Jahrgang 2021 Nummer 7

Brauchtum aus dem Chiemgau

Fasching – »Unsinniga Pfingsta« – Vorgestellt von der Kräuterpädagogin Andrea Illguth

Jetzt ist es offiziell, der letzte Wintermonat Februar leitet den Vorfrühling ein. Von vielen schon sehnsüchtig erwartet, fällt auch der Fasching in diese Zeit. Da stellt sich doch die Frage, wieso verschiebt sich der Fasching eigentlich immer? Diese Tatsache ist eng mit Ostern verknüpft. Auch Ostern fällt jedes Jahr auf ein anderes Datum. Der Grund dafür liegt knapp 1700 Jahre zurück. Auf dem Konzil von Nicäa wurde von Bischöfen und anderen Verantwortlichen der Kirche beschlossen, Ostern immer an dem Sonntag nach dem ersten Frühlingsvollmond stattfinden zu lassen. Zu dieser Einigung kam es, da die Auferstehung Jesu übereinstimmend in allen vier Evangelien des neuen Testaments an einem Sonntag stattgefunden haben soll. Aber warum der Sonntag nach dem ersten Frühlingsmond? Hier kommt der Mondkalender ins Spiel. Die Tatsache, dass Ostern nach dem Vollmond stattfindet, hat mit dem jüdischen Pessach-Fest zu tun. Der Überlieferung nach soll Jesus von Nazareth am Vorabend dieses Festes gekreuzigt worden sein. Da sich das Pessach-Fest nach dem Mondkalender richtet, wurde dies im christlichen Glauben übernommen, wodurch der Auferstehung Jesu immer am Sonntag nach dem ersten Frühlingsvollmond gedacht wird. Da sich Fasching an Ostern orientiert und am Aschermittwoch, also mit Beginn der Fastenzeit, zu Ende geht, ist die Länge der Saison immer unterschiedlich.

Die bairisch-österreichische Bezeichnung »Fasching« erscheint bereits im 13. Jahrhundert. Mit »vaschanc« oder »vastschang« verstand man den Fastentrunk. Später mit der Endung »ing« war der Begriff Fasching geboren. Wiederum der Begriff »Fas(t)nacht« entsprang aus dem mittelhochdeutschen »vas(t)(en)nacht« die Nacht vor dem Fasten, also vor dem Aschermittwoch. Erst seit dem 17. Jahrhundert ist das Wort »Karneval« belegt, vom italienischen Wort carnevale, was so viel wie »Fleisch lebe wohl« heißt, womit sozusagen die bevorstehende Zeit der Entbehrung angekündigt wird.

Viele mit dem Faschingsgen Infizierte wissen vielleicht gar nicht von den Wurzeln dieser 5. Jahreszeit. Die Germanen feierten dieses Frühlingsfest ausgelassen, um die winterlichen Dämonen zu verjagen. Bei dem römischen Saturnalienfest war es Sitte, die Rollen der feinen Gesellschaft mit den Sklaven zu vertauschen. An diesem Tag wurden die Sklaven von ihnen bedient. Fasching hat keinen kirchlichen Hintergrund, die Christen wollten nur noch einmal so richtig ausgiebig feiern, bevor der Aschermittwoch die Zeit der Entbehrung einleitet. Ein wenig christlicher Sinn steckt aber irgendwie schon im Fasching. Jeder ist gleich, jeder kann teilnehmen, Machtverhältnisse lösen sich auf.

Auch im bäuerlichen Brauchtum gab es viele Gepflogenheiten, um den Frühling zu wecken und auch der Fasching wurde in vollen Zügen genossen. Am 22. Februar war Petri Stuhlfeier, er erinnert an die Übernahme des Bischofsstuhls von Rom durch den Apostel Petrus. Heute völlig vergessen, war es ein Lostag für die Liebe, Gerichtstag für Hirten, Knechte und Mägde, sowohl beendete er die Winterpause der Schifffahrt. Es war Brauch, an diesem Tag an die Türen der Nachbarn zu klopfen. Mit dem Spruch: »D'Sonn klopft o«, oder »da Peterl klopft o«, sprach man ganz im Sinne eines uralten heidnischen Brauchs. Petrus von Antiochien, nahm die Stelle von Donar/Thor ein. Sein Handwerkszeug war der Hammer, den Germanen ein heiliges Werkzeug, wurde durch einen Hammerschlag Tür und Behausung geweiht. Bis heute noch bekräftigt der Hammerschlag ein rechtsgültiges Urteil, den Übergang von Besitz, heute noch gilt er bei Versteigerungen als Zuschlag. »Hast an Peterl scho oglopft?« War die häufigste Frage an diesem Tag. Auch der Wochentag Donnerstag hat heidnischen Hintergrund. Donarstag, der Tag des hammerwerfenden Donar, Wotan und Sator. Diesen Dreien abzuschwören war im Zuge der Christianisierung germanischer Stämme ein großes Bedürfnis. Doch lange lebte noch der Brauch am Donnerstag Erbsensuppe zu essen in so mancher Bauernstube weiter. Donar war der Herr übers Gewitter, das Erbsenkorn, das dem Hagelkorn gleicht, eine Opfergabe für die Gottheit. »Wer Erbsensuppe essen will, darf den Pfingsta (Donnerstag) nicht vergessen.« So lautete ein uralter Bauernspruch aus dem Chiemgau.

