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Jahrgang 2015 Nummer 30

Um Jakobi hat früher die »Droadarnd« angefangen

Für die Getreideernte brauchte mancher Bauer sogenannte Erntehelfer

Der Jakobitag (25. Juli), dessen geläufiger Name früher der »Jaggasdog« gewesen ist, galt von jeher als eine Art Stichtag für den Beginn der Getreideernte. Die Arbeit auf den Höfen war früher, insbesondere während der Erntezeit schwerer, körperlich härter als heute. Deshalb musste die Bäuerin in dieser Zeit tiefer als sonst das Jahr über, in den Schmalztigel langen.

Diese Tage der guten, kräftigen Kost begannen allgemein am Jakobitag. Als erstes musste das Korn gemäht werden, dazu wurden in früherer Zeit je nach Größe des Hofes, sogenannte Erntehelfer eingestellt. Kurz zuvor gab es für diese und natürlich auch für die Dienstboten das »Jaggasessen. Es wurde ein extra reichhaltiges, schmackhaftes Essen aufgetischt, dazu gab es reichlich Bier und Most.

Mit dem Mähen des Kornes konnte erst nach dem Abtrocknen des Morgentaues angefangen werden. So stand die Sonne schon recht hoch, wenn die Mäher und ebenso Mäherinnen, die Sense auf der Schulter, dem Kornfeld zugingen. Schon ein leichter Hauch von Wind ließ die langen Halme mit den schweren, ausgereiften Ähren leicht zur Seite wiegen. Es schien fast so, als würden sie schon auf die Mäher warten, die nun im gleichmäßigen Rhythmus ihre Sensen schwangen und die Halme rauschend zu Boden fielen. Das Mähen wurde nur von Zeit zu Zeit vom Wetzen der Sensen unterbrochen, ebenso natürlich wenn die »Kuchldirn« mit dem »Neuner«, einer kleinen Vormittagsbrotzeit, aufs Feld kam. Man hatte keine Uhr auf dem Feld, doch am Stand der Sonne und spätestens beim Läuten der Dachglocke wussten alle, dass es auf elf Uhr zuging und somit Essenszeit war. Noch ein kurzer Blick auf das am Boden liegende Korn, dann ging es, die Sense auf der Schulter, dem Hof zu. Nach einer kräftigen Mahlzeit und einem kühlen Trunk aus dem Keller, führte der erste Weg wiederum hinaus aufs Feld. Dort musste jetzt das Korn zu Garben gebunden und zu »Kapuzienern« (Kornmandl) aufgestellt werden. Gleich nach dem Korn war es der gleichermaßen wertvolle Weizen, der gemäht, zu Garben gebunden und ebenfalls zu Mandln aufgestellt wurde. Es war dies ebenso wie beim Korn, eine sehr heiße, stachelige Arbeit, denn beim Zusammenbinden der Halme zu Garben, kratzten diese an Armen und Füßen, sodass sie ganz rot wurden und beim abendlichen Waschen brannten. Nach ungefähr einer Woche konnte der »Droad« auf die großen, eisenbereiften Erntewagen geladen werden. Dies war sowohl für die Aufleger, als auch für die »Fasterin«, eine schwere, schweißtreibende Arbeit. Aber auch die zwei vor den Wagen gespannten Rösser hatten sich an diesen Tagen ein Lob und ihren Hafer verdient, schon allein der Bremsen wegen, die trotz des intensiven Geruches vom »Bremakessel«, nicht ganz abzuwehren waren.

Die »Hundstage«, sogenannt nach dem Hundsstern »Sirius«, liegen zwischen dem 23. Juli und 23. August und galten als die wärmsten Tage des Jahres. In diesen Wochen der »Droadarnd mitten in der Hochsommerhitze, ist der Tag der heiligen Anna (26. Juli), die auch »dö' hoaß Anna« genannt wurde. Es ist nicht verwunderlich, wenn gerade in diesen Tagen sowohl Bauer und Bäuerin als auch die Dienstboten, öfters am Tag einen Blick zum Himmel warfen und insgeheim beteten, man möge von Unwettern verschont bleiben, damit das wertvolle Getreide gut eingebracht werden konnte. Da ist es gut zu verstehen, dass früher besonders in der Erntezeit neben anderen Heiligen, besonders St. Anna um Schönwetter angerufen wurde. Zogen am Tag schwarze Gewitterwolken auf, so flehten die Bäuerin und die Mägde zu ihr: »Heilige Muatta Anna, – treib s'Weda von danna'« (treibe das Gewitter von uns weg). Wenn aber dennoch abends ein schweres Gewitter über Hof und Felder wütete, zündete die Bäuerin drinnen in der Stube die »Schauerkerze« (Wetterkerze) an. Es wurde ein »Gegrüßt seist du Maria« gebetet und dabei wiederholt St. Anna angerufen: »Heilige Anna, bitt' für uns«.

Bis »Laurenzi« (St. Laurenzius Tag) 10. August musste Korn und Weizen unter Dach, das heißt in der Scheune sein. Dieser galt wiederum als eine Art Stichtag, denn an »Laurenzi« war es an der Zeit den »Howern« (Hafer) zu mähen. Selbiger wurde im Gegensatz zu Korn und Weizen, schon zeitig in der Früh gemäht, denn durch die Feuchtigkeit des Taues konnten die Körner leichter aufspringen, dasselbe galt für die Gerste.

Heutzutage hat besonders die junge Generation, wenn überhaupt noch einer davon weiß, nur noch ein mitleidiges Lächeln für die Arbeit und das Verhalten des Menschen aus dieser Zeit übrig. Dabei wäre es wichtig und lehrreich, möglichst viel von dieser noch gar nicht so lange zurückliegenden Zeit und deren Menschen zu wissen, dass nur ein gutes Einbringen der Ernte, sowohl für die Leute auf dem Lande, als auch für den Städter, damals ein ausreichendes, schmackhaftes Essen den Winter über möglich machte. Nur so würde es wieder verständlich, dass noch Ende des 19. Jahrhunderts, als in einem Anwesen der Blitz eingeschlagen hatte und es abbrannte, die achtzigjährige Austragsbäuerin sagte: »Iatzt hat da' Thor eingschlag'n«. Dann würde auch das Anzünden einer Wetterkerze ebensowenig belächelt werden wie die Bitte: »Heilige Muatta Anna, – treib s' Weda von danna'«.

 

Elisabeth Mader


30/2015