Jahrgang 2004 Nummer 43

Der größte Bergkristall der Schweiz

Eine Attraktion bei den Münchner Mineralientagen – Jade-Kunstwerke aus China

Füllhorn aus hellgrüner Jade, 3. Jahrhundert nach Christus, chinesisches Zeremonialgefäß.

Füllhorn aus hellgrüner Jade, 3. Jahrhundert nach Christus, chinesisches Zeremonialgefäß.
Zwillingskristall aus China mit leuchtendem Zinnober.

Zwillingskristall aus China mit leuchtendem Zinnober.
Es sind jetzt vier Jahre her, dass die zwei Schweizer Edelsteinsucher Michael Flepp und Alfred Derungs in dreitausend Meter Höhe eine viel versprechende Kluft entdeckten, aus der sie im Laufe der nächsten Jahre eine Reihe wertvoller Kristalle bargen. Sowohl das notwendige Werkzeug als die gefundenen Steine mussten sie mit Muskelkraft den Berg hinauf- und hinabtransportieren. Im Jahre 2002 machten sie dann ihren Jahrhundertfund: Zwei riesige Bergkristallgruppen, die in Sammlerkreisen bald für Aufsehen sorgten.

Mit einer Sondererlaubnis der Behörden wurde ein Hubschrauber eingesetzt, um die 950 kg und 1150 kg schweren Kristallstufen – die größten der Schweiz – zu Tal zu befördern. Der größere der beiden, der »Stern der Vier Winde«, ist in Deutschland erstmals bei den diesjährigen Mineralientagen auf der Neuen Messe in München vom 29. Oktober bis zum 31. Oktober zu bestaunen.

Im Mittelpunkt der Mineralientage stehen heuer die Edelsteine aus China, insbesondere Jade, der Stein des Himmels, wie ihn die Chinesen nennen. In einer Sonderschau kann der Besucher herrliche Exemplare der Jade-Kunst besichtigen. Jade hatte für die Chinesen eine besondere Bedeutung, weil er die fünf Haupttugenden der taoistischen Lebenskunst verkörperte: Weisheit, Gerechtigkeit, Barmherzigkeit, Bescheidenheit und Mut. Aus Jade wurden Schmuck und Waffen, aber auch Gebrauchsgegenstände hergestellt. Und weil die heimischen Vorräte nicht ausreichten, wurde Jade importiert, vor allem aus Burma. Diese nahezu durchsichtige, smaragdgrüne Jade war den höfischen Kreisen vorbehalten. Ihre unterschiedlichen Farben entstehen durch eingelagerte Spuren von Eisen, Mangan und Chrom.

China ist außerdem bekannt für seine Zinnoberkristalle in den Farben von Blutrot bis Schwarz. Als rotes Farbpigment ist Zinnober extrem schwer wasserlöslich und kann daher in Malerfarbe oder im Farbkasten als Zinnoberrot direkt verwendet werden. Wie man weiß, hat Franz Marc für seine bekannten Pferdemotive immer wieder das Zinnoberrot benutzt.

Der Freitag, 29. Oktober, ist bei den Mineralientagen dem Fachpublikum vorbehalten. Für die Öffentlichkeit ist die Messe am Samstag und Sonntag von 9 bis 18 Uhr geöffnet.

JB



43/2004