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Jahrgang 2001 Nummer 17

»Traunstein, das schöne Traunstein liegt in Asche!«

Der Stadtbrand von 1851 in Augenzeugenberichten, Publikationen und zeitgenössischen Dokumenten – Teil II

Vier Spritzen dieser Art besaß die Stadt zum Zeitpunkt des Brandes; schon 1726 hatte man die erste Löschmaschine, die »unaussezl

Vier Spritzen dieser Art besaß die Stadt zum Zeitpunkt des Brandes; schon 1726 hatte man die erste Löschmaschine, die »unaussezlich wie ein Rhörprunnen giessen« konnte, erworben. Doch obwohl man über Jahrhunderte das Löschwesen organisiert und die Requisiten gewartet und sinnvoll ergänzt hatte, gegen die Gewalt dieses Feuers war alles Bemühen vergebens.
Dekorativer Briefkopf des »Königlichen Kreis- und Stadtgerichts Wasserburg«, dem die Ermittlungen wegen vorsätzlicher Brandstift

Dekorativer Briefkopf des »Königlichen Kreis- und Stadtgerichts Wasserburg«, dem die Ermittlungen wegen vorsätzlicher Brandstiftung übertragen wurden. Die Frage nach einem möglichen Täter ist trotz vieler Gerüchte und Mutmaßungen bis heute ungeklärt. (Stadtarchiv Traunstein, A II 5/8)
Der Stadtplatz vor 1900: Reiche Hilfe aus Nah und Fern hatte den raschen Wiederaufbau der Bürgerhäuser im Stil der Zeit ermöglic

Der Stadtplatz vor 1900: Reiche Hilfe aus Nah und Fern hatte den raschen Wiederaufbau der Bürgerhäuser im Stil der Zeit ermöglicht. Bis März 1852 waren aus ganz Deutschland und dem benachbarten Ausland Spendengelder in Höhe von 147.000 Gulden eingegangen, die ein eigens gegründetes Hilfskomitee verwaltete und weiterleitete. (Stadtarchiv Traunstein, Postkartensammlung)
Tagebuch des Adam Karl, Bortenmacher von Mühldorf

Seit alters her fanden in Traunstein vier Jahrmärkte zu festgelegten Zeiten statt, einer davon am Sonntag nach Ostern. 1851 war dies der 27. April, und dieser Umstand brachte es mit sich, daß zum Zeitpunkt des Brandes bereits viele auswärtige Händler und Handwerker mitsamt ihren Waren sich in der Stadt aufhielten. Einer von Ihnen, der aus Mühldorf stammende Bortenmacher Adam Karl, hat seine Eindrücke wenige Tage später (am 1. Mai) seinem (Geschäfts-)Tagebuch anvertraut. Durch die dankenswerte Aufmerksamkeit von Herrn Stadtrat Uwe Steinmetz gelangte eine Kopie dieser Erinnerungen an das Stadtarchiv (im Bestand »Sammlung« unter DOK 14 verwahrt). Der Betroffene schilderte nicht nur die Unglücksnacht sondern auch die Tage danach.

»Feyers-Unglück. Samstag, den 26ten April 1851 halb eins Uhr früh, brach in der Stadt Traunstein Feuer aus. Das Feuer brach aus an der Rosenheimer Straße, in dem Stadel des H(errn) Stadtschreiber Daxenberger und brant(e) die Stallungen und Häuser zu beyden Seiten weg, kam in die Salz-Städl, brante beyde Obere Tore weg, und brante auch die ganze Stadt ab, vom Obern Thor bis zum Untern Thor, die Häuser zu beyden Seiten auf dem Haupt-Platz, auch die Stadt-Pfarrkirche, welche näher dem Oberen Thor, aber mitten auf dem Platz stund. Um 3 Uhr Morgens schlug die Pfarruhr zum letztenmal, und ein Viertel über drey Uhr fielle der Kupel-Thurm samt den Glocken in sich selbst zusam hinein. Auch der Untere Thor-Thurm, Jakobs-Thurm genannt, brannte gänzlich aus, so daß niemand mehr durch dieses Thor durch gehen, vielweniger durchfahren darf, und so die Haupt-Straße durch dieß Thor gespert ist. Auch hieß es, dieser Thurm muß zusam geschossen werden, weil er zum Abbrechen zu gefährlich ist. Auch unter dem Stadtberg Ende der Mühlbach-Brücke branten die Häuser rechter Hand gegen der Traun-Brücke alle weg.

