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Jahrgang 2016 Nummer 36

Wasserkraftnutzung an der Tiroler Achen

Seit mehr als 100 Jahren wird an der Tiroler Achen elektrische Energie gewonnen

Gränzmühle Marquartstein, 1901
Kössen, 1918.
Entenloch 1905 vor und 1910 nach der Sprengung.
Hochwasser in Marquartstein am 31. Juli 1924.
Blick ins Achental.

Mit der Energiewende kamen auch verstärkt Gedanken zur energetischen Nutzung der Tiroler Achen auf. Ziel sei die Energie-Autarkie der Achentalgemeinden, wurde von allen Verantwortlichen betont. So wurden 2013 drei Kraftwerke im Verlauf der Tiroler Achen in das Gespräch gebracht und zur Diskussion gestellt. In den folgenden Monaten wurde auch wegen des großen Hochwassers die weitere Diskussion aber zurückgestellt. Es sollte vom Ökomodell Achental weitere Untersuchungen zu der ökologischen Verträglichkeit und der Auswirkungen auf den Grundwasserspiegel sowie bei Hochwasserereignissen gemacht werden. In den letzten Monaten wurde dies Thema aber immer weiter zurück gestellt.

Bei den Diskussionen sollte man auch nicht vergessen, dass bereits seit mehr als 100 Jahren an der Tiroler Achen elektrische Energie gewonnen wird und dass vor mehr als 65 Jahren weitergehende Planungen für die Tiroler Achen auf Tiroler und Bayerischer Seite erstellt wurden.

Gränzmühle in Marquartstein

Die Energienutzung in Marquartstein geht zurück auf die ursprüngliche Mühle aus dem 16. Jahrhundert. 1895 errichtete dann Simon Hell ein kleines E-Werk an der Tiroler Achen und schuf damit auch die Voraussetzungen für die elektrische Straßenbeleuchtung im Ort. 1901 übernahm Josef Ribaupierre das Anwesen.

Das Wasserkraftwerk »Gränzmühle« an der Tiroler Achen in der Gemeinde Marquartstein wurde dann auf der Grundlage eines alten Wasserrechtes als Ergebnis zweier Beschlüsse des Bezirksamts bzw. Landratsamts Traunstein vom 9. 7. 1902 und 19. 9. 1940 betrieben. 1942-1944 wurde dann das Elektrizitätswerk »Gränzmühle« gebaut und versorgte einen Teil der nunmehr selbstständigen Gemeinde Marquartstein mit Strom.

Die beiden alten Genehmigungs-Beschlüsse wurden ergänzt durch eine wasserrechtliche Bewilligung vom 25. 3. 1983 in der Fassung der Bescheide vom 14. 6. 1984 und 24. 10. 1997, die zum 31. 12. 2012 ausgelaufen ist. Danach wurde aber umgehend ein neuer Bewilligungsantrag gestellt. Die Umweltverträglichkeitsprüfung wegen des Einbaus neuer Rechenfelder mit geringeren Stababständen stellte keinerlei Problem dar, da keine Auswirkungen auf die Umwelt feststellbar waren. Nach dem Umbau sei eher davon auszugehen, dass sich die Verhältnisse für die Fischpopulation merklich verbessern werden.

Die Gränzmühle ist derzeit im Achental der größte Energieerzeuger aus Wasserkraft und damit auch aus regenerativen Energiequellen. Der Ertrag beträgt circa 5 Millionen kWh bei einer Leistung von 500 - 100 kW.

Achen-Großkraftwerk am Entenloch 1949 kamen im Tiroler Grenzgebiet Gedanken auf, die Tiroler Achen mit einem Großkraftwerk am Entenloch zur Erzeugung von elektrischer Energie zu nutzen und damit nicht nur Kössen sondern auch die umliegenden Orte möglicherweise einschließlich Schleching und Reit im Winkl zu versorgen. Damit sollte aber auch die Hochwassergefahr für Kössen langfristig gebannt werden.

In einem Artikel im Südost-Kurier vom 6. Oktober 1949 wurden diese Gedanken eingehend dargestellt:

Achen-Großkraftwerk in Kössen in Tirol?

Ein Projekt von grundlegender Bedeutung für die tirolerisch-baierischen Grenzlande.

