Jahrgang 2006 Nummer 16

250 Jahre Georgibruderschaft Ruhpolding

Papst Benedikt XIV. errichtete die Bruderschaft am 12. Januar 1756 – Gründung 23. April 1756

Die Darstellung des heiligen Georg ziert die Urkunden über die Mitgliedschaft zur »Bruderschaft des heiligen Georg«. Dieses Bild

Die Darstellung des heiligen Georg ziert die Urkunden über die Mitgliedschaft zur »Bruderschaft des heiligen Georg«. Dieses Bild dürfte die Motivvorlage für das Altarbild am Hochaltar der Pfarrkirche gewesen sein.
Die prachtvolle Pergamenturkunde mit einem herrlichen Siegel in einer Holzkapsel, die davon Zeugnis gibt, dass am 12. April 1773

Die prachtvolle Pergamenturkunde mit einem herrlichen Siegel in einer Holzkapsel, die davon Zeugnis gibt, dass am 12. April 1773 die Bruderschaft »der löbl. uralten Hof- und Erzbruderschaft des heiligen Ritters und Märtyrers Georgi in der Churfürstl. Haupt- und Residenzstadt München aggregiert« wurde.
Diese Paktisten sind auch heute noch bei der Fronleichnamsprozession und beim Georgiritt an ihren blauen übermänteln mit rotem K

Diese Paktisten sind auch heute noch bei der Fronleichnamsprozession und beim Georgiritt an ihren blauen übermänteln mit rotem Kragen gut erkennbar.
Der Name und die Tradition des heiligen Georg sind in Ruhpolding schon seit Jahrhunderten fest verwurzelt. So ist die Pfarrkirche hoch über dem Talkessel nach diesem Fürbitter benannt. Viele erinnern sich noch gerne an das grandiose Fest des 250jährigen Kirchweihjubiläums vor zwei Jahren. In diesen Tagen jährt sich jetzt ebenfalls zum 250. Mal die Gründung eines der ältesten bestehenden Ruhpoldinger Ortsvereine - die des Georgivereins.

Der Sinn von »Bruderschaften«, denen durchaus auch Frauen angehörten, ist auf so genannte »Gebetsverbrüderungen« zurückzuführen, weiß der anerkannte Heimatforscher und Geschichtskenner, Prälat Dr. Walter Brugger zu berichten. Daraus sind dann Gemeinschaften mit caritativem Sinn entstanden. Gerade im 17. und 18. Jahrhundert sind solche Bruderschaften geradezu explosionsartig entstanden. 1731 entstand auf der Festung in Salzburg und 1747 in St. Georgen bereits eine St. Georgsbruderschaft.

»Bruderschaften zu Ehren des heiligen Georgius« gibt es schon seit 1496. Sie wurden damals von Papst Urban VIII. eingesetzt. Aus dem gleichen Jahr ist die Errichtung einer Georgsbruderschaft in München durch Herzog Albrecht IV. dokumentiert. Die hiesige Bruderschaft wurde dann am 12. Januar 1756 von Papst Benedikt XIV. für Ruhpolding errichtet und mit vielen Ablässen versehen. Am 20. März desselben Jahres wurde sie vom Salzburger Erzbischof, Sigmund Christoph von Schrattenbach, gut geheißen. Die Gründung der Ruhpoldinger Bruderschaft lässt sich genau datieren. Darüber existiert im Pfarrarchiv das Gründungsprotokoll vom 23. April 1756. Sicher sehr bewusst wurde damals der Namenstag des Heiligen, der zu den vierzehn Nothelfern gezählt wird, als Gründungstag gewählt. »Zu Grösserer Ehr Gottes, vnd auch zu Grösserer Verehrung des Heiligen Ritters, vnd Grossen Martyrers; dann auch zu mehrerem Flor, vnd Aufnahm deser nunmehro eingeführten S. Georgj Bruderschafft, als welche von Ihro Päbstl. Heiligkeit Benedicto den 14. in unserem S. Georgen Gotts Hauß zuerrichten gnädigist verlihen, wie auch von Ihro Hochfürstl. Gnaden Vnseren Gnädigsten Herrn Erz Bischoffen zu Salzburg approbiert vnd confirmirt worden«, lautet die Präambel zu dieser Urkunde. Als Vorstand – Praeses Confraternatitis – wurde Thomas Hauner Parochus (Pfarrer) in Vahendorff gewählt. Dazu muss man wissen, dass der Miesenbach und somit die St. Georgskirche zu Ruhpolding bis 1811 zur Pfarrei Vachendorf gehörte. Sein Stellvertreter – Praefectus – war Vikar Dominicus Stöger, Beneficiatus et Cooperator in Ruhpolding. In diesem Protokoll sind insgesamt 30 Gründungsmitglieder aufgeführt, Paktisten genannt. Darunter die »Ehrngeachteten Würth« von Zell und Fritz am Sand, sowie viele Bauern, deren Geschlecht und Nachkommenschaft noch bis heute besteht. Mit zu den Gründern gehörten auch Joannes Georg Gerttner, Cooperator in Siechsdorff und Mathias Georg Eggl, Curatus in Miesenbach.

