Jahrgang 2006 Nummer 40

Das Wallfahrtsbüchlein von Feichten

Es enthält verschiedene Benefizin oder Marianische Wohltaten

Hochaltar in der Pfarrkirche Feichten mit der Darstellung »Mariae Himmelfahrt«.

Hochaltar in der Pfarrkirche Feichten mit der Darstellung »Mariae Himmelfahrt«.
Gnadenaltar mit gotischer Madonna »Unsere liebe Frau von Feichten«.

Gnadenaltar mit gotischer Madonna »Unsere liebe Frau von Feichten«.
Pfarr- und Marienwallfahrtskirche Feichten an der Alz.

Pfarr- und Marienwallfahrtskirche Feichten an der Alz.
Der Marienwallfahrtsort Feichten an der Alz dürfte während des Spätmittelalters ein regional bedeutender Wallfahrtsort gewesen sein. Seit 1377 wurde die Marienwallfahrt durch zahlreiche Ablassbriefe gefördert. Von der damaligen romanischen Marienkirche gibt es leider keine Abbildungen. Sie dürfte kleiner als das heutige beeindruckende spätgotische Bauwerk gewesen sein, das nach sechzehnjähriger Bauzeit am 27. April 1518 mit sechs Altären durch Bischof Berthold von Chiemsee geweiht wurde. Das heute am linken Seitenaltar aufgesellte Gnadenbild »die schöne Madonna von Feichten« ist eine Salzburger Steingussarbeit des frühen 15. Jahrhunderts. Seit dem Aufstellen dieses Marienbildnisses erlebte die Wallfahrt bis hin zur Reformationszeit ihre erste Blütezeit.

Belebung und Bewerbung der Marienwallfahrt

Eine Belebung der marianischen Verehrung kann mit der Gründung der Rosenkranzbruderschaft im Jahre 1644 durch Pfarrer Johann Still festgestellt werden. In vielen Schritten wurde seit 1700 die Neugestaltung des Innenraumes vom Barock bis zum heutigen Rokoko durchgeführt. Für den 1713 errichteten Hochaltar schnitzte im Jahre 1740 »Johannes Georgius Izlfelder Civis Tittmoningensis« mehrere Heiligenfiguren, wie es ein Rechnungsbuch der Rosenkranzbruderschaft verrät. Im Chronikbuch dieser Bruderschaft liest man, dass 1740 der Choraltar völlig neu marmoriert und mit Schnitzwerken der Heiligen Dreifaltigkeit, der Himmelfahrt Mariens sowie der Heilige Rupert und Nikolaus versehen wurde.
1738 bis 1742 sind für die Kirche fünf prächtige Seitenaltäre, die Kanzel, die Oratorien und eine Orgel hergestellt worden und 1749 stuckierte Johann Georg Itzlfelder die obere Empore. Aber eine nachhaltige Werbung für die Wallfahrt in schriftlicher Form fehlte bis um 1745. Dafür sorgte Pfarrer Joseph Anton Franz Mangold, der seit 1737 als Pfarrer von Feichten wirkte.

Während des seit 1741 auch unsere Heimat bedrohenden Österreichischen Erbfolgekrieges ließ Pfarrer Mangold 1744 in Salzburg ein in deutscher Sprache verfasstes Büchlein drucken, das 50 verschiedene »Benefizien oder Marianische Wohltaten« aus den Jahren 1738 bis 1744 enthielt. Die Auflage dieses Büchleins umfasste 800 Stück. Bereits zwei Jahre später – der Erbfolgekrieg war inzwischen für das Kurfürstentum Bayern beendet – wurde eine Neuauflage gedruckt, die weitere 50 Guttaten der Muttergottes von Feichten aus den Jahren 1744 bis 1746 enthielt. Der Titel des Büchleins lautet »Kurtze Anmerckungen über den Ursprung, Aufnahm, Fortpflantzung, auch gegenwärtigen Zustand des uralt-löblichen Pfarr-Gotts-Hauß Feuchten, und der in solchen befindlichen Gnaden-Bildnuß MARIAE. Zum andertenmal gedruckt, und vermehrt 1746. Salzburg, gedruckt bey Johann Joseph Mayr«.

