Jahrgang 2010 Nummer 43

Die Kirche St. Rupertus in Hammer

1935 wurde das Gotteshaus feierlich eingeweiht

Die Nord-Ansicht der Kirche St. Rupertus inHammer

Die Nord-Ansicht der Kirche St. Rupertus inHammer
Aufbau des Kirchenturms

Aufbau des Kirchenturms
Freiwillige Spenden ermöglichten die Anschaffung der neuen Glocke

Freiwillige Spenden ermöglichten die Anschaffung der neuen Glocke
Die kleine Pfarrgemeinde Hammer, die als eigenständige Kuratie Teil des großen Pfarrverbandes Siegsdorf - Eisenärzt - Hammer ist, konnte heuer im Mai den 75. Weihetag der Pfarrkirche St. Rupertus feiern. Mit diesem Beitrag geben wir einen kurzen Rückblich auf die Vorgeschichte des Kirchenbaus sowie die Entwicklung des Gotteshauses in der Ortsmitte von Hammer.

Ein besonderer Tag für die kleine Pfarrgemeinde Hammer, die als eigenständige Kuratie Teil des großen Pfarrverbandes Siegsdorf - Eisenärzt - Hammer ist, war heuer der 19. Mai, an dem die ganze Gemeinde mit einem großen Fest den 75. Weihetag der Pfarrkirche St. Rupertus feierte.

Aus Anlass des Kirchen-Patroziniums, das jedes Jahr am 4. Sonntag im September begangen wird, sei hier ein kurzer Rückblick auf die Vorgeschichte und den Bau, sowie die Entwicklung des Gotteshauses in der Ortsmitte von Hammer gewährt.

In der beginnenden Zeit des Nationalsozialismus war ein Kirchenneubau ein mutiges Bekenntnis zur christlichen Glaubensgemeinschaft. So schrieb z. B. der langjährige Siegsdorfer Pfarrer Josef Hartl, der übrigens am Tag der Einweihung der Hammerer Kirche geboren wurde, in der Festschrift zum 50 jährigen Bestehen: »Schon vor 50 Jahren stellte sich in Hammer die Frage nach einem Dorfzentrum. Damals haben die Hammerer diese Frage beantwortet indem sie eine Kirche bauten. In einer bedrohlichen Zeit war das wie ein Bekenntnis: Gott soll das Zentrum unseres Dorfes sein!...Unsere Mitte ist Gott!«

Bereits 1869 sind erste Hinweise auf die Absicht in Hammer eine kleine Kirche zu bauen zu finden, aber schon damals fehlte offensichtlich das nötige Kapital. Ein weiterer Vorstoss von Siegsdorfs Pfarrer Josef Stelzle, der gegen Ende des ersten Weltkrieges sogar schon Pläne für ein Gotteshaus vorlegen konnte, scheiterte an den Kriegswirren und der nachfolgenden Notzeit.

Prälat Pfaffenbichler, Superior der Barmherzigen Schwestern in Adelholzen erkannte auf seinen oftmaligen Fahrten zwischen Adelholzen und Bad Reichenhall den religiösen Notstand des kleinen Ortes zwischen Siegsdorf und Inzell, wo vor allem die Bewohner von Maisau, Farnbichl, Wagenau und vom oberen Riedl fast zwei Stunden Weg zur Kirche in Siegsdorf zurücklegen mussten, und gab Anfang der Dreißiger Jahre des vorigen Jahrhunderts erneut einen Anstoss zum Kirchenbau.

Am 1. April 1934 versammelten sich die Bürger von Hammer, um über die Erbauung einer Kirche zu beraten und gründeten einen Kirchenbauausschuss in den Bürgermeister Pankraz Steinbacher, Dr. Haslinde, Franz Abstreiter. Ludwig Hörterer, Joseph Hohlneicher und Pfarrer Schönberger berufen wurden. Nachdem das gewünschte Grundstück am Standort des heutigen Kindergartens von der Forstbehörde nicht freigegeben wurde, ergab die weitere Grundstückssuche einen Bauplatz parallel zur Hauptstraße, der von Josef Maier zur Verfügung gestellt wurde. Architekt Berlinger fertigte nach dem Grundsatz »Schlichtheit - Zweckmäßigkeit - Materialechtheit« neue Pläne mit einem 36m hohen Spitzturm. Am 18. April 1934 genehmigte Erzbischof Kardinal von Faulhaber den Bau des Kirchleins und entschied sich für den Hl. Rupertus als Kirchenpatron.