Auser dem Obern Thore gegen der Stadt zu blieben vom Feuer unberührt stehen alle Holz-Städl, der Gottes-Acker et Kirche, die vormallige Kapuziner-Kirche und beyderseitige Gebäude an der Wasserburger Straße. Innerhalb dem aeusern Obern Thor blieb stehen alle linker Hand stehenden Salzstädl bis zum Berg wie auch der Hintertheil der Stadt-Häuser des innern Obern Thors. Innerher dieses Thores blieb das an das Thor angebauete Ziegler Wirths-Haus nebst allen angebauten Häusern die ganze Gaße hinaus bis zum Berg zur Wiesen-Stiege, die beyderseitigen Häuser, vom Feuer unberührt stehen. Auf dem Hauptplatz blieben der Stadtpfarrkirche nächst linker Hand stehen vier große Haus-Stöcke, wie auch hinter die vier Hausstöcke in einem Zwerk-Plätzchen 4 kleine Häuser stehen. Die Häuser in der Wiesen links unter dem Stadtberg wie auch die Aue mit der Saline rechts unter dem Stadtberg blieben unbeschädigt stehen.

Sontag, den 27ten April 1851, als(o) am 1ten Sontag nach Ostern, ware sonst der gewöhnliche Jahr-Waaren-Markt, wohin ich auch meine Portenmacher-Waar-Kiste samt Blachen-Back durch unseren Mühldorfer Bothn nach Traunstein, Donnerstag, den 24ten April, übergab und den 25ten Abends in Traunstein ankam, beym Holzner-Wirth, vormals Kahlsperger, seine Ablage hatte. Als in der Nacht um halb eins Uhr das wüttende Feuer ausbrach, brachte der Both meine Waare von seiner Ablage in mein Quartier zum Herrn Büchele-Bierbräuer auf den Hauptplatz, und da auch dieses Haus später zu brennen anfing, so brachte der brave und sorgfältige Hausknecht nebst Breymeister meine Küste samt Blachen-Back in die Reihe der kleinen gefüllten Bier-Fäßer in der Malz-Denne, welches ein langes, schmalles Gewelb war. In diesem Gewelb mußte diese Waare dießes furchtbare Feuer aushalten! Und dieses Gasthaus brannte so zusammen, daß die vodere Hauptmauer einfiel, alle Boden durchbrannten und die Durchzug-Mauern einfiellen. Nur (Gott sey Lob und Dank) dieses Gewelb bliebe unbeschädigt erhalten, und Gott, dem alles möglich ist, hat mir meine Waare wunderbar erhalten und gerettet.

Den 29ten dieses kam ich selbst nach Traunstein, sahe den Greul der Verwüstung dieser furchtbaren Feuersbrunst und den Ort, wo meine Waare im Werth von fünfhundert Gulden unbeschädigt erhalten wurde. Indem ich die erste Reise den 26ten dieses nur bis Trostberg machte und dort hörte, daß ganz Traunstein schon in Asche ligt. Diese Feuersbrunst-Röthe sahen wir schon um drey Uhr frühmorgens, als wir von Mühldorf fort gingen.«

Verhandlung wegen Brandstiftung vor dem Kreis- und Stadtgericht Wasserburg

Das Traunsteiner Landgericht, daran hatte dessen Vorstand keinerlei Zweifel gelassen, konnte die Ermittlungen in Bezug auf die Brandursache nicht selbst übernehmen. Zu drängend waren die eigenen Probleme, zu provisorisch der Geschäftsgang in den Ausweichräumen und zu stark waren vor allem die Beamten persönlich betroffen. Daher übertrug schon am 29. April 1851 das Appellationsgericht von Oberbayern »die strafrechtliche Untersuchung wegen angezeigter Brandstiftung« dem Kreis- und Stadtgericht Wasserburg. Trotz verschiedener konkreter Verdachtsmomente blieben dessen Bemühungen vergeblich: Bis heute ist die Frage nach der Entstehung des Brandes definitv nicht geklärt, obwohl im Verlauf von 150 Jahren manche Spekulationen nicht nur als solche geäußert, sondern leider allzu oft auch als gesicherte Erkenntnis publiziert wurden.