Schon 1752 durfte die Burghauser Verlagsdruckerei Jakob Lutzenberger die dritte Auflage herstellen. Auch diese Auflage wurde um 50 »marianische Gnaden-Hilfen« ergänzt. Man wollte die Verehrer Mariens »durch solche neue Gnaden-Zeichen zu noch mehrerer Zuversicht, Vertrauen und kindlicher Liebe der mildreichen Mutter Gottes anweisen« wie dort zu lesen steht. An anderer Stelle erfährt man »es werde diese marianische Inbrunst mit süßen Andachts-Geruch deren noch mehrere zu hiesigen Gnaden-Ort nach sich ziehen«.

Der Österreichische Erbfolgekrieg beginnt

Der Österreichische Erbfolgekrieg mit seinen schlimmen Folgen für das Kurfürstentum Bayern dürfte sicherlich einen willkommenen Anlass zur Bewerbung der Wallfahrt nach Feichten geboten haben.

Kaiser Karl VI. von Österreich starb am 20. Oktober 1740 ohne männlichen Thronfolger. Seine Tochter Erzherzogin Maria Theresia war zur Erbin des Kaiserreiches bestimmt worden. Da Kurfürst Karl Albrecht VI. von Bayern auch die Kaiserkrone des Deutschen Reiches beanspruchte, kam es zum Krieg. Bayern hatte in Frankreich einen Bündnispartner gefunden, der Truppen schickte. Die vereinigte bayerische und französische Armee rückte am 11. September 1741 in Oberösterreich ein, besetzte Linz, drang in Böhmen ein und eroberte am 26. November Prag, wo sich Kurfürst Karl Albrecht zum König von Böhmen krönen ließ.

Im Herbst 1741 sammelte sich in Niederösterreich ein aus 40 000 Mann bestehendes Heer, das von Feldmarschall Ludwig Andreas von Khevenhüller Graf von Aichelberg-Frankenburg geführt wurde. Dieser Armee schlossen sich Hilfskontingente unter anderem aus Kroaten, Slavoniern und Dalmatier sowie Panduren unter ihrem Führer Franz Freiherr von der Trenck an. Trenck hatte schon im März 1741 innerhalb von drei Wochen sein rund 1000 Panduren umfassendes Regiment aufgestellt.

Im Januar 1742 besetzten die Österreicher die damals noch bayerischen Städte Ried und Schärding und Franz Freiherr von der Trenck eroberte mit seinen Panduren alsbald Plattling, Vilshofen und Deggendorf. Der bayerische Oberbefehlshaber Ignaz Felix Graf von Törring zu Jettenbach erlitt am 17. Januar bei Schärding eine empfindliche Niederlage. Am 24. Januar eroberten die Österreicher die Stadt Passau. Im unteren Inntal war nur noch die Stadt Braunau in bayerischer Hand. Das Isartal geriet zur selben Zeit in die Hände der Feinde. Dingolfing und Landshut wurden Ende Januar ebenfalls besetzt. Während am 3. Februar die bayerischen Truppen die Stadt Braunau verließen eroberten die Österreicher die Stadt Burghausen. Sie besetzten schon am 9. Februar Wasserburg und am 13. Februar ergab sich die bayerische Hauptstadt München. Der bayerische Feldmarschall Graf von Törring zu Jettenbach hatte im März 1742 seine Einheiten über die Donau zurückziehen müssen. Das Kurfürstentum war bis auf die Städte Straubing und Landsberg nun von den Österreichern besetzt.

