Jahrgang 2008 Nummer 29

Die Geschichte des Traunsteiner Friedhofs

Seit 100 Jahren gibt es den Waldfriedhof – Teil I

Innenansicht des Waldfriedhofs kurz nach seiner Eröffnung

Innenansicht des Waldfriedhofs kurz nach seiner Eröffnung
Ansicht der Stadt Traunstein und der Saline Au auf der Soleleitungskarte von 1620. Inmitten des Stadtplatzes ist die Kapelle St.

Ansicht der Stadt Traunstein und der Saline Au auf der Soleleitungskarte von 1620. Inmitten des Stadtplatzes ist die Kapelle St. Georg und Katharina zu erkennen – ihr bislang einziger bekannter bildlicher Nachweis.
Blick in den Friedhof bei St. Georg und Katharina um 1900, wenige Jahre vor seiner Schließung

Blick in den Friedhof bei St. Georg und Katharina um 1900, wenige Jahre vor seiner Schließung
Friedhof – das Wort leitet sich ursprünglich ab vom althochdeutschen »Frithof«, im Bayerischen Wörterbuch des Johann Andreas Schmeller als »Freithof« ausgewiesen und erklärt mit dem »eingefangenen Raum oder Hof um eine Kirche«. Über die Jahrhunderte vollzog sich mit dem Verblassen der etymologischen Wurzel der Bedeutungswandel vom umfriedeten Kirchhof zum »Hof des Friedens«, und diese moderne Ableitung beschreibt sehr schön den heutigen Stellenwert des Traunsteiner Waldfriedhofs für die Bevölkerung: Ein Ort des Friedens, der letzten Ruhe und des stillen Gedenkens.

Der Haslacher Pfarrfriedhof

100 Jahre alt wird der Waldfriedhof 2008, eine lange Zeit, und dennoch nur ein Abschnitt innerhalb der »Traunsteiner Friedhofsgeschichte«, die natürlich nicht erst im Jahr 1908 beginnt. Grab- und Kultstätten sind die ältesten Zeugnisse menschlicher Zivilisation überhaupt, und so, wie das Sterben zum Leben, gehören Friedhöfe zur städtischen Historie, die für Trauwenstain 1245 mit der ersten namentlichen Erwähnung einsetzt. Der Pfarrsitz des sich rasch entwickelnden Gerichts- und Marktortes an der Grenze zum Erzstift Salzburg, dessen Stadtrechtsurkunde auf das Jahr 1375 datiert, befand sich jedoch nicht, wie zu erwarten, innerhalb seiner Mauern, sondern in dem kleinen, etwa zwei Kilometer südwestlich gelegenen, Dorf Haslach. Bis 1850 war demnach das erstmals 1342 erwähnte Gotteshaus St. Oswald im Zentrum der Stadt lediglich eine Filiale der Pfarrkirche »Unserer Lieben Frau« in Haslach. Und in deren Umgriff war auch der Friedhof, dessen Sepultur (Begräbnisrecht)(1) im Spätmittelalter und der frühen Neuzeit die Bürger und Inwohner der Stadt Traunstein umfasste. Einige der Epitaphe innerhalb der hervorragenden Sammlung alter Grabsteine, die in der Kirche, der Michaelskapelle und an der westlichen Friedhofsmauer zu bestaunen sind, legen davon ein beredtes Zeugnis ab.(2)

»…obwohl derselb nit geweicht« – Spuren alter Friedhöfe im Stadtbereich

Allerdings lassen einzelne Vermerke in den Unterlagen sowohl des Stadt- wie des Pfarrarchivs auf weitere Friedhöfe neben dem »offiziellen« Haslacher Pfarrfriedhof schließen. 1591 wird ein in Traunstein gestorbener protestantischer Kramer aus Nördlingen auf Anordnung des Propstes von Baumburg »außerhalb des ungeweihten Ettendorfer Friedhofs« begraben, 1614 werden in einem Visitationsbericht über Missstände in der Stadt Traunstein Freithöfe erwähnt, ohne diese näher zu lokalisieren. Genauer ist da schon der Hinweis des Heimatforschers Mathias Büchele, der in einer handschriftlichen Anmerkung zu einer Friedhofsgeschichte aus dem Jahr 1828 eine Amtsrechnung des Pfleggerichts von 1616 zitiert: »[…] stellte der Pflegsverwalter Georg Stolzeisen selber auf Kosten des Rathes einen Bettelrichter auf, der die Schweine vom Friedhof der St. Georgskirche auf dem Stadtplatz abtreiben sollte.«(3) Dieses weitgehend vergessene Kirchlein wird für den weiteren Fortgang der städtischen Friedhofsgeschichte noch eine entscheidende Rolle spielen!

