Jahrgang 2001 Nummer 10

Vor 90 Jahren wurde Prinzregent Luitpold 90

Auch in Traunstein und Umgebung wurde dieses Fest groß gefeiert

Zur Erinnerung an das Jubeljahr »Seiner Königlichen Hohheit« des Prinzregenten Luitpold.

Zur Erinnerung an das Jubeljahr »Seiner Königlichen Hohheit« des Prinzregenten Luitpold.
Prinz Luitpold im Kreise seiner Familie (Auguste, Ludwig, Leopold, Therese und Arnulf).

Prinz Luitpold im Kreise seiner Familie (Auguste, Ludwig, Leopold, Therese und Arnulf).
Wenn wir uns an das Bild eines bayerischen königlichen Regenten erinnern, dann sind es zwei, die uns zunächst dabei einfallen. Das wäre sicherlich gerade bei uns Chiemgauern der König Ludwig, genauer gesagt an Ludwig II., nicht nur weil er auf so tragische Weise ums Leben kam, das Bücherschreiber und Filmemacher bis auf den heutigen Tag immer wieder inspirierte, sondern auch weil uns sein Herreninselschloß immer daran erinnert. Dann aber käme sicherlich unser Prinzregent Luitpold. Er regierte uns Bayern 26 Jahre lang. In seiner Zeit war auch das Photographieren schon so weit fortgeschritten, daß wir sein Bild in den Zeitungen und Illustrierten finden oder sein Bild preiswert kaufen konnten. In seine Regierungszeit fiel auch die Tatsache, daß unser Bayern ganz modern von der Eisenbahn durcheilt wurde, auch durch die »Lokalbahnen«, oder das »Elektrische« das Dorf beleuchtete. Und das alles in der Regierungszeit des Prinzregenten. Dazu kam die Art seines Auftretens in der Öffentlichkeit, gerade auch als Jäger und in der »Jagerjoppen«. Nach Traunstein ist er auch oft gereist, um in Berchtesgaden zu »jagern«. Auch das königliche Schloß Wildenwart besuchte unser Prinzregent gern, und war damit auch am Chiemsee bekannt.

Und dieser Prinzregent wurde 1911 nun 90 Jahre alt. Für die damalige Zeit schon außergewöhnlich! Was Wunder, wenn sich die Öffentlichkeit auf das Fest entsprechend vorbereitete. Bereits zu Beginn des Jubeljahres erscheint »groß« aufgemacht eine Anzeige im »Wochenblatt«, daß in »jede Gemeindeverwaltung eine Sammelstelle eingerichtet wird, deren Ertrag Seiner Königlichen Hoheit dargebracht werden wird. Wenn schon alljährlich zum 12. März innige Glückwünsche dem weisen und gütigen Lenker dargebracht werden, so ziemt es sich zum 90. Geburtsfeste den Gefühlen treuer Liebe besonderen Ausdruck zu verleihen.« Dann folgen die Unterschriften der ganzen Prominenz vom Bezirksamtmann bis zum Traunsteiner Bürgermeister.
Schulfrei tagsvorher!!!

Dummerweise fiel des Regenten Geburtstag auf einen Sonntag. Doch bereits im Januar verkündete München, daß dieses »seltenen Tages wegen zur würdigen Feier« am Samstag schulfrei ist! Freilich hat ersatzweise eine Schulfeier stattzufinden: »Sie ist durch Einübung passender Lieder, dann durch Auswahl geeigneter patriotischer Lesestücke entsprechend vorzubereiten.« Ja, sogar eine Festschrift sollte jedes Kind bekommen!

Schon frühmorgens am 12. März 1911 verkündeten vom Turme der Traunsteiner Pfarrkirche die Choräle der Musikkapelle den besonderen Tag. Wie es nach dem festlichen Gottesdienst in Traunstein »zuging«, wollen wir in der Zeitung nachlesen: »In geselligen Vereinigungen fanden sich hierauf zum Frühschoppen in den Kurhausräumen, etwas später zum Diner im Speisesaal des Hotels Wispauer Vertreter aller Stände zusammen. Bei Gläserklange verflossen die Stunden des Frühschoppens. Ein Uhr mittags sah das Fest-Diner die Spitzen der Behörden und der Bürgerschaft vereint.« Bei »angeregter« Diskussion blieb man bis zum Abend beisammen.

Die Schüler des Progymnasiums und der Realschule hatten sich zur Feier in der Turnhalle einzufinden. Realschuldirektor Methschnabl »erklärte in kernigen Worten die große Bedeutung des Tages, entwickelte ein Charakterbild des Regenten und gab die wichtigsten Daten aus dem Leben bekannt. Es folgte die Königshymne. Dazu bekamen alle Schüler eine bildergeschmückte Festschrift überreicht.« Im Lehrsaal der Landwirtschaftsschule hatten sich ebenfalls Lehrer und Schüler versammelt, wo Assessor Dr. Kayser die Festrede hielt und in »markigen Worten« den Lebenslauf des Regenten schilderte und ein Schüler des ersten Kurses »ein Festgedicht in oberbayerischer Mundart« vortrug. Die Volksschüler durften sich sogar im großen Rathaussaale versammeln, wo »die prächtige Dekoration mit der Büste des Prinzregenten einen freudigen Eindruck machte.«

H.H. Geistlicher Rat Dannegger fügte abschließend die Ermahnung an, die Tugenden des Regenten »nachzuahmen«.