Überall befanden sich nun kaiserlich-österreichische Besatzungen in den Städten und Märkten, unter anderem auch in Trostberg. Aus allen bayerischen Pfleggerichten mussten Getreide und Stroh an das österreichische Militär geliefert werden. Die Wallfahrtsorte wurden während dieser Besatzungszeit kaum mehr besucht. Die Bevölkerung zwischen Salzach und Inn hatte kaum mehr Vorräte für Mensch und Vieh und war 1742 ärmer dran als während des Dreißigjährigen Krieges. Die Grundholden der Pfarrkirche Feichten konnten um Michaeli nur einen Teil ihrer jährlichen Stift zum Pfarrhof bringen.

Am 13. August 1742 wurde Feldmarschall Graf von Törring zu Jettenbach durch den Feldmarschall Friedrich Heinrich Graf von Seckendorff ersetzt. Außerdem konnte Kaiser Karl VII. nun neben einem französischen Heer mehrere deutsche Hilfstruppen gegen Österreich aufstellen. Die österreichische Armee musste zudem in Böhmen eingreifen, was ihre Besatzungen im Kurfürstentum Bayern durch Truppenabzug schwächte. In der ersten Oktoberwoche wurden Landshut und München durch Graf von Seckendorff befreit und am 16. Oktober konnte der bayerischen Feldmarschall-Leutnant Prinz von Sachsen-Hildburghausen die Stadt Burghausen zurückerobern.

Die Pfarreien der Herrschaft Wald an der Alz sollten auf kurfürstlichem Befehl der bayerischen Armee 84 Schäffel Korn, 252 Schäffel Hafer und 2436 Schab Stroh liefern. Die Pfarrer von Engelsberg und Feichten wollten die Bauern ihrer Pfarreien damit nicht belasten und griffen in die Zechschreine ihrer Kirchen. Pfarrer Mangold zahlte aus den Kassen der Kirche Feichten und der Kirche Kirchweidach 1000 fl.

Im Dezember bezog Feldmarschall Graf von Seckendorff mit seinen Soldaten zwischen Inn und Salzach das Winterquartier, was für die Bauern sicherlich eine weitere Belastung bedeutet hatte. Außerdem standen Regimenter des französischen Marschalls Victor-Francois de Broglie im Bereich des Inntales.

Das Wallfahrtsbüchlein von Feichten erzählt vom Schicksal eines desertierten französischen Soldaten, den man erwischt, gefangen gesetzt und zur Hinrichtung verurteilt hatte. »Im Jahr 1743 wurde hier von dem eben anwesenden Pfleg-Gericht (Wald an der Alz) ein aus Lüttich gebürtig Frantzösischer Deserteur in Verhafft genommen, in Gefängnuß geleget, und endlichen zu seinem Regiment außgeliffert, auch der Proceß mit kurtzen dahin gelencket, daß ihme das Leben abgesprochen, und er durch die Kugel vom Leben zum Todt solle gebracht werden, er hatte im hiesigen Gotts-Hauß das Gnaden-Bild Mariae sehr in die Augen, und zu Hertzen gefast, auch selbes ihme in der Gefängnuß nach Möglichkeit abgerissen, und auf der Brust verwahret, da er nun an deme ware, daß folgenden Morgen er sein Recht außstehen soltem, und die letzte Nacht durch 10. Mann mit scharff geladenen Gewehr verwachtet wurde, hat er seinen Opfer und Vertrauen zu hiesigen Gnaden-Mutter nach allen Kräfften verdopplet, und gegen 4 Uhr Morgens wahrgenommen, daß alle 10 Soldaten, welche ansonsten nur allzu munder wacheten, gantz verwunderlich in Schlaff verfallen, worauf er mit neuer Zuversicht auf die Hülff Mariae in ein nicht weit entlegenes Wäldlein glücklichen entsprungen, 3 Tag und Nacht ohne Speyß und Tranck herumb geirret, endlichen in Sicherheit kommen, den gantzen Verlauff durch einen Ehrwürdigen Priester anhero berichten, und der gnädigen Helfferin demüthigen Danck abstatten lassen.«

Bayern wird erneut durch die Österreicher besetzt

Anfang Mai 1743 befanden sich die französische Armee und die kaiserlichen Truppen am unteren Inn, um die Ankunft der österreichischen Armee unter der Führung von Prinz Karl von Lothringen zu erwarten. Doch am 8. Mai 1743 wich Marschall Broglie mit seiner französischen Armee vor einem österreichischen Angriff zunächst vom Inn an die Isar und später an den Lech zurück. Graf von Seckendorffs kaiserliche Armee stand plötzlich alleine den Österreichern gegenüber.

