weather-image
-1°
Jahrgang 2009 Nummer 14

Spinat und grüne Soße

Brauchtum von Gründonnerstag bis Karsamstag

Am Gründonnerstag stehen vielerorts Spinat oder grüne Soße auf dem Tisch, obwohl der Name dieses Tages nichts mit der Farbe von Kräutern und Gemüsen zu tun hat: Der Tag, an dem in den Kirchen beider christlichen Konfessionen der Einsetzung des Heiligen Abendmahls gedacht wird, wurde bereits um das Jahr 1200 als »gruner dunrestac« erwähnt.

Vermutlich leitet sich »grün« vom althochdeutschen »grunen« für »weinen, klagen« her. In der alten Kirchensprache ist hingegen vom »Tag der Grünlinge« die Rede, womit die an diesem Tag erneut in die Kirchengemeinschaft aufgenommenen reuigen Sünder gemeint waren.

Weil aber viele Hausfrauen Spinat und Spiegeleier auf den Tisch brachten, bildete sich die populäre Deutung heraus, das »grün« komme vom Spinat. Immer noch werden am Gründonnerstag die ersten grünen Kräuter gepflückt, denen der Volksglaube eine Stärkung der Lebenskräfte zuschrieb. Wer an Gründonnerstag »Grünes« isst, dem gehe das ganze Jahr über das Geld nicht aus, hieß es. Und: Wer sich größere Mengen an Schnittlauch einverleibt, bleibe das ganze Jahr über gesund.

Aberglaube haftet auch an den besonders geschätzten Gründonnerstags- oder Antlasseiern: Ein an diesem Tag von einer Junghenne gelegtes Ei gilt als geweiht und wird entsprechend sorgsam verwahrt. Es soll Blitze vom Haus und Unwetter von den Feldern abwehren. Am Bachufer vergraben, soll es Hochwasser verhindern.

Zu den kirchlichen Bräuchen der Karwoche von Gründonnerstag bis Karsamstag gehört es, dass ab Gründonnerstag in katholischen Gemeinden die Kirchenglocken schweigen. Mancherorts rufen dennoch die Ministranten mit ihren sogenannten Karfreitagsratschen die Gläubigen zu den Gottesdiensten.

Die traditionellen »Klapperkasten« sind große rechteckige Hohlkörper, an denen mehrere Hämmer an biegsamen Latten befestigt sind. Sie werden über eine Zahnwalze in Bewegung gesetzt, so dass sie nacheinander auf den Kasten schlagen und ein weithin hörbares ratterndes Geräusch erzeugen. Weitverbreitet sind auch die Klappern, bei denen durch kräftiges Schütteln ein Hammer beidseitig auf ein an einem Stiel angebrachtes Brett schlägt.

In katholischen Kirchen werden während der Kartage zum Zeichen der Trauer die Altäre verhängt und das ewige Licht gelöscht. In evangelischen Gemeinden ist es vielfach Brauch, am Karfreitag auf jedweden Altarschmuck zu verzichten. Gelegentlich schweigt an diesem Tag auch die Orgel. Andernorts kommt man in der Karwoche zu meditativen Passionsandachten zusammen oder lädt zur Aufführung der großen Passionsmusiken ein.

Auch strenges Fasten ist von altersher für die Karwoche belegt, wenngleich sich die Vorschriften im Laufe der Jahrhunderte mehr und mehr gelockert haben. In früheren Zeiten aß man tagsüber höchstens trockenes Brot. Warme Speisen gab es ohnehin nicht, da bis zum Karsamstag das Feuer im Herd gelöscht war.

Der Karfreitag gilt in der evangelischen Kirche als der höchste kirchliche Feiertag, an dem alle gewöhnliche Arbeit zu ruhen hat. In katholischen Gegenden wurden dagegen Blumenzwiebeln in den Boden gebracht und gesät, was nicht bis nach den Eisheiligen im Mai warten musste. Schließlich – so hieß es – sollte alles besonders gut gedeihen, was an diesem Tag in die Erde gebracht wurde.

Heike Michel



14/2009