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Jahrgang 2007 Nummer 48

Von traditionellen Perchtenmasken zu modernen Kramperlmasken

Roland Bürgler hat sich auf das Schnitzen von Masken spezialisiert

Aus Pappmasché waren die ersten Masken, die Roland Bürgler getragen hat. Als Kinder haben sie sich diese grausligen, fratzenhaften Masken gebastelt und bemalt. Später wurden sie immer professioneller. In so genannten Passen vereint, zogen die jungen Burschen in der Zeit zwischen dem 25. Dezember und dem 6. Januar als Perchten verkleidet, mit Holzmaske und Fellen, durch die Gassen des kleinen Ortes Mühlbach am Hochkönig und von Haus zu Haus, um in Perchtenläufen das Böse zu vertreiben und Glück fürs neue Jahr zu bringen, so wie es in den Alpenregionen und speziell im Pongau alter Brauch ist. Mit den großen, aus Holz geschnitzten Masken und in Felle gekleidet – dazu ein Haufen lauter Schellen und einem Pferdeschweif in der Hand – trieben sie ihr Unwesen. »Damit wächst man hier auf«, erzählt der 32-jährige Familienvater, während er gerade eine furchterregende Maske poliert. Mittlerweilen läuft er selbst nicht mehr, dafür ist sein vierjähriger Sohn schon mit dabei, wenn – wie nächstes Jahr am 4. Januar – auf dem Mühlbacher Dorfplatz wieder die »Schiachperchten« Einzug halten. Bürgler steht dann am Rande und schaut sich die Masken der Gruppen an. Einige davon hat schließlich er selbst geschnitzt.

Der 32-Jährige hat aus seinem Hobby mittlerweile einen Nebenberuf gemacht und sich auf das Schnitzen von Perchten- und Kramperl-Masken spezialisiert. Dafür hat er nach seiner Lehre als Koch im elterlichen Hotel eine mehrjährige Ausbildung als Holzbildhauer absolviert und mehrere Kunstschulen besucht. »Der Vater hat da keine Freude gehabt«, erinnert er sich. Er hat sich in einer kleinen Holzhütte am Hang oberhalb des Hotels ein Atelier eingerichtet, in das er sich nun in jeder freien Minute zurückzieht. An der Wand hängt eine furchterregende Auswahl seiner »Kunst«: klassische Kramperl-Masken, alte Perchtenmasken und auch modernere Exemplare. Die Masken haben sich mit den Jahren gewandelt, erzählt Bürgler. Eine zeitlang wurden sogar Masken nach Vorbildern aus Horrorfilmen geschnitzt. »Aber davon ist man wieder zurückgegangen, weil es nichts mit dem Brauch zu tun hat.«

Auch werden immer wieder die Krampus- mit den Perchtenmasken verwechselt. Dabei gebe es hierfür genaue Regeln, auch wenn diese wiederum von Region zu Region unterschiedlich sind, erklärt der Pongauer. »Das hat mir schon mein Opa gezeigt.« Die Kramperl laufen nur an Nikolaus, die Masken haben nur zwei Hörner und Ohren. Außerdem trägt der Kramperl Glocken, Ketten und eine Rute. Eine Perchtenmaske hingegen hat in der Regel mehrere Hörner und keine Ohren. Ausgerüstet sind Perchten außerdem mit einem Pferdeschweif und Schellen – wie gesagt, eigentlich. Denn uneigentlich vermischen sich auch in den traditionellen Regionen längst die verschiedenen Bräuche. »Das wird auch bei uns immer mehr zum reinen Touristenlauf«, bedauert der 32-Jährige. Gleichzeitig hat er dadurch aber immer mehr zu tun. Zum einen wird nämlich angesichts der Masse an Perchtengruppen der Konkurrenzkampf immer größer, die schrecklichsten Masken und Gewänder zu haben, und andererseits nehmen auch Touristen immer mal wieder eine Maske als Souvenir mit.

Bürgler schnitzt die Masken eben so, wie es seine Kunden wollen. Und da kommen neben den traditionellen Klappmaul-Masken der Perchten auch immer mehr Kramperlmasken dazu. In erster Linie stattet er Passen aus, sie laufen jedes Jahr in einem anderen Gewand mit neuen Masken. Der spannendste Augenblick sei immer der, wenn er sein handgefertigtes Meisterstück zum ersten Mal präsentiert. »Ob man das so umgesetzt hat, wie der Kunde sich das vorgestellt hat«, sei dabei die größte Herausforderung. Skizzen im Vorfeld erstellt er selten, meist habe er die Vorstellungen nur im Kopf und dann lege er los.

Aus einem Holzblock, hauptsächlich Zirbelholz, Linde oder Weymouthkiefer, fertigt er die Masken. Sie werden entweder bemalt oder gebeizt – auf Wunsch gibt es auch Glasaugen. Allerdings gibt es auch einige Wünsche, die Bürgler nicht erfüllt – wenn es zum Beispiel um irgendwelche Spezialeffekte geht, wie Leucht-Augen. Das habe mit dem Brauchtum dann einfach gar nichts mehr zu tun. Und dafür ist ihm dieser doch zu bedeutend. »Das liegt bei uns im Blut.« Etwa 40 Stunden Arbeit stecken in einer jeden Maske. Da ist verständlich, wenn man manche Stücke am liebsten gar nicht mehr aus der Hand geben möchte. »Die meisten würd' ich am Ende am liebsten nicht mehr hergeben«, gibt Bürgler zu. »Aber wenn ich dann seh, dass die Leut' eine Freude ham damit, dann ist das super.« Manch ein Kunde kommt immer wieder mit seiner Maske zurück und möchte Veränderungen, andere oder weitere Hörner oder eine neue Polsterung, schließlich wiegen die Köpfe auch einiges.

In seinem Heimatort, da ist sich Bürgler sicher, hängt in jedem Haushalt mindestens ein Perchten- oder Kramperlkostüm samt Maske. Sie alle werden in diesen Tagen wieder auf Hochglanz gebracht. Schließlich sind die Raunächte nicht mehr weit: Am 4. Januar findet in Mühlbach am Hochkönig dann der traditionelle Perchtenlauf statt.

Kathrin Augustin



48/2007