Burghausen wurde schon am 9. Mai 1743 von den Österreichern besetzt und Graf von Seckendorff musste daraufhin auch Mühldorf, Wasserburg und Reichenhall aufgeben. Am 9. Juni ritten die Österreicher erneut in die Stadt München ein. In kurzer Zeit war das Kurfürstentum wieder besetzt worden. Und diesesmal dauerte die Besatzungszeit fast doppelt so lang als 1742.

Die etwa 12 000 Mann starken kaiserlichen Truppen Seckendorffs wurden durch einen Neutralitätsvertrag am 7. Juni außer Gefecht gesetzt. Diesem Vertrag hatte Kaiser Karl VII. aber nicht zugestimmt. Stadt und Festung Braunau wurden erst am 4. Juli 1743 an Österreich übergeben. Maria Theresia ordnete am 3. August offiziell die Errichtung einer österreichischen Administration über das Kurfürstentum Bayern an.

Überall in Bayern befand sich wieder österreichisches Militär. Im Gebiet zwischen Salzach und unterem Alztal hielten sich Franz Freiherr von der Trenck und seine Panduren auf. Anfang Oktober 1743 ordnete der österreichische Generalfeldmarschall von Bärenklau wieder Getreide-, Stroh- und Heulieferungen an. Die Gegend zwischen Burghausen und Wald an der Alz litt damals besonders unter den sogenannten Panduren.

Im letzten Quartal des schlimmen »Pandurenjahres« 1743 vermerkte man im Almosenbuch der heiligen Kapelle in Altötting 114 »Abprändtler«, das heißt 114 Bauern, deren Anwesen durch den Feind angezündet wurden. Ein Votivbild der Pfarrgemeinde Halsbach, das den Ereignissen von 1743 gewidmet ist, zeigt die gefürchteten Panduren.

Das erste Wallfahrtsbüchlein wird gedruckt

Die Not der Landbevölkerung war sehr groß. Das zeigt sich auch durch die Zunahme des Votivbilderbestands in den Wallfahrtskirchen. 1744 und 1745 wurden in die Marienwallfahrtskirche Feichten etwa 160 neue Votivtafeln gebracht. Zahlreiche im Wallfahrtsbüchlein geschilderte Ereignisse beziehen sich auf Anliegen während der zweiten Besatzungszeit.

Gerade in dieser schweren Zeit hatte Papst Benedikt XIV. in einem Gnadenbrief am 12. November 1743 auf das Titularfest der Himmelfahrt Mariens zu Feichten allen, die reumütig beichten und das Allerheiligste Altarsakrament empfangen den vollkommenen Ablass verliehen. Dazu ließ der Feichtner Pfarrer Mangold 1744 in Salzburg 800 Exemplare des Wallfahrtsbüchleins mit 50 verschiedenen »Benefizien oder Marianische Wohltaten« aus den Jahren 1738 bis 1744 drucken.

Darin befinden sich zunächst noch viele Gebetserhörungen, die nichts mit dem Krieg zu tun hatten. Da wird von Erkrankungen bei Kindern und Erwachsenen, von schweren Unfällen und von Geburtsnöten berichtet. In einem Fall wird eine bedrohte Wallfahrt mit einem Kahn auf der Alz überliefert: »Ursula Stumerin Krammerin allhier befunde sich einstens bey einer nacher (Alt)Oetting vorhabenden Kirchfahrt auf der Altz in größter Gefahr, weilen bey hochangeloffenen Wasser und heftigen Wind Sail und Ruder zersprungen, auch sammentlich in dem Schiff Anwesende nichts anders als äusserste Gefährlichkeit erwarten kunten; da aber in dieser Noth sie sich zur hiesigen Gnaden-Mutter versprochen, ist alle Gefahr abgewendet worden.«

