Jahrgang 2002 Nummer 1

Die heiligen drei Könige

Aus dem "Kalender für katholische Christen"

Im »Kalender für katholische Christen« aus dem Jahr 1904 ein Beitrag, den wir nachfolgend im Originaltext abdrucken. Daher auch die an manchen Stellen ungewöhnliche Formulierung und Wortwahl:

Zu den lieblichsten Bildern aus dem Jugendleben Jesu zählt unstreitig die Anbetung Christi durch die »Weisen (Magier) aus dem Morgenlande. So anmutig nun auch das Ereignis an sich und seine Darstellung in der heiligen Schrift ist, ebenso dunkel sind die Persönlichkeiten der heiligen drei Könige und ihre Lebensschicksale. Angesehene Männer, vielleicht Stammesfürsten aus östlichen oder südöstlichen Heidenländern, waren es; nicht einmal die Namen berichtet uns der heilige Text; doch hat die stehende Überlieferung daran festgehalten – und der jüngst heilig gesprochene Ehrwürdige Beda hat diese Überlieferung schriftlich fixiert – dass die Namen heißen: Kaspar, Melchior und Baltasar. Es ist ohne weiteres einleuchtend, dass die heiligen drei Könige die im gelobten Lande und zumal an der Krippe Jesu empfangenen Eindrücke treu bewahrt, und durch ein heiliges Leben sich der Ehre würdig gezeigt haben, als die Erstlinge der Heiden zur Anbetung des wahren Gottes in Menschengestalt berufen gewesen zu sein. Und in der Tat meldet die Überlieferung, der Apostel Indiens, der heilige Thomas, habe sie getauft und sogar zu Bischöfen geweiht. Sei dem aber wie ihm wolle: schon in den allerersten christlichen Jahrhunderten waren die Überbleibsel dieser ausgezeichneten Männer als Heiligenreliquien hochverehrt. Zeuge dafür ist der heilige Johannes Chrosostomus (im 4. Jahrhundert), der diese Reliquien erwähnt als Schätze, welche die Kaiserinmutter Helena nach Konstantinopel gebracht hat. Im Jahre 324 kamen die heiligen Gebeine durch Bischof Eustorgius nach Mailand, wo sie blieben bis zur Erstürmung dieser rebellionslustigen Stadt durch Kaiser Friedrich Barbarossa im Jahre 1162. Des Kaisers Kanzler und treuer Freund, Rainald von Dassel, Erzbischof von Köln, erbat und erhielt die Reliquien als Kleinod für seine Bischofsstadt und auf einem sagenumwobenen Triumphzuge kamen so die heiligen drei Könige am 23. Juli 1164 in Köln an, wo sie bald eine durch Material wie Kunst gleich hervorragende Ruhestätte in dem berühmten Dreikönigsschrein fanden. In Kriegszeiten mehrfach anderswohin geflüchtet (Weddinghausen, Frankfurt), ja sogar teilweise des Schmuckes beraubt (1820), ruhen sie jetzt in sicherem Gewahrsam und über den Häuptern der heiligen drei Könige wölbt sich nun in herrlichster Vollendung der Kölner Dom.



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