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Jahrgang 2004 Nummer 1

Vor 175 Jahren kam Konrad Duden zur Welt

Er ist der Vater der deutschen Einheitsrechtschreibung

Konrad Duden

Konrad Duden
Matthias Wermke ist der Leiter der Dudenredaktion beim Bibliographischen Institut & F. A. Brockhaus AG in Mannheim. Der Erfinder

Matthias Wermke ist der Leiter der Dudenredaktion beim Bibliographischen Institut & F. A. Brockhaus AG in Mannheim. Der Erfinder des Duden, Konrad Duden, würde am heutigen 3. Januar seinen 175. Geburtstag feiern.
Der Duden hat seinen festen Platz auf unzähligen Schreibtischen zwischen Elbe und Isar. Sein Erfinder Konrad Duden gilt als der Vater der deutschen Einheitsrechtschreibung. Im Jahr 1880 veröffentlichte er sein »Vollständiges Orthographisches Wörterbuch der deutschen Sprache«. Von der 7. Auflage an im Jahr 1902 war der Duden das für die deutsche Rechtschreibung verbindliche Wörterbuch, das bis heute als anerkanntes Standardwerk gilt. Konrad Duden, geboren in Wesel am Niederrhein, würde am 3. Januar seinen 175. Geburtstag feiern.

Dudens Ansatz war ein ganz pragmatischer: Der Lehrer und Sohn eines Eisenbahnbeamten wollte mit seinem Wörterbuch kein neues Regelwerk erfinden, sondern ein einheitliches Gerüst für die Rechtschreibung schaffen. »Schreibe, wie du sprichst«, war das Prinzip, dem er folgte. »Demokratisch« und damit jedem zugänglich sollte die einheitliche Rechtschreibung sein.

28 000 Stichwörter hatte die 1. Auflage des Duden und kostete eine Mark. Dank des Booms der Druckereien und Lektorate mit einem enormen Schub für Printprokute in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts wurde das Wörterbuch bereits kurz nach seinem Erscheinen ein Bestseller. »Konrad Duden hat mit seinem schmalen Werk den Nerv der Zeit getroffen. Sein Erfolg war kein Zufall«, meint der heutige Leiter der Duden-Redaktion beim Bibliographischen Institut & F.A. Brockhaus AG, Matthias Wermke. Der Weg dorthin war jedoch steinig: Die erste Konferenz zur »Herstellung größerer Einigung in der deutschen Rechtschreibung« war 1976 noch am Einspruch von Reichskanzler Otto von Bismarck gescheitert. Auch der berufliche Werdegang von Duden hatte Brüche. So musste er sein Studium der klassischen Philologie, Germanistik und Geschichte bereits nach vier Semestern aus finanziellen Gründen abbrechen und eine Stelle als Hauslehrer annehmen. Trotz des Studienabbruchs legte Duden 1854 eine Universitätsprüfung ab und promovierte danach an der Philosophischen Fakultät Marburg. Anschließend arbeitete er an Gymnasien in Soest, im thüringischen Schleiz und in Bad Hersfeld, wo er bis zu seinem Ruhestand im Jahr 1905 Schulleiter war.

Inzwischen umfasst der Duden 120 000 Wörter und ist in seiner 22. Auflage erschienen. Damit der Band nicht wegen der zum Teil explosionsartigen Entwicklung des deutschen Wortschatzes jedes Jahr dicker wird, fallen in jeder Auflage Begriffe weg. Spezielle Wörter wie der »Mauerspecht«, der im Zusammenhang mit dem Fall der Berliner Mauer eine besondere Relevanz bekam, können nach Angaben von Redaktionsleiter Wermke künftig genauso als natürlicher Abgang gelten wie die »Lichterkette«, die in den 90er Jahren als Protestzeichen Bedeutung hatte. 20 wissenschaftliche Mitarbeiter und rund 10 externe Kräfte, die sich auch um die Sprachberatung kümmern, umfasst die jetzige Duden-Redaktion.

Konrad Duden wurde 82 Jahre alt. Er hatte sieben Kinder und starb 1911 in Sonnenberg bei Wiesbaden. Seine Heimatstadt Wesel erinnert an den großen Sohn der Stadt mit einer Ausstellung im Stadtarchiv.

BG



1/2004