Aus dem nahen, rührigen Tiroler Grenzort Kössen kommt die Kunde, daß man sich dort mit der Absicht trägt, außer einem Sessel-Skilift auf das Unterberghorn und einer Hochdruckwasserleitung auch ein Achen-Großkraftwerk zu erbauen, um die wertvollen starken Wasserkräft der vom Paß Thurn und Kitzbühel kommenden und von zahlreichen wasserreichen Zuflüssen gespeisten Großen oder Tiroler Achen nutzbar zu machen und eine immer fühlbarer werdende Notlage in der Stromversorgung Kössens zu beseitigen.

Wohl besteht bereits zwischen diesem Ort und der benachbarten Gemeinde Schwendt ein der Gemeinde Kössen gehörendes und den wasserreichen Schwendter Bach ausnutzendes Elektrizitätswerk, das das ganze Kössener Tal mit seinen dazugehörigen Ortschaften mit Strom versorgt. Angeschlossen sind auch die dies- und jenseits der Landesgrenze auf dem Moseberg liegenden Tiroler und bayerischen Bauernhöfe. Die Stromversorgung aus Kössen reicht sogar bis in die Reit im Winkler Ortschaften Birnbach, Ober- und Unterbichl hinein. Bei der Ausdehnung dieses Stromnetzes und den weiten Entfernungen ist aber ein erheblicher Stromverlust spürbar, so daß das Elektrizitätswerk Kössen auf die Dauer den Ansprüchen nicht mehr genügen kann und infolge der dort regen Bautätigkeit und den vielen neuen Stromanschlüssen sich die Gemeinde Kössen über kurz oder lang zu einer Neuanlage in größerem Maßstab gezwungen sehen wird. Weitschauende Kreise denken dabei nicht bloß an die Versorgung der Kössener Gemeinde und all ihrer Ortschaften, sondern darüber hinaus, auch die benachbarten bayerischen Grenzgemeinden Schleching und Reit im Winkl in die Stromversorgung einzubeziehen, um einerseits das Großkraftwerk mitfinanzieren zu helfen, andererseits die starken Wasserkräfte auszunützen und die gewonnene Strommenge auswerten und absetzen zu können.

Während man sich in Kössen über die Notwendigkeit der Vergrößerung der Elektrizitätswerksanlage prinzipiell durchaus im klaren ist, herrscht über die Platzfrage für die Errichtung eines großen Achenkraftwerkes mit Stauanlagen noch erhebliche Meinungsverschiedenheit. Die einen Ansichten neigen zur Errichtung einer Stauanlage am sogenannten Entenloch bei Klobenstein, einer Felsenge zwischen Kössen und Schlechng, die früher viel enger war und erst auf Grund eines im Jahre 841 in dieser Gegend stattgefundenen heftigen Erdbebens entstand. Diese gewaltige Erderschütterung, die das Gelände unserer Gegend mehrfach stark veränderte, sprengte den Fels am Entenloch und brachte den bis dahin das Kössener Tal ausfüllenden See allmählich zum Abfließen. Die Kluft war jedoch immer noch so eng, daß sie sich nach einiger Zeit wieder verstopfte, damit den weiteren Abfluß verhinderte und neue Stauungen des sich in Richtung Entenloch zu bewegenden Achenflusses verursachte. So wurde Kössen im Jahre 1572 erneut überschwemmt. Eine Mitteilung an der Außenseite der Kössener Kirchenmauer besagt: »1572 gaing das wasser an der stain, das ist war. gott geb gnatt das uns Nimmer wider far. amen X ha. he.«

Das Wasser erreichte damals nach dem Maß an den Steinen eine Höhe von 1,60 Meter im Tal und Ort Kössen.

Dasselbe Unglück ereignete sich 1598. Eine dreieinhalb Meter über dem Boden an der äußeren Kirchenmauer eingelassene Gedenktafel berichtet: »1598 An den 12. August für was gieng das wasser an diesen stain. gott wole uns vor wasser giß gnedig behieten.«

1780 verwandelte ein Hochwasser das Kössener Tal infolge der Stauungen am Entenloch abermals in einen See. Der Abfluß war dort wieder verlegt. Eine Gedenktafel vom 25. Juni 1789 meldet eine Wasserhöhe von einem Meter im Tal und Ort, große Verwüstungen und Unglücksfälle. Die Legende erzählt, dass anläßlich dieser Überschwemmung zwei zum Tod verurteilte Verbrecher das lebensgefährliche Wagnis unternehmen mußten, durch Sprengung des Entenloches den Abfluß zu vergrößern, um das Hochwasser abzuleiten. Den Verbrechern sollte das Leben geschenkt werden. Einen davon ereilte bei dem gefährlichen Unternehmen der Tod. Seit dieser gewaltsamen Felsöffnung hatte die zeitweise sehr wildgebärdige Ache freien Lauf und blieb das Kössener Tal von Überschwemmungen verschont.

