Jahrgang 2004 Nummer 21

Der Ehrenfriedhof »Hohes Kreuz« wurde vor 50 Jahren eingeweiht

Traunstein hat seit jeher herausragend für die Gefallenen gesorgt – Teil II

Der Ehrenfriedhof »Hohes Kreuz«. Blick auf das Gräberfeld.

Der Ehrenfriedhof »Hohes Kreuz«. Blick auf das Gräberfeld.
Der Ehrenfriedhof »Hohes Kreuz«. Blick auf die Kapelle und auf die Stadt
.

Der Ehrenfriedhof »Hohes Kreuz«. Blick auf die Kapelle und auf die Stadt
.
Blick aus der Kapelle auf das Gräberfeld.

Blick aus der Kapelle auf das Gräberfeld.
Geht man in Traunstein entweder den Traundamm oder die Gasstraße entlang zur Ettendorfer Brücke, dann sieht man über dem Steilufer der Traun ein hoch aufragendes Kreuz, genannt das »Hohe Kreuz«. Dieses Kreuz wurde vermutlich zwischen 1853 und 1859 errichtet.(9) Dort oben erwarb die Stadt Traunstein am 3. November 1938 von Frau Maria Pohl das besonders schön gelegene 6653 Quadratmeter große Grundstück, das seit längerer Zeit zum Verkauf stand. Schon am 12. Dezember 1937 empfahl das Bezirksamt Traunstein, die Stadt möge doch das Grundstück erwerben und zu einer Art Garten- oder Pachtanlage ausbauen. Auch die Kreisleitung Traunstein sprach sich am 24. Dezember 1937 für einen Erwerb des Grundstücks durch die Stadt Traunstein aus. Noch im Januar 1938 sah sich jedoch die Stadt hierzu nicht in der Lage, da dringlichere Projekte wie Schlachthof, Gaswerk, Schulhaus, Siedlung u.s.w. zur Realisierung und somit zur Finanzierung anstanden.(10) Aber, wie schon erwähnt, am 3. November 1938 wechselte das Grundstück den Eigentümer, es wurde städtischer Besitz. 1939 kam dann der Zweite Weltkrieg mit allen seinen entsetzlichen Folgen. Die Gefallenen oder die an ihren Verwundungen gestorbenen Soldaten aus Traunstein und Umgebung wurden zunächst im städtischen Waldfriedhof Traunstein bestattet. Diese Kriegsgräber sollten 1949 mit einem Zuschuss des Verbandes der Kriegsbeschädigten und Hinterbliebenen (VdK) instand gesetzt werden, im Hinblick auf einen dauerhaften Ausbau der Kriegsgräberanlage wurde die Angelegenheit aber zurückgestellt. Eine Ortsbesichtigung am 7. November 1951 durch Vertreter der Stadt Traunstein, des Volksbundes Deutscher Kriegsgräberfürsorge e.V. und einem spezialisierten Architekten ergab, dass eine Sanierung der Gräber Kosten in Höhe von etwa 80 000 Reichsmark verursachen und einer zukünftigen Erweiterung des städtischen Friedhofes entgegenstehen würde.(11) Man ging daran, ein anderes geeignetes Grundstück auszumachen. Mit Erfolg, denn aus einem Bericht vom 11. November 1950 geht hervor: »Eine Umfahrt führte u.a. auf die Höhe an der Traun die in der Stadt als Hohes Kreuz bekannt ist. Dieser Platz bietet die besten Voraussetzungen für die Anlage eines Soldatenfriedhofes, der die gesamten Gräber aus dem Chiemgau aufnimmt. Es handelt sich um öffentlichen Grund, der heute Erholungszwecken dient. Die Errichtung des Soldatenfriedhofes an dieser Stelle, würde den ursprünglichen Zweck nicht im Geringsten beeinträchtigen, im Gegenteil den Hügel auch noch zu einem Ort der Besinnung machen. »Das Stadtbild würde durch den Bau des Soldatenfriedhofes an dieser Stelle durchaus gewinnen. ...« Am 23. August 1951 beschloss der Stadtrat, das benötigte Grundstück am Hohen Kreuz dem Volksbund Deutscher Kriegsgräberfürsorge e.V. zur kostenlosen Benützung zu überlassen. Das Traunsteiner Wochenblatt hat das Grundstück so beschrieben: »Der Platz liegt von den Verkehrsadern abseits, so dass der Besucher die Ruhe und Beschaulichkeit aufbringen kann, die zu solchem Verweilen erforderlich ist. Der Friedhof liegt inmitten jahrhundertealter Eichen, Weißbuchen und anderer Laubbäume, die wesentlich mitwirken, den abgeschlossenen Eindruck zu vermitteln und außerdem ist von dort aus ein Landschaftsbild mit den Chiemgaubergen im Hintergrund zu erleben, wie dies in seiner Erhabenheit auch hierzulande eine Seltenheit ist.«(12) Von dort oben aus hat man auch einen prachtvollen Rundblick auf die Stadt und nach Nordosten ist über eine Lichtung der Blick frei zu der nahegelegenen Ettendorfer Kirche mit ihrem schönen Zwiebelturm. Das vorerst Wichtigste, die Grundstücksfrage, war also geklärt. Am 26. Februar 1952 konnte mit dem Bau des Ehrenfriedhofes »Hohes Kreuz« begonnen werden. Zuerst kamen die Umbettungen der Toten. Aus dem städtischen Waldfriedhof Traunstein kamen 272 Überführungen, davon 26 Soldaten aus dem Ersten Weltkrieg. Insgesamt erfolgten 1032 Umbettungen. Am 28. Juli 1952 waren die Maßnahmen abgeschlossen. Der Ehrenfriedhof war nun nicht nur, wie ursprünglich geplant, die letzte Ruhestätte für die gefallenen Soldaten aus den Gräbern im Chiemgau, sondern aus einem viel größeren Bereich. Es wurde ein weiter Kreis gezogen, um die vielen Einzelgräber entlang der Straßen, versteckt in Wäldern und jenen auf den vielen Friedhöfen zusammenzufassen. Die Gräber lagen in den Landkreisen Traunstein, Rosenheim, Mühldorf, Wasserburg, Miesbach, Tölz, Starnberg und Erding.(13) Die Toten kamen aus insgesamt 73 Gemeinden.