1622 schließlich forderte das Archidiakonat Baumburg, dass der Pranger sambt dem Narrnheusl an der Freythof- (obwohl derselb nit geweicht) Mauer zu Traunstain […] abgeschafft werden sollte.(4) Da der Pranger vor dem Rathaus – wo die entsprechenden Schandstrafen verhängt wurden – stand, muss auch für den Bereich um die vis-a-vis gelegene Oswaldkirche ein ummauerter, nicht geweihter Friedhof angenommen werden.

Genaueres über diese alten Friedhöfe, wann sie angelegt worden waren und wer dort seine letzte Ruhe gefunden hatte, lässt sich nicht ermitteln. Vermutlich gehen sie auf die frühe Gründungsphase der Stadt im 14. Jahrhundert zurück, und mit einigem Recht darf man annehmen, dass sie den Zeitpunkt ihrer spärlichen schriftlichen Nachweise nur wenig überdauerten und in der ersten Hälfte des 17. Jahrhunderts aufgelassen wurden.

Ein Gottesacker in der Nähe

1635 legte man für die Pesttoten jenseits der Traun nahe der Heilig-Geist-Brücke ein eingefangen Freidthöfl an, das schon kurz nach 1650 wieder geschlossen wurde. Der »Peststein« an der Auffahrt nach Sparz dokumentiert dieses Geschehen. Doch waren hier nur die Pesttoten nicht bürgerlichen Stands, die keine Grablege auf dem Pfarrfriedhof unterhielten, bestattet worden – und dies in deutlich geringerer Anzahl, als uns die Inschrift des (nicht vor 1859 aufgestellten) Gedenksteins glauben machen will.(5) Dennoch, die seuchenbedingt erhöhte Sterblichkeit, vor allem aber der enorme Bevölkerungszuwachs infolge der Inbetriebnahme der Saline Au 1619 (sie hatte schlagartig den Seelenstand der Pfarrei um etwa ein Viertel erhöht) beförderten innerhalb der Bürgerschaft den Wunsch nach einer eigenen letzten Ruhestätte. Schon 1607 hatte der Ratsbürger Oswald Schitzinger der Stadt 100 Gulden zur Errichtung eines Gottesackers »in der Nähe« vermacht(6), ein deutlicher Hinweis auf die bestehende Unzufriedenheit mit den Gegebenheiten.

Deren dramatische Ausmaße wurden deutlich, nachdem sich das normale Leben nach dem Rückzug des Schwarzen Todes wieder eingestellt hatte: Der Haslacher Friedhof war überfüllt, neue Gräber konnten daher nit mehr ohne Beriehrung der vergrabenen, unverwesnen Leiber gemacht werden. Gegen eine mögliche Erweiterung sprachen die Kosten für den Grunderwerb, vor allem aber der weite Weg über die Wartberghöhe mit der Blitzkapelle als Rastplatz für die erschöpften Sargträger: Ein sehr grob, rauher, pergiger Weeg, daß man mit zu Grab Bringung unnd Beglaitung der abgestorbenen Leiber (ausgeschlossen den Zurukhgang) drey Viertl Stundt haben mues, welches einer ganzen Statt Gemain, bevorab wann Regen oder Schnewetter einfallet, hoch beschwer unnd verdrieslich.

Ein weiterer Gesichtspunkt war sicher das gewachsene urbane Selbstbewusstsein, das den »Gang in das Dorf« ablehnte und eine eigene Begräbnisstätte unweit der Stadt einforderte. Nicht zuletzt entsprach eine Neuordnung des spätmittelalterlichen Bestattungswesens der zu dieser Zeit generell herrschenden Reglementierung sämtlicher Bereiche des öffentlichen Lebens im Sinne des Absolutismus, der in Bayern durch Herzog (ab 1623 Kurfürst) Maximilian personifiziert wurde.

