Jahrgang 2002 Nummer 28

Die Alzbrücke in Truchtlaching

Baumaßnahmen während der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts

Die Salzstraße von Traunstein nach Wasserburg führte in Truchtlaching über die Alz.

Die Salzstraße von Traunstein nach Wasserburg führte in Truchtlaching über die Alz.
Die Truchtlachinger Alzbrücke während der fünfziger Jahre des 20. Jahrhunderts.

Die Truchtlachinger Alzbrücke während der fünfziger Jahre des 20. Jahrhunderts.
Schriftliche Zeugnisse im Pfarrarchiv Truchtlaching zeigen, mit welchen Problemen die Bevölkerung der Pfarrei und der Gemeinde Truchtlaching konfrontiert war, wenn die hölzerne Alzbrücke nicht mehr begehbar war. Der Pfarrsitz in Poing war wie die Gemeindeorte Döging und Point sowie die zur Pfarrei gehörenden Höfe in der Erschlecht in solchen Fällen vom Dorf und somit von der Pfarrkirche abgetrennt. Kirchliche, gemeindliche und schulische Verrichtungen wurden unterbrochen und die Truchtlachinger Bauern konnten ihre Grundstücke auf der anderen Seite der Alz nicht mehr bewirtschaften. Aber auch der Fernreise- und Handelsverkehr verlängerte sich zwischen Traunstein und Wasserburg um eineinhalb Stunden, wenn Kutschen und Fuhrwerke plötzlich die Alzbrücke in Altenmarkt verwenden mußten.

Die Salzstraße führte über die Alzbrücke Truchtlaching

Pfarrer Alippius Schießl von Truchtlaching schrieb am 1. Juli 1811 an die königlich-bayerische Wasser- und Straßenbauinspektion in Rosenheim:

Schon vor geraumer Zeit hat die Gemeinde in Truchtlaching um die Wiederherstellung der ganz ruinösen Brücke daselbst unterthänigst gehorsamst angehalten, aber bis jetzt noch keine Antwort erhalten. Diese Brücke wurde von jeher vom allerhöchsten Aerario underhalten, in dem nicht nur die alte Salzstraße durch Truchtlaching führt, sondern auch der Weeg von Traunstein nach Waßerburg um 1 1/2 Stunden näher ist als über Altenmarkt.

Die Gemeinde in Truchtlaching besizt außerhalb dieser Brücke viele und bedeutende Grundstücke und hat selbe durch Kauf der ehemals pfarrlichen Gründe vermehrt, worüber auch bereits die allergnädigste Ratification erfolgt ist. Sie kann aber diese Gründe für die Zukunft nicht mehr benützen und es ist traurig, wenn der Unterthan seine Abgaben für diese erlegen soll, wovon er keinen Nutzen ziehen kann.

Überdies ist das Pfarrgebäude von Truchtlaching eine Viertlstunde von hier entfernt, und der H. Pfarrer nebst den Dorfschaften Döging und Erschlecht können nur über diese Brücke zur Pfarrkirche kommen. Die k. b. Wasser- und Straßenbau-Inspection wird die Beschwerden und Gefahren bey Tag und besonders zur Nachtszeit nicht verkennen, die mit einer ruinirten Brücke verbunden sind, worüber man keinen sichren Schritt mehr setzen kann. Die Gründe haben uns gezwungen, unsre unterthänigst gehorsamste Bitte nun an eine k. b. Waßer- und Straßenbau-Inspection Rosenheim in aller Ehrfurcht um die schleunigste Wiederherstellung dieser zerfallenden Brücken zu übergeben, womit wir die Ehre haben mit aller Hochachtung zu verbleiben.

Hofmarksherr in Stein lieferte kein Brückenbauholz

Zimmermeister Joseph Kröll berichtete am 24. August 1812, auf die Anfrage des Titl. Herrn Verwalter in Stein, wegen Holzabgabe, erhülte ich die Antwort, daß zwar von dem k. b. Kreis Comisariat in Salzburg der Auftrag hiezu gemacht worden, aber für dermahl Lösch Titl. Herr Graf auf keinen Fall derley abgeben, dann er habe sich nach München gewendet. Das weitere mindlich. Morgen sind die Zimmerleute zum Mosbinger und Irschl besteldt, um die erforderlichen 120 Strähbäum auszuhauen und die Brücke gänzlich herzustellen. Die leztern Tage gehe ich nach Traunstein...

