Jahrgang 2005 Nummer 20

Burg Hohenwerfen, Bollwerk im Salzachtal

Sie diente auch als Jagdschloss und Staatsgefängnis

Die Festung ist in eine prächtige Bergkulisse eingebettet.

Die Festung ist in eine prächtige Bergkulisse eingebettet.
Der große Empfangssaal mit einer wertvollen Kassettendecke.

Der große Empfangssaal mit einer wertvollen Kassettendecke.
Falkner in historischem Gewand.

Falkner in historischem Gewand.
Die Burg Hohenwerfen thront beherrschend auf einem hohen Felskegel im Salzachtal mit einem großartigen Blick auf die Marktgemeinde Werfen und den Pass Lueg, auf das Tennengebirge und das Hagengebirge. In ihrer architektonischen Anlage hat die Burg Hohenwerfen große Ähnlichkeit mit der Festung Hohensalzburg. Kein Wunder, denn beide Bauwerke stammen aus der gleichen Zeit und gehen beide auf den gleichen Erbauer, den Salzburger Erzbischof Gebhard (1060-1088) zurück. Sie wurden allerdings später mehrfach erweitert, bis sie ihre heutige Gestalt erhielten.

Kern der Burg Hohenwerfen ist die innere Burg mit dem Palas (Wohntrakt) und dem Glockenturm mit einer qualitätvollen Renaissanceglocke von Christian Löffler aus Innsbruck. Die Burgkapelle besitzt eine schlichte Barockausstattung. Unterhalb der Kapelle gelangt man in die »finstere Stiege«, auch Riemergang genannt, über die man den Wallerturm erreicht. Bei Burgführungen können die Besucher auch die Folterkammer, das Verlies, das Zeughaus und den Waffensaal besichtigen. Eine besondere Attraktion auf der Burg Hohenwerfen ist der historische Landesfalkenhof, der einen Einblick in die allgemeine Greifvogelkunde vermittelt. Berufsfalkner zeigen heimische Greifvögel wie Seeadler, Kaiseradler, Schneeeule, Falken und Gänsegeier in artgerechter Haltung und im Freiflug. Im Falknereimuseum erhält man zusätzliche Informationen über die Kunst der Falkenjagd.

Mit dem Bau von Hohenwerfen wollte Erzbischof Gebhard sein Herrschaftsgebiet vor Angriffen aus dem Süden schützen und damit die Residenzstadt militärisch absichern. Er stand im damals tobenden Investiturstreit auf der Seite des Papstes und musste damit rechnen, zum Angriffsziel der kaisertreuen Partei zu werden. Ihre erste Bewährungsprobe bestand die Burg Hohenwerfen im Jahre 1077, als Kaiser Heinrich IV. aus Italien von seinem Gang nach Canossa heimkehrte, wo er die Lösung vom Kirchenbann erreicht hatte. Auf der Heimreise versperrte die Burg Hohenwerfen dem Kaiser den Weg über den Pass Lueg, so dass er die beschwerliche Route über den Felbertauern nehmen musste.

Der Zwist mit dem Kaiser sollte sich für Gebhard und das Erzstift Salzburg später unheilvoll auswirken. Das Land wurde von den Parteigängern Heinrichs IV. mehrmals geplündert, Gebhard selbst musste ins Exil gehen und kehrte erst nach mehreren Jahren wieder in sein Bistum zurück. Er starb im Alter von 68 Jahren auf seiner Lieblingsburg Hohenwerfen.

Gebhards Nachfolger Konrad aus Abensberg baute Hohenwerfen weiter aus. Ein zeitgenössischer Autor lobt die Burg als Musterbeispiel einer Landesfestung, die jedem Fremden zurufe: »Bis hierher – und nicht weiter!« In den Bauernkriegen Anfang des 16. Jahrhunderts ging Hohenwerfen in Flammen auf. Erzbischof Matthäus Lang (1468-1540) achtete beim Wiederaufbau darauf, den Bau den geänderten Erfordernissen der Kriegstechnik nach Einführung der Pulverwaffen anzupassen. Seitdem gehörte eine Reihe Geschütze und Pulverbüchsen zur Grundausstattung der Trutzburg Hohenwerfen.

Als der zweite Erbauer gilt Erzbischof Johann Jakob aus der Südtiroler Familie Kuen von Belasy. Er lebte in der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts und scheute weder Kosten noch Mühen, um die Burg zu erweitern »wegen der Rebellen Praktiken in und ausser Landes«, wie ein Historiker im Jahre 1565 schreibt. Wer die Burg mit eigenen Augen gesehen habe, könne ermessen, welche Geldsummen an derselben verbaut worden seien, stellt er bewundernd fest.

