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Jahrgang 2008 Nummer 52

Wie unser Kalender entstanden ist

An der Schwelle eines neuen Jahres überblicken wir in Gedanken die vor uns liegenden 365 Tage und versuchen, sie einzuteilen. Eine Hilfe ist uns dabei ein neuer Kalender. Er ist uns ein wichtiger Begleiter durch das neue Jahr. Die Geschichte unseres Kalenders geht weit zurück.

Die Einteilung der Zeit

Die Ägypter zählen zu den Vätern unserer heutigen Zeitrechnung. Sie teilten die Zeit nach den Mondphasen ein und richteten sich nach ihnen bei der Bestellung ihrer Felder. Das ägyptische Jahr bestand aus zwölf Monaten mit 30 Tagen und zusätzlich fünf Feiertagen am Jahresende. Es war Vorbild für die Kalendermacher Griechenlands und kam von hier auch nach Rom.

Vermutlich um 700 vor Christus erhielt der römische Kalender statt zehn Monaten zwölf. Die neuen Monate wurden Januar nach dem doppelgesichtigen Gott Janus und Februar nach dem Fest der Reinigung ge-nannt.

Wie bei allen Völkern des Altertums kümmerten sich auch bei den Römern die Priester um das Kalenderwesen. Am ersten Tag eines jeden Monats wurden die religiösen Festdaten verkündet: calendare. Später entwickelte sich daraus das Wort und der Begriff Kalender.

Der Julianische Kalender

Als der geistige Vater unserer heutigen Zeitrechnung gilt Gaius Julius Caesar, der römische Feldherr und Schriftsteller. Er führte im Jahre 46 vor Christus statt des Mondjahres das Sonnenjahr ein. Dabei griff er auf die Berechnungen des griechischen Astronomen Hipparchos zurück, der bereits 150 Jahre zuvor die Länge des Sonnenjahres mit 365 Tagen, 5 Stunden, 55 Minuten und 12 Sekunden ermittelte. Um den Vierteltag, den jedes Jahr zu viel hat, auszugleichen, legte Cäsar für jedes vierte Jahr einen Schalttag fest.

Im Laufe der Zeit stellte man jedoch fest, dass das Julianische Kalenderjahr eigentlich um mehr als elf Minuten länger war als ein Sonnenjahr. So ergab sich bis zum 16. Jahrhundert eine Fehlerquote von zehn vollen Tagen. Das stellte ein Problem für die Kirche dar, die interessiert war, dass das Osterfest von allen am gleichen Tag gefeiert wurde. Auf dem Konzil von Nicäa 325 wurde der Ostertermin auf den Sonntag nach dem ersten Frühlingsvollmond festgelegt.

Der Gregorianische Kalender

Im Jahr 1582 nahm deshalb Papst Gregor XIII. eine einschneidende Reform des Julianischen Kalenders vor: Er ließ auf den Donnerstag, 4.10.1582, als nächsten Tag den Freitag, 15.10.1582, folgen und somit 10 Tage »verschwinden«. Durch die Kalenderreform wurde der Frühlingsanfang wieder einheitlich auf den 21. März festgesetzt. Der Gregorianische Kalender ist heute fast überall auf der Welt gebräuchlich. Nicht anerkannt wird er jedoch von den orthodoxen Christen.

Der Gregorianische Kalender hat 365 Tage und beginnt mit dem Jahr 1 nach Christi Geburt (ein Jahr Null gibt es nicht!). Deshalb begann das dritte Jahrtausend mit dem Jahreswechsel von 2000 nach 2001.

Beliebte Bauernpraktiken

Schon im Mittelalter entstanden Kalender mit Aufzeichnungen von Tagen, Monaten und Jahren. Sie enthielten viele nützliche Eintragungen für Haus, Hof und Gesundheit. Den größten Raum nahmen Wetterregeln ein, an denen besonders Bauern und Hirten interessiert waren.

Um die Witterung vorhersagen zu können, beobachtete man Licht und Wolken, Wind und Vogelflug und am Himmel Sterne, Mond, Sternschnuppen sowie Pflanzen- und Tierverhalten. Damit sich die wissenswerten Erkenntnisse besser einprägten, formulierte man sie in Versform.

Die oft Jahrhunderte alten Beobachtungen wurden auch in Kalenderbüchern aufgeschrieben. Eines der ältesten Bücher ist die »Bauernpraktik« aus dem Jahr 1508. Die bei uns heute noch beachteten Wetter- und Bauernregeln gehen teilweise auf diese alten Kalenderbücher zurück.

Albert Bichler



52/2008