Erfolgreich war man jedoch bei der Ermittlung eines »Trittbrettfahrers«, der 1852 den Hintermüller und Schrödlbäck Georg Haselberger mit Brandbriefen bedroht hatte. Haselberger war einer der reichsten und einflussreichsten, aber auch umstrittensten Bürger der Stadt. Der Täter stammte ebenfalls aus Traunstein; Michael Keilhofer, ein Bäckerssohn mit zweifelhaftem Ruf, wollte Haselbergers Besitz käuflich erwerben und ihn mit seinen kriminellen Aktionen zum Verkauf weit unter Preis zwingen. Ausführlich berichtete das »Wasserburger Wochenblatt« am 24. April 1853 von den Gerichtsverhandlungen. (Die betreffende Ausgabe dieser Zeitung wird im Stadtarchiv unter der Signatur S 24 verwahrt.) Bei der Lektüre gewinnt man den Eindruck, daß anonyme Drohbriefe Mitte des 19. Jahrhunderts scheinbar »groß in Mode« waren:

»In der Stadt Traunstein wurden in den Jahren 1843 bis 1851 mehrmals und an verschiedenen Orten Drohbriefe gefunden, worin allerlei Verfügungen oder Zurücknahme von solchen verlangt wurden unter Androhung bald der Verjagung oder Ermordung von Personen, bald der Wegbrennung gewisser Gebäude oder der ganzen Stadt, wenn das Verlangte nicht erfüllt würde. So droht unter andern ein am 7. November beim Thore der k(öniglichen) Postexpedition aufgefundener Brief unter vielen und groben Schimpfworten auf die Beamten der k(öniglichen) Saline und die Mitglieder des Magistrats mit Haberfeldtreiben und Revolution, wenn die Arbeitsleute nicht mehr Arbeit bekommen. In mehreren dieser Briefe wurde verlangt, daß Fleisch, Bier und Brod wohlfeiler werden und die Zwischenhändler oder sog. Kauderer ausgerottet werden sollen, und in einem aufgefundenen Briefe vom 2. Febr(uar) 1846, betitelt: »An die Herren Traunsteiner«, gehen die Drohenden so weit, daß sie zu diesem Zwecke noch 3 Wochen Zeit geben und sagen, ihr Schwur werde nicht mehr gebrochen, daß Traunstein abgebrannt wird, wenn ihre Forderungen nicht erfüllt werden, daß sie schon mit Pulver und Blei versehen, nur die Pechkränze noch nicht fertig seien; sie wollen auch Brunnen vergiften usw., wenn es nicht mehr Arbeit und bessere Bezahlung gebe und die Lebensmittel wohlfeiler werden.

Als einige Jahre hierauf, während welcher Zeit ähnliche Drohungen noch immer vorkamen, der Plan, den Sitz der Pfarrei Traunstein, welcher bis dahin im Dorfe Haslach war, in die Stadt zu verlegen, zur Ausführung kam, war ein großer Theil der zur Pfarrei gehörigen Landbewohner unzufrieden, auch gab es in der Stadt Manche, die damit nicht einverstanden waren, und es erschienen jetzt auch Drohungen, welche den Bau des Pfarrhofes in Traunstein vereiteln wollten.

So wird in einer am 4. März aufgefundenen und von dem unermüdet diensteifrigen Polizeidiener Schmalhofer dem Magistrate übergebenen Drohbriefe dem damaligen Herrn Pfarrer und Dekan gerathen, er solle ja den Pfarrhof nicht mehr anfangen und machen, daß er von Traunstein fortkomme, er sei seines Lebens nicht sicher, er werde umgebracht und es gebe ein Unglück in Traunstein. Ähnliche Drohungen wurden ausgestreut bezüglich der k(öniglichen) Saline, wenn nicht die Löhne höher werden oder der k(önigliche) Hauptsalzamts-Inspektor fortkomme. Durch die Auffinder und andere Personen, welche davon Einsicht nahmen, wurde eine große Anzahl dieser vielen Droh- und Brandbriefe so ziemlich stadtbekannt. Es wurden auch Untersuchungen über deren Verfertiger und Verbreiter eingeleitet, doch sind Ergebnisse nicht bekannt geworden, und die einschlägigen Akten verbrannten. Manche Personen ließen sich durch derlei Drohungen einschüchtern, doch machten sie im Allgemeinen keinen großen Eindruck.