Zum abendlichen Weiterfeiern lud der Traunsteiner Bürgermeister in den größten Saal der Stadt, nämlich in den Höllbräukeller, wo bald »festlich-gemütliche Stimmung« herrschte. Entsprechend waren ja auch die Reden, die jeweils mit einem stürmischen dreimaligen Hoch auf den Prinzregenten endeten.

Nicht uninteressant sind die Berichte über die Dekoration in Stadt und Festsaal, weil darin auf den Umstand verwiesen wird, daß man »mit möglichst wenig möglichst viel« erreichen wollte: »Unter Abstandnahme von all-
dem üblichen bunten Dekorationsplunder als farbige Wappenschildchen und Fähnchen ließ sich durch Verwendung von nur drei Tönen – weiß, grün, rot – eine sehr vornehme ruhige Wirkung erzielen. Die Verwendung von Girlanden geschah mit großer Vorsicht, jede drückende Überladung blieb ausgeschaltet. Die bekränzte Jubelzahl Neunzig in einem mit viel Lichtern gezierten Oval wirkten entschieden günstig. Die künstlerische Leitung der Saaldekoration hatte Dipl. Ing. Angerer übernommen. Somit hat die Stadt Traunstein das Jubelfest des Regenten in einer Weise gefeiert, auf das man mit Stolz zurückblicken kann.«

Doch schauen wir nun über die Bezirksamtsstadt hinaus: »Die Saline Au und ihr Veteranenverein haben diesen Tag ebenfalls durch Festgottesdienst in der k. Salinenkapelle, Frühschoppen- und Nachmittags-Konzert beim Auwirt in würdigster Weise gefeiert.«

Aus Haslach erfahren wir, daß »das liebe stille Dörfchen patriotischen Schmuck« angelegt hat. Natürlich gibt es auch hier Festgottesdienst und entsprechende Feier im Perlschen Wirtshaus, in das die Gemeindevertretungen Haslach und Hochberg geladen haben. In Liedern und Gedichten huldigten die Kinder ihrem Regenten. Rittmeister Rächl hielt die Festrede. »Der über 300 Menschen fassende Saal war zum Erdrücken voll, ein Zeichen der allgemeinen Teilnahme an der Freude des Regententages.«

Entsprechend der Größe der Pfarrgemeinde Siegsdorf fiel hier das Feiern aus. Zur abendlichen Vorfeier hatte man in die Neue Post geladen. Als Gipfelpunkt wurde die »schwungvolle« Rede von Forstmeister Englert bezeichnet. Der nächste Tag brachte den Gottesdienst, von dem ausdrücklich festgehalten ist, daß sich daran »die Herren Beamten in Dienstuniform (Herr Forstassessor im Range eines Reserveleutnants), die Lehrerschaft mit Schuljugend aus Siegsdorf, Eisenärzt, Hammer und Prüll, die Vereine und die zahlreiche Bürgerschaft beteiligten.«

Unabhängig davon feierte auch die Nachbar-Gemeinde Eisenärzt den Geburtstag »im reich dekorierten Saal des Hoferschen Gasthauses. In formvollender Rede trug Herr Lehrer Röhrl die Verdienste des Regenten vor und schloß mit einem begeistert aufgenommenen Hoch. Dank der Spenden war es möglich, den 6 noch lebenden Veteranen des Siebziger Krieges nicht nur ein opulentes Mahl, sondern auch einen ansehnlichen Betrag in bar als Ehrengabe zu bieten.«

Auch in Vachendorf feierte man entsprechend. Hier erwartete die Vachendorfer in der »Post« durch Herrn »Bezirksoberlehrer Schwarz« etwas besonderes bei der Huldigungsfeier: »Knaben und Mädchen in Gebirgstracht und weißen Kleidern trugen ihre lieblichen Festprologe vor, und ein lebendes Bild »Die Huldigung der Kinder an den Prinzregenten« erntete reichen Beifall.«

Ganz aus der Rolle der Gemeinden an der 90er Geburtstagsfeier fielen die Grenzorte Reit im Winkl und Schleching. Zu ihnen kamen sogar die Tiroler zum Mitfeiern, zu den Schlechingern der Walchseer Veteranenverein mit Fahne und zu den Reit im Winklern gar zwei Tiroler Nachbargemeinden: »Echt patriotisch gesinnt zogen unsere lieben Landesnachbarsgemeinden, als erster der Weidringer Veteranenverein mit der 20 Mann starken Musikkapelle unter den Klängen des Radezky-Marsches hier ein. Als zweiter Verein kam dann unser Dorfnachbar Kössen mit der alten Schützenfahne von 1809 ebenfalls mit Musik und stark vertreten.«

In der Rückschau sei daran erinnert, daß Traunstein bereits seit dem Regierungsantritt von Prinzregent Luitpold seinen Geburtstag entsprechend feierte und die Heimatzeitung berichtete jeweils darüber. Seit 1894 gab es auf dem Stadtplatz auch einen imposanten Brunnen, den die Stadterer den »Luitpoldbrunnen« nannten. 11 Jahre später erhielt der Bahnhofsplatz einen Brunnen, den eine Büste des Regenten krönte. Prinzregent Luitpold persönlich legte 1905 den Grundstein. Beide Brunnen wurden ein Opfer des letzten Krieges. Heute erinnern noch der Straßen-, bzw. Platzname Ludwigstraße und Maxstraße, bzw. Maxplatz an die königliche Regierungszeit. Den Namen Luitpold finden wir leider bei keiner hiesigen Straße. Allerdings verewigten die Traunsteiner ihren Prinzregenten mit der Pflanzung einer Eiche. Sie steht im Stadtpark, gekennzeichnet mit einer Tafel.

Josef Metz



10/2001