Jahrgang 2006 Nummer 22

Der Hesselberg – Die Anfänge des bayerischen Segelflugs

Sonderausstellung in der Flugwerft Schleißheim bis 17. September 2006

Mühsam transportieren die Flugschüler ein »Grunau Baby« den Berg hinauf zum Startplatz; 1944.

Mühsam transportieren die Flugschüler ein »Grunau Baby« den Berg hinauf zum Startplatz; 1944.
Flugbegeisterte Jugendliche, vermutlich aus Nürnberg, mit ihren Schulflugzeugen; um 1933.

Flugbegeisterte Jugendliche, vermutlich aus Nürnberg, mit ihren Schulflugzeugen; um 1933.
Der Hesselberg in Mittelfranken war bereits in den 1920er und 1930er Jahren, neben der Wasserkuppe in der Rhön, ein bedeutender und beliebter »Fliegerberg« in Deutschland. Ab 1928 entwickelte er sich vor allem durch die jährlichen bayerischen Segelflugwettbewerbe und eine renommierte Fliegerschule zum Zentrum des bayerischen Segelflugs. Als einzige Erhebung in einer flachen Umgebung und mit einer Höhe von 689 Metern bot er die optimalen natürlichen Voraussetzungen für die Ansiedlung des Segelflugsports.

Bis 17. September 2006 zeigt die Flugwerft Schleißheim des Deutschen Museums die Sonderausstellung »Der Hesselberg – Die Anfänge des bayerischen Segelflugs«. 180 Fotografien aus der Privatsammlung des Modellfliegers Hans Ritter und zahlreiche Modelle berühmter Segelflugzeuge dokumentieren eindrucksvoll die Geschichte des Segelflugs von 1928 bis 1945 am Beispiel des Hesselbergs. Die Ausstellung zeigt darüber hinaus, wie die Nationalsozialisten die Freude und Begeisterung am Segelflug systematisch ausnutzten, um gezielt vor allem junge Flieger als spätere Militärpiloten zu rekrutieren.

Neben seinen besonderen geographischen Eigenschaften als einzige Erhebung in einer flachen Landschaft, erfüllte der westlich von Dinkelsbühl gelegene Hesselberg noch eine weitere, wichtige Bedingung für den Segelflug: Seine Hänge waren unbewachsen. Damit eignete er sich sehr gut für den Start von Segelflugzeugen, die anfangs noch mit Gummiseilen gestartet wurden. Der Hesselberg stand zunächst im Schatten der Wasserkuppe in der Rhön, auf der 1920 die Segelflugbewegung ihren Anfang nahm. Bis 1945 wurde der Hesselberg als Fluggelände genutzt. In der Nachkriegszeit lösten der Windenstart und der Flugzeugschlepp den klassischen Katapultstart am Hang ab. Damit war der Segelflug nicht mehr an Berge gebunden und der Hesselberg verlor seine Bedeutung.

Die Ausstellung zeigt die anfangs äußerst einfache Ausrüstung und Ausstattung auf dem Fluggelände, die bescheidenen Flugzeughallen und die nach heutigen Verhältnissen primitiven Fluggeräte. Die Fotos dokumentieren den Bau des liebevoll »Datschi« genannten Segelflugzeugs des Augsburger Vereins der Luftfahrt und Modelle stellen berühmte Segelflugzeuge mit so illustren Namen wie Grüne Post, Schulgleiter SG 38, Rhönbussard und Minimoa vor. Auch der Flugbetrieb, eine damals schweißtreibende Angelegenheit, wird durch die Fotos wieder lebendig. Die Segelflugzeuge wurden von einer großen Bodenmannschaft mit Gummiseilen in die Luft katapultiert und nach der Landung mühsam die steilen Hänge hinauf zurück zum Startplatz geschleppt.

Die Machtübernahme durch die Nationalsozialisten 1933 markierte am Hesselberg eine neue Ära. Mit Hilfe staatlicher Mittel wurde der Hesselberg zur Reichssegelflugschule ausgebaut. Es entstanden neue Flugzeughallen und Unterkunftsgebäude, am Fuß des Hesselbergs wurde ein Motorflug-Landeplatz zum Schleppen der Segelflugzeuge angelegt. Die Flugbegeisterung, gerade auch von Jugendlichen, wurde systematisch ausgenutzt und der Segelflug zur Rekrutierung späterer Militärpiloten als Teil der militärischen Aufrüstung praktiziert.



22/2006