Jahrgang 2009 Nummer 51

Weihnachtserinnerung an die Kindheit

Lisas weihnachtliches Erlebnis in Traunstein

An einem kalten Wintertag, die Schneeflocken wirbelten vom Himmel herunter und setzten sich den Menschen auf die Nasenspitzen, schlenderte Lisa, zu diesem Zeitpunkt schon eine reife Frau, über den »Traunsteiner Christkindlmarkt«. Sie war in Weihnachtsstimmung und hätte am allerliebsten laut losgesungen. Das aber gehörte sich für einen erwachsenen Menschen ja wohl nicht. Sie ging also die vielen, wunderschön geschmückten Buden entlang und ließ sich von ihrem Zauber einfangen. Zu dieser Stimmung gehörte fast automatisch Schnee und so schien die Szene fast inszeniert, denn noch immer fielen große, weiße Flocken vom Himmel. Weihnachten kam! Ja, Weihnachten! Das Fest hatte für Lisa schon immer eine ganz besonders große Bedeutung und nahm einen hohen Stellenwert in ihrem Leben ein.

Nachdem sie den Christkindlmarkt mit seinen verführerischen Düften ausgiebig genossen und die herrlichen Dinge, die da teilweise angeboten wurden, genügend bestaunt hatte, führte sie der Weg in ein Kaufhaus, das am Wege lag. Auch hier konnte man selbstverständlich ins Staunen geraten und nicht genug vom Anschauen bekommen. Doch plötzlich fiel Lisas Blick auf ein großes Glas, mehrere solcher Gläser standen auf einem langen Regal. Lisas Blick hingegen galt nur diesem einen. Darin befanden sich kleine, karamellfarbene Bonbons. Sahen diese nicht aus, wie...?

Lisa beschloss, sich eine kleine Tüte davon zu kaufen, denn sie war richtig neugierig geworden. Fast ein bisschen aufgeregt, nahm sie das erste Bonbon aus der Tüte, steckte es fast behutsam in den Mund und da... Ja, da war er wieder, jener unvergesslicher Geschmack! Ein ganz besonderer Geschmack eben!

Vor Lisas Augen stiegen fast vergessene Erinnerungen auf. Da stand er wieder vor ihr: der alte große Kaufladen, der von Meisterhand aus Naturholz angefertigt war, mit vielen Schubladen versehen und einer großen Verkaufstheke, auf der sich auch jene Gläser in Miniaturgröße befanden, wie in diesem und anderen Geschäften, ein Christbaum, der ein Musikspielwerk hatte, bei welchem verschiedene Melodien eingestellt werden konnten und der sich drehte, darunter das Kripperl mit dem Jesuskind, nicht zu vergessen, die wunderschöne Puppenstube und Puppenküche, auf deren Herd richtig gekocht werden konnte. Da hingen dann oft, quer über die Puppenküche gespannt, ganz kleine Würstchen, eben für Puppen gedacht (oder kleine Kinder) zum Wärmen. Ja, dazu gab es dann jene in Miniaturgläser abgefüllten, karamellfarbenen Bonbons, denn diese waren in Semmeln - und Hörnchenform vorhanden. Und Semmeln gehörten nun einmal zu heißen Würstchen, ganz gleich, ob diese nun süß schmeckten oder nicht.

Genau dieser einzigartige Geschmack war es, den Lisa jetzt verspürte, als sie diese kleinen, linsenförmigen, karamellfarbenen Bonbons in den Mund steckte und sich in ihre Kindertage zurück versetzt fühlte. Eine Butterlinse – wie die Bonbons jetzt hießen – nach der anderen wanderte nun in Lisas Mund. Genussvoll ließ sie sich diese auf der Zunge zergehen und schwelgte in den herrlichsten Erinnerungen.


Arnhild Bühner



51/2009