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Jahrgang 2012 Nummer 49

Vom Leben auf dem Hof

Von alten Berufen, Knechten und Mägden und wer alles zum Hofleben beitrug

Die Menschen draußen auf dem Land hatten eine besondere Neigung zu Freiheit und Unabhängigkeit und daher ein großes Verlangen nach eigenem Grund und Boden. So ist es auch verständlich, dass neben einzelnen angesiedelten Dörfern die Einödhöfe und Weiler in großer Überzahl waren.

Der Hofeigentümer, das Oberhaupt der Familie

Der Hofeigentümer, zugleich das Oberhaupt der Familie, war stets männlich und zudem als Bauer der Dienstherr für das Gesinde. Als solcher hatte er das Recht die Dienstboten auf dem Hof, wenn nötig, ein- oder auszustellen. Der Bauer trug die große Verantwortung für das gesamte Hofwesen – er hat »angeschafft«. In seinem Ermessen lag es, das ganze Jahr über die notwendigen Arbeiten richtig einzuteilen. Er bestimmte, wann im Frühjahr mit der Feldarbeit begonnen wurde, damit vom Säen und Wachsen bis zur letzten Ernte im Herbst alles im Einklang mit der Natur geschehen konnte.

Die Bäuerin, Herrin über Heim und Herd

Das gesamte Hauswesen wiederum oblag ausschließlich der Bäuerin. Hatten die Bauersleute noch kleine Kinder auf dem Hof, wurde eine Kindsmagd eingestellt. Voraussetzung war natürlich, dass das Anwesen groß genug war, um sich diese leisten zu können. Hin und wieder beschäftigte die Bäuerin sogar noch eine Kuchldirn als Hilfe. Beide Male war es ihr Recht – und der Bauer gab ihr dabei freie Hand – die Richtige einzustellen. In früherer Zeit mussten meistens viele Kinder in einer Familie großgezogen werden. So war es häufig der Vater, der für die Strenge in der Erziehung zuständig war, während die Kinder zur Mutter kamen, wenn sie etwas auf dem Herzen hatten.

Was das gesamte Federvieh betraf, so war dafür einzig und allein die Bäuerin zuständig, die sich dabei auch ungern dreinreden ließ. Eine Schar Enten, wie auch etliche Gänse, gehörten ebenso zum Hof, wie die große Anzahl Hühner. Das Schlachten und Rupfen bestimmte ebenfalls die Bäuerin. Der Erlös vom Verkauf kam in die Haushaltskasse.

Erinnerungen an unseren Karer

In bestimmten Zeitabständen kam der Karer auf den Hof meiner Großeltern. Ein kleineres Rösserl zog seinen Karren, auf dem er vorne selbst sitzen konnte. Wenn er zu uns heraufkam, ließ er es auf der Wiese vor dem Haus fressen. Mein Großvater hatte nichts dagegen, der Karer aber konnte sich das Futter sparen. Die Großmutter indessen hatte jedes Mal schon alles für ihn hergerichtet. Das waren einmal eine große Anzahl Eier, die unsere Hühner gelegt hatten. Die in Zeitungspapier eingewickelten Eier kamen in einen besonderen Korb. Auf mein Betteln hin durfte auch ich, ganz vorsichtig, einige davon einwickeln.

Außerdem kaufte der Karer die älteren, aber gesunden Hühner, die jedoch keine Eier mehr legten. Diese mussten zuvor geschlachtet und danach von der Großmutter oder meiner Mutter gerupft werden. Im Herbst kaufte er die schlachtreifen Enten und Gänse. Seine gesamte Ware brachte er jeden Samstag nach Traunstein auf den dortigen, großen Wochenmarkt. Hier war der Karer für seine frische, einwandfreie Ware bekannt und dementsprechend hatte er seine feste Kundschaft.

Bei den Dienstboten gab es eine Rangordnung

Die Anzahl der Dienstboten richtete sich zum einen nach der Größe des Hofes, zum anderen nach der Zahl der nicht mehr schulpflichtigen eigenen Kinder. Gingen diese noch zur Schule, so gab es unter den zwei Knechten eine Rangordnung. Ausschlaggebend war aber nicht nur das Alter, sondern auch die Anzahl der schon auf dem Hof verbrachten Jahre. Nicht zuletzt zählte jedoch Ehrlichkeit und Fleiß am meisten. Vom Rang her war der oberste und auch der bestbezahlte der Oberknecht. Ihm folgte der Mitterknecht. War es ein größerer Hof, gab es noch einen »Deanstbua«, dessen Verdienst allerdings sehr gering war.

Es kam immer wieder vor, dass nicht der Bauer an einem schlechten Arbeitsverhältnis schuld war, sondern der Knecht. Über diesen sagte dann jeder, der ihn gekannt hatte: »Der is' so faul, dass'n reut', dass er's gehen g'lernt hat!«

 

Elisabeth Mader

 

49/2012