Rechnung für die Baumaßnahmen im Sommer 1812

Einnahmen:

Die allgdst. ratifizierte Summe zur Truchtlachinger Brücke 516 fl. 36 X. Von dieser Summe hat das königl. Landgericht Traunstein den 29. Juni 1812 hergegeben 300 fl. - bleibt also Rest noch herauszuzahlen 216 fl. 36 X., welcher bereits auf den 24. Juli bezahlt wurde.

Ausgaben:

dem Starfinger Georg Fölsl für 36 Ensbäume a' 3 fl
........................................................................................................108 fl.
dem Urban Esinger für 200 Strahbäum a' 9 X.
..........................................................................................................30 fl.
dem Leonard Hofmann Irschl für 18 Geländerbäume und 50 Strahbäum
..........................................................................................................14 fl. 42 X.
dem Wolfgang Mospinger für 250 Strahbäume
..........................................................................................................37 fl. 30 X.
dem Joseph Wenger für 18 Geländerbäume
............................................................................................................7 fl. 12 X.
Nebst diesen hat H. Zimmermeister Kröll vom 29. Juni bis 4. Juli von der obigen Einnahmssumme bezahlt 15 Zimmertaglohn a' 42 X.
..........................................................................................................10 fl. 30 X.
Meisterschichten 5 Tag a' 54 X.
............................................................................................................4 fl. 30 X.
Summe
........................................................................................................212 fl. 24 X.
den 11. und 18. Juli an Lohn a' 42 X. ausbezahlt insgesamt
......................................................................................................... 45 fl. 24 X.
(davon 10 Meisterschichten a' 54 X. und insgesamt 52 Zimmermannlöhne
a' 42 X. an Joseph Miertl, Joseph Mayr, Joseph Schuster, Andrä Hochholzner von Feldkirchen, Petrus Gruber, Michael Freimoser, Franz Schupfner, Simon Hilger, Barthl Nagl)
dem Johann Harn Lex zu Ebering für eine Eiche zu 4 Schammeln
......................................................................................................... 17 fl.
den 25. Juli an Lohn ausbezahlt
......................................................................................................... 32 fl. 39 X.
(davon 6 Meisterschichten; Löhne an Joseph Miertl, Joseph Schuster, Barthl Nagl, Andrä Hochholzner, Simon Hilger, Franz Schupfner, Peter Gruber, Michael Freimoser)
den 1. August an Lohn ausbezahlt
......................................................................................................... 22 fl. 24 X.
(davon 2 Meisterschichten; Löhne an Joseph Miertl, Joseph Schuster, Barthl Nagl, Andrä Maurer, Andrä Hochholzner, Franz Schupfner)
den 8. August an Lohn ausbezahlt
......................................................................................................... 31 fl. 9 X.
(an Johann Schneereither, Joseph Miertl, Joseph Schuster, Barthl Nagl, Andrä Maurer, Andrä Hochholzner, Johann Gastner, Peter Gruber)
den 14. August an Lohn ausbezahlt
......................................................................................................... 28 fl. 54 X.
(davon 1 Meisterschicht; Löhne an Johann Schneereither, Joseph Miertl, Michel Freimoser, Joseph Schuster, Barthl Nagl, Andrä Hochholzner, Andrä Maurer, Johann Gastner, Peter Gruber, Franz Schupfner)
den 22. August an Lohn ausbezahlt
......................................................................................................... 37 fl. 6 X.
(an Johann Schneereither, Joseph Miertl, Michl Freimoser, Joseph Schuster, Barthl Nagl, Andrä Hochholzner, Johann Gastner, Petrus Gruber, Franz Schupfner)
Die Gesamtsumme aller Ausgaben betrug
........................................................................................................426 fl. 3 X.
Strahbaum (Sträbaum):
die schwachen Querhölzer, mit denen die Balken belegt werden (Schmeller Bd. 2/1, S. 802).
Ensbaum (Änsbaum):
das starke und lange Brückenbauholz (Schmeller Bd. 1/1, Sp. 112 f.).