In der Nacht vom 25. auf den 26. April 1851 entstand in einer Scheune in der Nähe von Baumaterialien für den neuen Pfarrhof Feuer, und der größte Theil der Stadt wurde ein Raub der Flammen. Die k(önigliche) Saline Au, welche mit den dazu gehörigen Arbeiterwohnungen eine Vorstadt bildet und tiefer liegt, war vom Feuer verschont geblieben. Wenn auch einiges dafür sprach, daß der Brand durch Unvorsichtigkeit eines Dienstknechtes entstanden sein konnte, so ging doch der allgemeine Verdacht bald mehr auf Brandstiftung durch ruchlose Hand und nahm seine Richtung bald gegen unzufriedene Landbewohner, bald und noch entschiedener aber gegen sehr übelberüchtigte und schlechtest beleumundete Individuen aus Traunstein selbst. Wurde auch ein entsprechendes Resultat der in dieser Beziehung geführten gerichtlichen Untersuchung nicht bekannt, so bekamen doch jetzt die Drohbriefe eine viel größere Bedeutung als man ihnen vorher beigelegt hatte, und zwar um so mehr, als trotz des großen Unglücks und der allgemeinen Bestürzung sogar wieder neue Drohbriefe erschienen (...).

Die einen Drohbriefe drohen dem Bäckermeister und Müller Haselberger mit Ermordung, mit Abbrennen seiner Gebäude und derer seiner Nachbarn, wenn er nicht schleunigst die Stadt verlasse (...). Gleich im nächsten Monat, am 23. September 1851, brannte es Nachts neuerdings in der Hintermühle, welche dem Bäcker Haselberger gehört, und es wurde wieder ein Gebäude von den Flammen zerstört. Trotzdem nahmen die Drohbriefe noch kein Ende, und alle gingen darauf hinaus, Haselberger müsse fort, sonst gäbe es noch größeres Unglück. Der allgemeine Schrecken nahm natürlich zu, und Haselberger entschloß sich, sein Anwesen wegzugeben und fortzuziehen von einem Orte, wo er doch nicht mehr sicher und sein Unglück noch größeres für seine Mitbürger nach sich ziehen könnte.

Da kam ein Bäckerssohn, Michael Keilhofer von Traunstein, zu Haselberger und bot sich als Käufer seiner Bäckerei an; jener bot ihm auch dieses Anwesen, das ihm sonst um 14.000 Gulden kaum feil gewesen wäre, um 10.000 Gulden an, und wäre selbst noch weiter herabgegangen. Aber dem Keilhofer war der Kaufschilling noch zu hoch, und es erschienen immer neue Drohbriefe. Da entstand Verdacht gegen Keilhofer, daß er der Verfertiger dieser Drohungen sei, die Untersuchung nahm ihre Richtung gegen ihn, er wurde gefänglich eingezogen, die Beweismittel häuften sich schnell, und er gestand, wie in der Voruntersuchung so auch heute, daß er die letzten im Jahre 1852 aufgefundenen Drohbriefe geschrieben und an verschiedene Orte gelegt habe, um auf diese Weise zu einem recht billigen Bäckeranwesen zu kommen; er betheuerte aber, daß er an den früheren Briefen vom Jahre 1851 und noch früher keinen Antheil habe, noch weniger an allen entstandenen Feuersbrünsten, auch nicht die entfernteste Absicht hatte, eine Drohung auszuführen, sondern daß er nur den vorhandenen Schrecken zu seinem Vortheile benützen wollte. Früher hatte man nämlich Verdacht der Brandstiftung auf berüchtigte Gauner, denen der Magistrat die Ansässigmachung und andere Begehren verweigert hatte, und die sich an Haselberger, weil er auch Gemeindebevollmächtigter war, und seine Mühle gerade so allein stand, rächen wollte. Es zeigte sich nun, daß Keilhofer während aller früheren Ereignisse in der Fremde war und erst Ende Oktober 1851 wieder nach Traunstein kam, daß er auch, obwohl er früher schon einmal zu Miesbach wegen Diebstahls in Untersuchung und Strafe genommen war, doch mit jenen Gaunern nicht in Verbindung stand (...). Der Gerichtshof sprach im Schuldpunkte ganz nach der staatsanwaltlichen Auflage, schien jedoch auf das Geständnis sehr großes Gewicht zu legen und sprach auf vierjähriges Arbeitshaus. Dies Urteil erfolgte am 2. April 1853 (...).«