Bereits einige Tage später errichtete die Kirchenverwaltung Siegsdorf eine neue »Kirchenstiftung St, Rupert« die Eigentümerin des Bauplatzes und Bauherr werden sollte. Nachdem am 30. August die Pläne vom Bezirksbauamt genehmigt worden waren, übertrug man die Erd- Beton- Mauerer- und Verputzarbeiten der Fa. Christian Mayer aus Siegsdorf, und bereits Ende September 1934 war das Mauerwerk, dank günstiger Witterung, bis zur Dachstuhlgleiche fertiggestellt. Eine offizielle Grundsteinlegung mit der Einmauerung einer Kassette mit Urkunde und Zeitdaten erfolgte am 7. Oktober 1934 durch Domdekan Dr. Anton Scharnagl. Eine schwierige und halsbrecherische Arbeit, die von der Bevölkerung mit Interesse und Bangen verfolgt wurde, war das Aufsetzen des Dachstuhles, dem noch vor Wintereinbruch die Bedachung mit Biberschwanz-Ziegeln folgte.

Die Gemeinde Hammer kaufte zwei Glocken, die kleine »Rupertusglocke« und die »Christkönigsglocke«, die allerdings im zweiten Weltkrieg von den Behörden wieder herab geholt und als Kriegsmaterial eingezogen wurde.

Nach der Wahl einer Filialkirchenverwaltung, in die Joseph Hohlneicher als Kirchenpfleger, sowie Josef Daburger und Ludwig Hörterer berufen wurden, feierte man unter großer Beteiligung der Bevölkerung am 31. März 1935 die Glockenweihe durch Pfarrer Schönberger aus Siegsdorf und setzte den Einweihungstermin zunächst auf den 8. Juli 1935 fest. Auf Intervention von Pfarrer Schönberger bestimmte Kardinal Faulhaber aber den 19. Mai als Weihetag. Anlass der Verlegung war der Wunsch des Pfarrers von Siegsdorf, den etwa 400 Bauarbeitern der Alpenstraße zwischen Siegsdorf und Inzell die Teilnahme an der Feier zu ermöglichen und den Empfang der Ostersakramente nachzuholen. Das bereits bestellte Hochaltarbild von Professor Angermeier konnte jedoch bis zu diesem Termin nicht fertiggestellt werden.

Auszug aus dem Traunsteiner Wochenblatt von 1935: »Der 19. Mai 1935 war für Hammer ein großer Festtag, an dem die gesamte Bevölkerung der Konsekritierung des Gotteshauses durch den Oberhirten Erzbischof Kardinal von Faulhaber beiwohnte. Bei der Pontifikalmesse levitierte Primiziant Willibald Klotz aus Siegsdorf und die Traunsteiner Seminaristen gaben mit mit Harmoniumspiel und schönen Kirchenliedern der Feier eine würdigen Rahmen und die fesselnde Predigt des Kirchenfürsten hinterließ einen tief schürfenden Eindruck.«

Die Hammerer Katholiken hatten nun endlich ihr lange ersehntes Gotteshaus, wenngleich sich die Innenausstattung noch sehr schlicht darstellte. Der für die Sonn- und Feiertagsgottesdienste verpflichtete Benefiziat Isidor Goderbauer brachte aus Traunstein ein Christusbild mit Goldrahmen mit, das heute im Leichenhaus zu sehen ist und der Flinkenbauer zimmerte ein hölzernes Kreuz und ließ den Kruzifixus und eine Statue des Bruder Konrad von Altötting schnitzen. Ein Wohltäter stiftete eine Kreuzwegdarstellung, die am 15. Dezember 1935 vom Guardian des Klosters Maria Eck benediziert wurde. Am 30 . März 1936 konnten dann endlich auch die Bilder am Altar angebracht werden, die sich um die zentrale Figur des Hl. Rupertus gruppieren. Es handelt sich um sieben Heilige, die mit den Berufen der Bevölkerung von Hammer in Verbindung stehen: Oben die Hl. Familie als Vorbild aller Familien, auf der linken Seite der Hl. Florian (Patron der Schmiede, nachdem das Schmiedehandwerk dem Ort seinen Namen gegeben hat), die Hl. Barbara als Patronin der Bergleute und der Hl. Vinzenz von Saragossa (Patron der Holzarbeiter und Köhler).