Als Zweck dieser Vereinigung ist folgendes dokumentiert: » Es ist auch bey diser St. Georgi-Bruderschaft ein pactum oder Pund errichtet worden, so auß 30ig Mitgliedern besteht crafft dessen sie sich verbinden und zu halten verobligiert, daß auf absterben eines solchen Mitglieds oder Pactisten ein jeder auß diesen für die Seel des Abgeleibten ein Hl. Meß sollte lmesen lassen«. Aus dem Jahre 1756 existiert auch noch eine Urkunde, die jeder »Paktist«, versehen mit seinem Namen, bei Aufnahme in die Bruderschaft überreicht bekam. Sie hat eine Grösse von 33 x 29 Zentimeter und zeigt in der Mitte ein Bild, das den Drachen tötenden Hl. Georg, beschützt von der Gottesmutter darstellt. Diese Darstellung dürfte auch das Motiv für das Altarbild am Hochaltar der Pfarrkirche gewesen sein, ein Ölgemälde des Landshuter Künstlers Matthias Daburger, der in Eisenärzt geboren wurde. Mit auf dem Dokument sind auch die »Regel, oder Satzungen, jedoch ohne Verbindung einiger Sünd«, also die »Vereinsstatuten« zu finden. Im Pfarrarchiv gibt es auch eine prachtvolle Pergamenturkunde mit einem herrlichen Siegel in einer Holzkapsel, die davon Zeugnis gibt, dass am 12. April 1773 die Bruderschaft »der löbl. uralten Hof- und Erzbruderschaft des heiligen Ritters und Märtyrers Georgi in der Churfürstl. Haupt- und Residenzstadt München aggregiert« wurde.

Die Urkunde hat ein Format von 42 x 63 Zentimeter und weist großartig gezeichnete Initialen und Kopfverzierungen auf. In dem 33 Zentimeter großen Anfangsbuchstaben ist die St. Georgs - Kirche von Ruhpolding dargestellt. Die Umschrift lautet: S.Confraternit. S. Georgi. M. (Bruderschaft vom heiligen Märtyrer Georg)

Diese Paktisten sind auch heute noch bei der Fronleichnamsprozession und beim Georgiritt an ihren blauen Übermänteln mit rotem Kragen gut erkennbar. Neben dem Privileg der Georgsritter an Fronleichnam den Himmel über der Monstranz tragen zu dürfen, wird bei diesem Fest von ihnen auch die Statue des hl Georg, übrigens eine Nachbildung der 1763 im Auftrag der Paktisten gefertigten Originalfigur, die sich seit dem Verkauf zwischen 1860 und 1870 im Georgskirchlein auf dem Steinhögel bei Anger befindet, mitgetragen. Der jetzige Georgiverein hat die Tradition der St. Georgs-Bruderschaft übernommen und sich zur Aufgabe gemacht, den alljährlichen Georgiritt, bei den Einheimischen auch noch oft »Irgn-Ritt« genannt, vorzubereiten und durchzuführen. Dieser Ritt, dessen Ursprung bis ins 16. Jahrhundert zurückverfolgt werden kann, ist wahrscheinlich die älteste Brauchtumsveranstaltung im Ruhpoldinger Talkessel. Während der nationalsozialistischen Herrschaft war es der Gemeindeschreiber Alois Rappl, der vor allem in den 40er Jahren offen die Anliegen der Bruderschaft vertrat und immer wieder zur Nachwuchsgewinnung und Teilnahme der Paktisten an der Fronleichnamsprozession aufrief. Nach dem Zweiten Weltkrieg war es der Verdienst des Aschenauer-Bauern August Ringsgwandl, die Tradition des Votivritts mit Unterstützung vom damaligen Ortspfarrer Joseph Eder wieder aufzunehmen. Fand der Georgiritt früher am ersten Sonntag im Mai statt, so wich man unter Monsignore Roman Friesinger seit 1972 auf den ersten Sonntag im September wegen des vermeintlich beständig besseren Wetters aus. Die Bittwahlfahrt führt von der Ortsmitte zur Kirche St. Valentin, wo bei einer Feldmesse auch die Pferdesegnung stattfindet und geht anschließend wieder zurück nach Ruhpolding.

Natürlich soll dieses Jubiläum auch gefeiert werden. So findet am Patroziniumstag, also am 23. April, ein Festgottesdienst statt. Die rührige Vorstandschaft um die beiden Vorsitzenden Georg Hasselberger und Andreas Hoffmann wollen am ersten Septemberwochenende, wenn also wieder der Georgiritt und der Georgitag stattfinden, ein Fest ausrichten. Dazu wird am Samstag, 2. September 2006 im Kurhaus ein Festabend stattfinden und am darauf folgenden Sonntag der Georgiritt als Festzug mit allen Ortsvereinen sein.

Hannes Burghartswieser

Fotonachweis: Jakob Schmaus, Hubert Braxenthaler, Hannes Burghartswieser.
Quellennachweis:
Ruhpoldinger Heimatbuch, 1983. Pfarrarchiv Ruhpolding. Bayerisches Staatsarchiv.



16/2006