Jahrgang 2021 Nummer 13

Die Kirche St. Vinzenz in Weißbach an der Alpenstraße

1950 wurde sie von Weihbischof Anton Scharnagl ihrer Bestimmung übergeben

Schulkinder begrüßen Weihbischof Scharnagl an der St. Annakirche. (Bilder/Repros: Werner Bauregger)
Grundsteinlegung durch Weihbischof Scharnagel 1949.
Rohbau fertig, Herbst 1949.
Altarweihe 1950.
Pfarrer Oberhauser
Pfarrer Neumeyr.
Altarraum mit Christusfigur und Wandbildern.
St. Vinzenz mit aktuellem Friedhof.

Wie bereits bei der geschichtlichen Abhandlung zur Salinenkapelle St. Anna erwähnt, entschloss sich das Ordinariat München, auf Betreiben des ehemaligen Kooperators und späteren Inzeller Pfarrers Josef Neumeyr, im Jahr 1938 zum Neubau eines Gotteshauses für Weißbach. Architekt Georg Berlinger jun. aus München begann noch im selben Jahr mit den Planungen. Eine ablehnende Haltung der damaligen Behörden und der Zweite Weltkrieg verhinderten zwar die sofortige Umsetzung der Baumaßnahme, doch bereits 1947/48 konnte Pfarrer Johann Oberhauser den Bau endgültig in die Wege leiten. Das Grundstück für die St. Vinzenz Kirche kaufte das Ordinariat vom Bichlerbauern. Um den Bau möglichst schnell vollenden zu können, beschloss die Gemeinde Weißbach a.d.A., dass alle Männer über 18 Jahren beim Bau der neuen Kirche Arbeitsstunden selber leisten oder sich um einen Ersatzmann bemühen müssen.

Im Rahmen einer Kirchenversammlung wurde von der Pfarrei zusätzlich beschlossen, dass ab 1. Januar 1950 jede erwerbstätige Person über 18 Jahren, welche der Pfarrei Inzell mit Weißbach a.d.A. und Jochberg angehört, eine monatliche Gebühr von 0,50 DM zum Bau der Kirche leisten muss. Weiteres Geld kam bei einem bunten Abend im Postsaal Inzell, mit Verlosung und Versteigerung, sowie bei den Gottesdienstsammlungen zusammen. Unter der Leitung von Baurat Frank legte der damalige Weihbischof Dr. Scharnagl am 19. Juni 1949, unter großer Anteilnahme der Bevölkerung, den Grundstein für den Kirchenbau. An der Fertigstellung beteiligten sich auch die Bewohner Weißbachs in Form von Arbeitsleistungen oder Geldspenden. Ein Teil des Bauholzes, Feuerholz zum Kalkbrennen und die Gerüststangen lieferten die Weißbacher Bauern. Bemerkenswerterweise stifteten auch alle Froschseer Bauern, die eigentlich zur Pfarrei Ruhpolding gehörten, Bauholz in unterschiedlichen Mengen. Warum dies so war, konnte bisher nicht aufgeklärt werden.

Die Baumeisterarbeiten machte die Firma Josef Wahler aus München. Die Holzarbeiten erledigten die Zimmereibetriebe Georg Kamml aus Inzell und Rupert Steinbacher aus Weißbach. Die Fa. Georg Leitner (Inzell) lieferte die Fensterstöcke, Türen mit Türstöcken, die Fa. Michael Geisreiter (Inzell) machte die Elektroinstallation, die Fa. Josef Fesimaier (Inzell) die Zifferblätter der Turmuhr und die Türbeschläge, die Fa. W. Bogner (Traunstein) das Kupferdach am Turm, das Fuhrunternehmen Hans Holzner lieferte die Mauersteine an und der benötigte Kies und Sand kam von der Fa. Michael Geisreiter (Inzell). Der Rohbau mit Dach war bereits Ende September 1949 hergestellt, sodass die St. Vinzenz Kirche bis zum Frühsommer 1950 fertiggestellt werden konnte. Im Turm hing anfangs nur eine Leihglocke.

Am 30. Juli 1950 zog ein großer Festzug mit der Geistlichkeit, den Ortsbewohnern, den Vereinen und den Musikkapellen aus Jettenberg, Inzell und Unken zur neuen Kirche. Mit dabei waren unter anderem der stellvertretende Landrat Dr. Frischner und der damalige Bürgermeister Josef Mayer. Weihbischof Dr. Scharnagl nahm im Rahmen eines feierlich begangenen Festgottesdienstes die Weihe vor und übergab das Gotteshaus seiner Bestimmung. Den Festgottesdienst umrahmte ein Kirchenchor, zusammengesetzt aus Inzellern und Weißbachern, musikalisch.

Die St. Anna Kapelle wurde 1953 abgerissen. Den Barockaltar kaufte der gebürtige Inzeller, Abt Johannes Höck zum Preis von 5000 DM für das Kloster Ettal, wo er heute, restauriert, im Bereich der Klausur steht. Eine geschnitzte und gefasste Büste (barock) der Heiligen Anna, drei Ölgemälde (zwei Marienbilder, Heiliger Josef), ein Standkreuz aus Holz, eine »Albertus Magnus Tafel« mit der »Offenbarung Christi an Bischof Albert zu Köln« als Motiv, vier geschnitzte Figuren des Heiligen Florian, Heiligen Georg, Heiligen Sebastian und einer Gruppe mit der Heiligen Anna, der Heiligen Maria und dem Jesuskind wurden von der St. Anna-Kapelle in die St. Vinzenz Kirche übernommen. Der Friedhof entstand 1952.

