Jahrgang 2006 Nummer 40

»Ausgerechnet Freitag, der 13.!«

Der Nächste ist am 13. Oktober 2006 – Woher kommt der zweifelhafte Ruf der 13? – Die 13 ist auch eine Glückszahl

Es ist merkwürdig, aber nicht zu leugnen, dass die Zahl 13 die Rolle einer schönen und launischen Diva in unserem Leben spielt. Jeder und jede nimmt im Laufe seines beziehungsweise ihres Lebenswandels in irgendeiner Form zu ihr Stellung: er lernt sie fürchten oder lieben.

Niemand jedenfalls wird leugnen, dass die 13 eine Sonderstellung unter ihren Mitschwestern, beispielsweise der 11 oder 17 einnimmt. Wie aber kommt gerade sie zu dieser Auszeichnung? Woher bezieht die 13 ihren Ruf als Unglückszahl, und warum gibt ihr ausgerechnet der Freitag den magisch-negativen Trumpf?

Mit der Einführung des Sonnenkalenders wurden aus den 13 Mondmonaten plötzlich deren zwölf, denn ein Sonnenmonat umfasst 30 oder 31 Tage statt 28 wie der Mondmonat. Das Verschwinden eines Monats wurde als Unglückszahl gewertet.

Auch Jesus wurde ursprünglich mit seinen 12 Aposteln als eine Gemeinschaft von 13 betrachtet. Der 13. aber war Judas, der Verräter. Das Alte Testament erwähnt 13 Stämme Israels, nach dem Talmud wird das Land Israel in 13 Teile aufgeteilt, Israel war jedoch nach biblischen Zeiten vom Unglück verfolgt.

Der Symbolkraft der 13 ist kaum beizukommen

Früher stach kein Seemann an einem 13. und schon gar nicht damit verbunden an einem Freitag in See. Das hätte die Herausforderung der Götter und entsprechende Vergeltung des Himmels bedeutet. Schifffahrtsgesellschaften lassen die Ziffer 13 aus ihren Schiffen entfernen: keine Kabine, kein Rettungsboot und kein einziges Instrument oder Gerät auf ihren Fahrzeugen trägt die gefürchtete Zahl 13.

Eine sonderbare Widerlegung dieses Aberglaubens besteht in der Tatsache, dass beim Untergang des großen Passagierdampfers »Drummond Castle« im Jahre 1896 nur ein einziger Reisender gerettet wurde. Und zwar ausgerechnet derjenige, welcher die Kabine Nummer 13 auf dem Unglücksschiff bewohnt hatte!

Praktisch in allen Hotels existieren keine Zimmer mit der Nummer 13. In Hotelhochbauten und in manchen Wolkenkratzern wird die 13. Etage nicht als solche gezählt. Die Hoteldirektionen überhüpfen ganz einfach die bei vielen Gästen ungeliebte 13, oder sie weichen auf drei- oder vierstellige Zahlen aus. Es wird von Amerikanern berichtet, denen selbst die Zimmernummer 157 nicht genehm war: sie weist die Quersumme 13 auf.

Kein Gastgeber, der auf sich hält, wird jemals 13 Personen bei Tisch haben wollen, Autorennfahrern würden sich die Haare sträuben, müssten sie in einem Wagen mit der Nummer 13 sitzen, und schließlich kommt – wer erinnert sich noch daran? – die 13 auch in Märchen generell schlecht weg. Eine Ausnahme gibt es: das 13. Monatsgehalt hat aus Gründen der negativen Auswirkung noch niemand zurückgewiesen. Der Symbolkraft der Zahl 13 ist offenbar kaum beizukommen.

Die 13 kann auch eine Glückszahl sein

Im Gegensatz zu den Pessimisten gibt es Menschen, für die der 13. der wonnigste Tag des Monats ist. Beschwingt und heiter springen sie aus dem Bett. Heute hab’ ich Glück, denken sie. Das Glück, die Freude begegnen ihnen auf Schritt und Tritt. Warum? Weil sie daran glauben!

Der Aberglaube ist also eine Sache des Glaubens. Dieser wiederum resultiert aus dem ersten Erlebnis, das man hatte. Im Falle der 13 also damit, welche Erlebnisse man zum ersten Mal im Zusammenhang mit dieser Zahl hatte. Die einen fanden ihre erste Liebe, ihr großes Glück am 13., andere mussten eine bittere Enttäuschung hinnehmen. Das gräbt sich in das Unterbewusstsein ein und lässt den Menschen nie mehr los.

Hochzeiten und Geburten an einem 13. bringen Glück, sagen die modernen Menschen. Heiraten am 13.? Warum auch nicht? An diesem »lieblichen« Tag hat schon Eva ihren Adam zum folgenschweren Biss in den Apfel rumgekriegt.

Bei der Suche nach dem Glück spielt die 13 heute eine wichtige Rolle: in den Lotto- und Toto-Annahmestellen weiß man längst, dass auch der dem Aberglauben abgeneigteste Mensch sein Kreuzchen gern auf die schwarze Primzahl setzt. Und sogar einige der bekanntesten, wenn nicht gar der besten Fußballspieler lassen es sich nicht nehmen, mit der Zahl 13 als Rückennummer aufs Feld zu laufen.

Das einzige Pech der Zahl 13 ...

Und was dem Glücksspiel hold ist, ist natürlich dem Theaterspiel billig: die Nummer 13 an der Garderobentür ist ebenso selbstverständlich wie der Theatersitz Nummer 13. »Wir sind doch nicht mehr im Mittelalter mit Hexeneinmaleins und schwarzen Katzen«, sind die Theaterleute überzeugt.

Und was sagt die Wissenschaft zur Zahl 13? Nüchtern betrachtet: das einzige Pech der Zahl 13 ist, dass sie um eins größer ist als die 12. Nicht mehr und nicht weniger.

Warum ein Freitag, der 13. unheilvoller sein soll als andere Tage, ist nicht zu begründen. Psychologen glauben, dass Menschen, die einen »bösen Freitag« bereits ängstlich beginnen, dadurch gefährdet sind.

Bei den Römern galt der Freitag, der dies Veneris, der Tag der heiteren Liebesgöttin als ein fröhlicher und glücklicher Tag, bei den alten Germanen, der Liebes- und Wolkengöttin Freyja geweiht, als günstiger Tag für Liebe, Ehe und Wetter. Der Venus-Freitag kam also völlig unbegründet zu seinem unglücklichen Beigeschmack.

Für Pessimisten und Optimisten: bis Ende 2007 gibt es gerade noch drei Freitage den 13. Sie sind: 13. Oktober 2006 – 13. April 2007 – 13. Juli 2007. Also nicht viele Daten, um sich sein Glücks- oder Pechdatum auszusuchen. Wie lautet doch der Kommentar eines klugen Geistes hierzu: »Es gibt Leute, die ihr Pech auf das Datum schieben statt auf ihre eigenen Fehler.«

Fenja Lacroix



40/2006