Der siebenjährige Sohn des Trostberger Glasermeisters Benedict Plänckl war an beiden Augen erblindet, »ist aber höchst-verwunderlich auf zur hiesigen Gnaden-Mutter unternommenen Verlobnuß ohne Anwendung sonderbarer Heyl-Mittel zur vollkommenen Gesundheit gebracht worden«. Dem Bauern Andreas Reiterglockner aus Halsbach ist »unter der Feld-Arbeit das Pferd tobend geworden, dergestalten, daß die Eggen umgekehret, die Spitz in die Höhe gehalten, auf welche er, und dann auf ihme das Pferd gefallen, doch auf beschehenes Gelübd anhero ganz ausser Schaden oder Unglück bewahret worden«. Und Stefan Fernschachner zeigte an, »daß er jüngst bey Traunwalchen mit einem schwärgeladenen Wagen Bergabgefahren, und ihme die Sperr-Ketten zersprungen, er auch unter das Pferd gefallen, und gleichsam halb Sinnloß unter selben gelegen, in dieser größten Noth ruffte er MARIAM in hiesigen Gnaden-Bild an, und es ist nicht nur der Wagen mit samt dem Pferd gantz wunderbarlich still gestanden, sonden ihme, welches doch natürlicher Weiß unmöglich seyn kunte, nicht mindistes Leyd geschehen«.

Kurfürstentum Bayern wird erneut vom Feind befreit

Der Einmarsch Friedrich des Großen von Preußen in Böhmen führte wie schon 1742 zur Verlegung großer Kräfte der österreichischen Armee dorthin, was der kaiserlichen Armee unter Graf von Seckendorff es ab Anfang Oktober 1744 ermöglichte, die Österreicher erneut aus Bayern zu verdrängen.

Noch am 26. Oktober hielten die Österreicher die Innlinie von Passau über Braunau und Mühldorf bis Rosenheim. Doch am 29. Oktober besetzten kaiserliche Soldaten die strategisch wichtig gelegene salzburgische Stadt Mühldorf. Am 20. November 1744 konnte Burghausen und damit das gesamte Hinterland nach rund 17 Monaten unter Angst und Schrecken endlich vom Feind befreit werden. Burghausen wurde im Sturm genommen und 1300 feindliche Soldaten teilweise »in die Salzach gesprengt, theils nidergehauen«. Die österreichischen Truppen mussten bis über die Donau zurückweichen.

Als die Österreicher im November 1744 das Land zwischen Salzach und Alztal wieder verlassen mussten, ereigneten sich wiederholt Übergriffe auf die bäuerliche Bevölkerung. Im Wallfahrtsbüchlein von Feichten ist ein Einbruch beim Kramer in Kirchweidach überliefert: Der Gertraud Freydthoferin Krammerin zu Kirchweydach, wurde von denen feindlichen Husaren umb Mitternacht gewaltthätig in das Haus eingebrochen, in welchen mit ihrer alten Mutter und kleinen Kindern selbe sich verschlossen hatte, in dieser Gefahr und äusserister Bestürtzung hat ersagte Gertraud mit einer heiligen Meß zur Feuchtnerischen Gnaden-Mutter sich und das ihrige verlobt, worauf dann wider alles Menschliche Verhoffen erfolget, daß die Zorn schaumende Soldaten nicht nur ferners das mindiste nicht tentiret, sondern auch das allbereit erpreste Geld ihr anwider zurück gegeben haben.«