Der Namenstag des Apostels Matthias am 24. Februar, hat eine alte Bauernregel parat: »Mattheis bricht's Eis, hat er koans, macht er oans«! Soll heißen, wenn sich der Winter bis dato richtig ausgetobt hat, wird es mild bleiben. Waren die Monate Dezember und Januar aber recht mild, wird er alles nachholen. Am Mattheistag legten die Chiemgauer Bäuerinnen früher die Saat fürs Kraut aus, die jungen Buben, ließen am Abend die Goasln schnalzen, damit der Winter gewiss keine Lust hat, zu bleiben.

Ausgehen und sich verkleiden, so kennen wir unseren Fasching noch. Auch mit dem Begriff »Unsinniger Pfingsta« können viele noch etwas anfangen. Doch der Fasching von heute kann nicht mit dem von damals mithalten. Alt und Jung maskierten sich am »gumpatn« (gumpen = hupfen) Donnerstag. Freilich die Kostüme waren der damaligen Zeit unterworfen und angesagt. Vom Fallensteller, Hanswurst, Bärentreiber, Einsiedler, oder sogar mit Stelzen kamen Geübte daher.

Es durfte an diesem Tag Fleisch gestohlen werden. So manche Bäuerinnen jammerte übertrieben: »A Unsinniger hod mir mei Fleisch gstoin.« Am »ruaßigen Freitag« wurden alle diejenigen, die nicht maskiert waren, mit Kohlenstaub im Gesicht angeschwärzt. Oft recht eine Gaudi, da die Burschen vor allem den Dirndln nachjagten. Der heidnische Ursprung dahinter besagte, nur wer in »Maschkara« geht, war gegen Dämonen und Hexen geschützt. Am »schmalzigen Samstag« türmten sich Berge von Faschingskrapfen in der Speisekammer auf. So glaubte man, wer an Fasnacht nicht gescheit isst und trinkt, der wird das restliche Jahr über auch nicht satt. Die runde Form des Krapfens ist ein Sonnensymbol. Von Dorf zu Dorf von Stadt zu Stadt wurde etwas anders gefeiert. Vom Ochsenrennen in Aising, die Teisendorfer Bettelhochzeit auf dem Misthaufen, dem berühmt und berüchtigtem Seeräuberfest von Wössen, dem Wasserburger Wurstball bis hin zu einem jährlich gespendeten Kalbskopf der Fastenbrezenbäcker. All das ist in Vergessenheit geraten. Wahrscheinlich würde sich heute auch keiner mehr über ein herausgesäbeltes Stück vom Kalbskopf freuen. Die Dorfner gingen an Pfingsta »Hemadlenzn«, männlich wie weiblich, das war Pflicht, trugen weiße Hemden. Hoch oben am Rathaus hing der »Hemadlenz« am Galgen, um den Winter auszutreiben, lodert er in Flammen auf. Mit unzähligen Bräuchen versüßten sich die Menschen damals die Zeit nach dem langen, anstrengenden Winter die bevorstehende Fastenzeit.

 

Viele Kostbarkeiten sind verloren – eine Kostbarkeit aber nicht! Die Rede ist vom altbairischen Rezept des Faschingskrapfens.

Altbairische Faschingskrapfen

Zutaten: 600 g Mehl,

circa ¼ Liter Milch,

30 g Germ, 1 EL Rum,

3 Eigelb, 100 g Butter,

Aprikosenmarmelade,

reichlich Pflanzenfett

(Schweineschmalz).

Zubereitung: In etwas lauwarmer, gezuckerter Milch den Germ auflösen. An einem warmen Ort das Dampferl aufgehen lassen. Eigelb, Zucker und Butter gut miteinander verquirlen. Dann das Dampferl und hernach das Gemisch zum Mehl geben. Ebenfalls die restliche, warme Milch. Der Teig sollte weich sein. Sehr gut kneten und an einem warmen Ort aufgehen lassen. (Luftzug verändert den Teig). Den Teig auf einer Mehl bestäubten Arbeitsplatte circa einen Zentimeter dick ausrollen. Mit einer runden Form Ringe ausstechen und darauf einen Teelöffel Marmelade setzen. Wieder Teig ausrollen und gleich viele Ringe ausstecken, die Ringe über die anderen legen. Dann braucht man einen etwas kleineren Ring, um die endgültigen Krapfen auszustechen. Alles so lange wiederholen, bis kein Teig mehr übrig ist. Die ausgestochenen Teiglinge mit einem Tuch bedecken und nochmals gehen lassen. In einem Topf genügend Fett erhitzen, die Krapfen mit der Oberseite zuerst schwimmend ins Fett einlegen. (Fett ist heiß genug, sobald am hineingehaltenen Holzlöffel Bläschen aufsteigen, Vorsicht: ist das Fett nicht heiß genug, saugt sich der Teigling voll) Die Krapfen umdrehen, sie sollen von beiden Seiten goldgelb gebacken sein. Mit einem Schaumlöffel aus dem Fett nehmen und auf dem Küchenpapier abtropfen lassen. Mit Puderzucker bestäuben

 

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