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Jahrgang 2004 Nummer 7

Was hat den der Valentin mit den Verliebten zu tun?

In Deutschland wurde der 14. Februar schon 1950 zum »Tag der offenen Herzen« deklariert







Wer sich am 14. Februar mit einer Rose in der Hand zu seiner Freundin aufmacht, wird sich vielleicht nur wenig Gedanken darüber machen, warum er es gerade an diesem Tag, dem Valentinstag, tut. Nach zögerlichen Anfängen hat sich der vor allem in Amerika hoch im Kurs stehende »Tag der Verliebten« auch hier zu Lande allmählich eingeführt. Gern wird dabei auch die Frage nach dem Warum und Weshalb gestellt, wobei die Antworten meist recht verschwommen ausfallen oder sogar falsch sind. So wird oft gesagt, dass der Valentistag eine Erfindung der Blumenhändler sei. Ganz klar – die Blumengeschäfte, Sektfabrikanten, Pralinenhersteller und Geschenkläden werben dafür, dass der Valentinstag gefeiert wird und freuen sich natürlich über den erhöhten Umsatz. Die Frage nach dem Warum ist damit aber nicht beantwortet.

Und das ist auch gar nicht so leicht. Der Name ist auf alle Fälle auf den heiligen Valentin zurückzuführen, allerdings nicht auf den, der Hauptpatron des Bistums Passau ist und am 7. Januar gefeiert wird. Der hier gemeinte Valentinstag beruft sich auf den heiligen Valentin mit dem Gedenktag am 14. Februar. Man kann davon ausgehen, dass mit ihm der am Ende des dritten nachchristlichen Jahrhunderts in Rom hingerichtete Bischof von Terni, einer kleinen Stadt in Umbrien, gemeint ist. Von ihm wird gesagt, dass er nach Rom zu einer Krankenheilung gerufen worden sei und dort viele Bürger zum Christentum bekehrt habe. Nach anderen Überlieferungen soll er verbotenerweise Paare christlich getraut haben. Die unterschiedlichen Darstellungen aus späteren Jahrhunderten, Legenden und widersprüchlichen Deutungen stellen aber ein Geflecht dar, das schwer zu entwirren ist.

Ein Tag nach dem Gedenktag des heiligen Valentin, am 15. Februar also, fand in jedem Jahr das altrömische Fruchtbarkeitsfest statt, das Fest des Hirtengottes Lupercus. Der Liebesgott Amor stand dabei Pate. Da ging es ausgelassen zu und ledige junge Leute sollten durch Losentscheid zu Paaren auf Zeit miteinander verbunden worden sein. Vielleicht wurde, was öfters vorkam, hier der christliche Gedenktag eines Heiligen einem heidnischen Fest übergestülpt.

In England und Frankreich ist der Valentinstag jedenfalls seit dem späten 14. Jahrhundert als Fest der Jugend und der Verliebten und Verlobten bezeugt. Dort galt der 14. Februar als Beginn der Paarungszeit der Vögel. So lag es nahe, dass auch die Menschen den herannahenden Frühling feierten. Jedes Mädchen wurde einem Burschen zur Betreuung auf Zeit zugesprochen oder ausgelost, wobei dem Zufall auch nachgeholften wurde. Magische Heiratsorakel spielten ebenfalls eine Rolle. Nach dem Volksglauben war der Zukünftige der Mann, den eine »Maid« am Morgen zuerst gesehen hat- ein Thema, das auch in Shakespeares »Hamlet« angesprochen wird (Lied der Ophelia, Vierter Akt, Fünfte Szene). So bekam jeder »Valentin« seine »Valentine«, die er als Partnerin betrachten durfte. Die manchmal gebrauchte Bezeichnung »Vielliebchentag« gibt die Bedeutung treffender wieder und löst auch die Verbindung zum heiligen Valentin, mit dem die Bräuche dieses Tages wirklich nichts zu tun haben.

Durch Auswanderer und die enge Verbindung zwischen England und Amerika wurde der Brauch in die Neue Welt gebracht und ist dort auch als Festtag der Familie und Freundschaft sehr populär geworden. In den USA werden jährlich mehr als eine Milliarde Grußkarten, »Valentin greetings«, verschickt und als Mann darf man nicht vergessen, seiner Auserwählten mit den Worten »You are my Valentine« einen Blumenstrauß oder (und) ein möglichst mit Herzchen verziertes Geschenk zu überreichen.

In Deutschland wurde bald nach dem Zweiten Weltkrieg versucht, den Brauch hier einzuführen. So deklarierten die Blumenhändler schon 1950 den Valentinstag als »Tag der offenen Herzen«. Im gleichen Jahr soll in Nürnberg der erste »Valentinsball« veranstaltet worden sein. Nach anfänglicher Zurückhaltung tut sich auch bei uns einiges, vor allem bei jungen Leuten. Sicher werden da auch Blumen oder andere Aufmerksamkeiten verschenkt. Aber Valentinsgrüße per SMS oder eine Liebesbotschaft via Internet mit elektonischer Grußkare – das ist »total in« und kommt gut an. Und für die Älteren bietet sich natürlich auch einiges an. Wie wäre es zum Beispiel mit dem »Valentinsmenü« in einem feinen Restaurant?

HF



7/2004