Ein ganz eigenartiges Ereignis hatte sich beim Müller zu Gramsham (Gemeinde Feichten) zugetragen. »Thomas Millthaller Müllner zu Grambshamb in hiesiger Pfarr hatte der Gnaden-Mutter allda beyläuffig schon vor einer Jahrs-Frist einen species Ducaten zu opferen versprochen, selben aber doch unachtsam in seinem Ordinari-Kästel mitten unter andern Geld so lang ligen lassen biß den 3ten November 1744 von denen abmarschirenden Königlichen Trouppen, und deren einigen er Müllner überfallen, alles Geld beraubt, und ansonsten schmertzlich Mißgehandlet worden, da nun in erdeuten Kästel alle auch mindeste Pfenning von denen Thätern auf das sorgsamste zusammen gerafft, ja so gar mit denen Händen fleissigist herauß gestrichen waren, ist doch angemerckt und verlobter Ducaten, ob schon in einen Papier eingemacht, und mit einem lang-leonischen Silber-Draht-Mäschel versehen, von ihnen gantz wunderbarlich nicht beobachtet, sondern hinnach dem Gelübd gemäß anhero gebracht worden.«

Die feindlichen Soldaten drangen auch in ein Haus nahe Wald an der Alz ein, worüber das Mirakelbuch von Feichten berichtet. »Solcher Gestalten betheuret Johanna Höckin daß bey erstgemeldt-unversehenen Abzug solcher Trouppen sie ihr sammentlich Bestes umb mehrer Sicherheit wegen auß dem Hauß in das unten am Berg zu Wald habend kleine Zu-Bau gefleht, und wegen Übereylung den eingang nur mit wenigen Brettern und aufgesträuten Sand verdeckt, doch, ungeacht solches Hauß denen Feinden verrathen, auch völlig durchsucht worden, in mindesten einiger Abgang, und Beraubung nicht erlitten, gewiß glaubend, es sey alleinig diese Erhaltung des ihrigen der Gnaden-Hülff Mariae in hiesigen Wunder-Bild umb so mer zuzuschreiben, weilen auf beschehen-inmüthigste Anruffung, die in ein anders Hauß gefleht, und unter eine Truhen hingeworffene Leinwathen, uneracht solche Truhen rein außgeblindert worden, doch auch unverruckt verbliben seyn.«

Von Interesse ist auch das ungefähr zeitgleiche Ereignis in der Hofmarkstraferne zu Altenmarkt an der Alz. »Herr Johann Georg Läbeck Würth und Gastgeb zu Altenmarckt bezeuget gewisschenhafft, daß bey Abzug der Königl. Panduren in dem Monat November 1744 sein besitzende Würths-Tafern umb so mehr in der grösten Depraedations-Gefahr gewesen, weilen alles auß dem Hauß, auch er Läbeck selsten auf das Tach entloffen, mithin die gantze Behausung denen Feinden offen geständen, zumahlen aber selber, und seine Hauß-Würthin zur hiesigen Gnaden-Mutter ein steiffes Vertrauen gefast, und deren Wunder-Schutz das ihrige eyfrig anbefohlen, ist gantz verwunderlich, ob schon 3 Thüren eingesprengt, doch in der gantzen Behausung nicht das mindeste verrucket worden, und eben wo sie ihr Bestes eylfertig zusammen getragen, einige Nachsuchung nicht beschehen, welcher wegen eine groß- und schöne Votiv-Tafel anhero gebracht worden.«

1745 Niederlage gegen Österreich und Friedensschluß

Als am 20. Januar 1745 Kaiser Karl VII. verstarb war die militärische Situation für das Kurfürstentum Bayern sehr ungünstig. Am 21. März 1745 griffen die Österreicher unter Generalfeldmarschall Carl Graf von Batthyany wiederum Bayern an und durchstießen die Stellungen der bayerischen Truppen im Innviertel, die inzwischen wieder vom bayerischen Feldmarschall Ignaz Felix Graf von Törring befehligt wurden. Ende März 1745 plünderten erneut Panduren, Kroaten und Slovaken im Bereich von Inn und Salzach die Bauernhöfe und die Österreicher besetzten am 13. April wieder einmal die Stadt Burghausen. Die Österreicher blieben nun bis zum Friedensschluss zu Füssen am 22. April.