Brief des Lebzelters und Wachsziehers Ambros Loipfinger an seinen Bruder

Noch im Mai 1851 erarbeitete man einen »Grundplan für die abgebrannte Stadt Traunstein«. Dabei wurden die historischen Vorgaben den Erfordernissen der Neuzeit angepaßt. Baulinien wurden begradigt (Scheibenstraße) oder neu fixiert (Maxstraße), Hinterhöfe mußten zu Gunsten breiterer Gassen (Fuchsgrube) weichen, die äußeren Kellereingänge sollten in die Häuser verlegt oder überbaut werden. Durchfahrten vom Stadtplatz zum Taubenmarkt und zur Mittleren Hofgasse entstanden. Der Wiederaufbau setzte sofort ein und ging zügig voran. Viele der noch erhaltenen Pläne sind 1851 datiert. Einige Bürger nutzten dabei die Chance, benachbarte Brandstätten anzukaufen, um ihre Häuser, Wirtschaften, und Geschäfte zu erweitern, etwa der Lammwirt (Stadtplatz 17), der Hotelier Josef Wispauer (Stadtplatz 32) oder der Büchsenmacher Josef Straßberger (Mittlere Hofgasse 10). Auch Johann Nepomuk Büchele vergrößerte seine Brauerei mit dem Nachbargebäude des Buchbinders Sebastian Mayer zum heutigen Sternbräu.

Ambros Loipfinger, ebenfalls brandgeschädigter Lebzelter und Wachszieher am Stadtplatz (heute Haus Nr. 30), beschreibt in einem Brief vom 12. Februar 1854 seinem in die Steiermark ausgewanderten Bruder Peter detailliert das »neue Traunstein«. Das Dokument befindet sich als Teil des Nachlasses von Josef Köstler (Familienunterlagen) im Stadtarchiv:

»So will ich Euch die Abenderungen der Stadt mittheillen (...). Das der Jacklthurm weck sey, ist Euch so bekannt, und wie die Reu (= Reihe) der Häußer gestanden ist, wißt Ihr Euch auch zu erinnern. Neben dem Jacklthurm war früher das Glaserhaus, das ist jetzt auch weck und kombt nicht mehr hin. Das Stöcklschmidthaus ist das Eckhaus von der Sonseide, dann kombt der Binder, Paringer, Buchbinder, Schöttlbräu, Büchelebräu; den Platz vom Buchbinderhaus hat der Büchele gekauft und hat sein Haus größer gebaut. Dann kombt der Wohlgemuth und Meieinnig (= Majenig), dann der Kreiller, das ist ein Eckhaus, Lamplwirth, ist ebenfalls ein Eckhaus, zwischen disn beiden Häußern geht eine breide Gasse durch anstatt der Lamplgurn, das Lamplwirthshaus ist größer gebaut worden und der Widmann Tischler und Huber Schuhmacher sind ganz weckgekommen von dießem Platz. Jetzt kombt der Rigauer, er ist aber schon gestorben und seine Frau auch, das Haus gehört jetzt der alten Endrodacherin. Jetzt kombt der Eißenkrämer, Röslwirth, Brandtner, wo es früher beim Kaufmann Eder geheißen hat, dann Stanglbräu, das ist das höchste Haus in der Stadt, bis daher sind die neuen Häußer. Weinwirth Huber, Sollinger Lottoschreiber, dann Sollinger Goldarbeiter, das alte Obermayrhaus und Schrödlgasse bis zum Zieglerwirth ist von Feuer verschont geblieben.

