Jahrgang 2002 Nummer 25

Bergkristall galt als versteinertes Eis

Erzbischof Graf von Thun gründete die Salzburger Kristallmühle

Der helle Bergkristall gehört wie der violette Amethyst zu den Quarzen und zeichnet sich durch besondere Klarheit und Härte aus. Die wichtigsten Kristallvorkommen in Europa finden sich in der Schweiz und in den Hohen Tauern im Salzburger Land. In der Antike hielt man Bergkristall für versteinertes Eis und gab ihn den Toten mit auf den Weg ins Jenseits. Im Mittelalter galt er als Symbol für die Menschwerdung, die Taufe und die Auferstehung Christi.

Seiner Härte wegen lässt sich Bergkristall nur mit Hilfe von Maschinen bearbeiten. Im Mittelalter konnte man ihn bloß bohren und einfach schleifen. Seit der Renaissance führten der technische Fortschritt und die Liebe zum wertvollen Material seine künstlerische Gestaltung zu erstaunlichen Höhepunkten.

Der Bergkristall und seine künstlerische Verarbeitung sind das Thema der Ausstellung »Salzburger Bergkristall – Die hochfürstliche Kristallmühle«, die bis 27. Oktober im Dommuseum zu Salzburg zu sehen ist. Im Jahre 1662 hatte Erzbischof Guidobald Graf von Thun, der auch die Kunst- und Wunderkammer anlegen ließ, in Salzburg die »hochfürstliche Kristallmühle« gegründet. Nach dem Vorbild ähnlicher Werkstätten in Mailand, Prag und Freiburg im Breisgau verarbeitete sie Kristalle, Achate und andere heimische Steine. »Mühle« hieß sie, weil ihre Maschinen vom Wasser des Almkanals angetrieben wurden.

Anfangs erzeugte die Kristallmühle fein geschliffene, in vergoldeten Silberfassungen montierte und mit Email reich verzierte Prunkgefäße, ab 1700 wurden auch Kronleuchter hergestellt. Später wirkten die Salzburger Kristallschneider zudem als Glasschneider und Spiegelmacher. Das Rohmaterial kam aus der Glashütte in Hüttenstein bei St. Gilgen. Gleichzeitig entstanden kleinere Objekte wie Rosenkranzperlen, Amulette, und Kreuze. Hauptabnehmer war zunächst die erzbischöfliche Kunst- und Wunderkammer, später auch Abteien, Wallfahrtskirchen und Privatpersonen. Mit der Säkularisation kam das Ende der Kristallmühle, der letzte Schleifer starb im Jahre 1801.

Das Modell einer hochalpinen Felslandschaft, imposante Kristallstufen aus den Hohen Tauern und Berichte über das Mineraliensammeln veranschaulichen bei der Ausstellung die Mühe des Suchens und Bergens von Bergkristallen. Durch die Vorführung verschiedener Tätigkeiten wie Hartsteinbehandlung, Gefäßsteinschnitt, Goldschmieden, Emailmalerei und Spiegelerzeugung erhalten die Besucher einen Einblick in die harte Arbeit der früheren Spezialarbeiter.

Zwei Säle geben einen Überblick über die sakralen und weltlichen Erzeugnisse der Salzburger Kristallmühle. Die prachtvollen Prunkgefäße sind Glanzstücke der Ausstellung, ebenso die Monstranzen und Reliquinbehälter. Der Großteil der ausgestellten Stücke sind Leihgaben aus Wien, Florenz, Prag und München, wohin sie nach der Flucht des letzten Salzburger Fürsterzbischofs verbracht worden waren. Nun können sie zum ersten Mal seit 200 Jahren wieder an ihrem Entstehungsort bewundert werden.

JB



25/2002