Weitere Baumaßnahmen bis 1832

Die Alzbrücke wurde im Januar 1818 ausgebessert, wobei das königliche Landgericht Traunstein die Kosten aus der Existenzkasse bestritten hatte.

Schon wenige Jahre später wies die Brücke erneut große Schäden auf. Deshalb schrieb Pfarrer Chuno Niggl von Truchtlaching am 14. Dezember 1824 an die königlich-bayerische Regierung des Isarkreises:

Schon seit geraumer Zeit hält die Gemeinde Truchtlaching um die Wiederherstellung der ganz ruinösen Alzbrücke daselbst beym kgl. Landgericht Traunstein unterthänigst gehorsamst an, ohne etwas erlangen zu können. Weil nun auch meine Pfarrwohnung Poing durch die Alza von der Pfarr- und Filialkirche, dem Pfarrhof und beynahe allen Parochianen auch nach der neuen Klosterpfarr-
organisation getrennt ist: so glaube ich keinefremde, sondern Pfarramtssache zu besorgen, wenn ich um al-
lergnädigste Herstellung dieser Brücke meine demüthigste Bitte einreiche, indem ich bey Nacht wie bey Tag diese Brücke zu passieren und meine Bedürfnisse herüber zu bringen habe; selbst aber als organisierter Pfarrer dazu einen Beytrag zu leisten außer Stand und Verbindlichkeit bin. Ferners sind noch 18 Häuser des linken Alzufers nach Truchtlaching eingepfarrt. Auch ahme ich hierin nur das Beyspiel meines seel. Vorstehers nach, welcher im Jahre 1811, wo auch diese Brücke äußerst schadhaft war, zum k. General Kreis Kommissariat die Sache unterthänigst sich gewendet und erlanget hat, daß im Jahre 1812 diese Brücke auf Aerarialkosten wieder hergestellt werde.

Denn in frühern Zeiten wurde diese Brücke von der landesherrlichen Mauthkasse unterhalten, und weil die darüber führende Strasse von Traunstein nach Wasserburg weit gelegener als die über Altenmarkt ist, so wird diese alte und neue Salzstraße nicht nur von Salzfuhren befahren sondern auch von andern und soweit die Brücke beschädiget, und kann mithin die Gemeinde allein nicht aufgebürdet werden. Zwar haben auch die Bauern Truchtlachings auf dem lingen Ufer Flächen, aber der größer Theil ist zur Zeit der Saecularisation von dem Pfarrwiddum angekauft worden und verlieren mithin ohne Brücke für die bishero von ihrem Werth, zudem werden die nit gwerbstreiben blosen Unterthanen ohne Brücke nicht mehr bestehen können.

Doch diese Gründe mag der Anwalt der Gmeinde ausführlicher darstellen: ich will nur die anfangs genannten und vom Pfarramte ausgehenden Motive allunterthänigst gehorsamst in nochmaligen Erinnerung bringen. Meine bedrängte Lage zur höchsten Beherzigung empfehln und um gnädigste Abhilfe allerdemüthigst bitten. Der ich in tiefster Ehrfurcht verharre.
Poing bey Truchtlaching, den 14. Dezembers 1824

Pfarrer Chuno Niggl notierte weiter: Im März 1826 wurde die Brücke völlig neu gebaut. Mehrere Gemeinden hatten Frondienste zu leisten, die Saline Traunstein lieferte das Holz, die übrigen Kosten bezahlte das Landgericht Traunstein. Auch wurde zwei bis drei Jahre »eingefället«, also für den Brückenbau Holz geschlagen. 1832 wurde die Brücke verbreitert und neu belegt, sowie ein Bruckstadel erbaut.

15 Gemeinden und 2 Hofmarken am Unterhalt der Brücke beteiligt

Der Unterhalt der Brücke wurde von den vom Alzübergang in Truchtlaching profitierenden Gemeinden zwischen Obing und Oberhochstätt anteilig bezahlt. Dies geht aus einem Schreiben vom 22. November 1842 der Kgl. Regierung von Oberbayern über ihren Beschluss zur Erhaltung der Alzbrücke in Truchtlaching hervor.