Erzbischof Johann Jakob engagierte Baumeister aus Italien, die im Festungsbau besonders erfahren waren. Sie mussten sich verpflichten, nur bestes Baumaterial zu verwenden und etwaige spätere Bauschäden auf eigene Kosten zu reparieren. Auch das Außengelände rund um die Burg wurde neu gestaltet, so dass die Festung für uneinnehmbar gehalten wurde. Geradezu besessen baute der Erzbischof bis zu seinem Tode weiter. Das Ergebnis war im wesentlichen die Burg, wie wir sie heute kennen. Eine halbe Hundertschaft Soldaten bildete zusammen mit ihren Familien die Besatzung. Das letzte große Bauwerk war der mächtige Pulverturm, in dem riesige Mengen Munition aufbewahrt wurden.

Die stolze Bergfestung hatte für die Salzburger Landesherren aber nicht nur eine wichtige strategische Funktion am Südzugang zum Pass Lueg, sie diente zeitweise auch als Wohnsitz und Jagdschloss der Erzbischöfe. Außerdem benutzte man sie als Staatsgefängnis. Prominentester Gefangener war der eigenwillige Erzbischof Wolf Dietrich von Raitenau, der auf Betreiben des Bayernherzogs Maximilian I. sein Amt abgeben musste. Er war zunächst auf Hohenwerfen festgesetzt worden, ehe er auf die Festung Hohensalzburg gebracht und dort bis zu seinem Tode gefangen gehalten wurde. Die Wandinschrift »Lieb’ ist Leides Anfang«, die man auf Hohenwerfen den Besuchern zeigt, soll von Wolf Dietrich selbst stammen und auf seine langjährige Beziehung zur schönen Bürgerstochter Salome Alt verweisen, für die er das Schloss Mirabell in Salzburg hatte erbauen lassen.

Ein nicht minder trauriges Geschick hatte der »stumme Gefangene« Josef Steinwender, ein Bauer aus Lasaberg im Pongau. Er war im Zeitalter der Protestantenverfolgungen wegen Verdacht des Luthertums gefangen genommen und 22 Jahre auf Hohenwerfen in Ketten gelegt worden. Um vor den ständigen Verhören Ruhe zu haben, stellte er sich absichtlich stumm. Dadurch konnte er sich zwar einerseits davor retten, zum Verräter an seinen Glaubensgenossen zu werden, verlor aber andrerseits die Chance, wieder frei zu kommen. Dieses heute unfassbare Schicksal können Besucher bei der Burgbesichtigung in einer thematischen Sonderführung nach Voranmeldung nacherleben (Tel. 0043/6468-7603).

Schon um die Mitte des 18. Jahrhunderts verlor Hohenwerfen mit der allgemeinen militärischen Entwicklung seine strategische Bedeutung. Um 1800 wurden alle wertvollen Geschütze wegtransportiert. Schließlich kamen alle beweglichen Einrichtungsgegenstände unter den Hammer. Dass die Festung nicht abgerissen wurde, ist dem allmählich gestiegenen historischen Interesse an Zeugnissen der Vergangenheit zu danken. Kaiser Franz I. erließ 1823 eine Verfügung mit der Anordnung: »Ich will, dass die Veste Hohenwerfen beibehalten und so, wie sie dermalen ist, dem Militär übergeben werde.« Nach umfangreichen Reparaturarbeiten stattete der Kaiser höchstpersönlich der Burg in Begleitung von Erzherzog Johann einen Besuch ab.

Doch für Verteidigungszwecke hatte Hohenwerfen keine Bedeutung mehr. Dem Versuch, einen Pächter zu finden, war kein Erfolg beschieden. Zunächst übernahm die österreichische Finanzverwaltung das Objekt, 1898 ging es in den Besitz von Erzherzog Eugen von Österreich über, der in den renovierten Räumen eine Waffensammlung anlegte. Als ein Großbrand 1931 einen immensen Schaden angerichtet hatte, investierte der Erzherzog nicht nur das von der Versicherung gezahlte Geld, sondern auch den Erlös aus dem Verkauf der Waffensammlung, um den Wiederaufbau zu ermöglichen. In der NS-Zeit war in der Burg ein Schulungszentrum der Partei untergebracht. Seit 1945 gehört Hohenwerfen dem Land Salzburg, seit 1987 ist die Festung von Juli bis November der Öffentlichkeit zugänglich.

JB



20/2005