Daher hatte sich die Bürgerschaft mit Wissen und Rat des Pfarrers ainhellig entschlossen, aller zunegst bey der Statt vor dem oberen Thor einen neuen Gottsackher aufzerichten und zu erpauen.(7) Zu diesem Zweck hatte man schon im November 1638 von Ladislaus von Törring, dem herzoglichen Pfleger des Gerichts, die sogenannte »Hofpeundl« im Mitterfeld an der Haidstraße (= Ludwigstraße) gegen ein Grundstück am Wartberg eingetauscht.(8) Dort sollte der neue Friedhof entstehen…

Geschichte einer »vergessenen Kirche«

…und sein geistiges Zentrum sollte die Kapelle St. Georg und Katharina am Schrannenplatz (= Stadtplatz) werden, die man zu diesem Zwecke abzureißen und an ihren neuen Standort zu transferieren gedachte.

Schon damals konnte der genaue Erbauungszeitpunkt dieses Kirchleins nicht mehr genannt werden. Wahrscheinlich war sie Teil der präurbanen, mittelalterlichen Ansiedlung mit der Veste, der späteren herzoglichen Burg, als Mittelpunkt, die der eigentlichen Stadtgründung vorausging.(9) 1405 wird sie erstmals urkundlich erwähnt, 1419 stiftete der aus Traunstein stammende Eggstätter Pfarrer Konrad (der) Grillinger dort eine ewige Messe, aus deren Ertrag ein eigener Benefiziat finanziert wurde, dem ab 1455 ein Haus am Stadtplatz als Wohnung zur Verfügung stand.(10) Lokalisiert werden kann sie etwa in Höhe des Sternbräus (Stadtplatz 20), näher zur Sonnen- denn zur Schattenseite des Stadtplatzes hin.(11) Unweit von dieser Stelle befand sich ab 1484 nach einem Tausch mit vorgenanntem Gebäude auch ihr noch 1808 so tituliertes »Priesterhaus« (Stadtplatz 22, heute Teil des Musikhauses Fackler).(12)

Zu Beginn des 17. Jahrhunderts war die Kirche, folgt man den Ausführungen von »Burgermaister und Rath«, in einem scheinbar erbärmlichen Zustand. Einen eigenen Priester hatte sie längst nicht mehr, und die Haslacher Geistlichkeit zelebrierte den Gottesdienst kaum öfter als an den beiden Patronatstagen. Auch war sie nicht mit einer Mauer umgeben, und so wurde an den Wochen- und Jahrmärkten dort Handel getrieben, manches Geschäft gar im Inneren der Kapelle abgeschlossen, Kinder liefen spielend ein und aus, ließen die Türe offen stehen, so dass Gaiß und Pekh hinein khinen unnd allerlay Unfläderey machen. Baumaterial – Kalk, Sand, Bretter und Holz – lagerte in ihrem Umgriff, und zudem wurden, vor allem während der Marktzeiten, bei nachtlicher Weihl […] allerlai Ungebühr veranstaltet und dabei Unsauberkheiten hinterlassen, die der Bericht zwar nicht näher erörtert, die aber ohne Zweifel dazu beitrugen, dass hiedurch die Ehre Gottes wenig befördert wirdet. Und nicht zuletzt fiel der jährliche »Gotsberath«, der Erlös aus dem Opferstock, nur mehr sehr bescheiden aus; von einer Verlegung hin zum neuen Friedhof erhoffte man sich ein Mehrfaches.(13)

Wie hat man sich dieses möglicherweise ältere der beiden Gotteshäuser am Stadtplatz vorzustellen? Den einzig bekannten bildlichen Nachweis liefert das Traunsteiner Ortsbild auf der Karte der Reiffenstuelschen Soleleitung.(14) Undeutlich und perspektivisch verzerrt erkennen wir dort ein Kirchlein inmitten der ummauerten Stadtanlage, das wie St. Oswald orientiert war und in etwa dessen halbe Größe erahnen lässt: ca. neun Meter lang, sechs Meter hoch und sieben Meter breit.(15) Deutlich niedriger war auch der im Westen an das Langhaus anschließende Turm mit Spitzhelm. Drei lange Fenster glaubt man an der südlichen Seitenwand erkennen zu können; die schriftlichen Quellen erhärten diese Beobachtung.

