Jahrgang 2006 Nummer 4

Als Mariä Lichtmeß noch ein Feiertag war

Knechte und Mägde konnten sich einen neuen Dienstherrn suchen

Vor etlichen Tagen habe ich, wie wir es vor Weihnachten ausgemacht haben, meine beiden Tanten besucht, das ist für mich jedesmal ein Nachmittag voller alter und lieber Erinnerungen. Nur etliche Tage waren es noch bis Lichtmeß und als wir drei dann bei einem Haferl Kaffee gemütlich beisammen gesessen sind, da sind wir auch bald mittendrin gewesen in unseren Erinnerungen an das »Liamäßtn« von früher.

Rot ist er vor Jahren im Kalender gestanden, dieser ganz besondere Tag am Anfang eines neuen Jahres und schon in aller Früh, gleich nach der Morgensuppe, hat damals auf dem großen Einödhof meiner Großeltern, auf dem ich meine frühe Kindheit verlebte, die Großmutter in einem großen Korb die verschiedenen Kerzen für das ganze Jahr hineingetan. Ich habe ihr jedesmal fast andächtig zugeschaut, wie sie ganz behutsam zuerst etliche lange, weiße Kerzen in den Korb gelegt hat und mir dabei auf mein Fragen hin erklärt, wofür diese alle seien: »Für die Taufe und für die Kommunion brauchen wir einige« und indem sie nochmal ein paar große, weiße Kerzen dazu gelegt hat, meinte sie weiter: »Die für die Mutter Gottes ist ganz wichtig und für die letzte »Ölung« und Opferkerzen für den Altar in der Kirche brauchen wir auch ein paar«.

»Die da’« meinte sie zu mir, als sie eine lange, schwarze Kerze zu den anderen dazu gelegt hat »bei schlechten Wetter oder einem Gewitter das der Blitz nicht ins Haus einschlägt«. Obendrauf auf dem schon fast vollen Korb haben zum Schluss gerade noch etliche Wachsstöcke Platz gehabt, ein paar ganz weiße waren dabei und einen solchen durfte ich jedesmal, wenn ich mit meiner Großmutter im Advent in unsere kleine Pfarrkirche in dem entfernten Dörfchen ins Engelamt mitgegengen bin, ganz vorsichtig anzünden.

Da war ich dann ganz andächtig und stolz zugleich. – Daheim in unserer großen Stube brannte an »Liamäßtn« auch immer eine kleine Kerze über dem »Weichbrunndegei« und auf einem Schemel hat meine Großmutter eine Kerze für die Toten angezündet. Dann gab es da noch einen uralten Brauch, der jeden von der großen Familie schon fast Todesangst spüren ließ und an den ich mich Gott sei Dank nicht mehr erinnern kann, wahrscheinlich war dieser, als ich zur Welt kam, schon »abgekommen«, den mir jedoch meine beiden Tanten genau geschildert haben. – Eben an diesem Lichtmeßtag hat meine Großmutter das große, runde Brett, auf dem immer die riesige Bratpfanne gestanden ist, in die Stube hinein geholt und es auf einen großen Hocker gelegt. Sodann hat der Großvater für jeden von der Familie, ob jung oder alt, eine Kerze darauf gestellt und wenn es nachat gegen Abend zu beim Finsterwerden, an diesem Tag zum Rosenkranzbeten gewesen ist, mussten sich alle auf den Boden knien und der Großvater zündete nun alle Kerzen an, so erinnerten sich meine beiden Tanten und erzählten weiter. Nachat kam das Grausige, denn derjenige, dessen Kerze zuerst ausgelöscht ist, würde als Erster sterben müssen. Da hat mancher schon oft eine gute Zeitlang gebraucht, um die Angst wieder loszuwerden und gut ist’s gewesen, dass der grausige Brauch mit den Jahren abgekommen ist, meinten die beiden Erzählerinnen. – Doch wie schade ist es dagegen um den schönen Brauch des »Wachsstöcke herschenkens« an diesem Tag, wie hat sich da ein Dirndl gefreut, wenn sie einen solchen, reich verziert mit roten Röserl und blauen Vergissmeinnicht von jemanden, den sie gerne gehabt hat, bekommen hat.

