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Jahrgang 2015 Nummer 36

Von besonderer kulturhistorischer Bedeutung

Altar des Laufener Bildhauers Gordian Guckh in der Kirche St. Coloman besteht seit 500 Jahren

Gotteshaus in exponierter Lage: Die spätgotische Kirche St. Coloman steht auf einem Hügel am nördlichen Ende des Tachinger Sees.
Der Flügelaltar in St. Coloman wurde vor 500 Jahren geschaffen und ist von besonderer kulturhistorischer Bedeutung. (Fotos: Aßmann)

Einen der kunsthistorisch bedeutsamsten Flügelaltäre in der Region beherbergt die Kirche St. Coloman bei Tengling. Der Bildhauer und Maler Gordian Guckh aus Laufen schuf den Altar 1515 – also vor genau 500 Jahren.

Mit ihrem erhöhten Standort am Nordende des Tachinger Sees gehört die Kirche St. Coloman zu einer der schönst gelegenen Kirchen des Rupertiwinkels. Ob eine historische Begebenheit oder die herrliche Lage Beweggründe waren, an dieser Stelle ein Gotteshaus zu bauen, ist nicht bekannt. »Vermutlich römische Überreste von Steinbauten in der Feldflur nördlich von St. Coloman lassen annehmen, dass diese Gegend früher belebter war als heute«, berichtet Siegfried Müller, der sich in seinem Buch »Die Kirchen der alten Pfarrei Tengling und ihr historisches Umfeld« eingehend mit der Geschichte des Gotteshauses befasst hat.

Die Legende von St. Coloman

Der Legende nach war Coloman ein Prinz aus Schottland oder Irland. Bei einer Pilgerfahrt ins Heilige Land im Jahr 1012 wurde er bei Wien aufgrund seiner ungewöhnlichen Kleidung und Sprache als ungarischer Spion aufgegriffen, gefoltert und an einem Baum erhängt. Zwei Jahre später durchbohrte ein Jäger mit seinem Speer den verwesten Leichnam. »Es trat frisches Blut aus und der Baum begann zu grünen. Dieses Zeichen eines Wunders war Anlass, Colomans Leib 1015 im Kloster Melk beizusetzen. Das kam einer Heiligsprechung gleich«, erzählt der pensionierte Lehrer und Buchautor.

Zusammen mit dem Viehpatron St. Leonhard war Coloman bei der ländlichen Bevölkerung sehr beliebt. Davon zeugten ein Osterritt, der bis ins 18. Jahrhundert zur Kirche führte, sowie eine Wallfahrt, die man erst mit Ende der selbstständigen Pfarrei Tengling 1971 einstellte.

Erbaut worden ist die Kirche vermutlich kurz nach 1500 von Seifried III. von Törring-Jettenbach. Auch Steine der Burg Törring sollen dafür verwendet worden sein. Zunächst war St. Coloman herrschaftliches Eigentum und Eigenkirche der Grafen von Törring. Erst 1870 verzichtete das Adelsgeschlecht auf diese Rechte; seitdem gehört das Gotteshaus der Kirchenstiftung. »Bei einer Pflastererneuerung im Jahr 1864 entdeckte man unter der Empore die Grundmauer eines Rondells mit einem Durchmesser von etwa zwei Metern. Man nimmt an, dass an dieser Stelle bereits ein Vorgängerbau stand«, weiß Siegfried Müller.

Der spätgotische Flügelaltar ist noch vollständig erhalten und damit in der Gegend einmalig. »Entgegen der früheren Vermutung, wonach der Altar von der zerstörten Schlosskapelle in Haus in die Kirche St. Coloman übersetzt worden sei, ist sich die Wissenschaft inzwischen sicher, dass der Altar aus der Werkstatt von Gordian Guckh stammt«, erläutert der Tenglinger. Guckh schuf auch die Altäre in St. Leonhard und Maria Burg.

Altar mit Feiertags- und Werktagsseite

Der spätgotische Schnitzaltar aus der Salzburger Schule steht auf einer alten Steinmensa. Das teils geschnitzte, teils bemalte Werk ist als sogenannter Umgangsaltar auch an der Rückseite bemalt; die Altarflügel haben – wie damals üblich – eine Feiertags- und eine Werktagsseite. Im Zentrum des Schreins stehen drei plastische Figuren. Maria ist als Himmelskönigin mit Zepter und Krone dargestellt. Sie hält das Jesuskind im Arm. Flankiert wird sie von Bischof Maximilian zu ihrer linken und St. Coloman zu ihrer rechten Seite.

Auf der Rückseite des Altars sind fünf gemalte Medaillons mit dem Lamm Gottes und den Symbolen der vier Evangelisten in ein Rankwerk in Flachschnitzerei eingelassen. Darunter befinden sich die vier Kirchenväter mit einer Darstellung des Schweißtuchs der Veronika.

Das der Retabelaltar in St. Coloman nicht der Modernisierungswut des Barock zum Opfer fiel und damit heute von besonderer kulturhistorischer Bedeutung ist, dürfte wohl auf die exponierte Lage des kleinen Gotteshauses zurückzuführen sein. »Vermutlich fand sich seinerzeit kein weiterer Stifter für das abgelegene Gotteshaus«, betont Müller, der noch viele weitere lesenswerte Bücher zur neueren und älteren Geschichte Tenglings verfasst hat.


Michaela Aßmann

 

36/2015