Zu diesen ungünstigen Erfahrungen und Überschwemmungskatastrophen der vergangenen Jahrhunderte würde sich bei einer Errichtung einer Stauanlage am Entenloch als weitere bedrohliche Erscheinung infolge des bekannt großen Geschiebes der Achen und der außerordentlich starken Kiesablagerung innerhalb weniger Jahre eine zunehmende Verlandung des Flußbettes und eine wesentliche Erhöhung des Wasserspiegels, wie eine Heraufbeschwörung neuer Hochwassergefahren für Kössen einstellen, weshalb bei einer jetzt beabsichtigten Erstellung eines Achengroßkraftwerkes in Anbetracht der damit verbundenen sehr hohen Kosten die Wahl des Ortes als Anlage gründlichst zu überlegen ist. Eine nicht unbedeutende Schwierigkeit träte auch durch die Gefährdung des Triftrechtes des Schlechinger Sägewerksbesitzers Bürgermeister Georg Aigner auf, der sich bestimmt gegen eine derartige Maßnahme zur Wehr setzen würde.

Wesentlich geringere Schwierigkeiten träten dem geplanten Projekt der Errichtung eines Achenkraftwerkes am oberen Lauf des Flusses entgegen. So wurden bereits in der Mitte des 19. Jahrhunderts die bedeutenden Wasserkräfte der Achen für den Betrieb des damals am linken Achenufer erbauten großen Kössener Eisenschmelz- und Eisenindustriewerkes in Anspruch genommen und stark ausgenützt. So könnten diejenigen Interessenten mit ihren Ideen recht bekommen, welche das Achenstauwehr und Kraftwerk weitere 50 bis 600 Meter flußaufwärts in die Aschenauer Gegend zwischen Kössen und Erpfendorf verlegt wissen wollen. Es wird den wissenschaftlichen Untersuchungen und fachtechnischen Berechnungen zuständiger Kreise überlassen bleiben, hier den richtigen Weg zu finden und ein Projekt von weittragender Bedeutung der Verwirklichung zuzuführen, für das sich nicht nur die benachbarten bayerischen Grenzgemeinden Schleching und Reit im Winkl, sondern dem Vernehmen nach bereits die Tiroler Landesregierung interessiert, die in der Ausnutzung der Wasserkräfte ihres Landes sehr fortschrittlich ist und bisher noch keine Fehlinstitutionen vorgenommen hat. Die Ausführung dieses großen Projekts würde nicht nur eine Beseitigung der Arbeitslosigkeit in den Tiroler und bayerischen Randgebieten, sondern auch eine Erhöhung des Geldumlaufes und eine durchgreifende Verbesserung der Stromversorgungslage mit sich bringen.

Wasserkraftwerk an der Tiroler Achen in Bayern

Im November 1949 wurden dann auch Gedanken zur energetischen Nutzung der Tiroler Achen auf Bayerischer Seite bekannt. Damit sollte aber auch die Hochwassergefahr für die Gemeinden des Achentals auf Dauer gebannt werden. Es sollten sich Hochwässer wie 1924 nie mehr wiederholen.

Das Achental-Kraftwerk

Ein Projekt von grundlegender Bedeutung für das Achental und den Chiemgau:

Am vergangenen Kirchweihsamstag hatte die Gemeinde Schleching die Interessenten am Achentalkraftwerk zu einer aufklärenden Versammlung in Hofstetters Gasthof »Geigelstein« geladen. Bürgermeister Stöger eröffnete die Sitzung und begrüßte neben den zahlreichen Zuhörern Ingenieur Doering-Mettenham, Dipl.-Ing. Triebig- München, Ing. Kittel-München und Ingenieur Rupprecht-Marquartstein. Ingenieur Doering gab seiner Freude über das durch den guten Besuch gezeigte Interesse zum Ausdruck und bat dann Dipl.-Ing. Triebig als den Wasserkraftfachmann, das Projekt zu erläutern. Nach dessen Ausführungen, die an Hand von Plan und Schaubild eingehend erläutert wurden, sieht der Plan folgendes vor:

Die Beseitigung der Notlage in der Stromversorgung im Achental, im Chiemgau und darüber hinaus kann durch das geplante Achentalkraftwerk erfolgen, indem einerseits das Wasser der Tiroler Achen in drei Staustufen ausgenützt wird, andererseits aber dazu auch die im Gebiet des Weitsees ungenützten Wassermengen und ihre Höhenlage gegenüber der Ache bei Schleching der Stromerzeugung dienstbar gemacht werden. Als weitere Möglichkeit ist auch die Nutzung der natürlichen Mulden und Senken des am rechten Achenufers bei Schleching aufragenden Steilenbergs einschließlich des Taubensees als Wasserkraftspeicher geplant.

