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Jahrgang 2020 Nummer 13

Wilhelm Euselin, oder von Roth, Prämonstratenser

Aus dem Buch: »Illustrierte Heiligen-Legende für Schule und Haus«, erschienen im Jahr 1890

Die Eltern des frommen Wilhelm (= mächtiger Beschützer) lebten zu Mindelheim in Schwaben von der Tuchmacherei und erzogen ihn (geboren 1561) in der Furcht des Herrn, starben aber an der Pest. Verwandte brachten den Knaben zu den regulierten Chorherren in Memmingen, wo er unterrichtet wurde. Auf Empfehlung nahm ihn der Abt des Prämonstratenser-Klosters Roth in Württemberg als Novizen an. Wilhelm setzte sein Studium fort, ertrug jegliche Unbild sanft und geduldig, behandelte seinen Leib strenge und bewahrte die Taufunschuld unversehrt bis zum Tode. Mit inniger Freude weihte er sich bei der heiligen Profess ganz dem lieben Gott und ging hierauf im Gehorsam nach Dillingen, um bei den Jesuiten Theologie zu studieren. Dort betete er viele Stunden vor einem Kruzifixe, das im Klerikalseminare jetzt noch vorhanden ist. Als er wieder einmal davor betete, erschien ihm ein Engel und gab ihm die Weisung, er solle in sein Kloster zurückkehren und sich auf den Tod vorbereiten. Der gottselige Kleriker wurde wegen Kränklichkeit in sein Kloster Roth zurückberufen. Die anfängliche Hoffnung auf Genesung erfüllte sich nicht; die Krankheit wurde immer heftiger. Wilhelm zeigte Geduld und Ergebung eines Heiligen. Am 28. März 1588 erschien ihm die Mutter Gottes in Begleitung der heiligen Barbara und der heiligen Katharina und geleitete seine Seele in den Himmel. Nach 50 Jahren wurde sein Leib erhoben und im Kapitelkirchlein beigesetzt. Es ereigneten sich mehrere Wunder. Im Jahre 1835 wurden seine Reliquien gefasst und in die Pfarrkirche übertragen, wo die Gläubigen ihn stets verehren und oft wunderbare Hilfe durch ihn erlangen. Wilhelm ist das Vorbild und der Patron der Jugend, besonders der Studierenden.

Lehre. Der gottselige Wilhelm wählte sich für die verschiedenen Verrichtungen unter den Heiligen besondere Schutzpatrone aus und verehrte sie. Tue auch du, o Christ! dasselbe, rufe innig die erwählten heiligen Schutzpatrone an und ahme ihre Tugenden nach.

Gebet. O Gott, der du deinem frommen Diener Wilhelm eine große Verehrung der Leiden deines eingeborenen Sohnes eingeflößt hast: gib auch uns die Gnade, dass wir beim Anblicke eines Kreuzes an den kostbaren Preis unserer Erlösung denken und deren Früchte teilhaftig werden. Amen.

 

Die Texte unserer »Heiligen-Legende« stammen alle (wie im Titel angegeben) aus dem Jahr 1890 und geben die Ansichten der damaligen Zeit wieder. Oftmals wurden damals Beschuldigungen gegen Juden oder andere Glaubensgruppen erhoben, die nach heutiger wissenschaftlicher Erkenntnis nicht haltbar sind. Wir möchten daher klar stellen, dass die Texte unter diesen Gegebenheiten zu sehen sind und weisen darauf hin, dass mit der Veröffentlichung dieser Originaltexte keineswegs volksverhetzende Propaganda unsererseits betrieben werden soll.

13/2020