Jahrgang 2003 Nummer 45

Wasser, Holz, Salz und Eisen

Wasser als Energiequelle für die Soleleitung

Brunnhaus Seebichl mit Aufschlagwasserleitung und Soledruckleitung

Brunnhaus Seebichl mit Aufschlagwasserleitung und Soledruckleitung
Schon seit vielen Jahrhunderten spielt das Salinenwesen eine tragende Rolle für die Wirtschaft Südost-Oberbayerns. Somit kam es auch dazu, dass bereits 1517 Salzgestein von Berchtesgaden nach Reichenhall transportiert wurde, um dort schließlich Sole anzureichern.

Aufgrund des problematischen Transports, also der langen und steilen Wege und des damit verbundenen Zeitaufwands, erwog Fürstpropst Wolfgang II. schon 1559 den Bau einer Soleleitung von Berchtesgaden nach Reichenhall. Dieses Vorhaben wurde allerdings nicht verwirklicht, weil es Grenzschwierigkeiten mit Salzburg bei Hallturm und technische Probleme gab.

Erst 1616 wurde dann eine Soleleitung zwischen Reichenhall und Traunstein endgültig von Herzog Maximilia I. in Auftrag gegeben, welcher von Hans Reiffenstuel ausgeführt wurde. Der Grund für diesen Standortwechsel war der große Holzmangel, der seit dem Ende des 16. Jahrhunderts bei der Saline in Reichenhall immer drückender wurde.

Der Bau der Soleleitung war Teil eines Gesamtkonzepts, das den Bau einer weiteren Saline in Traunstein zum Ziel hatte. Die Maßnahme gliederte sich in vier Schritte:

Zuerst wurde die Soleleitung mithilfe von durchbohrten Holzstämmen als Rohren, sechs Hebewerken mit je zwei Sole-Reservoirs und einem Pumphaus mit angetriebener Kolbendruckpumpe erbaut. Somit diente die Zuleitung des Aufschlagwassers für die Wasserräder zum Antrieb der Pumpen. Das Triebwasser (Aufschlagwasser) wurde in hölzernen Rinnen auf Gestängen von mehreren Kilometern Länge zugeführt. Als weiterer Schritt wurden in Traunstein vier Siedehäuser, vier Härthäuser, Werkstätten, Lagerhallen und Wohnhäuser für die Arbeiter gebaut. Als letztes wurde die Triftanlage, ein Triftrechen in der Traun und die Anlage des Triftbeckens und Holzlagerplatzes erbaut.

Aufgrund des großen Aufwandes, den der Bau der Soleleitung mit sich brachte, benötigte man viele Arbeitskräfte und so kam es, dass ein großer Teil der Bevölkerung dort beschäftigt war. Dies trug wiederum zur Entwicklung der Region und des Verkehrswesens bei.

Auf dem über 30 Kilometer langen Weg von Reichenhall nach Traunstein wurde die Sole in den sieben Brunnhäusern bei Fager, Seebichl, Ober- und Unter-Nesselgraben, Grub, Nagling und Lettenklause mit Solepumpen jeweils hochgepumpt, um dann mit natürlichem Gefälle zum nächsten Brunnhaus zu fließen. Bei Inzell und Hammer gibt es zwei weitere Brunnhäuser mit Solereservoirs, jedoch ohne Solepumpen. Diese waren unnötig, da der Weg bis nach Traunstein um 145 Höhenmetern abfällt.

Wie bereits oben erwähnt, spielte das Wasser eine wesentliche Rolle und da es die einzige, zur Verfügung stehende Energiequelle war, war es unentbehrlich zum Soletransport. Die wohl zwei wichtigsten Erfindungen beziehungsweise Verfahren zum Soletransport waren die Kolbendruckpumpe und die Wassersäulenmaschine. Die bei der Soleleitung eingesetzten Kolbendruckpumpen, konstruiert von Hans Reiffenstuel, wurden von 1617 bis 1619 errichtet und beruhte auf den aus dem 16. Jahrhundert stammenden Hebewerken von Hans Gasteiger. Mithilfe von dieser Konstruktion konnten rund 130 qm Sole pro Tag mit der Pumpe zu den jeweiligen Bergreserven gehoben und nach Traunstein befördert werden.