Genauere Aufschlüsse über Aussehen und Ausstattung geben nämlich die ab 1568 vorhandenen und bereits 1920 von Schierghofer(16) ausgewerteten Rechnungen(17): Demnach wurden 1584 die Glocken repariert, 1593 wurde der Altar mitsamt seinen Bildern renoviert, 1596 wird ein teures Messbuch aufgeführt, 1597 arbeitete man am Turm und die Kirche erhielt ein neues Gestühl, die vorgenannten drei Fenster wurden 1605 innen eingemauert und verglast, und 1606 findet ein »Bildnis des St. Jörgen« Erwähnung. 1610 wurde das Dach gedeckt, 1612 eine neue Leiter zu den Glocken hinauf samt einer Sitzbank zum Altar geliefert, 1618 verbuchte man mehr als neun Gulden für den Kauf eines Messgewandes, zusätzlich wurde die Kapelle frisch verputzt und geweißt; 1627 ließ man alle Ornate und Altartücher ausbessern, der Schlosser fertigte einen Geldstockbeschlag, dazu zwei Schlösser sowie ein Band für das Kirchengitter. Und noch 1629 rechnete der Zechpropst fünf Gulden für Opferwein ab!

All dies lässt nun so gar nicht den Eindruck eines verwahrlosten, verlassenen Gotteshauses entstehen. Offensichtlich diente die mehr oder weniger übertriebene Darstellung der Stadtväter als Mittel zum Zweck. Eine »veraltete«, in Wahrheit aber das Marktgeschehen und das Treiben am Platz störende und daher dort nicht mehr gut gelittene Kapelle sollte beseitigt und zugleich ihr nicht unbeachtliches Vermögen – in den Rechnungen der Jahre 1601 bis 1629 überstiegen die Einnahmen aus Stiften, Kapitalienzinsen, Ewiggeldern usw. die Ausgaben stets deutlich, am Ende um mehr als 100 Gulden – und in gewissem Umfang das Abbruchmaterial für die neue Friedhofskirche »extra muros« genutzt werden.

Der Taktik war Erfolg beschieden. Am 7. Februar 1639 las der Prälat des Klosters Baumburg in der Capellen ufm Blaz eine letzte heilige Messe, um sie anschließend zu profanieren. Wenige Tage später wurde sie demoliert, wobei die ganze Stadtgemeinde sich anerboten hatte, die abgebrochen Pau- und andere Materialia ohne alle Uncosten […] abweckh und hinaus auf den Pauplaz zefiehren.(18) Die Geschichte der rätselhaften Kapelle am Schrannenplatz hatte ein ruhmloses Ende gefunden.

Vom ersten Begräbnis bis zur Auflassung

Auch die Weihe des neuen Friedhofs am 25. März 1639 nahm der Prälat von Baumburg vor, wofür ihm »ein 34 Lot schwerer Becher und 12 Taler verehrt« wurden.(19) Tags darauf legte man den Grundstein zur neuen Kapelle St. Georg und Katharina. Mit ihrer Erbauung beauftragt wurde der Traunsteiner Stadtmaurer Wolf König (»Khinig«), der schon den Abbruch der alten Kirche geleitet hatte; Maria Eck sowie die Salinenkapelle können ebenfalls mit dem Namen dieses Meisters in Verbindung gebracht werden.

Noch im gleichen Jahr, am 16. Dezember 1639, konnte die Baurechnung abgeschlossen werden,(20) nachdem am 25. November, dem Festtag der heiligen Katharina, das erste Amt gehalten worden war. Den ersten Toten hatte man – ungeachtet der laufenden Bauarbeiten – bereits am 11. Mai bestattet, woran noch ein Gedenkstein an der Außenwand der Kirche links neben dem Eingang erinnert: »Anno 1639 ist auf diesem Freithoff der Erste begraben worden, Hanns Distl, Purger und Pindter in Traunstein. Deme zum Gedechtnus Georg Pernrainer, Purger und Pindter alda, disen Stain auferichten lassen anno 1668.«

