Jahrgang 2006 Nummer 45

900 Jahre Heiliger Bischof Benno

München ehrte seinen Stadt- und den Landespatron Bayerns mit einer Festzeit

Nicht nur München, auch Meißen ehrt mit einer Festzeit den heiligen Bischof Benno. Genauer: die Bistümer München-Freising und Dresden-Meißen. Beide haben Grund zum Feiern. Benno war Bischof von Meißen (von etwa 1066 bis 1106). Er wurde um 1010 nahe Hildesheim geboren. Als Benediktiner war er hier Abt. König Heinrich IV. ernannte ihn vor rund 940 Jahren zum Meißner Oberhirten. Schwierige Zeiten hatte Benno durchzustehen. Er wurde des Hochverrats beschuldig. Als Anhänger des Gegenpapstes von Gregor VII. musste er sein Bistum verlassen.

Mit seiner Heimkehr nach Meißen hängt folgende Legende zusammen, die die Attribute des Heiligen erklärt: Fisch und Schlüssel. Vor dem Verlassen seiner Bischofsstadt im Jahr 1085 habe Benno den Schlüssel zum Dom in die Elbe geworfen, um den von Heinrich IV. ernannten Gegenbischof am Eintritt in die Kathedrale zu hindern. Bei seiner Rückkehr wollte Benno allen Empfangsfeierlichkeiten entgehen und kam deshalb als Pilger nach Meißen. Unerkannt kehrte er in einem Gasthaus ein. Ein ungewöhnlich großer Fisch, der eben in der Elbe gefangen worden war, wurde dem Wirt gebracht. Bei der Zubereitung fand sich unter seinen Kiemen der Domschlüssel. Rasch verbreitete sich die Nachricht von diesem Vorfall und von der Rückkehr Bennos. Daraufhin eilten dem Bischof Domherren und Volk entgegen und begleiteten ihn wieder in seinen Dom.

Mit Heinrich kam der friedliebende Benno gut aus. Bis 1095 weisen ihn die Quellen als eifrigen Missionar der Wenden und Sorben aus. Als Sterbedatum Bennos wird der 16. Juni 1106 angenommen. In diesem Jahr also ist Benno 900 Jahre tot. Viele Erzählungen ranken sich um den Heiligen, der als Urvater des Weinbaus im Elbtal gilt. Seit 700 Jahren pilgert man zu des Wundermannes Grab. Bennos Heiligsprechung erfolgte 1523. Reliquienkultgegner Martin Luther protestierte: ein Höhepunkt im reichsweiten Streit um die Heiligenverehrung.

In Meißen eskalierte 1539 dieser Konflikt mit der Zerstörung der Benno-Tuba und der sterblichen Überreste des Kanonisierten, aber von den Protestanten Meißens Abgelehnten. Den geretteten Reliquien gab der Bayernherzog Albrecht V. eine neue Heimat. Ein Gemälde von 1909 in der Münchner Pfarrkirche St. Benno zeigt den Reliquientransfer in die Münchner Frauenkirche am 16. Juni 1580. Großartige Kunstwerke zur Verehrung des hl. Benno – heute Stadtpatron Münchens und Landespatron Bayerns – entstanden. Das Barock-Reliquiar mit Silberbüste von 1601 – Bischof Benno auf Wolke mit Stab, Buch, Fisch und Schlüsseln auf silberbeschlagenem Ebenholzschrein, der hinter Glas die Schädelreliquie Bennos zeigt – ziert die Benno-Kapelle im Münchner Liebfrauendom. 1984 hat man die Kopfreliquie untersucht und dabei einen Zettel mit folgender handschriftlicher Eintragung gefunden: Als man zölt 1604 geschechen / O heiliger Pischof sant Penno, / Du gewaltiger Diener Gottes, / pit Gott vir mich, der ich mit Gotes / Hilf dies Dein heilliges Haubt / hab eingefast. Hannß Graßer / Seidensticker.

Im selben Jahr, als der Münchner Kunsthandwerker und Benno-Verehrer Hans Grasser diese Zeilen schrieb, errichtete man in der Münchner Frauenkirche ein spektakuläres Bau- und Kunstwerk als Monument sowohl der Heiligenverehrung wie des Herrscherhauses ..., den so genannten Benno-Bogen, wie in dem Buch »Der heilige Benno« von Götz/Pfister zu lesen ist. Mirakelbücher künden von Wundern an der Münchner St. Benno-Gedenkstätte, zu der bald rege gepilgert wurde – vom Kaiser bis zum Einfaltspinsel. Vor 180 Jahren hat Bayernkönig Ludwig I. das zwischenzeitlich abgeschaffte Benno-Fest wieder etabliert. Für die Diözesen München und Meißen ist es seither ein Hochfest.

Hans Gärtner



45/2006