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Jahrgang 2015 Nummer 49

Wie der Nikolaus ein »ganz feiner« sein wollte

Der Schorschi und der Wiggerl knieten andächtig nieder und sagten ihr Gedicht auf

Der Schorschi und der Ludwig, genannt »Wiggerl«, sind in dem Alter gewesen, wo sie nicht mehr so recht an den Nikolaus geglaubt haben. Deshalb hatten sich die Eltern der beiden Lausbuben etwas ganz Besonderes ausgedacht. Der Anderl vom Nachbarn drüben ist für den Nikolaus wie geschaffen, großgewachsen, mit breiten Schultern und einer tiefen, kräftigen Stimme, ist er schon seit mehreren Jahren als solcher recht gefragt gewesen. Deshalb war es auch in selbigem Jahr selbstverständlich, dass Besagter wiederum zum Schorschi und zum Wiggerl kommen sollte. Nur hatten die Eltern heuer ein ganz besonderes Anliegen; ob es denn vielleicht ginge, dass dieser heuer einmal als ganz »feiner « Nikolaus ihren Buben einen gewaltigen Respekt einflößen könnte? »Da könnt's euch drauf verlass‘n«, hat darauf der Anderl gemeint: »des kriang ma scho«.

Am Tag zuvor hatte er noch seinen schon ein bisserl abgewetzten Nikolausstab neu »vergoldet« und seinem Spetzl, dem »Krampus«, hat er noch eingeschärft, nicht gar zu derb daherzureden.

So bumberte der heilige Nikolaus an diesem stockfinsteren Nikolausabend etliche Male an des Nachbarn Haustür, während sein »Geselle« mit der langen Kette laut und vernehmlich an die Fensterläden schlug, dass es nur so schepperte. Jetzt wurde der Riegel vor der Haustür zurückgeschoben, drinnen stand der Vater und machte den Beiden die Stubentüre weit auf. Er ist wirklich ein ausgesprochen schöner, heiliger Nikolaus gewesen mit seinem roten Bischofsgewand und den goldbestickten Ärmelstulpen. Die Mütze glänzte vor lauter Gold, ebenso auch sein langer Stab. In seinen Händen mit den weißen Handschuhen hielt er ein dickes Buch, auf dem ein Englein d‘rauf gemalt war.

Der Schorschi und der Wiggerl haben nicht wenig gestaunt, wie dieser so vor ihnen gestanden ist. Andächtig sind sie nebeneinander auf dem Stubenboden gekniet, haben fromm die Hände gefaltet und ohne zu stottern ihr Gedichterl aufgesagt und auch noch gebetet.

»Dös habt's ihr b'sundas guad kina, ä, ich moan besunders gut können«, lobt sie da der ehrwürdige Herr.

Die Buben schauten zum Nikolaus hinauf, dieser hatte jetzt umständlich sein Buch aufgeschlagen und mit einem Blick hinunter zu den Buben fuhr er fort: »Naja, da wer'n ma, ä, da werden mir glei amal nachischaug'n, – i moan hoit, nachschauen«.

»Ja was schtähd denn da?, – da stehet, dass da, ä, i mein', dass der Schorschi, der Lausbub, eine Fenstascheib'n eingeschlagen hod, stimmt dees? – ä, ich meine, stimmt dieses«?

»Ja«, gibt dieser kleinlaut zu.

Dem Nikolaus seine Stimme wurde lauter: »Auch schtähd da, dass der Wiggerl oiwei, ä, halt allerweil der Moni vom Nachbarn bei seine langa Zopfa o'ziagt, – na ja, – halt an ihrene Zöpfe anziehet«.

Daraufhin nickte auch dieser kleinlaut.

Jetzt wurde die Stimme vom Anderl noch ein bisserl tiefer, ja fast schon drohend: »Ja ees Saubuam, ich meine, ihr Lümmel, tuet man denn so etwas, sagt's mir das!«

Dabei drehte er sich jetzt auch noch zum Krampus um, der schwenkte, grimmig dreinschauend, seine lange, dicke Rute in Richtung Buben: »So iatz kemmt's ma nimma aus es zwee‘, ich mein halt, dass i eich iatzt da eini steck'« und hob den mitgebrachten Sack in die Höhe.

Die Eltern vom Schorschi und dem Wiggerl hatten sich inzwischen weit hinten an den Kachelofen gedrückt, sodass diese ihr unterdrücktes Lachen im Gesicht nicht sehen konnten. Jetzt hat es auch dem Nikolaus gelangt mit dem »Fein sein« und hat dem Krampus in Richtung Türe gedeutet.

Dann hat er sich wieder den Buben zugewandt und gemeint: »So schlimm ist's ja a wieder ned mit eich zwoa, i werd's dem Christkindl ausrichten« und dabei das mitgebrachte Sackerl mitten auf dem Stubenboden ausgeleert.

Die Buben, zwar ein bisserl verwundert, ob der reichlichen Gaben, haben dem Nikolaus die Hand gegeben und »Vergelt's Gott, Herr Nikolaus« gesagt. Dieser hatte sich jetzt den beiden, hinter dem Ofen Hervorgekommenen zugewandt.

»Pfüad euch Gott beinand und bleibt's ma g'sund, bis zum nachst'n Jahr« und ist polternd zusammen mit dem Kramperl die Stubentür hinaus in den Hausgang.

Wie die Mutter dem Anderl mit seinem groben Gesellen die Haustür aufgemacht und sich noch einmal bei ihm bedankte, da hat dieser, schon im Gehen noch zu ihr gemeint: »Des woast scho, nächst's Jahr werd i wieder a ganz normaler Nikolaus«, worauf ihm die Nachbarin lächelnd zugestimmt hat.


Elisabeth Mader

 

49/2015