So habe ich damals als kleines Mädchen mit vier, fünf Jahren, meiner Mutter so ein Wachstöckl »abgebettelt« und auch meine Tante Marie hat mir einmal eins geschenkt, leuchtend blau ist dieses gewesen mit einem Schutzengelbildchen drauf. Von meiner Gon habe ich dortmals auch ein solches bekommen, viereckig ist’s gewesen mit bunten Blumen rundherum und das Jesuskind ist in der Mitte dringelegen. Und weil mir halt diese gar so gut gefallen haben, so hat mir meine Großmutter auch einmal so eins mit der Gottesmutter in der Mitte, zum Namenstag geschenkt. In einer Schachtel mit Seidenpapier ausgelegt, sind sie drinnen gewesen und einen besonderen Platz habe ich für diese meine Schätze in einer Schublade gehabt. – Eine lange und manchmal denke ich, fast zu lange Zeit haben sie überlebt, meine Wachsstöckl, denn wer kann heute schon noch etwas anfangen damit und weiß noch um deren Bedeutung, die mit diesem schönen Brauch verbunden war.

Aber auch für’s »eher Tagwerden« war Mariä Lichtmeß »verantwortlich«, denn so heißt es doch »Hl. Dreikönig um an Hirschsprung-Liamäßtn um a’ ganze Stund«, ist er wieder gewachsen der Tag. – Und da waren es nicht zuletzt die Dienstboten, für die dieser Tag oftmals der wichtigste im ganzen Jahr überhaupt war, der »Schlenkltag« ist’s gewesen und manche Dirn oder Knecht, dem es bei seinem Bauern gar nicht mehr gefallen hat, der ist auf den Schlenklmärkten, die besonders in unseren »Gauen« recht beliebt waren, meistens schnell mit einem neuen Dienstherrn einig geworden. Aber es ist gleichermaßen auch für einen Bauern schon fast ein Segen gewesen »einen guten Dienstboten zu erwischen«. Wenn aber nachat ein Knecht keinen Schlenkltag und keinen Schlenklmarkt brauchte, um neu »eigstellt« zu werden, weil er auf einem Hof nicht nur eine Arbeit und eine Kammer gehabt hat, sondern zeitlebens auch ein Daheim, so war dies ein doppelter Segen für Bauer und Knecht. So hat unser alter »Dadei« damals vor so vielen Jahren bei meinem Großvater so ein Daheim gefunden. Im Zuhäusl hat er bei hohem Alter bis zu seinem Tode gewohnt und als kleines Dirndl bin ich immer mitgegangen, hinauf zu seiner Kammer, wenn eine meiner Tanten sich um ihn gekümmert und sein Essen gebracht hat, als er nicht mehr an dem großen Tisch bei uns in der Stube, an dem er seit er bei uns war, lange schon, bevor ich auf die Welt gekommen bin, gesessen ist, mitessen konnte. Und »Dadei« haben ihn meine Tanten genannt, das hat mir meine Mutter einmal erzählt, weil er, wenn er schimpfte wenn diese beim Essen am Tisch nicht »stad« gewesen sind, immer das Zittern angefangen hat.

Nun ist er nicht einmal mehr das, der Lichtmäßtag, was er noch viele Jahre lang gewesen ist,- ein »Bauernfeiertag« und es weiß ja auch kaum mehr einer, was ein solcher überhaupt ist,- etwa ein verlängertes Wochenende, oder vielleicht ein sogenannter Überbrückungstag, von denen es ja in diesem Jahr, dank der so günstig liegenden Feiertage, so viele geben soll. - Da kann natürlich so ein einfacher, altmodischer Bauernfeiertag nicht mehr mithalten. – Aber da ist doch noch etwas, das es auch in unserer heutigen Zeit noch gibt- »den Schlenkltratsch«, den wir fast alle Jahre »dawartn« können, aber auch da weiß kaum mehr jemand, was das sein soll, doch spätestens dann, wenn »d’Schuah durchgwoagt san’«, weiß es ein Jeder.

Elisabeth Mader



4/2006