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Jahrgang 2008 Nummer 50

Vor 40 Jahren starb der Porträtist Wilhelm Klier

Erinnerung an den bekannten Künstler aus Chieming

Vor 40 Jahren, am 13. Dezember 1968 starb der bekannte Porträtist Wilhelm Klier in Chieming.

In drei Gasthöfen in Chieming, beim Oberwirt, Unterwirt und Berghof hängen Proben der Porträtskunst des Künstlers Wilhelm Klier. Darunter eine Sammlung von Stammgästen beim Oberwirt, die alle auf der Rückseite von Speisekarten in kürzester Zeit gefertigt wurden.

Wilhelm Klier kam am 12. September 1900 in Karlsbad zur Welt. Nach dem Gymnasium in Karlsbad studierte er von 1918 bis 1922 in Wien bei Professor Eder und dann an der Kunstakademie bei den Professoren Jungwirth, Sterrer und Delug. Er wurde Mitglied des Wiener Hagen-Bundes und des Metzner-Bundes. 1924 erhielt er den Kunstpreis der Stadt Wien und beteiligte sich 1926 an der Ausstellung im Rahmen des Hagen-Bundes. Noch vor dem 30. Lebensjahr wurde Klier als Professor berufen und lehrte an der Wiener Kunstakademie.

Wilhelm Klier wurde Mitglied der Wiener Sezession. Von 1928 bis 1932 lebte er in München und Paris. 1934 ging Klier nach Berlin und 1938 weiter nach Breslau.

Im 2. Weltkrieg konnte er sein Los als Kriegsgefangener durch Porträtieren von sowjetischen Offizieren erleichtern. 1946 hatte er die Wahl in die Künstlergemeinschaft nach Capri überzusiedeln oder sich den süddeutschen Malern anzuschließen. Er entschied sich für die süddeutschen Maler und ließ sich in Chieming nieder, wo er bis zu seinem Tod am 13. Dezember 1968 lebte.

Die Portraits des Malers Wilhelm Klier bestechen durch ihre volumenbetonte Strichführung. Er stellt Typen dar. Dabei differenziert er in der Zeichentechnik. So zeichnet er z. B. den bäuerlich-rustikalen Typ mit dicken, kräftigen Strichen, im Gegensatz zu einem Beamten, den er mit einer feinen Linienführung charakterisiert.

Sah er einen interessanten Kopf, zeichnete er ihn auf jedes Material, das ihm zur Verfügung stand. So waren ihm normale Zeichenblätter genauso recht wie die Rückseiten von Speisekarten. Mit oftmals nur wenigen, souverän geführten Strichen gelang es ihm, ein Gesicht lebendig und plastisch darzustellen. Manchmal, wenn er nach Form zu suchen scheinte, wirkten seine Zeichnungen skizzenhaft, aber gerade deshalb vermitteln sie die Spontanität der Entstehung und vielfach meint man in den Gesichtern noch den Rauch und den Bierdunst eines Wirtshauses zu spüren.



50/2008