Die unterfertigte königliche Regierung hat sich in rubr. Sache Vortrag erstatten lassen, und beschließt nach gepflogener collegialer Berathung:
I.
Es sey nunmehr die, in Gemäßheit der Entschließung vom 9ten Dezember 1841 eingeleitete Distriktsumlagen Behufs der Herstellung der Alzbrücke in Truchtlaching per 928 fl. 2 X. res. 1068 fl. 29 X. nach der, von dem königl. Landgerichte Traunstein entworfenen und von der Distrikts-Versammlung anerkannten Repartition vom 15ten Februar 1842 in der Art zu erheben daß
1.)
das königl. allgemeine und das königl. Salinen-Aerar 2/3tl des nöthigen Bauholzes mit 375 fl.
2.)
die Gutsherrschaft Stein das 3te Drittl des Holzes mit 139 fl. 48 X. beizutragen, und
3.)
die Gemeinde Truchtlaching nach 11 1/2 Prozent, die Gemeinde Erlstätt, Hart, Chieming, Oberhochstätt, Pattenham, Sondermoning, Tabing nach 7 1/2, Vachendorf, Waltersdorf, Seeon, Obing nach 7, Nußdorf nach 6 1/2 und endlich Haßmoning und Rabenden, sowie die Gutsherrschaften von Pertenstein und Stein nach 6 Prozent ihren jährlichen Steuersummen zu konkuriren haben.
II.
Dem Distrikte bleibe unbenommen seine etwaigen auf Privatrechtstitel gegründeten Ansprüche gegen das königliche Aerar wegen Übernahme der ganzen Baupflicht im Rechtswege geltend zu machen.

Gründe:

Nachdem auf Seiten keines concurrenzpflichtigen Theiles, die ausschließende Baulast, wenn auch behauptet, erwiesen ist, haben die allgemeinen gesetzlichen Bestimmungen Platz zu greifen.

Hiernach ist die Gemeinde Truchtlaching, für welche die Brücke über die Alz nach einstimmiger Anerkennung eine Lebensfrage ist, zu deren Unterhaltung aus Lokal und res. Gemeinde-Kräften zunächst verbunden, bei deren Unzureichenheit wie in concreto die sämmtl. dabey Betheiligten districtive mitzuwirken haben. Es ist sohin die Zuläßigkeit einer Distriktsumlage ungeachtet des erfolgten Widerspruches der Versammlung gegeben.

Daß nun, bezüglich der in dem Conkurenz-Bezirk gezogenen Theile eine solche Betheiligung bei Erhaltung der fraglichen Brücke bestehe, welche hinreicht, um sie für konkurrenzpflichtig zu erklären, ist bei der Gemeinde Truchtlaching an und für sich, bei den übrigen Gemeinden aber daraus klar, daß sie die sogenannte Salzstrasse von Laimgrub nach Obing von den die Brücke einen Theil bildet, benützen, als ihnen auch von dem passirnden Fuhrwerk Elumente zugehen, wie endlich, daß sie seit 1812 zu dem fraglichen Bau konkurirt haben. Was die Beziehung des königl. allgemeinen Aerars sowie des Salinen Aerars betrifft, so ist sie, auch abgesehen von der besonderen Betheiligung, welche bei ersteren durch das allgemeine Staats-Interesse bei solchen Bauten, bei letzteren bezüglich des Salztransports besteht, schon darin begründet, daß die Baupflicht des königl. Aerars, in welche derselbe als Successor universalis (= allgemeiner Nachfolger) des Klosters Baumburg eintrat, durch sein einseitiges Zurücktreten nicht rechtlich aufgehoben erscheint, sohin so lange dieselbe noch strietig ist, allerdings eine Conkurenz-Pflicht zu den einstweiligen Lasten, vorbehaltlich der einstigen Entschädigungsansprüche des siegenden Theils an den unterliegenden, besteht.

Das königl. Landgericht Traunstein erhält diesem nach die vorgelegten Akten in 5 Faszilen, res. 8 Heften sammt dem Distrikts-Versammlungs-Protokolle vom 7ten Dezember 1842 zur geeigneten Publication und weitere Verfügung zurück.

München den 22. November 1842

MS



28/2002