Nachdem die Gräberreihen feststanden, konnte mit den Bauarbeiten begonnen werden. Verantwortlicher Architekt war Regierungsbaumeister Bruno Biehler aus München. Dessen Planung sah folgende Gestaltung des Friedhofes vor: Der Friedhof wird an den wichtigsten Teilen mit einer massiven Mauer eingefasst, die mit Steinplatten abgedeckt ist. Im übrigen bilden Holzzäune mit Heckenbewachsung die Abgrenzung. Die Gräber sind in einzelne Felder mit durchschnittlich 50 Gräbern aufgeteilt, die beidseitig des mit Stufen und Steinplatten versehenen Hauptweges aufgeteilt sind. Jedes Feld liegt etwa drei Stufen über dem anderen und ist mit Stauden eingefasst. Auf dem obersten Gräberfeld steht das beeindruckende Hochkreuz. An Stelle von Grabkreuzen stehen Gruppenkreuze, die über den Friedhof verstreut gesetzt sind. Unmittelbar am Steilhang ist eine Aussichtskanzel, die dem Besucher einen schönen Blick auf die Stadt und das Gebirge gestattet. Über das Gräberfeld dominierend ist die wuchtige Friedhofskapelle. Ein großer schwerttragender Engel schmückt das Innere der Kapelle, an deren Wänden die Namen der Toten in Sgraffito-Technik noch eingeritzt werden sollen.(14) Dies etwa war der Bauzustand im Frühjahr 1953. In der Kapelle findet man auf einer Steinkonsole montiert das Ehrenbuch der Gefallenen der Stadt Traunstein. Das Buch ist aus vergoldeten Messingplatten gefertigt und trägt die Aufschrift »Den hier Ruhenden zum Danke, den Angehörigen zum Troste«. Auf 16 Seiten sind die Namen und Daten von 517 gefallenen Traunsteinern, von 57 Opfern der Bombenangriffe und von 86 vermissten Traunsteiner Soldaten. 1968 verlegte man dieses Ehrenbuch zur Kriegergedächtniskirche in der Stadt und auf die leer gewordene Konsole im Ehrenfriedhof montierte man ein Besucherbuch.

