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Jahrgang 2004 Nummer 17

Wer kennt Münchens Schlachthof nicht?

Heute zwar geschlossen, aber in »Ottis Schlachthof« sogar im Fernsehen!

Das Schlachthaus in München nach einer Skizze von H. Riegel auf Holz gezeichnet von Franz Kollarz.

Das Schlachthaus in München nach einer Skizze von H. Riegel auf Holz gezeichnet von Franz Kollarz.
Markthalle für Schweine

Markthalle für Schweine
In nicht ganz 1 1/2 Stunden bringt uns heute, bequem in ihm sitzend, der »Personenzug« (Pardon, man sagt ja heute zu ihm »Regionalexpress«) von Traunstein nach München. Steigen wir schon am Ostbahnhof aus, sind wir noch früher in unserer Landeshauptstadt! Ihre Umrundung vom Ostbahnhof zum Hauptbahnhof braucht ja dann auch noch seine Zeit. Senioren werden sich erinnern, dass früher der Zug bei der Stadtumrundung noch einen Zwischenhalt einlegte, nämlich am so genannten Münchner Südbahnhof, in unmittelbarer Nähe des Schlachthofes. Dieser Münchner »Schlachthof« umfasste eine bedeutende Fläche, ein ganzes Viertel, und hatte einen eigenen Gleisanschluss. Er ist allerdings schon seit Jahren geschlossen, er gehört der Vergangenheit an, ist nur noch in der Münchner Stadtgeschichte zu finden oder jetzt wieder zu entdecken, zu finden, wenn man abends seinen Fernseher einschaltet, nach »Ottis Schlachthof« sucht, die bestens bekannte Cabaretsendung von und mit Ottfried Fischer. Sie führt uns wieder in die seit der Gründung bestens bekannte Münchner »Schlachthausrestauration«.

Doch nun wieder zu unserer Eisenbahn München-Traunstein. Im Jahre 1860 erreichte sie unsere Amtsstadt und durcheilte sie in Richtung Salzburg und weiter bis nach Wien und Budapest. Freilich raste sie noch nicht so schnell durch unseren Chiemgau wie heute mit der »Elektrolokomotive«, damals noch mit der »Dampflok« bespannt. Aber in fünf Stunden wären wir auch schon nach München gekommen.Die moderne Eisenbahn revolutionierte jedoch nicht nur den Personenverkehr, sondern auch den Güterverkehr. In unserem Fall nun wieder zum Thema Schlachthof. Mit der schnellen Eisenbahn konnte man auch schnell die nötigen Schweine, Kälber, Kühe, Ochsen, Stiere in die Residenzstadt zum Schlachten bringen. Es wurde nun auch dringend nötig, ein entsprechend großes Schlachthaus zu bauen. In München wurde daraus ein ganzes »Viertel«, das Münchner Schlachthausviertel am Südrande der Stadt, mit eigenem Gleisanschluss, eigenen Straßen, eigenem Personenbahnhof, dem so genannten Südbahnhof, an dem allerdings keine Schnellzüge hielten.

Doch lassen wir uns bestens informieren über den damals weithin berühmten Schlachthof Münchens mit der Ausgabe der »Stuttgarten Illustrierten« aus dem Jahre 1887: »In unmittelbarer Nähe des Südbahnhofes zu München erhebt sich ein großartiger Komplex aus Gebäuden, es ist das Schlachthaus der bayerischen Residenz, das dem doppelten Zweck des Viehhandels für den heimischen Verbrauch, wie für den Export und so dann der Schlachtung der Tiere dient, wobei zu gleicher Zeit eine strenge tierärztliche und polizeiliche Kontrolle ausgeübt wird. Die Gesamtanlage umfasst isoliert liegende Gebäude für die Sanitätskontrolle, eine Schweineschlachthalle und fünf Schlachthallen für das übrige Groß- und Kleinvieh. Wir finden ein Gebäude mit hohem Schornstein für die Kuttlerei, daneben Stallungen für das Melk- und Nutzvieh sowie diverse Verwaltungsgebäude.

Eine folgende Gruppe von Gebäuden, in dem mittleren ein Gebäude mit Türmchen für die Uhr, die Restauration (heute anno 2004 Ottis Schlachthof !!!). Das isoliert liegende Gebäude hinter der Restauration enthält die Kontrollwaage, hinter dieser wieder liegen die Kälberhalle und rechts und links davon die Markthallen für Groß- und Kleinvieh während das Längsgebäude zur Rechten die neue Markthalle II für Großvieh umfasst. Hinter diesem gewaltigen Häuserkomplex zieht sich nun eine mächtige Rampe längs der Schienengeleise hin, die zu dem ganz oben sichtbaren Südbahnhofe führen. Das ganze Etablissement ist nach Plänen des Stadtbaurates A. Genelli mit einem Kostenaufwand von 5 Millionen Mark ausgeführt und seit Ende August 1879 in Betrieb. Die Anlage, bei der die hervorragendsten bereits bestehenden Schlachthäuser Europas zum Muster gedient haben, ist gleich so umfangreich gemacht worden, dass sie für eine noch um das Doppelte gestiegene Einwohnerschaft Münchens ausreichen würde.

JM



17/2004