Die rechte Seite zieren der Hl. Wendelin (Patron des Ackerbaues), die Hl. Notburga als Beschützerin der Dienstboten sowie der Hl. Isidor, der als Patron der Tierhalter verehrt wird. Am Bild des Hl. Wendelin ist die tiefere Bedeutung des Altares zu erkennen. Er kniet nieder und betet, während ein Engel für ihn weiter pflügt. Himmel und Alltag durchdringen sich gegenseitig - während der Mensch tätig arbeitet soll er sich das Bewusstsein der Gegenwart Gottes lebendig erhalten.
Die Baukosten betrugen lt einer Aufstellung von Architekt Berlinger aus München, insgesamt 37592 Reichsmark. Auf der Gesamtabrechnung erscheinen nicht die Arbeiten des Schreiners Stefan Lederer (Johannsen), der beim Kirchenbau mit der Herstellung der Kirchenbänke und später beim Bau des Pfarrhofes große Leistungen vollbrachte.

Die weitere Entwicklung der Pfarrgemeinde und des Gotteshauses

Bis zum Jahr 1948 übernahmen die Benfiziaten und Kooperatoren aus Siegsdorf die Seelsorge und unterrichteten auch an der Schule. Mit Freuden begrüßten die Hammerer am 1. August 1948 ihren ersten eigenen Seelsorger, Pfarrer Johann Haider der bis dahin als Kaplan in Kolbermoor gewirkt hatte, betreute die Pfarrei Hammer 28 Jahre lang bis zu seiner Ruhestandsversetzung im August 1976.

Ab 1951 durften die Hammerer die Matrikelbücher, in denen Taufen, Ehehschließungen und Sterbefälle verzeichnet werden, selbstständig führen und noch im selben Jahr wurde eine Turmuhr eingebaut. 1953 erfolgten der Bau des Friedhofes mit dem Leichenhaus und das Kriegerdenkmal konnte errichtet werden. 1954 ermöglichten freiwillige Spende die Anschaffung von zwei neuen Glocken - Eine Marienglocke mit der Inschrift: »Über Berg und Tal klingt es viel Tausendmal - Ave Maria« sowie eine Gefallenen-Gedächtnisglocke.

1955 folgten der Grunderwerb und der Bau des Pfarrhauses in unmittelbarer Nähe der Kirche und mit Wirkung vom 1. Mai 1956 ist der Seelsorgebezirk Hammer katholische Pfarrkuratie mit allen Rechten und Pflichten einer Pfarrei.

Mit 11.000 DM aus Spendengeldern der Bürger und Vereine konnte 1967 eine Orgel angeschafft werden und 1972 folgte der Einbau einer elektrischen Kirchenheizung. Im November 1977 wurde unter der Federführung von Pfarrer Josef Hartl der Pfarrverband Siegsdorf - Eisenärzt - Hammer ins Leben gerufen und am 2. Dezember 1976 feierte man in Hammer die geglückte Neugestaltung des Altarraumes und die Erweiterung der Sakristei mit einem Festgottesdienst.

Zum heurigen Jubiläum bekamen die Innenwände von St. Rupertus einen neuen Kalkanstrich, der Altar wurde gereinigt und die Fehlstellen mit Blattgold ausgebessert.

Wichtige Personen in der 75 jährigen Geschichte der Kuratie Hammer

Verantwortliche Pfarrherrn:
Von 1948 bis 1976 Pfarrer Hans Haider, 1976 bis 1983 Pfarrer Josef Hartl, 1986 bis 2006 Pfarrer Dr. Dieter Gehrlein, und seit 2006 Pfarrer Thomas von Rechberg

Kirchenpfleger:
60 Jahre lag das Amt des Kirchenpflegers verantwortungsvoll in den Händen der Familie Abstreiter aus Geisreit: Von 1936 bis 1976 Franz Abstreiter sen. von 1976 bis 2006 sein Sohn Franz Abstreiter unter dessen Regie viele Umbaumaßnahmen verwirklicht wurden. Seit 2006 nimmt sich Johann Bauer aus Wald am Riedl dieser Aufgabe an.

Mesnerdienst:
Am 12. Januar wurde Mesner Josef Kloiber beim Überqueren der Straße zur Abendmesse von einem Auto erfasst und tödlich verletzt. Fast 40 Jahre verrichtete er treu und bescheiden seine Dienste. Nach seinem plötzlichen Tod übernahmen Josef und Magdalena Steinbacher den Mesnerdienst und erfüllten ihre Aufgabe mit großer Sorgfalt bis zum Jahr 2006. Mit der Übernahme durch Viktoria Kloiber ist das Mesneramt nun wieder in das Kloiber-Anwesen gegenüber der Kirche zurückgekehrt.



Quellen:
Festrede von Kirchenpfleger Johann Bauer zum 75jährigen Jubiläum -
Internetauftritt der Pfarrgemeinde Hammer -
Bilder und Geschichtliches aus den Büchern und Annalen der Pfarrei



43/2010