Jahrgang 2002 Nummer 23

Der Bayernherzog Heinrich IV.

Vor 1000 Jahren wurde er zum König erhoben

»Sakramentar, das König Heinrich an Bamberg schenkte. Christus setzt Heinrich die Krone aufs Haupt.«

»Sakramentar, das König Heinrich an Bamberg schenkte. Christus setzt Heinrich die Krone aufs Haupt.«
Dieser Fels bildete die Westseite der Burg Ammerthal.

Dieser Fels bildete die Westseite der Burg Ammerthal.
Die heutige Liebfrauenkirche zu Ammerthal bei Amberg.

Die heutige Liebfrauenkirche zu Ammerthal bei Amberg.
Als der Kaiser Otto III. am 23. Januar des Jahres 1002 unvermählt in Italien starb, waren der Bayernherzog und sein Bruder Bruno, der spätere Bischof von Augsburg (1006 bis 1029), die einzigen männlichen Nachkommen aus dem sächsischen Geschlecht der Liudolfinger (auch Ludolfinger). Nicht zu verwechseln mit dem bayerischen Geschlecht der Luitpoldinger, von dem Heinrich großmütterlichseits stammt. Nach Karl Bosl, büßte der junge Kaiser Otto III. seine Liebe zur Witwe des Creszentius mit dem Tode. Er wurde in Viterbo (nördlich von Rom) vergiftet.

Geboren wurde Heinrich am 6. Mai 973 in Bad Abbach. Seine Eltern waren Herzog Heinrich II. (der Zänker genannt) 955 bis 976 und 985 bis 995 und Gisela, Tochter des Königs Rudolf II. von Burgund. Herzog Heinrich II. war der Sohn von Herzog Heinrich I. (948 bis 955), Bruder des Kaisers Otto I., (936 bis 973), und Judith, Tochter des Bayernherzog Arnulf (907 bis 937). Der Bayernherzog Heinrich IV., identisch mit Kaiser Heinrich II., der Heilige (1002 bis 1024). Er ist der Urenkel des König Heinrich I. (919 bis 936), aus dem Geschlecht der Liudolfinger die den deutschen Thron von 919 bis 1024 inne hatten. König Heinrich I. war auch Herzog von Sachsen (912 bis 936).

Unmittelbar nach dem Tode Kaisers Otto III. scheint der Bayernherzog Heinrich IV. den Entschluss gefasst zu haben, sich um die deutsche Königskrone zu bemühen. Während er den Trauerzug mit der Leiche des verstorbenen Kaisers, von Polling (bei Weilheim) bis Neuburg an der Donau das Geleit gab, setzte er sich bereits in Besitz der Reichsinsignien. Die Mauritiuslanze, die Erzbischof Heribert von Köln bereits nach Aachen vorausgesandt hatte, ließ er sich von diesen wieder zurückerstatten. Vermutlich hatte der Erzbischof hier das Recht des Bayernherzog als Lanzenträger verletzt. So entschieden wie Heinrich im Jahre 1001 die Beteiligung an einer Verschwörung gegen Otto III. abgelehnt hatte, so entschlossen war er jetzt, die Herrschaft zu erwerben. Er war der nächste lebende männliche Verwandte der Ottonen.

Der Bayernherzog Heinrich IV. sah sich bei der Bewerbung um den Königsthron einer starken Opposition gegenüber. Dennoch wurde er zum König erhoben und am 7. Juni 1002 in Mainz, vom dortigen Erzbischof Willigis, gesalbt und gekrönt. Der Episkopat war für ihn. Einer seiner Hauptgegner, der Markgraf Ekhart I. von Meißen, wurde gerade zu dieser Zeit in einer Privatrache ermordet. Den Herzog Hermann II. von Schwaben konnte er unterwerfen und starb bereits 1003. Den Herzog Bernhard von Sachsen gewann er, in dem er in Merseburg das sächsische Stammesrecht ausdrücklich garantierte und auch die Anerkennung der Lothringer konnte er erreichen.

Undurchsichtiger war sein Verhalten gegenüber dem Heinrich von Schweinfurt, Markgraf auf dem bayerischen Nordgau und Graf in mehreren fränkischen Gauen. Dieser hatte dem König gute Dienste geleistet, der ihm dafür das Herzogtum Bayern versprach. Als der Markgraf den König daran erinnerte, berief sich dieser auf das Wahlrecht der Bayern, das ihm eine selbstständige Entscheidung verbiete. Zu groß schien vermutlich dem König die Macht des Babenberger als Herzog von Bayern, denn dessen Vetter war bereits Markgraf der Ostmark Bayerns, Heinrich I. (994 bis 1018). Vor Franken bis an die ungarische Grenze hätte die Machtbasis der Babenberger dann gereicht.