Der Friedhof war seiner Bestimmung übergeben worden, und fortan wurden die Toten der Stadt hier zur ewigen Ruhe gebettet. 1668 errichtete man eine Sakristei und ein Oratorium, 1687 einen »Totenerker« (= Beinhaus) an der Nordseite der Kirche.(21) 1754 wurde die baufällige Friedhofsmauer abgebrochen und neu errichtet.(22) 1809 beschädigte ein Blitzschlag den Turm erheblich, worauf Traunsteiner Handwerker 1823 sein neues, heutiges Aussehen mit dem charakteristischen vergoldeten Stern als Spitze schufen. 1824 wurde ein Leichenhaus gebaut (und 1855 und ein weiteres Mal 1876 vergrößert).(23) Anfang des 19. Jahrhunderts erhielt der Gottesacker in mehreren Abschnitten auch seine charakteristischen Arkaden samt Grüften und Grottenkapellen an den vier Ecken.(24) Ein zeitgenössisches Bild zeigt die Anlage kurz nach ihrer Vollendung im Jahr 1828.(25) Zum Gedenken an die Gefallenen des Russlandfeldzuges kam 1837 der Obelisk zur Aufstellung.(26)

Mit Beginn des 20. Jahrhunderts war auch diese »liebenswerte, stadteigene Ruhestätte« (Kasenbacher) zu klein geworden. Ersetzen sollte sie der kommunale Waldfriedhof an der Wasserburger Straße unter Beachtung detailliert geregelter Übergangsbestimmungen: »Die im bisherigen Gottesacker der katholischen Kirchengemeinde Traunstein […] für denselben gemieteten Grabhallen und in demselben errichteten Grüfte und Denkmäler dürfen, insoferne der Mietvertrag nicht eher endet, von den Mietern noch zwanzig Jahre hindurch von der Eröffnung des städt. Friedhofes ab mit nachstehender Einschränkung von Beerdigungen im bisherigen Stande erhalten werden. Auf die Dauer von drei Jahren, von der Eröffnung des städtischen Friedhofes ab, ist in den zur Zeit bereits vorhandenen ausgemauerten Grüften der Grabhallen (Arkaden) des bisherigen Gottesackers der Sepulturgemeinde Traunstein-Au die Beerdigung der Mieter derselben, deren Ehegatten, Eltern, Kinder und Geschwister noch gestattet.«(27)

Am 16. März 1909 wurden letztmals die sterblichen Überreste eines Traunsteiner Bürgers, es handelte sich um den Metzgermeister und ehemaligen Wiesenwirt Josef Rinner, bei St. Georg und Katharina beigesetzt; im Freien hatte noch am 11. Juli 1908, wenige Tage vor Eröffnung des neuen Friedhofs, eine Beerdigung stattgefunden.(28) Die endgültige Auflassung erfolgte schließlich am 1. Mai 1920.

