Jahrgang 2006 Nummer 1

Am 1. Januar 1806 erhielt Bayern die Königswürde

Aus dem Kurfürstentum wurde das Königreich Bayern mit König Maximilian I. Joseph – Teil II

Der König im Totenbett

Der König im Totenbett
Die bayerische Königskrone

Die bayerische Königskrone
Die Schlacht um Ulm nach einem Gemälde von Charles Tbevinet.

Die Schlacht um Ulm nach einem Gemälde von Charles Tbevinet.
1808 erhielt Bayern eine einheitliche Verfassung. Diese Verfassung basierte auf dem Grundsatz der Gleichheit aller, ohne aber die absolute Machtfülle des Königs einzuschränken. Im wesentlichen war die Verfassung ein Spiegelbild der meisten Reformen von Montgelas: Bildung eines einheitlichen Staatsrechts, Abschaffung der Ständeverfassungen, Einführung der allgemeinen Steuerpflicht und der Wehrpflicht, Gewährleistung der bürgerlichen Grundrechte wie Sicherheit der Person und des Eigentums, vollkommene Gewissensfreiheit und Pressefreiheit und Abschaffung der Leibeigenschaft. In Kraft getreten ist die Verfassung am 1. Oktober 1808.

Die folgenden Jahre stand Bayern an der Seite Frankreichs, aber das Verhältnis wurde wegen der wirtschaftlichen und militärischen Ausbeutung durch die Franzosen zunehmend gespannter. Hier spielte auch der Tod von rund 30 000 bayerischen Soldaten während des Russlandfeldzuges eine größere Rolle. Durch den wiederum geheimen Vertrag von Ried vom 8. Oktober 1813 verließ das Königreich Bayern den Rheinbund und trat der Koalition gegen Frankreich bei. Diese Koalition bestand aus Österreich, Russland, Preußen und Bayern. Als Napoleon von der Sache erfuhr, sagte er zur Schwester des bayerischen Königs: »Madame, ich habe Ihnen nur ein Wort zu sagen: Ihr Bruder ist der größte Schurke«. Am 14. Oktober 1813 erklärte Bayern Frankreich den Krieg. Zwei Tage später begann die Völkerschlacht bei Leipzig, in der Napoleons Truppen entscheidend geschlagen wurden. Die Koalitionstruppen rückten in Frankreich ein, Napoleon dankte ab und zur Neuordnung Europas wurde der Wiener Kongress einberufen, der dann am 18. September 1814 begann. Im Ergebnis erhielt Bayern die Städte Würzburg, Aschaffenburg und die Pfalz, musste aber Tirol, Vorarlberg und Salzburg an Österreich abtreten.

Bayern lebte wieder in Frieden und die Reformen konnten weiter ausgebaut werden. Am 15. Juni 1815 trat das Königreich Bayern dem Deutschen Bund bei. Dieser Staatenbund bestand von 1815 bis 1866 und ihm gehörten 41 souveräne Fürsten und freie Städte an. Durch ihn erhielt Deutschland einen lockeren Zusammenhalt, als einziges Organ fungierte die Bundesversammlung, auch Bundestag genannt, in Frankfurt am Main.

Das Jahr 1817 führte zum Sturz des »allmächtigen« Ministers von Montgelas. Der 1816 schwer erkrankte Minister wurde auf Betreiben seiner hauptsächlichen Widersacher Kronprinz Ludwig und Feldmarschall Wrede vom König entlassen. Von Montgelas hatte 21 Jahre lang in schwierigsten Zeiten die Geschicke Bayerns in positiver Weise gelenkt. Er hatte nicht einmal die Gelegenheit, sich zu den gegen ihn erhobenen Vorwürfen zu äußern.

Da die Verfassung von 1808 den Anforderungen nicht genügte, drängte Kronprinz Ludwig darauf, eine neue Verfassung zu schaffen und diese Verfassung konnte am 26. Mai 1818 durch den Reichsherold unter Kanonendonner und Glockengeläut verkündet werden. In der Verfassungspräambel wurden die Grundrechte garantiert: Gleichheit vor dem Gesetz, Steuerpflicht für alle nach den finanziellen Möglichkeiten, Meinungs- und Gewissensfreiheit und so weiter. Das monarchische Prinzip war weiterhin festgelegt, aber dem König stand eine Stände-Versammlung gegenüber. Diese zerfiel in zwei Kammern: die Kammer der Reichsräte und die Kammer der Abgeordneten. 1819 trat dann der erste Landtag zusammen.

Nach einigen ruhigen Jahren in der bayerischen Politik starb am 12. Oktober 1825 König Maximilian I. Joseph im Schloss Nymphenburg in München. Aus den zahlreich existierenden Persönlichkeitsbeschreibungen soll hier die von Hans F. Nöhbauer auszugsweise wiedergegeben werden: »...Bayern hat seinen ersten König verloren, einen Mann, der sicher nicht durch Brillanz bestach, der aber die Sympathie der Bayern durch seine Natürlichkeit gewann. Er war eine leutselige kommode Natur, ein Herrscher ohne Pathos und ohne große Allüren. Morgens, so hieß es, ging er häufig auf den Schrannenmarkt, um sich zu überzeugen, was das Getreide kostet (und vielleicht auch, um zu erfahren, was das Volk dachte). Er wäre dabei wohl selber als Bauer durchgegangen; Carl von Nostiz jedenfalls, der ihn auf dem Wiener Kongress kennen lernte, schrieb über ihn: >Der König von Bayern sieht aus wie ein grober, verdrießlicher bayerischer Fuhrmann, hat aber dabei einen Anstrich von Biederkeit und Rechtlichkeit. Er ist der bürgerlichste König< ...«.

Abschließend kann man in Kurzfassung sagen, dass König Maximilian I. Joseph und sein Superminister Maximilian Joseph Freiherr von Montgelas zu Beginn des 19. Jahrhunderts Bayern zum modernsten Staatswesen auf deutschem Boden entwickelt hatten.

Alfred Staller

Quellen:
Aretin, Karl Otmar von, Bayerns Weg zum souveränen Staat, Verlag C.H. Beck, München, 1976, Dollinger Hans, Bayern, Prisma Verlag, Gütersloh, 1982, Hartmann Peter Claus, Bayerns Weg in die Gegenwart, Verlag Friedrich Pustet, Regensburg, 1989, Haselbeck Franz, Leben, Wirken und Vermächtnis der Traunsteiner Kapuziner, Veröffentlichung des Stadtarchivs Traunstein, 1994, Hubensteiner Benno, Bayerische Geschichte, Süddeutscher Verlag, München, 1980, Nöhbauer Hans F., Die Chronik Bayerns, Chronik Verlag, Gütersloh/München, 1994, Privatarchiv Günter Perktold, Traunstein, Wuermeling Henric L., Die Geschichte Bayerns, Langen Müller Verlag, München, 2003.


Teil 1 in den Chiemgau-Blättern Nr. 52/2005



1/2006