Jetzt gehen wir wieder zurück auf die Schadseite. Das Säcklerhaus ist wieder auf seinem Platz wie vorher, nur das es jetzt ein Eckhaus ist, weil der Thurm weckgekommen ist. Die Bräuhausgasse ist wie vorher, das alte Berschhaus gehört jetzt dem Wiesbauer Joseph und der Schwinghammer Mari, die haben die Handlung vom alten Wisbauer. Jetzt kombt der Lebzelter, dann mein Haus und Rentamt, das ist ein Eckhaus, Arnold Glaser ist weckgekommen, da ist nun eine Gasse anstatt der Wiesbauern Gurn, Wiesbauerhaus ist ein Eckhaus und den Platz von Landgericht hat auch der Wiesbauer gekauft, das ist ein sehr schöner Gasthof, ganz artig gebaut. Dann ist das Mayer Sattlerhaus, hernach ist die Post, da ist der Platz von Apotheker und Holznerwirth dazu gekauft worden und ein Hausstock mit zehn Fenster in einer Front hergebaut worden, dann kombt Huber Rimmer, Wassermann und Nadlerhaus, Höllbräugasse und Höllbräu Eckhaus, dann Inspektor; anstatt den Baron-Körn-Haus und Städtischen Rathaus ist das k(önigliche) Landgerichtsgebäude hingekommen. Stallechnerhaus ist noch nicht gebaut, da wird wahrscheindlich das Städtische Rathaus hinkommen (der Magistrat ist des Willens, den Platz von Stallechner zu kaufen), dann kombt der Fragnerwirth und Arnold Glaserer, da war früher das Schulhaus, dann kombt Rettenberger Spangler und Loidiller Drexler, dann Huber Schuhmacher, das ist das Eckhaus von der Schadseiten, kein Obers Thor haben wir auch nicht mehr.

Die Gasse hinterhalb meinen Haus ist verweitert worden, die Höfl sind alle weckgekommen und den Platz haben wir unentgeltlich zur Verschönerung der Stadt ablassen müßen, das Höfel geht mir schon sehr groß ab. Der Pflammer Dischler ist auch von seinem Platz weckgekommen, den Platz hat der Seitz Wagner gekauft und hat sein Haus größer gebaut.
Jetzt gehen wir wieder fürs Oberthor hinaus: Das neue Apothekergebäude ist jetzt von die kleinen Aufleger-Logien vom so genannten Saumarkt bis zum großen Lindenbaum ein brachtschönes Gebäut, der Lindenbaum ist auch weckgekommen und das Mauerwerck von den großen abgebrannten Salzstadl kombt auch weck und bleibt ein freier Platz. Neben dem Apothekergebäude ist das Greimmel Hutterhaus, dann der Pflammer Dischler, Gaßner Barabliemacher, dann Bayerer Schuhmacher, der hat sich auch ein neues Haus gebaut, dann ist der Litograph Müller, das sind lauter neue Gebäude. Der Schabel Simmerl hat sich auch neben den Sametzwirth ein neues Haus gebaut und hat eine pörsendliche Kochgerechtigkeit zur Conseßion erhalten.

Jetzt gehen wir auf der andern Seide an der Strasse herein: Fürkenhäusl, Voitzwinkler Zimmermeister, Moser Briefausdräger, Maler Federmann und das große Wiesbauernhaus, diese sind bein Brand stehen geblieben. Jetzt kombt Widmann Dischler, am Wiesbauerhaus angebaut, ein schönes Gebäut, gegenwärtig wohnt tit(ulierter) Herr Landrichter u(nd) der 2te Landgerichts-Assesor bey ihm, nebendran ist der Höllbräustadl, auch schön gebaut, dann ist noch ein lerer Bauplatz, wo früher Stödl gestanden sind, der Platz gehört dem jungen Wisbauer. Neben den Bauplatz ist den Holzmayr Maller sein Haus, er ist von Grabenstatt mit seiner Conseßion herein gekommen, nebendran ist H(errn) Stadtschreiber Daxenberger sein Ökonomie- und Wohngebäude, wo früher das sogenannte Hinnerhäusl stand, dann ist der neu gebaute Pfarrhof, wo früher der Ringlerwirthsgarten war, dann ist das Gottesackergaßl, dann den Huber Kupferschmidt sein Haus, und wo früher der Seifensiedergarten war, da ist jetzt das Holznerwirthshaus, gleich wisawi von Kapuzinerkloster. Das alte Obermayreckhaus hat der Stadtmagistrat gekauft um zehntausen Gulden zu einen Schullhaus und Getreideniederlag; die Schull wird jetzt gegenwärtig noch ihmer in der Kirche in die zwey Bruderschaftzimmer abgehalten (...).«

Franz Haselbeck

Teil 1: Siehe Chiemgau-Blätter Nr. 16/2001



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