Der enttäuschte Markgraf verständigte sich darauf mit dem Herzog Boleslaw Chrobry von Polen, der kurz davor Böhmen besetzt hatte und dem König die Huldigung verweigerte. Er schickte insgeheim Hilfstruppen nach Ammerthal (Amardela) bei Amberg, der festen Burg und Sitz des Markgrafen auf dem Nordgau. Sie wurde um die Mitte des 10. Jahrhundert von seinen Vater Berthold erbaut, der vom Kaiser Otto I. 939 die Markgrafschaft auf dem bayerischen Nordgau erhielt. Das Signal zum förmlichen Kriege gaben die Leute des Markgrafen Heinrich selbst. Sein Ritter Magnus konnte, als der König nach Bayern zog, mit seinen Leuten den gesamten vorausgesandten Schatz bei Hersbruck rauben. Sie zogen sich mit Freuden auf die Burg zurück und teilten ihre Beute.

Thietmar von Merseburg (Bischof dort 1009 bis 1018), ein Vetter des Markgrafen Heinrich bemerkt in seiner Chronik dazu: Während der König in Merseburg seine Bettage feierte, die alle gläubigen Christen einhalten sollten, traf die Nachricht vom offenen Aufstande des Herzog Boleslaw und des Markgrafen Heinrich ein. Dazu erfuhr er noch, dass der erst jüngst von ihm ausgezeichnete Ernst (auch ein Vetter des Markgrafen und später Herzog von Schwaben 1012 bis 1015) und sein eigener Bruder Bruno (später Bischof von Augsburg 1006 bis 1029), mit diesen im Bunde sind. Weiter bemerkt Thietmar hierzu: Gern würde ich meinen Vetter irgendwie verteidigen, doch ich wage es nicht, die Wahrheit zu verletzen, die allen Christen teuer sein muss.

König Heinrich bezwang die Burgen Ammerthal, Creußen (bei Bayreuth), Kronach und Schweinfurt des Markgrafen Heinrich, der vorübergehend zu Boleslaw floh. Seine Mark auf dem Nordgau wurde zerstückelt und seine Reichslehen eingezogen. Nachdem er sich dem König stellte, wurde er einige Zeit auf Gibichenstein (bei Halle an der Saale) in Haft gehalten. Danach bekam er seine Eigengüter und einen Teil seiner Mark und Grafschaften wieder zurück. Von da an blieb er dem König (ab 1014 Kaiser) treu. Zu seinem Tod vermerkt Thietmar in der Chronik: Inzwischen war am 18. September 1017, nach langer schwerer Krankheit, Markgraf Heinrich verstorben, ein Sohn meiner Tante, Ostfrankens Zierde. Er wurde an der Nordseite des Klosters seiner Burg Schweinfurt beigesetzt. Der Caesar (Kaiser) erfuhr es in Meißen und trauerte sehr. Das Herzogtum Bayern verlieh der König am 21. Mai 1004 auf einem Hoftag in Regensburg, seinem Schwager (Bruder der Königin) Heinrich von Lützelburg, mit Zustimmung aller Anwesenden.

Nach dem Aufstand des Markgrafen Heinrich vom Nordgau im Jahre 1003, der durch den Überfall bei Hersbruck ausgelöst wurde, belagerte der König sofort die Burg Ammerthal. Nachdem die Eingeschlossenen auf keinen Entsatz oder Rettung hoffen konnten, ergaben sie sich. Der Markgraf selbst konnte aber mit einigen Getreuen entkommen. Die Burg wurde von Grund auf zerstört. Durch Ausgrabungen in den 60er Jahren konnte die Größe der Burg ermittelt werden, auch, dass der Markgraf, nach seiner Wiedereinsetzung, eine neue kleinere Burg errichten ließ. In der Liebfrauenkirche legte man bei den Ausgrabungen mehrere Fußböden frei. Der älteste war verkohlt und aus Holz, er dürfte auf die Burgkapelle vor 1003 hinweisen. Im Auffüllmaterial zwischen zwei weiteren Fußböden fand man zwei Silberdenare vom König Heinrich II.. Markgraf Heinrich errichtete seine Burgkapelle an der selben Stelle, wo die 1003 zerstörte stand. Diese Kapelle ist im Laufe der Jahrhunderte mehrmals umgebaut und vergrößert worden. Sie ist die heutige Liebfrauenkirche zu Ammerthal bei Amberg. Kaiser Heinrich II. starb nach 22 Jahren regieren, am 13. Juli 1024, in der Pfalz Grone (Göttingen), er wurde nach Bamberg überführt und dort im Dom begraben.

Benützte Literaturen: Ammerthal im Nordgau und seine Besitzer, von Joseph Moritz, in: Neue Beiträge zur vaterländischen Geschichte, Band XI, 1832. 1000 Jahre Ammerthal, von Stefan Helml, Amberg 1986. Bayerische Geschichte, von Benno Hubensteiner, München 1967. Europa im Mittelalter, von Karl Bosl, Bayreuth 1978. Handbuch der bayerischen Geschichte, Band I und III/1, herausgegeben von Max Spindler, München 1975. Thietmar von Merseburg Chronik, neu übertragen und erläutert von Werner Trillmich, Darmstadt 1985. Von Garibaldi bis Ludwig III., Die Herzöge, Kurfürsten und Könige Bayerns, von Nikolaus Orlop, München 1979.

SM



23/2002