Jahrgang 2003 Nummer 43

Trilobiten – Die Urahnen der Insekten

Ausstellung bei den Mineralientagen in München

Fossiler Trilobit von einer Fundstelle in Marokko.

Fossiler Trilobit von einer Fundstelle in Marokko.
Bei diesem im Bundesstaat Ohio gefundenen Trilobiten erkennt man deutlich die Gliederung des Körpers.

Bei diesem im Bundesstaat Ohio gefundenen Trilobiten erkennt man deutlich die Gliederung des Körpers.
Obwohl die Trilobiten auf deutsch Dreilappkrebse genannt werden, haben sie mit den Krebstieren nichts zu tun. Sie gehören zu einer ausgestorbenen Klasse von meeresbewohnenden Gliedertieren (Arthropoden), die im Unterkambrium vor etwa 450 Millionen Jahren erstmals nachzuweisen sind.

Die Trilobiten waren eine äußerst erfolgreiche Tierart, die sich 250 Millionen Jahre lang auf der Erde behaupten konnte. Die mit einem dreigeteilten Panzer ausgestatteten, oft bizarr aussehenden und sehr urtümlichen Tiere ließ ihr Formenreichtum in Fachkreisen zu begehrten Sammelobjekten werden. Bei den diesjährigen Mineralientagen in der Neuen Messe München vom 31. Oktober bis zum 2. November ist ihnen eine große Sonderschau gewidmet. Dabei werden vor allem Fossilfunde aus Marokko sowie aus dem Urmeer Tethys und aus Japan zu sehen sein.

Die größte bisher bekannte Trilobitenart wurde siebzig Zentimeter lang, doch derartige große Tiere sind selten. Die Mehrzahl erreichte eine Länge von zweieinhalb bis zehn Zentimetern.

Der abgeflachte Körper der Trilobiten ist deutlich in die drei Abschnitte Kopfschild, Rumpf und Schwanzschild gegliedert. Der rundliche Kopfschild besteht aus einem gewölbten, zentralen Bereich, der so genannten Glatze, und den abgeflachten zwei Wangen, die oft mit einem langen Stachel versehen sind. Auf jeder Wange erkennt man eine deutliche Furche, an der die Skeletthaut bei der Häutung aufriss. Wie alle Gliedertiere warfen die Trilobiten von Zeit zu Zeit ihre harte Chintinhaut ab, um wachsen zu können. Man nimmt an, dass die meisten Versteinerungen solche abgelegten Häute und nicht vollständige Tiere darstellen. Bei fast allen Trilobiten findet sich auf jeder Kopfseite ein Facettenauge, wie es unsere heutigen Insekten besitzen.

Der Rumpf setzt sich aus zwei bis vierzig Segmenten zusammen. Jedes Segment wird oben von einer Platte abgedeckt, die mit den Nachbarsegmenten beweglich verbunden ist. Die zwei Seitenteile bilden spitzige Enden und sind vielfach zu Dornen ausgezogen.

Der Schwanzschild ist aus mehreren zusammengewachsenen Rumpfsegmenten hervorgegangen, die bis zu 30 Platten seiner Oberseite können jedoch nicht mehr gegeneinander bewegt werden.

Wahrscheinlich trug jedes Segment des zweiten und dritten Körperabschnitts ein Paar aus zwei Elementen bestehende Beine, einen stärkeren Schreitfuß und einen dünnen, federartigen Schwimmfuß, der möglicherweise auch Kiemen aufwies und zur Atmung diente.

Die Trilobiten ernährten sich von Kleinstlebewesen und von pflanzlichen Resten. Es gab unter ihnen ausgesprochene Schwimmer, aber auch Schlammwühler. Einige Arten konnten sich wie die heute lebenden Rollasseln einrollen, um die empfindliche Bauchseite zu schützen. Als Fressfeinde kamen in erster Linie Fische und Kopffüßer in Frage.

Im Laufe der Zeit passten sich die Trilobiten ganz unterschiedlichen Lebensräumen an. Sie konnten sowohl in tropischen Meeren wie im Süßwasser leben, in der Tiefsee ebenso wie in flachen Gewässern. Entsprechend groß ist die Zahl der Trilobitenarten, die rund 15 000 beträgt und jedes Jahr durch weitere Entdeckungen vermehrt wird. Über den Grund, warum die Trilobiten gegen Ende des Perms vor 290 bis 250 Millionen Jahren ausstarben, können wir nur spekulieren. Entweder hängt ihr Verschwinden mit einer Änderung der klimatischen Bedingungen zusammen oder mit dem Überhand nehmen ihrer Feinde. Aus der Sicht der Evolutionsbiologie stehen die Trilobiten erst am Beginn der Entwicklungsgeschichte der Gliedertiere, mit denen sie die Dreiteilung des Körpers und das feste Außenskelett aus Chitin gemeinsam haben. Sie gehören damit auch zu den Urahnen der Insekten, der zahlenmäßig größten Tiergruppe der Gegenwart.

JB



43/2003
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