Jahrgang 2008 Nummer 41

450 Jahre Schule Grassau

Herausgabe einer Schulchronik für 2009 geplant

Neubau der Schule 1909/1910

Neubau der Schule 1909/1910
Bei den Recherchen zur Schulchronik von Grassau stellte sich heraus, dass die erste urkundliche Erwähnung einer Pfarrschule aus dem Jahr 1558 stammt. Schule und Gemeinde können also ein Jubiläum begehen – 450 Jahre Schule in Grassau. Als erster Schulmeister wird ein Sigismund Winckler aus Salzburg genannt, der damals 18 Knaben unterrichtete.

Grassau ist die Mutterpfarrei von Rottau, Übersee, Staudach, Marquartstein, Unterwössen, Oberwössen und Schleching. Die Grassauer Pfarrer waren bis zur Einführung der allgemeinen Schulpflicht im Jahre 1802 durch den bayerischen Kurfürsten und späteren König Max IV. Joseph für die Bestellung von weltlichen Lehrern zuständig. Diese Verordnung sah den Schulzwang für alle Kinder vom 6. bis zum vollendeten 12. Lebensjahr vor und war ein revolutionäres Ereignis vor allem für Mädchen. Sie schaffte die Voraussetzungen zu mehr Gerechtigkeit und Selbstständigkeit und verbesserte den Zugang zur überlieferten Kultur. Besonders in der Landbevölkerung stieß die Schulpflicht zunächst aber auf Widerstand, wurde doch die in den kleinbäuerlichen Betrieben notwendige Arbeitskraft der Kinder als erheblich wichtiger angesehen als deren Bildung.

Zur Durchsetzung der Schulpflicht führte man deshalb Zeugnisse ein, ohne die weder ein Betrieb übernommen noch eine Heirat geschlossen werden konnte. Die Kontrollbücher im Pfarr- und Gemeindearchiv von Grassau erzählen hierbei von einem ständigen Kampf der Lehrer um die Anwesenheit der Schüler.

Da die Schulsprengel seit 1815 den bestehenden Kirchensprengeln entsprachen, wurde die Aufsicht über Volksschule und Schullehrer weiterhin den jeweiligen Pfarrern anvertraut. Die Finanzierung der Schule oblag den Gemeinden und den Kirchen bis 1919 gemeinsam. Mit dem Ende der Monarchie wurde aber dann den Kirchen das Recht entzogen, sich außerhalb des Religionsunterrichts an der Schulaufsicht zu beteiligen. Trotz der staatlichen Verantwortung blieb aber im Volksschulbereich der konfessionelle Charakter des Unterrichts sowie der Lehrerbildung bis 1968 erhalten.

Schon 1848 errichtete die Gemeinde ein relativ großes Schulhaus, in dem neben der Lehrerwohnung auch noch Räumlichkeiten für die Gemeindeverwaltung untergebracht waren - der Lehrer war in jenen Zeiten meistens auch noch der Gemeindeschreiber. Noch in den 80er Jahren des 19. Jahrhunderts musste das Gebäude auf Grund des Bevölkerungswachstums erweitert werden. Es ist das heutige Rathaus.

1910 wurde das Urgebäude der heutigen Schule eingeweiht, und in den folgenden beinahe 100 Jahren wurde dieses Haus immer weiter ausgebaut und modernisiert.

1955/56 errichtete man den Gebäudeteil der heutigen Grundschule und 1968 die Turnhalle am Birkenweg.

1969 kam es zur Gründung des Schulverbandes Grassau. Die Verordnung der Regierung von Oberbayern erweiterte den Schulsprengel der Volksschule Grassau bei den Schülern der Jahrgänge 7 bis 9 um die Gemeinden Rottau, Marquartstein, Unterwössen, Oberwössen und Schleching, und für den 9. Schülerjahrgang sogar um das Gebiet der Gemeinde Reit im Winkl. Gleichzeitig wurden die bisherigen eigenständigen Schulen Staudach und Rottau aufgelöst.

In dieser Zeit entstand das Hauptschulgebäude. 1983 wurde die zweite Turnhalle errichtet, 1995 die Aula renoviert und aufgestockt. Zusammen mit der Bürger-Solaranlage entstanden im Jahre 2003 im Dachgeschoß der Grundschule weitere Fachräume für den Unterricht, und 2007 konnte die erfolgreiche Musikschule einen eigenen Hausteil auf der Westseite des inzwischen sehr großen Hauses beziehen.

Nach Jahren, in denen die große Schule und der Schulverband wieder schrumpften (zeitweilig hatte man in den 70ern über 800 Schüler), ist Grassau wieder Mittelpunktschule geworden, in der seit der Jahrtausendwende in den sog. M-Zügen auch der Mittlere Schulabschluss möglich ist.

Zum Schuljahr 2008/09 gehen in die Schule in Grassau 533 Schüler in 25 Klassen – in die Grundschule 267 Kinder, in die Hauptschule 266. Bemerkenswert erscheint die Tatsache, dass 42 Schülerinnen und Schüler aus Übersee, 20 aus Unterwössen, 14 aus Reit im Winkl und 9 aus Schleching hier ihren Abschluss machen werden.

Wie die Lage der Schule zur 500-Jahr-Feier aussehen wird, ist nicht abzuschätzen. Die derzeitigen politischen Überlegungen könnten von der Wirklichkeit überrannt werden.

Gleichwohl ist der Schule mit ihren Schülern und Lehrern alles Gute für die Zukunft zu wünschen

In der voraussichtlich 2009 erscheinenden Schulchronik der Schule Grassau, herausgegeben von der Marktgemeinde im Rahmen der Gemeindechronik, wird ausführlich die Geschichte der Schule dargestellt. Einen großen Teil werden Klassenfotos mit Namen von 1912 bis 2008 einnehmen.

Olaf Gruß



41/2008