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Jahrgang 2015 Nummer 19

Vor 75 Jahren: Krieg gegen Frankreich

Vier Gefallene aus der Pfarrei Teisendorf

Lorenz Lindner
Matthias Burghartswieser
Georg Stadler
Alois Mühlbacher

Ein geschichtsträchtiges Datum ist der 10. Mai. Genau vor 75 Jahren, am 10. Mai 1940, gab Hitler als selbsternannter »oberster Befehlshaber« der Wehrmacht, den Befehl zum Angriff gegen Frankreich. Formell befand sich ja Deutschland schon seit 3. September 1939 mit Frankreich im Kriegszustand, da die französische Regierung zu Beginn des Polenfeldzuges an Deutschland den Krieg erklärt hatte. Doch blieb es hier meist bei kleineren Scharmützel und Spähtruppentätigkeiten im Grenzgebiet, was aber auch Opfer forderte. Unter dem Decknamen »Fall Gelb« startete dann um 5.45 Uhr die Offensive gegen Frankreich, wobei auch Holland, Belgien und Luxemburg von der Wehrmacht besetzt wurden.

Die deutschen Truppen, mit 119 Infanterie-Divisionen, 17 Panzer- und motorisierten Divisionen, sowie je einer Fallschirmjäger- und Gebirgsdivision, sind in drei Heeresgruppen gegliedert. Mit dabei war auch eine Anzahl junger Soldaten aus dem Bereich Teisendorf, welche großteils dem Gebirgs-Jäger-Regiment 100 der 1. Gebirgsdivision angehörten. Wie schon im Polenkrieg, so hatten auch hier die Gebirgsjäger enorme Marschleistungen zu absolvieren, wobei dies oft mit Kämpfen verbunden war. Mit 60 Schuss scharfer Munition marschierte die Gebirgstruppe vom Raum Ahrweiler aus über Luxemburg durch Belgien bis zur Maas. Nach täglichen Marschleistungen von über 40 km wurde am 15. Mai auf Befehl des Divisionskommandeurs, Generalmajor Ludwig Kübler, der Fluss überschritten und weitermarschiert.

Am 21. Mai erreicht das Gebirgsjäger-Regiment 100 unter Oberst Utz den Oise-Aisne-Kanal, wo es bis zum 4. Juni im Kampf gegen französische Truppen lag. Die drei Jägerbataillone des Regiments 100 kamen aus Brannenburg, Berchtesgaden und Bad Reichenhall. Am 5. Juni morgens erfolgte unter schwerem Beschuss das Übersetzen über den Kanal, wobei allein das 1. Bataillon aus Brannenburg 41 Gefallene und 115 Verwundete hatte. Am 12. Juni konnten dann die ersten Einheiten der 1. Gebirgsjäger-Division die Marne, den Schicksalsfluss der Deutschen im I. Weltkrieg, überqueren. Mit im Kampfeinsatz war auch das Infanterie-Regiment 61 aus Traunstein.

Durch den übereilten Vormarsch der 57. Infanterie-Division, hier war auch der Teisendorfer Schreinermeister Ferdinand Kumminger mit dabei, entstand bei Albeville eine sehr brenzlige Lage für die deutschen Truppen. Als am 22. Juni nach sechs Wochen Krieg der Waffenstillstand erfolgte, hatte die Wehrmacht 27 074 Gefallene, 18 384 Vermisste sowie über 111 000 Verwundete zu beklagen. Vier Gefallene, Matthias Burghartswieser, Lorenz Lindner, Alois Mühlbacher und Georg Stadler, waren aus der Pfarrei Teisendorf. Sehr schwer traf es dabei auch die 1. Gebirgsjäger-Division mit 446 Gefallenen, 18 Vermissten sowie 1362 Verwundeten. Allein die 7. Kompanie des Berchtesgadener Gebirgsjägerbataillons hatte 19 Gefallene. Diese Tatsache wurde im allgemeinen euphorischen Siegesrausch der damaligen Propaganda- Maschinerie oftmals nicht zur Kenntnis genommen, von den Regierenden ohnehin nicht. Gott sei Dank kam es dann in den sechziger Jahren zur Aussöhnung und Verständigung mit Frankreich mit der bisher längsten Friedenszeit seit vielen Jahrhunderten.


Ludwig Gschwendtner

 

19/2015