Franz Haselbeck


Teil 2 in den Chiemgau-Blättern Nr. 30/2008

Anmerkungen:
(1) »Sepulcrum« bedeutet christlicher Begräbnisplatz, Begräbnis oder Grabmal, »Sepultur« das Recht, Tote in einer Kirche oder auf dem Friedhof beerdigen und dafür Stolgebühren erheben zu dürfen.
(2) Bemerkenswert ist auch das Epitaph des Traunsteiner Bürgers und Handelsmanns Hans Schächner, eines von zwei erhaltenen Holzepitaphen in Haslach, 1661 von dem Traunsteiner Maler Gregor Hueber gefertigt und seit 2007 restauriert und wieder in der Kirche zu bewundern; es zeigt neben dem (zum Entstehungszeitpunkt noch lebenden) Stifter dessen vier verstorbenen Ehefrauen mitsamt den gemeinsamen Kindern in der bürgerlichen Tracht des frühen 17. Jahrhunderts. (Albert ROSENEGGER, Maler zwischen Renaissance und Barock, in: Chiemgau-Blätter 2007, Nr. 3 u. 4)
(3) Pfarrarchiv St. Oswald, A VII 54: Geschichte und Beschreibung des Friedhofs 1828 (mit Nachträgen von Büchele). Mathias Büchele (1815–1879), Benefiziat der Zirnberger Messe in St. Oswald, liefert die Grundlagen der heutigen Stadtgeschichtsschreibung. Seine Forschungen zeichnen sich durch eine für die damalige Zeit hohe Genauigkeit aus.
(4) Stadtarchiv Traunstein, A III 3/19.
(5) Albert ROSENEGGER, Als die »laidige Sucht der Pest« grassierte. Die Pestzeiten in der Stadt Traunstein während des Dreißigjährigen Krieges, in: Jahrbuch 1991 des Historischen Vereins für den Chiemgau zu Traunstein, S. 25–63.
(6) Stadtarchiv Traunstein, Urkunde Nr. 789 in Verbindung mit Nr. 810.
(7) Stadtarchiv Traunstein, A VIII 21/4: Schreiben der Stadt Traunstein an den Salzburger Erzbischof vom 6. Dezember 1638.
(8) Stadtarchiv Traunstein, Urkunde Nr. 1065 v. 20. November 1638.
(9) Franz HASELBECK, Herzogsburg, Veste und Pfleggericht Traunstein, in: Jahrbuch 1991 des Historischen Vereins für den Chiemgau zu Traunstein, S. 58-86.
(10) Stadtarchiv Traunstein, Urkunde Nr. 14a v. 3. Februar 1405; Nr. 19 v. 25. März 1419; Nr. 63 v. 25. November 1455.
(11) Die Angaben in Kasenbachers Stadtgeschichte (Anton KASENBACHER, Traunstein – Chronik einer Stadt in Wort und Bild, Grabenstätt 1986, S. 70) sind nachweislich falsch: »Eine St. Georgs- und Katharinenkapelle, im Vergleich zur ansehnlichen St. Oswald-Kirche ein bescheidener Bau, lag an der Schattenseite des unteren Schrannenplatzes vor dem heutigen Haus Stadtplatz 29. An ihrer Stelle stand später der Floriansbrunnen […].« Zwei Einträge in den städtischen Briefprotokollen vom 10. Dezember 1623 (Nr. 1626; P II 15/737) und vom 21. Mai 1635 (Nr. 2131; P II 19/1234) setzen eindeutig die heutigen Häuser an der Sonnenseite Stadtplatz 19 (»gegenüber von St. Georg«) und 20 (»gegenüber der Kirche St. Georg«) in nachbarschaftlichen Bezug zu dieser Kapelle; weitere Hinweise ließen sich nicht ermitteln. Darüber hinaus kann der Florians- oder untere Schrannenplatzbrunnen bereits 1549 erstmals nachgewiesen werden (s. Anm. 20). Auf den falschen Standort der Kirche wies lange Jahre auch eine Gedenktafel am Haus Stadtplatz 29 hin (errichtet kurz nach 1850; s. Stadtarchiv Traunstein, A 324/3-1: Aufstellung von Gedenktafeln zur Erinnerung an zerstörte historische Gebäude im Stadtgebiet 1852-1858). Der Wortlaut des Textes: »Hier stand die St. Georgs- und Katharinenkapelle schon 1405. Abgebrochen und ausser die Stadt verlegt 1639. Zeit der Erbauung unbekannt. (Text nach Johann Josef WAGNER, Geschichte der Stadt Traunstein, Neuauflage Grabenstätt 1983, Beilage Nr. 9: Verzeichnis der Denkmäler und Gedenksteine in der Stadt Traunstein.)
(12) Stadtarchiv Traunstein, Urkunde Nr. 105 v. 1. Mai 1484.
(13) Stadtarchiv Traunstein, A VIII 21/4: »Verzaichnus derjechnigen Puncten, so Burgermaister unnd Rath sowohlen ein gannze Gemain der curfürstlichen Statt Traunstain zu Aufrichtung eines neuen Gotsackhers, dan Transferierung S.S. Geörgen et Catharina virginis Capelln bewegen und antreiben thuet.«
