Jahrgang 2006 Nummer 43

Die Kunst des Landvermessens 1500 bis 1750

»Alle Tieffe, Weytte, Höche« – Sonderausstellung in der Bibliothek des Deutschen Museums bis 12. November

Das Titelkupfer von Giuseppe Malombras »Practica Universale« (1630) zeigt einen Geometer beim Vermessen eines Turms.
(Fotos: De

Das Titelkupfer von Giuseppe Malombras »Practica Universale« (1630) zeigt einen Geometer beim Vermessen eines Turms. (Fotos: Deutsches Museum)
Darstellung eines Torquetum eines wissenschaftlichen Instruments der Frühneuzeit, in Peter Apians »Astronomicum Caesareum« (1540

Darstellung eines Torquetum eines wissenschaftlichen Instruments der Frühneuzeit, in Peter Apians »Astronomicum Caesareum« (1540).
Universal-Feldmessinstrument (1594) von Antonius Giamin, Neapel.

Universal-Feldmessinstrument (1594) von Antonius Giamin, Neapel.
Der Flug von Kanonenkugeln, die Bestimmung der Höhe von Gebäuden, die Messung von Entfernungen, die Festlegung von Grundstückseigentum, das Entwerfen von Karten – während die meisten Menschen mit der Mathematik das theoretische Rechnen mit Zahlen verbinden, liegen ihr doch ganz praktische Fragestellungen zugrunde. Diese praktische Seite der Mathematik und ihre Bedeutung für die Entwicklung der modernen Naturwissenschaft ist jedoch kaum jemandem bewusst. Ohne genaue Kenntnisse der Geometrie und Vermessung wären jedoch weder die großen Gartenanlagen von Schloss Versailles oder Schloss Nymphenburg denkbar gewesen, noch so aufwändige Wasserbauvorhaben wie der Canal du Midi in Frankreich oder etwa die Deichanlagen in den Niederlanden. Die Sonderausstellung »Alle Tieffe, Weytte, Höche« – Die Kunst des Landvermessens (1500 bis 1750) in der Biblithek des Deutschen Museums widmet sich den Anfängen der praktischen Mathematik. Präsentiert werden 60 seltene, reizvoll illustrierte Bücher unter anderem so berühmter Wissenschaftler wie Albrecht Dürer, Johannes Kepler und Galileo Galilei.

Unter den Werken ist auch Peter Apians »Astronomicum Caesareum« aus dem Jahr 1540, das zweifellos die schönsten Darstellungen wissenschaftlicher Instrumente enthält. Es ist ein Meisterwerk der Buchkunst und gilt vielen als das schönste Werk der Naturwissenschaften überhaupt. Die ausgestellten Werke ermöglichen lebendige Einblicke in die Arbeit der frühen Geometer. Sie veranschaulichen die verschiedenen Anwendungsgebiete der Vermessung und zeigen wie und mit welchen Instrumenten gearbeitet wurde. Ergänzt wird die Schau mit besonderen Raritäten: 20 Original-Messinstrumente aus der Frühneuzeit (1500 bis 1750), darunter einige Instrumente, die auf den Holzschnitten und Kupferstichen der präsentierten Bücher zu sehen sind, verknüpfen die Theorie mit der Praxis. Ebenso wenig wie die Gartenkunst und das Bauwesen konnten auch der Bergbau, die Kartographie und das Militärwesen auf die Arbeit der praktischen Mathematiker verzichten. Die Wurzeln ihres Berufs reichen dabei bis in die Antike zurück. In der Frühneuzeit kam es zu einer starken Wiederbelebung der praktischen Mathematik und einer weiteren Verwissenschaftlichung: Die Welt wurde in umfassender Weise vermessen und mathematisch erfasst. Es ist daher kein Zufall, dass die Blüte der praktischen Mathematik mit der Entstehung der modernen Naturwissenschaft zusammenfällt.

Unter den Wissenschaftlern dieser Zeit, die grundlegende Arbeiten verfassten, finden sich dabei einige berühmte Namen, die selten oder gar nicht mit dem Vermessungswesen in Verbindung gebracht werden: Albrecht Dürer, Johannes Kepler und Galileo Galilei sind als Künstler Astronom und Naturwissenschaftler, weltberühmt, aber dass sie wichtige Beiträge zum Vermessungswesen geleistet haben, ist vielen unbekannt. Ihre Werke zum Festungsbau, der Volumenvermessung und dem Messinstrumentenbau sind nun erstmals ausgestellt.

Die Ausstellung ist bis 12. November 2006 (1. November geschlossen) täglich von 9 bis 17 Uhr geöffnet, der Eintritt ist frei.



43/2006