Aus Abbildung eins wird die Funktionsweise deutlich: Ein oberschlächtiges Wasserrad (C) wird von dem herbeigeleiteten Aufschlagwasser (B) in Bewegung gesetzt und trieb somit eine Nockenwelle (D) an, welche die Kraft auf die Pumpe übertrug. Die Kolben (G) bestanden aus eisernen Kolbenstangen (F) und aus mit Eisenplatten zusammengepressten Lederscheiben. ‹ber Bleirohre (K) wurde Sole aus der Niederreserve angesaugt und die Ventilsteuerung (m, M) gewährleistete, dass die in den Kolben angesaugte Sole beim Niedergehen des Kolbens in ein Steigrohr aus Blei gepresst und in diesem zur Hochreserve hochgedrückt wurde.

Die drei Zylinder (F, ff, fff) waren synchronisiert, so dass sie sich in ihrer Wirkung ergänzten und unterstützten.1 Reiffenstuel achtete weiter darauf, dass die Hebewerke einheitlich gebaut waren, um Wartung, Reparaturen und Beschaffung von Ersatzteilen nicht unnötig zur verkomplizieren. Doch bereits bei der ersten vollen Belastung der Leitung 1619 trat ein Defekt auf: Der Druck in den Holzrohren war zu groß, so dass zahlreiche Deiche sprangen.

Um 1817 kam es dann zu einer Erneuerung und Verlängerung der Soleleitung nach Rosenheim und anstelle von Kolbendruckpumpen wurden Wassersäulemaschinen eingesetzt. Diese Idee, ursprünglich von Joseph Karl Hell, übernahm Georg von Reichenbach. Er wollte somit die Salzproduktion steigern und durch eingesetzte Hellsche Maschinen die Produktion verbessern.

Reichenbach konstruierte die Wassersäulenmaschinen, wobei sie sich im Laufe der Zeit immer weiter verbesserten. Dadurch gab es drei verschiedene Typen.

Typ III der Wassersäulenmaschinen-Konstruktion wurde 1816/17 erbaut und beförderte die Sole von Berchtesgaden nach Bad Reichenhall. Der Bau dieser Maschine war eine technische Herausforderung, weil an einer Stelle bei einer Fallhöhe des Aufschlagswassers von lediglich 109 Meter die Sole um 358 m gehoben werden musste.

Wie die Abbildung zwei zeigt, wirkt auf den Antriebskolben im mittleren Zylinder, der durch den Wasserdruck nach unten gedrückt wird und den untenliegenden Pumpkolben abwärts bewegt, das von oben rechts einfließende Aufschlagwasser. Somit wird die Sole, welche zuvor in den Pumpzylinder gesaugt wurde, in die unten rechts führende Steigleitung gepresst. Durch eine Ventilsteuerung wird nach der Abwärtsbewegung das Aufschlagwasser derart umgelenkt, dass es den über dem Antriebszylinder liegenden Aufziehkolben nach oben hebt. Gleichzeitig werden Antriebskolben und Pumpkolben gehoben. Dadurch wird der Antriebszylinder geleert und der Pumpzylinder saugt dagegen erneut Sole an. Das Antriebswasser fließt im mittleren Rohr rechts ab. Der Vorgang wiederholt sich 2,8 mal pro Minute. Bei einem Kolbenhub von 1,12 Meter des Treibkolbens wurde bei einem Kraftwasserverbrauch von 0,951 qm/Minute eine Pumpleistung von 0,160 qm/Minute erreicht. Der Wirkungsgrad lag bei 0,66.

Diese gewaltige Maschine lief von 1817 bis 1927 ohne nennenswerte Störung im Dauerbetrieb und war für etwa 50 Jahre vorbildhaft für ähnliche Konstruktionen. Und auch heute gibt es noch Wasserräder zur Solehebung im Quellenbau der Alten Saline in Bad Reichenhall.

VC/VM

Literaturverzeichnis:
»Salz macht Geschichte«, Didaktisches Begleitheft zum Medienpaket, Haus der Bayrischen Geschichte Augsburg 1997
Kurtz, Heinrich: Die Soleleitung von Reichenhall nach Traunstein 1617-1619. München 1978



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