Jahrgang 2012 Nummer 12

Altötting rüstet sich für die »Fugel-Jahre«

Das »Jerusalem-Panorama Kreuzigung Christi« steht vor neuen Aufgaben

Gebhard Fugels Malerei und künstlich bearbeitete Natur fügen sich im »Jerusalem-Panorama« zu einer künstlerischen Einheit.

Gebhard Fugels Malerei und künstlich bearbeitete Natur fügen sich im »Jerusalem-Panorama« zu einer künstlerischen Einheit.
Zum Wahrzeichen des Altöttinger Panoramas wurde die stilisierte Palme, die die innen aufragende Mittelsäule des Rundbaus krönt.

Zum Wahrzeichen des Altöttinger Panoramas wurde die stilisierte Palme, die die innen aufragende Mittelsäule des Rundbaus krönt.
Der Historienmaler und Freskant Gebhard Fugel (1863 - 1939). Sein Porträtgemälde hängt im Eingangs-Bereich des Museums.

Der Historienmaler und Freskant Gebhard Fugel (1863 - 1939). Sein Porträtgemälde hängt im Eingangs-Bereich des Museums.
Drei »Fugel-Jahre« stehen, was das berühmte »Panorama« betrifft, das nur wenige Schritte vom Kapellplatz entfernt liegt, dem Wallfahrtsort im Herzen Bayerns, Altötting, ins Haus. Die Stadt rüstet sich entsprechend. 2014: Der Historienmaler und bedeutende Freskant Gebhard Fugel (1863 - 1939) ist 75 Jahre tot. 2013: Vor 150 Jahren wurde er geboren. 2012: Vor 110 Jahren begann er, eine 469 Kilo schwere, 95 Meter breite, 12 Meter hohe, aus 27 Stoffbahnen zusammengefügte Leinwand mit Szenen zur Kreuzigung Christi zu bemalen. In kürzester Zeit gelang es, das Werk zu vollenden, um es 1903 zu eröffnen. Fugels Rundgemälde spannt sich an der Innenwand des einzigartigen »Jerusalem-Panoramas Kreuzigung Christi« entlang. Täuschend der Natur ähnlich ist das Szenarium gestaltet. Das weltweit besterhaltene, zudem älteste Panorama aus der Zeit klassischer Panoramaarchitektur, das seinen Entstehungsort nie verließ, ist bis auf den heutigen Tag vollkommen original erhalten.

Wir wissen, dass Gebhard Fugel drei für die Entstehung des Altöttinger Panoramas wichtige, vortreffliche Mitarbeiter hatte, ohne die das Kunstwerk wohl nicht die »Größe« erlangt hätte, die es kunsthistorisch und theologisch auszeichnet, vor allem den Landschaftsmaler Josef Krieger, den Maler und architektonischen Experten Karl Nadler und den Historiker Heinrich Ellenberger.

Vor 32 Jahren wurde das Altöttinger Panorama fünf Jahre lang restauriert, dann noch einmal in den Jahren 2004 bis 2007. »In religiöser Hinsicht«, so urteilte ein Kunsthistoriker aus Shenyang/ China, sei es »das schönste Panorama der Welt« und ein »Glanzstück der Kunstgeschichte«.

Um Erhaltung, Sanierung und Pflege des unter bayerischem Denkmal- und UNESCO-Schutz stehenden Juwels des Mariengnadenortes Altötting geht es dem Stiftungsverein. Er besteht seit 1996. Die Fugel-Jubiläums-Jahre sind ihm Anlass, die Aufmerksamkeit keineswegs nur des kunstinteressierten Publikums, sondern auch der Tausenden von Pilgern, die alljährlich Altötting aufsuchen, auf das international bedeutende Bauwerk zu lenken. Es wird als Museum geführt und ist begehbar.

Ein Fugel-Enkel, Gebhard Streicher, gab dem Altöttinger Panorama 30 Jahre lang das Gepräge. Nötig gewordene Neuerungen will man nun, nach Streichers Weggang, in Angriff nehmen. Eine einbruchsichere Bewachungsanlage wurde bereits installiert. Ein schöner, aber ungenützter Raum, direkt über dem Eingangsbereich gelegen, soll für Veranstaltungen im kleineren Kreis renoviert werden. Die wissenschaftliche Betreuung liegt bei der Panorama-Expertin Gabriele Koller, die dem Stiftungsrat angehört. Sie hält zum Internationalen Museumstag am 20. Mai Sonderführungen. Dabei ist auch das im hölzernen Unterbau des Panoramas installierte Pigmentdruckfoto »Tal vor Jerusalem« von Andréas Lang (2007) zu sehen. Lang ist ein Träger des Gebhard Fugel-Kunstpreises, einer Stiftung Gebhard Streichers.

Erstmals wird am diesjährigen Karfreitag um 14 Uhr im Museum Panorama eine meditative Betrachtung mit Volksmusik zur Passion geboten. Mitwirkende: der »Edinger Viergesang«, die »Wieshäuslmusi« und Rudi Kessler als Sprecher. Das Panorama ist vom 16. März bis 31. Oktober täglich von 10 bis 17 Uhr geöffnet. Das im Bau befindliche, sich zwischen Panorama und dem Areal des Gasthofs Scharnagl in gewaltigen Ausmaßen hinziehende, neue Kunstund Kongresszentrum Altötting wird, wie erst kürzlich bekannt gegeben wurde, Mitte Januar nächsten Jahres feierlich eröffnet. Derzeit wird eifrig am Innenausbau des mit Holzschindeln, die man aus Sibirien bezog, gedeckten Baues gearbeitet. Altötting wird dann um eine Attraktion reicher. Und das Panorama rückt auf diese Weise endlich in den Fokus der allgemeinen Beachtung, die ihm seit langem gebührt.


Dr. Hans Gärtner



12/2012