Das Projekt soll in mehreren Baustufen verwirklicht werden, wozu zuerst drei Laufkraftwerke das Wasser der Tiroler Achen verarbeiten sollen und zwar entsprechend den jahreszeitlich bedingten Schwankungen. Das Wehr für das Kraftwerk I (Baumgarten) wird an der Stelle, wo der Fluß die Bergenge verläßt, das Wasser 12-14 m hoch aufstauen und dadurch einen fjordartigen Bergsee schaffen, der ein Anziehungspunkt für den Fremdenverkehr durch Boots- und Bademöglichkeiten und seine landschaftliche Schönheit werden kann. Ein unterirdischer Stollen wird unter Wahrung des bei Wagrain bestehenden Landschaftsbildes die Wassermengen dem Kraftwerk I zuführen und bei durchschnittlicher Wasserführung von 40 cbm dort circa 9000 kW oder rund 11 000 PS erzeugen.

Das Kraftwerk II (Sonnbühl) wird die Ache etwa 50 m oberhalb der Raitner Brücke 8 m hoch aufstauen und dadurch zwischen dem Buchberg und Steilenberg, insbesondere im Gebiet des bei Unterwössen liegenden »Windsee«-Grundes einen zweiten See entstehen lassen, dessen Rückstau nahe bis zur Mündung des Mühlbaches bei Schleching reichen wird. Die Länge dieses Sees, der ebenfalls herrliche Bade- und Bootsmöglichkeiten hat, wird 2 km bei 400 m Breite betragen. Hier würden allerdings Wiesen überflutet, doch soll entweder Ersatzgrund oder Ablösung gegeben werden. Staffen und seine Wiesen bleiben wasserfrei. Die hier anfallenden Wassermengen werden ebenfalls durch einen Unterwasserkanal durch die Unterwössener Achenauen, der gleichzeitig als natürlicher Drainagegraben für die umliegenden Grundstücke dient und der in Gegend Altwegerwand in die Ache fließt, abgeleitet werden. Das entstehende Gefälle bei KW II ist 12 m und die Nutzung annähernd 4500 kW.

Das Kraftwerk III könnte auf dem bisherigen Wehr Wuhrbichl durch Erhöhung des Wehrs um etwa 1 m durch einen vor Vermurung bewahrenden beweglichen Aufsatz die Achen nochmals ausnützen.

Die Leistungen der Kraft-Laufwerke I-III richten sich nach dem jeweiligen Wasserstand der Achen, doch ist eine Durchschnittswassermenge von etwa 40 cbm in Rechnung gestellt.

Um nun diese Laufwerke wirtschaftlicher zu machen, wird auf der Basis der Seenplatte um den Weitsee ein Speicherwerk kombiniert. Wasserabsperrvorrichtungen sind geplant je nach dem Ergebnis der Untersuchungen am Förchensee und Bahnhof Seegatterl. Das um 30-40 m höhergestaute Wasser wird einen 8 km langen See mit rund 150-200 Millionen cbm Wassermenge entstehen lassen, wovon, technisch gesehen, täglich 1 Million cbm Wasser verwertet werden könnten, abgesehen von den landschaftlichen Reizen eines derartiges Sees.

Die Abführung der natürlichen Wassermassen, stammen aus dem natürlichen Wasserzulauf, Hochwasser der Urschlauer Ache, Schwarzlofer, Dürrnbach, Schneeschmelze usw. geschieht durch einen 10 km langen Stollen in der allgemeinen Richtung Seegatterl-Wasserfall-Wasserschloß oberhalb KW I (Baumgarten). Das hier entstehende Gefälle beträgt annähernd 250 m, die Leistung des Weitseekraftwerkes liegt bei 60 000 kW (70 000 PS), die Spitzenleistung bei 200 000 PS.

Hier ist auch noch die Anlage eines Speichers bei Röthelmoos in Erwägung gezogen.

Der vierte und letzte Bauabschnitt würde dann am Steilenberg bei Schleching natürliche Becken ausnützen, in die bei Wasserüberschuß der Achen Wasser gepumpt und dort bis zum Verbrauch gespeichert würde. So könnten also Weitseeanlage und Steilenbergspeicher vornehmlich zum Ausgleich des Industrie-, Bahn und Beleuchtungsspitzenstrombedarfs dienen, Gefälle der Steilenberganlage 500 m (!), Spitzenleistung 10 000 PS. Die Wirtschaftlichkeit des Steilenbergplanes müßten eingehende Untersuchungen erhärten.