(14) Bayerisches Hauptstaatsarchiv München, Plansammlung Nr. 5844; abgebildet u. a. bei KASENBACHER, Traunstein, nach S. 272.
(15) Herbert WEIERMANN, Die Stadtpfarrkirche St. Oswald. Eine bau- und kunstgeschichtliche Betrachtung, in: Der Traunsteiner Stadtplatz, Rosenheim 1999, S. 106-123.
(16) Georg SCHIERGHOFER, Die Traunsteiner Georgskirche und ihr Friedhof. Vortrag in der Monatsversammlung des Histor. Vereins für den Chiemgau am 17. Mai 1920, in: Heimatbilder aus dem Chiemgau (Beilage zum »Traunsteiner Wochenblatt«) 1921, 23.–26. Ausgabe. Schierghofers Arbeit ist die einzige in Druck erschienene Abhandlung, die sich ausführlicher mit der Geschichte von St. Georg und Katharina, sowohl des alten wie auch des neuen Baus, beschäftigt.
(17) Stadtarchiv Traunstein, Rechnungen R 16.
(18) Stadtarchiv Traunstein, A VIII 21/4: Schreiben der Stadt Traunstein an den Salzburger Erzbischof vom 6. Dezember 1638 und an den Notar des Klosters Baumburg Adam Piberger vom 5. Februar 1639.
(19) SCHIERGHOFER, wie Anm. 16.
(20) Stadtarchiv Traunstein, Rechnungen R 16: Baurechung St. Georg und Katharina 1639. Die Einleitung lautet: Folgt hernach, was yber Abprechung der Kapelln, herein Fiehrung des Prunß, Einplanckhung des Freidhof und wider Auferpauung St. Georg et Katharina Khappelln Ursachen […] ist bezalt worden. Diese »herein Fiehrung des Prunß« interpretierte Schierghofer fälschlicher Weise dahingehend, dass anstatt der Georgskirche am Stadtplatz ein Brunnen, und zwar der untere Schrannenplatz- oder Florianibrunnen, errichtet worden war. Dieser existierte jedoch nachweislich schon 1549 (Judith BADER, Die Brunnen – Zeichen im Platz, in: Der Traunsteiner Stadtplatz, Rosenheim 1999, S. 124–137). Unter besagter »Hereinführung des Brunnens« ist wohl eine Wasserleitung zum Bauplatz zu verstehen, worauf auch die gleichfalls in der Abrechnung genannten »Teichen« (= Deicheln) hindeuten.
(21)Stadtarchiv Traunstein, A VIII 21/9; laut KASENBACHER, Traunstein, S. 72, wurde 1828 »dieses Verließ als vom Zeitgeist überholt beseitigt«. Diese Behauptung scheint unrichtig; die bereits zitierte Friedhofsgeschichte (s. Anm. 3) von 1828 führt aus: »[…] die sogenannte Seelen Kapelle (vulgo auch Seelen-Kerkerl genannt) war lange Zeit eines der frostigsten Behältnisse, unansehnlich, einem schlechten Keller aehnlich, ein Depot, worinn die vielen Schedel und Gebeine, durch Güsse von Weihwasser immer angefeuchtet, verdoppelten Modergeruch« verbreiteten. Nach der zum Berichtszeitpunkt erfolgten, weitgehenden Entfernung und Bestattung der Gebeine wäre der »schlechte Winkl zur freundlichen Form gebracht« worden. Der Abriss des Anbaus an der Nordseite der Kirche erfolgte somit wohl erst nach 1828.
(22) SCHIERGHOFER, wie Anm. 16.
(23) Pfarrarchiv St. Oswald, A VII 61.
(24) Die Erbauung der Arkaden zog sich über einen längeren Zeitraum hin. Die »Begräbnisbögen« am südlichen Eingang bestanden um 1800 bereits, die Nordseite wurde zwischen 1813 und 1814, der Westgang im Anschluss an das Leichenhaus 1826 bis 1827 errichtet. Eine testamentarische Stiftung ermöglichte abschließend die »Gleichstellung der ganzen Ostseite mit der oben bezeichneten West-Seite« (Pfarrarchiv, wie Anm. 3).
(25) KASENBACHER, a.a.O., S. 75 oben. Das Gemälde ist exakt zwischen 1824 (Erbauung des Leichenhauses) und 1837 (Aufstellung des Obelisken, der auf dem Bild noch fehlt) zu datieren.
(26) Enthüllung am 15. Oktober 1837.
(27) »Ordnung für den städtischen Friedhof in Traunstein«, veröffentlicht als Beilage zum Traunsteiner Wochenblatt vom Donnerstag, 2. Juli 1908, Nr. 79 als Amtsblatt für den Stadtmagistrat Traunstein; die auszugsweise zitierten »Übergangsbestimmungen« sind unter § 1 aufgeführt.
(28) SCHIERGHOFER, wie Anm. 16.



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