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Jahrgang 2013 Nummer 2

Unser gregorianischer Kalender

Papst Gregor XIII. führte im Jahre 1582 eine Kalenderreform durch

Januar, Monatszyklus von Stephan Kessler (1672), ehemaliges Kloster Benediktbeuern.
Römischer Kalenderstein zum Markieren von Monat, Woche, Tag. Zeichnung von 1910.

Der Januar ist im gregorianischen Kalender der erste Monat des Jahres. Er ist nach dem römischen Gott Janus benannt, der der Sage nach zwei Gesichter hatte. Ein Gesicht blickte zurück, eines nach vorne. Im römischen julianischen Kalender war der Januar der elfte Monat. Seit dem Jahre 45 vor Christus ist der Jahresanfang auf den 1. Januar festgelegt. Im Jahre 1691 akzeptierte die Kirche den römischen Jahresbeginn.

Die Geschichte unseres Kalenders reicht weit zurück. Zu seinen Vätern zählen die Ägypter, die die Zeit nach den Mondphasen einteilten und sich bei der Bestellung ihrer Felder nach ihnen richteten. Das ägyptische Jahr bestand aus zwölf Monaten mit 30 Tagen und zusätzlich fünf Feiertagen am Jahresende. Es war Vorbild für die Kalendermacher Griechenlands und kam von hier auch nach Rom.

Vermutlich um 700 vor Christus stellte man den Kalender von zehn auf zwölf Monate um. Wie bei allen Völkern des Altertums kümmerten sich auch bei den Römern die Priester um das Kalenderwesen. Am ersten Tag eines jeden Monats (lateinisch »kalendae« für Monatserster) wurden die religiösen Festdaten verkündet. Daraus entwickelte sich später das Wort und der Begriff Kalender.

Als der geistige Vater unserer heutigen Zeitrechnung gilt Gaius Julius Cäsar, der römische Staatsmann, Feldherr und Schriftsteller, der im Jahre 46 vor Christus statt des Mondjahres das Sonnenjahr einführte. Dabei griff er auf die Berechnungen des griechischen Astronomen Hipparchos zurück, der bereits 150 Jahre zuvor die Länge des Sonnenjahres mit 365 Tagen, 5 Stunden, 55 Minuten und 12 Sekunden ermittelte. Um den Vierteltag auszugleichen, den jedes Jahr zu viel hat, legte er für jedes vierte Jahr einen Schalttag fest. Im Laufe der Zeit erkannte man jedoch, dass das julianische Kalenderjahr um mehr als elf Minuten länger war als ein Sonnenjahr. So ergab sich bis zum 16. Jahrhundert eine Fehlerquote von zehn vollen Tagen. Das stellte ein Problem für die Kirche dar, die daran interessiert war, dass das Osterfest stets am gleichen Tag gefeiert wurde. Auf dem Konzil von Nicäa 325 legte man daher das Osterdatum auf den Sonntag nach dem ersten Frühlingsvollmond.

Im Jahr 1582 nahm Papst Gregor XIII. eine einschneidende Reform des julianischen Kalenders vor: Er ließ auf den Donnerstag, 4. 10. 1582, den Freitag, 15. 10. 1582, folgen und somit 10 Tage »verschwinden«. Durch die Kalenderreform wurde der Frühlingsanfang einheitlich auf den 21. März festgesetzt. Der gregorianische Kalender hat 365 Tage und beginnt mit dem Jahr 1 nach Christi Geburt (ein Jahr Null gibt es nicht!). Deshalb begann das dritte Jahrtausend mit dem Jahreswechsel von 2000 nach 2001. Der gregorianische Kalender ist heute fast überall auf der Welt gebräuchlich, nicht anerkannt wird er jedoch in Ländern der Ostkirche. Schon im Mittelalter entstanden Kalender mit Aufzeichnungen von Tagen, Monaten und Jahren, von Sonnen- und Mondlauf und deren Aufund Untergangszeiten. Sie enthielten auch viele nützliche Eintragungen für Haus, Hof und Gesundheit. Den größten Raum nahmen Wetterregeln ein, an denen besonders Bauern und Hirten interessiert waren. Um die Witterung vorhersagen zu können, beobachtete man Licht und Wolken, Wind und Vogelflug, Sternschnuppen sowie Pflanzen- und Tierverhalten.

Damit sich die wissenswerten Erkenntnisse besser einprägten, formulierte man sie in gereimter Form. die oft Jahrhunderte alten Beobachtungen wurden auch in Kalenderbüchern aufgeschrieben. Eines der ältesten Bücher ist die »Bauernpraktik« aus dem Jahr 1508. Die bei uns heute noch beachteten Wetter- und Bauernregeln gehen teilweise auf diese alten Kalenderbücher zurück.


Dr. Albert Bichler

 

2/2013