 7. Jahrhundert ein Kloster entstand, das sich zum geistigen Mittelpunkt des Chiemgaus entwickelte. Auf solche und auf viele andere Fragen geben die in der letzten Zeit gegründeten Museen Antworten. Sie sollen nun zusammen mit dem Neuen Schloss in den Mittelpunkt der Aufmerksamkeit rücken.

Museum im Augustiner-Chorherrenstift (Altes Schloss): Die heutigen Klostergebäude auf Herrenchiemsee wurden im Barock errichtet. Vier Flügel umschließen einen großen annähernd rechteckigen Hof mit einem idyllischen Rosengarten. Drei der Trakte weisen vornehm gestaltete Fassaden auf. Der Konventstock (Ostflügel) mit Sälen und Wohnzellen entstand 1645 bis 1649, der Bräuhausstock (Westflügel) 1661 bis 1665. Im repräsentativen Fürstenstock (Südflügel), 1700 bis 1716, befanden sich die Klosterküche, Prunksäle sowie Wohnräume für fürstliche Gäste. Mit dem Prälaturstock (Nordflügel), 1727 bis 1730, wurde der Klosterhof geschlossen.

Seit 1998 befindet sich im Konventstock und im Fürstenstock ein modern gestaltetes Museum. Hier werden die Kloster- und Stiftsgeschichte, sowie die Tagung zur Vorbereitung der Verfassung der Bundesrepublik Deutschland (1948) dokumentiert. Höhepunkte sind der barocke Bibliothekssaal (Johann Baptist Zimmermann, 1737 bis 1739) und die Wohnräume König Ludwigs II. von Bayern (um 1875). In den ehemaligen Wohnzellen der Chorherren werden ab 2005 Gemälde zum Thema »Chiemseelandschaft« präsentiert. Im Prälaturstock ist seit 2001 eine Gemäldegalerie mit Werken des Malers Julius Exter (1863 bis 1939) untergebracht.

Das Augustiner-Chorherrenstift ist bis 3. Oktober täglich von 9 bis 18 Uhr, vom 4. bis 31. Oktober täglich von 10 bis 17.45 Uhr und von November bis Ende März täglich von 10 bis 16.45 Uhr geöffnet.

Gemäldegalerie Julius Exter im Prälaturstock: Julius Exter war um 1900 ein wichtiger Vorkämpfer der modernen Malerei in München. Er gehörte zur 1892 gegründeten Secession und galt unter Kollegen als »Farbenfürst«. Die Bilder des avantgardistischen Malers fanden Absatz in ganz Deutschland und vor allem in der Schweiz.

Exter entwickelte sich vom Historismus zur vitalen Farbigkeit des Expressionismus. Hinsichtlich seiner maltechnischen und koloristischen Experimente steht er der Künstlergruppe »Blauer Reiter« nahe. Neben figürlichen Kompositionen und Porträts, bilden Landschaften und Akte den Schwerpunkt seines künstlerischen Schaffens.

Die umfangreiche Gemäldegalerie ist im ehemaligen Prälaturstock (Nordflügel) der Klosteranlage zu sehen. In neun barocken Räumen wird das Werk des Künstlers mit rund 100 Bildern im Überblick gezeigt. Ein 1902 in Übersee–Feldwies erworbenes Bauernhaus wurde zum Künstlersitz und Standort Exters europaweit bekannter Malschule. Das Exter-Haus ist heute als Museum ebenfalls öffentlich zugänglich.

Die Gemäldegalerie Julius Exter ist bis 3. Oktober täglich von 9 bis 18 Uhr, vom 4. bis 31. Oktober täglich von 10 bis 17.45 Uhr geöffnet, von November bis März ist sie geschlossen.

Das Künstlerhaus Exter mit Garten in Übersee-Feldwies ist bei Ausstellungen von Frühjahr bis Herbst täglich von 17 bis 19 Uhr und nach Vereinbarung geöffnet; montags geschlossen.

Königsschloss Herrenchiemsee (Neues Schloss): König Ludwig II. von Bayern erwarb im Jahr 1873 die Herreninsel als Standort für sein neues Schloss Herrenchiemsee. Als Abbild von Versailles sollte dieses Schloss ein »Tempel des Ruhmes« für König Ludwig XIV. von Frankreich werden, den der bayerische Monarch grenzenlos verehrte. Der Verwirklichung gingen insgesamt 13 Planungsphasen voraus. 1878 wurde mit dem Bau des »Bayerischen Versailles« nach Plänen von Georg Dollmann begonnen. 1886, beim Tod von König Ludwig II., war das Schloss noch nicht vollendet. Einige Teile wurden später abgetragen.

Unter den großen Schauräumen sind das Südliche Prunktreppenhaus, das Paradeschlafzimmer und die Große Spiegelgalerie hervorzuheben. Das intime Kleine Appartement ist in Formen des französischen Rokoko gehalten und diente als Wohnung des Königs.

1876 legte Hofgärtendirektor Carl von Effner die endgültige Planung für einen großen Garten nach dem Vorbild von Versailles vor. Beim Tod des Königs waren nur die Gartenteile entlang der Hauptachse mit ihren berühmten Brunnen und Wasserspielen fertig gestellt.

Das Königsschloss ist bis 3. Oktober täglich von 9 bis 18 Uhr, vom 4. bis 31. Oktober täglich von 9.40 bis 17 Uhr und von November bis März täglich von 9.40 bis 16 Uhr geöffnet.

König Ludwig II.–Museum im Königsschloss: Zwölf Räume im Erdgeschoss des Südflügels beherbergen dieses modern gestaltete Museum, das 1987 eröffnet wurde. Es widmet sich den Lebensstationen König Ludwigs II. von der Geburt bis zum frühen tragischen Tod anhand von gemalten Porträts, Büsten, historischen Photographien und originalen Prunkgewändern.

Als Mäzen des Komponisten Richard Wagner ging der bayerische König in die Musikgeschichte ein. Zu diesem Thema sind Porträts, schriftliche Dokumente sowie Theater- und Bühnenbildmodelle ausgestellt.

Die »Königsschlösser« Neuschwanstein, Linderhof und Herrenchiemsee sind ebenso dokumentiert wie die anderen Bauprojekte Ludwigs II. Originale Prunkmöbel aus dem zerstörten königlichen Appartement der Münchner Residenz oder aus dem ersten Schlafzimmer von Schloss Linderhof sind Höhepunkte des Museums.

Schau- und Prunkstücke des Kunsthandwerks, vom König in Auftrag gegeben, dokumentieren den europäischen Rang der höfischen Kunst in München.

Das König Ludwig II.–Museum ist bis 3. Oktober täglich von 9 bis 18 Uhr, vom 4. bis 31. Oktober täglich von 10 bis 17.45 Uhr und von November bis März täglich von 10 bis 16.45 Uhr geöffnet.

ED/KK



17/2004