Not und Elend stärkten die Religiösität

Nach dem vom Volk lange ersehnten Frieden verlobte sich die Pfarrgemeinde Feichten zum ewigen Dank über die überstandene Kriegsgefahr und opferte eine große Kerze. Im Wallfahrtsbüchlein liest man: »Nicht minder hat die Marie ihrer liebreichen Gnaden-Mutter schon fast von 1000 Jahren gewidmet, und andächtig-hiesige Pfarr wegen überstandenen Kriegs-Gefahren, Theurung, und Kranckheiten, deren letztere alleinig in einer rist von 8 biß 9 Monat deren Pfarr-Kindern gegen vierdthalb hundert (450) hingerissen, ein geringes Danck- und Gedenck-Zeichen mit einer 60 pfündigen weissen Wax-Kertzen, und andern Andachten demüthigistens aufgeopfert, anerwogen so die Pfarr-Kirchen, als anstossende Gebäu bey schon oben angemerckt-feindlichen Abmarsch in größter Feuer- und Beraubungs-Gefahr sich befunden haben.«

Am 30. Mai 1745 kamen die Altenmarkter auf Grund ihres während des Erbfolgekriegs versprochenen jährlichen Kreuzganges nach Feichten. Dabei brachten sie in die Pfarrkirche ein großes Leinwandgemälde als Votivgabe der Pfarrei mit. Auf dem großen Votivbild befinden sich links die Klosterkirche Baumburg und Altenmarkt und rechts die Wallfahrtskirche Feichten, der sich viele Wallfahrer aus Altenmarkt nähern. Sie brachten seitdem jedes Jahr eine Kerze zu »Unserer Lieben Frau in Feichten«. Die Pfarrei Palling hatte das »uralte Gottshauß und Gnadenmutter« zu Feichten mit einer jährlichen Danksagungsprozession am 21. September 1745 erstmals beehrt.

Auch der Markt Trostberg hatte einen jährlichen Kreuzgang gelobt, den die Pfarrei erstmals am 18. März 1746 druchführte. Am 24. August 1746 kamen zahlreiche Pilger aus den Pfarreien Halsbach und Margarethenberg und am 25. August aus der Pfarrei Burgkirchen an der Alz erstmals mit ihrem versprochenen jährlichen Kreuzgang nach Feichten. Weitere Kreuzgänge folgten aus den Pfarreien Truchtlaching mit St. Wolfgang und Kirchberg sowie die Pfarrei Obing. Und am 16. Mai 1750 »hat ain lobliche Pfarr Halspach bey ihren jehrlichen Kreuzgang von prngenten Jungfrauen der Gnadenmuetter ein 26 Pfund schwöre weiße sauber gemahlte Körzen anher gebracht« schrieb man in die wertvolle Chronik der Rosenkranzbruderschaft Feichten. Heute noch pilgern die Pfarreien Halsbach, Kirchweidach, Tyrlaching, Palling, Heiligkreuz, Tacherting, Trostberg und Baumburg nach Feichten.

Pfarrer Mangold konnte jetzt auch den Innenraum seiner Pfarr- und Wallfahrtskirche zeitgemäß ausschmücken lassen. 1763/64 führte der Baumeister Franz Alois Mayr seinen bedeutendsten Umbau einer Kirche in Feichten durch und der Freskant Franz Joseph Soll stellte auf der weiten Gewölbefläche im Mittelschiff die in einem Tempel thronende Maria dar, auf dem Chorgewölbe Maria als Himmelskönigin, im südlichen Seitenschiff die Vitae Mariens und im nördlichen Seitenschiff die Geschichte der Rosenkranzbruderschaft.

Die gelungenen Arbeiten der beiden Trostberger Rokokokünstler bildeten die Krönung einer rund dreißigjährigen tatkräftigen Amtszeit Mangolds als Pfarrer von Feichten. Er hatte es trotz der schlimmen Jahre während des Österreichischen Erbfolgekriegs verstanden, die Marienwallfahrt zu ihrer wohl größten Blüte zu erheben.

Meinrad Schroll



40/2006