Noch im selben Jahr wurden 50 Tote vom Inzeller Friedhof dorthin umgebettet. Den Grund für den Gottesacker hatte der Bichlerbauer großzügig gestiftet. Schon 1953 wurde die Stirnwand hinter dem Altar neu gestaltet, auf der bis dahin ein großes Kruzifix hing, flankiert von zwei Zitaten auf beiden Seiten. Anstelle dieser Zitate schuf der akademische Maler Georg Gschwendner aus Karlstein auf der linken Seite der Stirnwand ein Bildnis von der »Hochzeit von Kanaa« und der »Himmelfahrt Marias« und auf der rechten Seite eines zur »wundersamen Brotvermehrung« und mit der Darstellung des Heiligen Vinzenz, auch »Der Siegende« genannt, umringt von Holzknechten, von denen einer die neue Kirche schützend in seiner Hand hält.

1954 wurde am Friedhof das Kriegerdenkmal eingeweiht, das Leichenhaus hinter der Sakristei erbaut. Zudem kaufte die Pfarrei die 1950 eingebaute Leihglocke. 1956 machte das große Kreuz über dem Hauptaltar einer beeindruckenden Holzplastik Platz, die Christus mit einer segnenden und einer offenen Hand, auf einem Drachen stehend als »Sieger über alles Böse und alles was uns lähme« darstellt, geschaffen vom akademischen Bildhauer Leopold Hahn aus Krailing bei München. In diesem Jahr wurde auch eine gebrauchte Orgel der Münchener Orgelbaufirma Leopold Nenninger zum Preis von 4600 DM eingebaut.

An den beiden Seitenwänden des Kirchenraumes entstanden 1958 je sechs Kreuzwegstationen, wiederum gestaltet von Georg Gschwendner. Möglich wurde dies durch die großzügige Spende des zwischenzeitlich verstorbenen Pfarrers Neumeyr. Zudem erhielt der Glockenturm nicht nur einen richtigen Glockenstuhl, sondern auch eine zweite Glocke. Der Kauf der dritten Glocke erfolgte 1962. 1964 erhielt der Kirchenraum eine Sitzheizung unter den Kirchenbänken. Als Auswirkung des II. Vatikanischen Konzils (1962 bis 1965) ließ der damalige Pfarrer Alfons Hessenhofer, gegen den Protest der Kirchenbesucher, 1980 den Hochaltar mit dem Kommuniongitter abbauen und den heute vorhandenen Volksaltar, mit frei stehendem Tabernakel auf der linken und einem Ambo auf der rechten Seite einbauen.

Bis zur Weihe am 9. November 1980 durch Weihbischof Franz Xaver Schwarzenböck erfolgte zudem eine komplette Innen- und Außenrenovierung von St. Vinzenz. Die Gesamtkosten beliefen sich auf 158 000 DM. Das Holzschindeldach musste 1983 repariert werden. 1990 wurde der Friedhof Richtung Südwesten erweitert, das Leichenhaus renoviert, der Kirchenvorplatz neu gestaltet sowie das Pflaster vor dem Haupteingang erneuert und ein Stützpfeiler des Vorbaus saniert. 1992 musste das Schindeldach dann komplett erneuert werden. 2008 erhielt das Gotteshaus eine neue Orgel vom Orgelbauer Škrabl aus Slowenien zum Preis von 72 000 Euro. Im Rahmen eines Festgottesdiensts weihte Weihbischof Franz Dietl das neue Instrument am 5. Oktober 2008 ein. 2011 entstand am Friedhof eine Urnenwand mit 18 Urnengräbern, die Pfarrer Gerhard Salzeder am 22. Januar 2012 offiziell einweihte. Weißbacher Frauen stickten 2013/14, ein Fastentuch für die Rückwand des Altarraumes, welches am 9. März 2014 gesegnet wurde. Die Frauen waren von der Arbeit so begeistert, dass schon am 5. Juni 2016 ein weiteres solches Wandtuch, mit Motiven zu den Rosenkranzgeheimnissen, die sonst kahle Wand unter der Christus-Plastik schmückte. In einer weiteren Gemeinschaftsaktion entstand 2016/17 ein neuer Baldachin für den Fronleichnamshimmel. Er wurde am 18. Juni 2017 seiner Bestimmung übergeben und zum ersten Mal bei der Fronleichnamsprozession mitgetragen. Um die Organisation und die Abwicklung aller drei Projekte kümmerte sich die Mesnerin Maria Bauregger. Wegen Schädlingsbefalls musste 2017 die Isolierung von der Decke am Dachboden entfernt werden, da hier und an der Christusfigur im Altarraum Schädlingsbefall festgestellt wurde. Als jüngste Baumaßnahme entstand 2017 ein Containerhäuschen unterhalb des Friedhofs.

 

Werner Bauregger

 

13/2021

Einstellungen