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Jahrgang 2010 Nummer 7

Valentinstag – ein Fest für Verliebte

Der 14. Februar, was er bedeutet und wie man Freude bereiten kann

»S. Valentinus«. Der Gebetszettel, 200 Jahre alt, ist teilweise von Mäusen zerfressen.

»S. Valentinus«. Der Gebetszettel, 200 Jahre alt, ist teilweise von Mäusen zerfressen.
Wallfahrtsandenken (Anfang 20. Jahrhundert), zum Auf- und Zuklappen, mit blutendem Herz Mariens.

Wallfahrtsandenken (Anfang 20. Jahrhundert), zum Auf- und Zuklappen, mit blutendem Herz Mariens.
»Mein Heim – Mein Glück«, Stickerei mit drei Herzen (drei heißt »treu«) für Nostalgie-Fans.

»Mein Heim – Mein Glück«, Stickerei mit drei Herzen (drei heißt »treu«) für Nostalgie-Fans.
»Haben Sie schon ein kleines Gedicht für Ihre Liebste oder Ihren Liebsten zum Valentinstag parat?« So fragt ein deutscher Reiseführer in seinem Internet-Portal. Er sagt auch, auf welchen Wochentag in diesem Jahr der Valentinstag fällt: auf einen Sonntag. Das kommt erst wieder im Jahr 2016 vor. Aber so weit sollte noch niemand denken. Erst einmal beim Valentinstag 2010 bleiben! Zwei Geschenkideen tauchen da immer wieder auf: der Blumenstrauß und das rote Herz. Aus Stoff, Papier oder – nein, niemals aus Holz! Holz ist zu hart. Fast so hart wie Stein. Auch wenn das Holz- oder Steinherz bunt bemalt oder lustig beklebt ist, es ist und bleibt nichts Biegsames, Geschmeidiges, Sanftes.

Den Blumenstrauß kann der Verliebte seiner Angebeteten beim nächsten Floristen im Handumdrehen kaufen. Der freut sich, denn der St. Valentinstag ist ein Fest für den Blumenhändler. Ein Tag, an dem er nicht genug Angebote bereithalten kann. Vom Veilchensträußchen bis zum Gerbera-Gebinde, von der Azalee bis zur langstieligen, roten Rose mit viel Schleierkraut drumherum – alles wird verlangt. Am Ausmaß des Buketts wird die empfangende Person erkennen, wie hoch sie von der überbringenden geschätzt wird. 20 Euro oder zwei? Da ist schon ein Unterschied.

Die Blumen eigenhändig zu pflücken, ist kein guter Rat; denn zu dieser Jahreszeit ist die Erde geizig, verschlossen, hart gefroren. Die ersten Krokusse sprießen bestimmt erst gegen Ende Februar. Wären auch zu kurz und hielten nur ein paar Minuten in der Vase. Märzenbecher? Narzissen? Schneeglöckchen? Kommen alle erst, wenn St. Valentin schon vorbei ist. Also: Rein in den Blumenladen – und nicht gespart! Muss nicht immer ein Riesenbukett sein. Auch eingetopfte Erika tut’s. Oder: Was »Blumiges« vom Flohmarkt oder aus dem Trödlerlädchen besorgen: mit Blumen geziertes Geschirr, künstliche Sträußchen, Sticktücher mit Herzen drauf oder mal ein brennendes Herz, auch wenn es das von Jesus oder Maria ist.

Was allerdings selbst gebastelt werden könnte: ein rotes Herz. Ob aus Tonpapier oder Seidenpapier, Glanzpapier oder Krepppapier – da lässt sich variieren und kombinieren. Oder einfach ein paar Herzen auf ein weißes Blatt Papier malen, mit dickem Pinsel und einem Tropfen Spucke dazu. Den Fotografen ist womöglich auf Reisen ein Herz-Motiv vor die Linse gekommen – die können so ein »herziges« Farbfoto vergrößern lassen und ein paar nette Worte – muss ja kein Gedicht sein! – dazu schreiben, alles ins Kuvert stecken und der Post oder der/m Angebeteten selber übergeben.

Warum eigentlich ausgerechnet St. Valentin, der Tagesheilige des 14. Februar, für die Liebenden herhält? Partout einer der Heiligen, über die niemand, selbst kein Heiligenlexikon, so recht Bescheid weiß, wurde zum Patron der Liebenden, der Jugend, aber auch der Reisenden und der Imker. Ein Helfer bei Seuchengefahr und Epilepsie war St. Valentin schon seit alters, zuständig für eine gute Heirat. (Also sehr nötig, grad heut, wo jede zweite Ehe geschieden wird…!) Epilepsie ist die »Fallsucht« auf gut Deutsch. Valentin und Fallen – nee, so eine Erklärung wär dann doch zu billig!

In meiner Andachtsbildchen-Sammlung findet sich ein 200 Jahre alter Gebetszettel mit einem Bild des heiligen Valentin (wahrscheinlich Bischof von Terni, Märtyrer, 3. Jahrhundert). Er heilt g’rad einen Hingefallenen, auch wenn es so aussieht, dass der halb entblößte Mensch vor lauter Schreck, den gut gekleideten Kirchenmann vor sich zu sehen, sich selbst und die Krücken zu Boden fallen ließ. Valentin segnet ein kleines Kind im Arm seiner Mama, und neugierig schauen ihm Engel auf Wolken dabei zu.

Ein Gebet ist neben dem Bild abgedruckt. Die 24 Zeilen reimen sich. Wer sie spricht, hält böse Krankheiten fern, »absonderlich des Hinfallend und der Fraiß«. An der Fraiß laborierten oder starben früher viele Kinder, wer weiß, was für eine heimtückische Krankheit das war. »Will auch die Fraiß anfallen mich, / Sankt Valentin, erbarme dich!«, lautet ein Passus des »Gebeths« zum hl. Valentin. Der mög mir auch in der »letzten Noth«, dem Sterben, beistehen, heißt es am Schluss: »Damit ich nehm ein guten Tod, / Und in dem Frieden fahr dahin, / Bitt Gott für mich, Sankt Valentin!«

Blumen, Herzen, hinfallende Krankheit, Fraiß… irgendwie passt das alles nicht recht zusammen, aber so ist das Leben: Ein Gemischtwarenladen. Stopp: fallen und hinfallen – das schließt sich doch nicht aus. Liebende fallen sich in die Arme, fallen vielleicht vor lauter fleischlicher Begierde aufs nächste Bett hin – also, so weit ist das garnicht auseinander. St. Valentin, hilf, dass wir immer wieder aufstehn können und nicht gleich ganz liegen bleiben. Denn dann wär’s aus mit uns. Und die Floristen täten weniger Geschäft machen und blieben auf ihren Rosen sitzen.

Dr. Hans Gärtner



07/2010