Die feierliche Einweihung des Ehrenfriedhofes erfolgte am 30. Mai 1954. Das Traunsteiner Wochenblatt berichtete hierüber: »Nur gedämpft klangen die Glocken der Kirchen Traunsteins zum Soldatenfriedhof am >Hohen Kreuz<, als am Sonntag um 11 Uhr die feierliche Übergabe dieses Ehrenhaines vom Volksbund Deutscher Kriegsgräberfürsorge an die Stadt Traunstein erfolgte. Viele, viele Gäste hatten sich trotz des regnerischen Vormittags droben eingefunden, unter ihnen Vertreter der Behörden Traunsteins, Abgeordnete des Bundestages und des Landtags, der Stadtrat und nicht zuletzt Angehörigen der hier ruhenden Soldaten. ... Der Musikzug der Bayer. Bereitschaftspolizei unter Musikmeister Uebelacker und der vom Chordirektor Dr. Andreas Hogger geleitete Kirchenchor von St. Oswald verliehen der feierlichen Übergabe des Friedhofes an die Stadt den würdigen musikalischen Rahmen. ...«(15) . Soviel zur Einweihungsfeier.
Von der Planung an war es ein architektonischer Grundgedanke, den Ehrenfriedhof ohne besondere Herausstellung von Einzelgräbern anzulegen. Lediglich die Grabreihen sollten bezeichnet sein. Durch diese beinahe anonyme Grabanlage sollte die verbindende Kameradschaft aller Gefallenen unterstrichen werden. Die unpersönliche Note genügte aber verständlicher Weise vielen Angehörigen nicht.(16) Dies führte schließlich zu dem Ergebnis, dass bei einer Steinzeugtöpferei im Westerwald für jedes Grab ein sogenannter Namenstein bestellt wurde. Die Firma lieferte die Namensteine im Juni 1962 und die Stadt Traunstein veranlasste die Einbettung bei den einzelnen Gräbern mit der Folge, dass man an jedem Einzelgrab Name, Vorname, Geburtsdatum und Todestag des Gefallenen ablesen kann. Das heißt nicht, dass jemand, der ein bestimmtes Grab sucht, nun alle Grabreihen abgehen muss, denn in der Kapelle findet sich eine schöne künstlerisch gestaltete Gräberliste, alphabetisch nach den Namen der Toten geordnet.

In den vergangenen Jahrzehnten gab es Probleme mit dem Steilhang, der Kapelle und dem Baumbestand.

Der Steilhang zur Traun hinab ist seit jeher ein Problem, denn dieser Hang hat durch seine übersteile Neigung, durch seine unregelmäßige Schichtung und Durchnässung eine Veranlagung zur Rutschung.(17) Einen größeren Hangrutsch gab es 1957. Später wurden Hangsicherungsmaßnahmen durchgeführt. Jedenfalls musste die schöne und beliebte Aussichtskanzel wegen akuter Abrutschgefahr verlegt werden und ist jetzt nicht mehr betretbar. Das ist sehr schade. 1958 wurde eine Renovierung des Kapelleninneren nötig. Eine Besichtigung am 15.7.80 ergab dann die Notwendigkeit einer erneuten Renovierung der Kapelle, denn der Besichtigungsbericht besagte: »Bei der Besichtigung der Kapelle wurden erhebliche Schäden am Dach festgestellt. Der Schaden ist bereits so weit fortgeschritten, dass die inneren Mauern und Schriften bereits beschädigt wurden. Der Schaden entstand durch das Wuchern des Efeugewächses.«(18) Durch aufwendige Dach- Putz- und künstlerische Sgraffitoarbeiten gelang es, die Kapelle wieder zu renovieren. Im Rahmen der beabsichtigten und nötigen Gesamtrenovierung des Ehrenfriedhofes mussten 1979 auch 18 Bäume gefällt werden.

Probleme gab es all die Jahre mit der gärtnerischen Gestaltung. Die Anpflanzungen wurden durch standortbedingte, schlechte Wachstumsbedingungen Jahr für Jahr spärlicher, der Unkrautbewuchs intensiver. Nachplanzungen mit Johanniskraut waren erfolglos.(19) Die Stadt Traunstein übertrug deshalb die Grünpflege der Stadtgärtnerei. Am 30. August 1994 konnte der Ehrenfriedhof nach Abschluss aller Renovierungsarbeiten als würdige und gepflegte Gedenkstätte der Öffentlichkeit im Rahmen einer Feierstunde vorgestellt werden.

Hinweis: Die Sorge für die Kriegsgräber ist Aufgabe der Länder. Diese müssen die Kriegsgräber feststellen, nachweisen, anlegen, instandsetzen und pflegen. Die Kosten trägt der Bund.(20) Die Durchführung obliegt dem Volksbund Deutscher Kriegsgräberfürsorge e.V.

AS


Teil 1: Siehe Chiemgau-Blätter Nr. 20/2004

Quellen:
9StA TS, Franz Haselbeck, Stellung-nahme vom 20. Mai 1994,
10StA TS, 912/1-41,
11Stadt Traunstein, Handakt SG 12,
12Traunsteiner Wochenblatt vom 23. Mai 1953,
13Traunsteiner Wochenblatt vom 23. Mai 1953,
14Stadt Traunstein, Handakt SG 12,
Erläuterungen zum Planentwurf vom 16. August 1951,
15Traunsteiner Wochenblatt vom 1. Juni 1954,
16StA TS, 061/0-2, Schreiben vom 14. September 1955,
17StA TS, 061/4-2, Gutachten vom 2. November 1956,
18Stadt Traunstein, Handakt SG 12, 19Stadt Traunstein, Handakt SG 12, Schreiben vom 29. Juni 1994,
20BGBl. I S. 320 vom 28. Mai 1952.



21/2004