Jahrgang 2003 Nummer 46

Wasser, Holz, Salz und Eisen

Die Bedeutung des Wassers für die Maximilianshütte in Bergen

Wasser war vor dem Beginn der Industrialisierung eine wichtige Energiequelle und damit eine standortliche Voraussetzung für viele Gewerbebetriebe. Regionen, von Wäldern bedeckt und von Flussläufen durchzogen, boten die unerlässlichen Möglichkeiten der Wasserkraftgewinnung und des Transports. Diese geografische Ideallage zeichnete auch Bergen aus und machte es im 16. Jahrhundert zum Verhüttungszentrum des Chiemgaus.

Bereits seit dem 14. Jahrhundert wurde im Voralpengebiet südöstlich des Chiemsees Eisenerz abgebaut. Das Erz, welches in unserer Gegend verarbeitet wurde, stammte seit dem 16. Jahrhundert aus dem Kressenberg bei Neukirchen. Die Weiterverarbeitung wurde in den 40er Jahren des 16. Jahrhunderts von Vogling nach Au zwischen Inzell und Siegsdorf verlegt. Grund war der Mangel an Holz. 1561 wurde die Eisenverhüttung erneut verlagert: Man unterlag der Konkurrenz zur Saline Reichenhall im Holzbedarf. Das neue Verhüttungszentrum hieß Bergen. Hier war sowohl Wald als auch Wasser reichlich vorhanden.

Zur Verdeutlichung, welche Bedeutung diesen Faktoren anhaftete, ist ein Zitat aus Georg Agricola anzuführen: »Was aber die Beschaffenheit der Oberfläche anlangt, so beobachtet der Bergmann, ehe er einschlägt, ob die Stelle von Bäumen bestanden ist oder nicht. Wenn sie bewaldet ist, so gräbt er dort, wenn sie nur die sonstigen Voraussetzungen erfüllt, weil sie ihm eine Menge Holz zur Verfügung stellt, das für Bauten, Künste, Gebäude, Schmelzen und anderes notwendig ist. Wenn der Wald fehlt, dann baut er die Grube nur, wenn in der Nähe ein Fluß ist, der die Hölzer herunter flößt. Der Bergmann stellt auch fest, ob die Gegend immer fließendes Wasser hat oder ohne Wasser ist, wenn nicht vom Gipfel der Berge ein von starken Regengüssen gespeister Wildbach herab fließt. Daher ist ein Ort, den die Natur mit einem Fluß oder Bach beschenkt hat, in vieler Hinsicht geeignet.«

So liegt die Maxhütte im engen Flusstal der Weißen Ache am Fuß des Hochfellns den Angaben Agricolas zufolge geradezu ideal. Das Werksgelände war durchzogen von Uferbefestigungen, Uferverbauungen, Brücken und Stegen. Der Fluss lieferte die Grundlage für die Kraftgewinnung mittels Wasserrädern. Von diesen existierten in Bergen zeitweise bis zu sieben. Sie trieben zum Beispiel das Gebläse zur Frischluftzufuhr im Schmelzhaus für die zwei Hochöfen an, gleichfalls den wasserradbetriebenen Pochhammer, der den Erzzug in Gang setzte. Allgemein war Wasserkraft Voraussetzung für den Betrieb sämtlicher Maschinen.

Auch wurde Wasser bei der Verhüttung in Hochöfen gebraucht. Nach dem Ausschmelzen konnten die oben schwimmende Schlacke und das schwerere Roheisen getrennt abgestochen werden. Hierbei wurde Wasser als erstes zum Ablöschen benötigt. Danach floss die stark eisenhaltige Schlacke in eine tiefer gelegene Grube.

Die leichtere, nicht mehr so eisenhaltige Schlacke floss weiter in eine zweite Grube. Unter Beigabe von Wasser wurde sie zum Aufquellen gebracht und es entstand beim anschließenden Erstarren ein bimssteinartiges Gestein - der Schlackenstein. Er war im 19. Jahrhundert ein beliebtes Baumaterial, zum Beispiel für Bahnhöfe und Bauernhäuser.

Viele Betriebe im Umland bezogen Produkte der Maxhütte. So wurde zum Beispiel Wascheisen an den Kugelhammer in Traunstein geliefert. Dieses wurde aus Schlacke mit Hilfe eines wassergetriebenen Pochhammers gewonnen.

Das in den Hochöfen gewonnene Roheisen wurde in der Hammerhütte weiterverarbeitet. Aus sprödem, kohlenstoffreichem Roheisen gewann man glattes, kohlenstoffarmes Schmiedeeisen. Dies geschah durch einen ebenfalls wasserbetriebenen Hammer, den sogenannten Schwanzhammer.

Nach der Produktionsphase kam dem Wasser dann mit dem Handel seine nächste wichtige Bedeutung zu: als Transportweg. So wurde in früheren Zeiten das Roheisen per Schiff über den Chiemsee nach Aschau gebracht. Dieser Umweg wurde gerne in Kauf genommen, da das Wegnetz wenig ausgebaut und die Fahrt mit Fuhrwerken mühsam war.

Aber bei allem, was man in Bergen der Weißen Ache, die durch das Maxhüttengelände fliest, zu verdanken hatte: Sie war unzuverlässig. Im Winter war sie oft zugefroren, im Sommer führte sie häufig zu wenig Wasser. Und wiederholt beschädigte Hochwasser die Gebäude. Diese Unwägbarkeiten brachten den Wasserrädern das Aus. Dampfmaschinen traten schließlich an ihre Stelle. Das Wasser, welches so lange Zeit bestimmender Faktor war, verlor seine Bedeutung als Energiespender.

KS

Literaturverzeichnis:
Agricola, Georg: De re metallica libri XII. (= Ausgewählte Werke VIII). Neudruck Berlin (Ost) 1974
Kotter, Alfred: Ressourcenknappheit als Motiv staatlichen Handels. Umweltgeschichtliche Untersuchungen zur Holzversorgung aus den Wäldern des Salzmaieramtes Traunstein (1619 – 1791/98). Ruhpolding 1998
Rawitzer, Barbara:
Chiemgaublätter



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