Der Ausbau des gesamten Werkes würde rund acht Jahre mindestens aber sechs Jahre dauern, da eine weitere Forcierung der Arbeiten durch die Zahl der notwendig werdenden Lager usw. unwirtschaftlich und auch unerwünscht wäre. Die Ausführung dieses Projektes würde nicht nur Beseitigung der Arbeitslosigkeit im Achental, sondern auch eine Erhöhung des Geldumlaufes und des Fremdenverkehrs mit sich bringen, abgesehen von den eingangs erwähnten Verbesserungen der Stromlage.

In der nun folgenden Diskussion, die nach den Worten von Ingenieur Doering ihn und seine Mitarbeiter mit den Schwierigkeiten und Bedenken bekanntmachen sollten, die die einheimische Bevölkerung gegenüber diesem Projekt aus eigener Beobachtung und Erfahrung mit der Achen gemacht hat, stellten Bauernobmann Pletschacher und Bürgermeister Stöger ähnlich lautende Fragen nach dem Einfluß des Sonnbühlstaues auf die umliegenden Fluren, die dahin beantwortet wurden, daß eine Beeinträchtigung durch Anlage von Hochwasserdämmen und Abzugsgräben (Raitnerseite) und den im Vergleich zur Mühlbach-Alpbachmündung um 2 m tieferliegenden Wasserspiegel des Stausees nicht erfolgen würde. Sägewerksbesitzer Aigner trug dann seine Bedenken über das bekannt große Geschiebe, das die Achen mit sich führt, vor, Dipl.-Ing. Triebig wies darauf hin, daß er seit 27 Jahren im Wasserkraftbau tätig sei und seine besondere Spezialität die Überwindung von Verlandungsschwierigkeiten sei. Die Geschiebeführung der Ache sei durch jahrelange Messungen an der Achenmündung bekannt und werde in den Stauseen durch ein natürliches Gerinne, das etwa dem alten Bett der Achen entspreche, im Hochwasserfalle durchgespült, wodurch eine Reinigung eintrete. Der Stausee am Sonnbühl bliebe dann, um 1 m gesenkt, als halber See bestehen. Dem Vorschlag Aigners zum Bau von verstärkten Hochwasserdämmen stimmte Dipl.-Ing. Triebig zu, überließ jedoch die Entscheidung darüber, wer diese nun zu bauen hätte, der Obersten Baubehörde. Diese vertrete auch etwaige Rechte z. B. Triftrecht (Anfrage Aigners). Josef Weiß stellte dann die besonders für Erwerbssuchende brennende Frage des Baubeginns. Darüber soll aber erst nach einer Anfang November vorgesehenen Begehung des Baugeländes durch maßgebende Persönlichkeiten entschieden werden.

Die Gesamtleistung des Werkes liegt bei etwa 80.000 kW oder 90-95.000 PS

Die Idee zur Energieerzeugung aus Wasserkraft wurde aber schon bald aufgegeben. Insbesondere war die Finanzierung der erforderlichen baulichen Maßnahmen nicht gesichert. Aus heutiger Sicht wären solche überdimensionierten Baumaßnahmen mit ihren massiven Eingriffen in die Natur und Landschaft nicht vertretbar.

Erst um 2005 mit dem Gedanken, das Achental energieautark zu machen, kam der Gedanke der Wasserkraftnutzung der Tiroler Achen wieder stark auf. Mit dem technischen Fortschritt wurde ein energetisches Potential bei der Tiroler Achen von 80 Millionen kWh ermittelt. Davon wollten die Achentalgemeinden mit ihren drei angedachten Fließwasserkraftwerken 10 Millionen abschöpfen.

In den Diskussionen vor Ort wurden aber insbesondere nach dem Hochwasser 2013 die Befürchtungen nach einem Grundwasseranstieg laut, so dass die weiteren Diskussionen vorerst zurückgestellt wurden. Unstrittig ist, dass eine derartige Energieerzeugung nur in Frage kommt, wenn die Bevölkerung in keiner Weise gefährdet wird, die landwirtschaftlichen Flächen nicht bedroht werden würden und auch die Tiroler Achen als wichtiger Naturraum und auch als Erholungsgebiet für die Einheimischen und Touristen erhalten bleiben würde.


Olaf Gruß


36/2016